Kuratorium lobt „hohe künstlerische Qualität” und „tiefe soziale Wärme” sowie weitere nominierte Gruppen
Die Freilichtbühne Alfter aus Nordrhein-Westfalen wird mit dem 9. Deutschen Amateurtheaterpreis amarena ausgezeichnet, den der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) vergibt. Das Kuratorium lobte, die Bühne verbinde „hohe künstlerische Qualität mit einer tiefen sozialen Wärme und integrativen Kraft“. Damit trifft das Ensemble aus der Nähe von Bonn den Kern dessen, was den mit 2.000 Euro dotierten amarena-Preis 2026 auszeichnet: die besondere Mischung aus künstlerischer Qualität, sozialem Miteinander und gesellschaftlichem Engagement. Die Preisverleihung findet im September 2026 am Wirkungsort der Freilichtbühne Alfter statt.
Insgesamt hatten sich 118 Amateurtheaterbühnen um den vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderten amarena-Preis beworben. Im April nominierte das Kuratorium sieben Gruppen, die sich in einer Sitzung am 19. Mai noch einmal präsentieren konnten.
„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, da alle Nominierten die Besonderheit und Eigensinnigkeit des Amateurtheaters auf unterschiedlichste und wunderbare Weise sichtbar machen“, sagte Frank Grünert, Vorsitzender des Kuratoriums und BDAT-Vizepräsident. „In den Nominierungen trifft Kinder- und Jugendtheater auf Studierendenbühnen, Freilichttheater auf inklusive Theaterarbeit, eine Dorfgemeinschaft auf urbane Initiativen. Menschen mit Fluchterfahrungen begegnen Menschen, die seit Generationen vor Ort leben. Sehr gerne hätten wir alle sieben nominierten Gruppen und die faszinierende Vielfalt des Amateurtheaters, in die sie uns blicken lassen, ausgezeichnet. Wir bedauern, dass die finanziellen Gegebenheiten in der aktuellen kulturpolitischen Lage dies nicht zulassen. Das Engagement der Freilichtbühne Alfter hat uns alle sehr beeindruckt. Die Bühne trägt 2026 auch stellvertretend für die anderen Nominierten den Titel ‚Amateurtheater des Jahres‘“, so Grünert weiter.
In der Begründung des Kuratoriums zur Preisträgerschaft der Freilichtbühne Alfter heißt es: „Mit dem Konzept des Freilicht-Wandertheaters bricht die Bühne nicht nur räumliche Barrieren auf, sondern nutzt die Gegebenheiten der Natur als aktives dramaturgisches Element. Das Publikum wird buchstäblich mitgenommen, sodass Raum, Akteur*innen und Zuschauende zu einer temporären, lebendigen Gemeinschaft verschmelzen. Diese kontinuierliche, qualitätsorientierte Arbeitsweise hat über Jahre hinweg eine künstlerische Handschrift geformt, die hohen Ansprüchen an Bildgewalt und Erzähltiefe standhält. All das ergibt ein handwerklich präzises Kunstereignis und schafft zugleich einen Raum für gesellschaftliche Utopien.“
Darüber hinaus hob das Kuratorium den partizipativen Ansatz der Bühne hervor. Das Ensemble mit rund 80 aktiv Beteiligten denke Gemeinschaft „modern, divers und auf Augenhöhe“, insbesondere mit Blick auf Barrierefreiheit: „Menschen mit und ohne Behinderung, Profis und Amateur*innen spielen Seite an Seite. Um Sprachbarrieren abzubauen, ist die Simultanübersetzung in Gebärdensprache kein nachträgliches Beiwerk, sondern fester Bestandteil der künstlerischen Kommunikation.“
Folgende Gruppen wurden im April 2026 nominiert: bühnenfrei – Freies Theater Magdeburg, Sachsen-Anhalt │FestLand – Verein zur Förderung des kulturellen Lebens, Klein Leppin, Brandenburg │Freilichtbühne Alfter, Nordrhein-Westfalen │Schlosstheater Landin, Schwedt, Brandenburg │StudentenTheater der Universität Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern │Theater11bremen, Bremen │Theater Inklusiv Ludwigsburg, Baden-Württemberg
Zusätzlich zum amarena-Preis wurde 2026 der Sonderpreis amarena PLUS für Senior*innentheater ausgeschrieben. Diese vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Auszeichnung erhielt das Seniorenkabarett „‚Die Lüneburger‘ gepfeffert und gesalzen“ bereits im April. Die Gruppe gewann die Teilnahme am 37. Europäischen Senior*innentheater-Forum in Bad Staffelstein in Bayern im Herbst 2026.
Der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena wurde 2010 erstmals und danach alle zwei Jahre vom BDAT im Rahmen des amarena-Festivals vergeben, um hervorstechende Produktionen auszuzeichnen. Mit dem Preis setzte der BDAT die Empfehlung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestags um. Zur Ausschreibung 2026 wurde der Preis neu konzipiert und wird in Zukunft jährlich verliehen.
Mitglieder des Kuratoriums: Frank Grünert (Kuratoriumsvorsitzender und BDAT-Vizepräsident), Dominik Eichhorn (Bundesvereinigung für Kulturelle Kinder- und Jugendbildung), Hülya Karci (Theaterpädagogin), Melanie Gaug (Theaterpädagogin), Claudia Schoeppl (Theaterpädagogin), Bärbel Mauch (Vorsitzende des Verbands Deutscher Freilichtbühnen), Gifty Wiafe (Schauspielerin), nicht stimmberechtigt: Carolin Bossack (BKM), Stephan Schnell (BDAT), externes Mitglied bei der Preisträger*innenauswahl: Imke Bachmann (Kulturwissenschaftlerin)
Weitere Informationen inklusive vollständiger Begründung des Kuratoriums sowie Pressekit: http://www.bdat.info/amarena
Fotos aus dem Pressekit dürfen unter Angabe der jeweiligen Copyright- und Urheberinformationen verwendet werden.
Ansprechpartner:
Stephan Schnell: schnell@bdat.info // 0151 72123783
Gefördert von:
Förderhinweis:
Der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena wird vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Der Sonderpreis amarena PLUS wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unterstützt. Der BDAT dankt Herrn Per H. Lauke für seine großzügige Projektspende.