Aktuelle Nachricht

„Lock­down light“ – State­ment zur aktu­el­len Situa­ti­on und zum lang­fris­ti­gen Erhalt der Ama­teur­thea­ter

// Berlin, 05.11.2020 //

Der Vor­hang zu, die Tore weit geschlos­sen: was in bis­he­ri­gen Jah­ren stets eine Hoch­sai­son der Spiel­zeit war, bleibt in die­sem Novem­ber Leer­stel­le. Auch die über 2.500 Ama­teur­thea­ter müs­sen alle Vor­stel­lun­gen für Novem­ber absa­gen und dar­über hin­aus ihren Pro­ben­be­trieb ein­stel­len. Nach expo­nen­ti­ell und hef­tig ange­stie­ge­nen deut­schen Infek­ti­ons­zah­len in der Sars-Covid 2- Pan­de­mie haben Regie­rung und die Ministerpräsident*innen in Deutsch­land Ende Okto­ber einen erneu­ten „Lock­down“ zur Ein­däm­mung der Infek­ti­ons­zah­len und zur Siche­rung der Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten in den Kran­ken­häu­sern beschlos­sen. Auch in vie­len ande­ren euro­päi­schen Län­dern haben Men­schen z. T. noch här­te­re Ein­schrän­kun­gen durch die Pan­de­mie zu bewäl­ti­gen. Sinn der stren­gen Rege­lun­gen, die vor­erst bis 30. Novem­ber gel­ten, ist die all­ge­mei­ne Redu­zie­rung von Kon­tak­ten. Schu­len und wirt­schaft­li­che Betrie­be sol­len offen gehal­ten wer­den, um allen Her­an­wach­sen­den Bil­dung mit Prä­senz­un­ter­richt zu ermög­li­chen und die Wirt­schaft vor einem zu star­ken Ein­bruch zu ret­ten.

Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V. (BDAT) unter­streicht die Not­wen­dig­keit die­ser Maß­nah­men und betont die Ver­ant­wor­tung aller Teile der Gesell­schaft, also auch der Ama­teur­thea­ter, zum best­mög­li­chen Gesund­heits­schutz und zur Prä­ven­ti­on in der Pan­de­mie­si­tua­ti­on soli­da­risch bei­zu­tra­gen. Dass sie dazu bereit sind, hat der ver­ant­wor­tungs­vol­le Umgang mit Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nun­gen und die Ent­wick­lung und Umset­zung von Hygie­nekon­zep­ten und den Anwei­sun­gen der VBG-Verordnungen zu Spiel- und Pro­ben­be­trieb über den Som­mer bereits gezeigt. Für viele der Thea­ter­schaf­fen­den im Ama­teur­thea­ter, die der BDAT ver­tritt, ist es trotz aller nach­voll­zieh­ba­ren ratio­na­len Grün­de zur Redu­zie­rung der Kon­tak­te eine emo­tio­nal ent­täu­schen­de Situa­ti­on. „Gera­de boten Ama­teur­thea­ter in ganz Deutsch­land nach dem Gesamt­lock­down im Früh­jahr über den Som­mer erfin­de­ri­sche und krea­ti­ve Ver­an­stal­tun­gen für Zuschau­er an, unter Ein­hal­tung von Hygie­nekon­zep­ten zum Gesund­heits­schutz von Mit­wir­ken­den und Publi­kum. Jetzt ist alles zu und der „Theater-online-Koffer“ mit alter­na­ti­ven digi­ta­len For­ma­ten muss wie­der aus­ge­packt wer­den.“, kom­men­tiert BDAT-Präsident Simon Isser die Situa­ti­on. „Dabei för­dert beson­ders Ama­teur­thea­ter als kul­tu­rel­ler Ort für Men­schen aus ver­schie­dens­ten Hin­ter­grün­den nicht nur gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und bil­det kul­tu­rell, son­dern dient auch der Zer­streu­ung, beför­dert für die Akti­ven sinn­haft emp­fun­de­nes Tun. Damit bie­tet es in unse­rer sich rasant durch die Pan­de­mie ver­än­dern­den Gesell­schaft per­spek­ti­visch einen Ort und ein ‚Ven­til‘ für Men­schen in der Kri­sen­si­tua­ti­on, bei­spiels­wei­se auch für Erwerbs­tä­ti­ge, die sich pan­de­mie­be­dingt in beruf­lich schwie­ri­gen Situa­tio­nen befin­den“, erwei­tert Vize­prä­si­den­tin San­dra Wirth den Blick auf die Poten­tia­le des Ama­teur­thea­ters.

Die gesam­te Kul­tur trifft die­ser „Lock­down light“ hart. Für die Kul­tur sind die erneu­ten Schlie­ßun­gen eine echte Kata­stro­phe.“, äußer­te Moni­ka Grüt­ters, Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur, in einer Stel­lung­nah­me am 30.10.2020, trotz Ver­ständ­nis­ses für die Not­wen­dig­keit der Maß­nah­men. Kul­tur sei «… das not­wen­di­ge Kor­rek­tiv in einer leben­di­gen Demo­kra­tie. Gera­de das macht sie natür­lich sys­tem­re­le­vant.» Der BDAT unter­stützt diese Aus­sa­ge der Staats­mi­nis­te­rin eben­so wie ihre For­de­run­gen, rasche Hil­fen für die Kul­tur und Krea­tiv­wirt­schaft zu eta­blie­ren, tra­gen doch mehr als 1,5 Mil­lio­nen Men­schen – häu­fig als Solo­selb­stän­di­ge – mehr als 100 Mil­li­ar­den Euro zum Brut­to­in­lands­pro­dukt bei. Auch in der Koope­ra­ti­on mit Ama­teur­thea­tern sind in der Regie, bei Gewer­ken, in der Fort­bil­dung oder in der Thea­ter­päd­ago­gik pro­fes­sio­nel­le selb­stän­di­ge Künstler*innen tätig, die durch die Pan­de­mie­fol­gen nun um ihre Exis­tenz ban­gen.

Den Lock­down im Früh­jahr 2020 konn­ten bis­her die meis­ten Ama­teur­thea­ter­büh­nen durch Ein­nah­men aus der letz­ten Spiel­zeit und durch gene­rell spar­sa­mes Wirt­schaf­ten auch in ande­ren Jah­ren mit per­sön­li­chem Ein­satz durch­ste­hen. Im Regel­fall refi­nan­zie­ren Ein­tritts­ein­nah­men, manch­mal ergänzt durch klei­ne­re Spon­so­ren­be­trä­ge, die pro­duk­ti­ons­be­zo­ge­nen und lau­fen­den Kos­ten der Ama­teur­thea­ter. Soll­ten pan­de­mie­be­dingt noch ein­mal meh­re­re Mona­te oder gar eine halbe Spiel­zeit für 2021 aus­fal­len, ste­hen Büh­nen und Frei­licht­büh­nen jedoch vor dem Aus. Hier for­dert der BDAT die Ver­ant­wort­li­chen in der Kul­tur­po­li­tik des Bun­des und spe­zi­ell der Län­der auf, trotz der viel­fäl­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen an Hilfe auch die Situa­ti­on der ehren­amt­lich geführ­ten Thea­ter im Auge zu behal­ten. Durch lang­fris­ti­ge, unbü­ro­kra­ti­sche und nach­hal­tig wirk­sa­me Unter­stüt­zung müs­sen Kulturminister*innen unab­hän­gig von Wahl­kämp­fen ein Büh­nenster­ben der Ama­teur­thea­ter durch die Pan­de­mie in Deutsch­land ver­hin­dern.

Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V. (BDAT)
Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V. (BDAT) ist einer der größ­ten Thea­ter­ver­bän­de Euro­pas und ver­tritt als öffent­lich aner­kann­ter und geför­der­ter Dach­ver­band für das orga­ni­sier­te deut­sche Ama­teur­thea­ter die Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der nach innen und außen, auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebene, in Poli­tik und Gesell­schaft. Rund 2.500 Thea­ter­ver­ei­ne aller Spar­ten der Dar­stel­len­den Küns­te haben sich über ihre jewei­li­gen Lan­des­ver­bän­de und Fach­ver­bän­de dem bun­des­wei­ten Dach­ver­band ange­schlos­sen. Zu den Mit­glie­dern im BDAT gehö­ren 16 Lan­des­ver­bän­de, der Ver­band Deut­scher Frei­licht­büh­nen e.V. (VDF) und die Arbeits­ge­mein­schaft Mundart-Theater Fran­ken e.V. sowie als kor­po­ra­ti­ve Mit­glie­der die Bun­des­ver­ei­ni­gung Kaba­rett e. V. und der Nie­der­deut­sche Büh­nen­bund Schleswig-Holstein. Thea­ter­grup­pen kön­nen über eine Mit­glied­schaft in den jewei­li­gen Landes- oder Fach­ver­bän­den die Ser­vice­leis­tun­gen des BDAT in Anspruch neh­men. Durch ihr bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment leis­ten über 120.000 Thea­ter­schaf­fen­de mit jähr­lich ca. 6.000 bis 8.000 Insze­nie­run­gen für über 6 Mil­lio­nen Zuschau­er einen wert­vol­len Bei­trag inner­halb der deut­schen Kul­tur­land­schaft und lie­fern dabei künst­le­ri­sche sowie gesell­schaft­li­che Impul­se.

Der BDAT ver­steht das Ama­teur­thea­ter als bedeut­sa­men Teil der Deut­schen Thea­ter­land­schaft. Er för­dert seine Mit­glie­der durch Aus- und Fort­bil­dung von Mul­ti­pli­ka­to­ren im künst­le­ri­schen und admi­nis­tra­ti­ven Bereich sowie durch kon­zep­tio­nel­les Vor­den­ken und inno­va­ti­ve Impul­se. Er leis­tet Arbeit für bestimm­te Ziel­grup­pen (z. B. Jugend­li­che, Senior*innen, Men­schen mit Behin­de­run­gen, Geflüch­te­te), schlägt Brü­cken zum pro­fes­sio­nel­len Thea­ter und unter­stützt seine Mit­glie­der in allen bun­des­weit bedeut­sa­men Verwaltungs- und Rechts­fra­gen. Außer­dem stößt er inter­na­tio­na­le Kon­tak­te an und koor­di­niert und bezu­schusst diese aus Mit­teln des Bun­des. Ziel ist es, die Qua­li­tät des Ama­teur­thea­ters wei­ter zu stär­ken. Dazu die­nen, neben fach­li­cher Bera­tung, Schu­lun­gen und Semi­na­re, inter­na­tio­na­le Fes­ti­vals und Spiel­be­geg­nun­gen im In- und Aus­land.

Der BDAT ist seit 2012 Trä­ger des genera­ti­ons­über­grei­fen­den Bun­des­frei­wil­li­gen­diens­tes „Kul­tur und Bil­dung 27plus“. Von 2013 bis 2017 agier­te er mit dem Kon­zept „Thea­ter für Alle!“ als Pro­gramm­part­ner bei „Kul­tur macht stark. Bünd­nis­se für Bil­dung“ in der För­de­rung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung. In der Aus­rich­tung von Ver­an­stal­tun­gen und Fes­ti­vals ver­fügt der BDAT über viel­fäl­ti­ge und lang­jäh­ri­ge Erfah­run­gen. Des Wei­te­ren hat der BDAT 2010 mit amarena den ers­ten dotier­ten bun­des­wei­ten deut­schen Thea­ter­preis für Ama­teur­thea­ter ins Leben geru­fen, der seit­dem alle zwei Jahre, ver­bun­den mit einem Preis­trä­ger­fes­ti­val, aus­ge­rich­tet wird. Der BDAT wird geför­dert durch die Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en und finan­ziert Akti­vi­tä­ten über Pro­jekt­zu­schüs­se sowie die Bei­trä­ge sei­ner Mit­glieds­ver­bän­de.

 

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