Freilicht-Wandertheater, Eis und Preis – amarena 2026!

Preisverleihung des 9. Deutschen Amateurtheaterpreises an die Freilichtbühne Alfter

Foto: Freilichtbühne Alfter e.V.

Bei schönstem Wetter hat die Freilichtbühne Alfter aus Nordrhein-Westfalen am vergangenen Samstag, den 5. September 2026, den 9. Deutschen Amateurtheaterpreis amarena entgegengenommen. Erstmalig reiste der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) zur Vergabe des vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderten amarena-Preises an den Wirkungsort der Preisträgergruppe, die im Mai 2026 aus sieben nominierten Bühnen ausgewählt worden war. Verbunden ist die Auszeichnung, um die sich 118 Amateurtheatergruppen bundesweit beworben hatten, mit einem Preisgeld von 2.000 Euro.

Mitten im Landschaftsschutzgebiet der Gemeinde Alfter bei Bonn beeindruckten die Engagierten der Freilichtbühne etwa 400 Zuschauer*innen mit einer amüsanten Freilicht-Wanderinszenierung von „Der Wind in den Weiden“. Das Publikum zog mit Klapphockern im Gepäck von Spielort zu Spielort und erlebte auf diesem Weg die abenteuerliche Reise der Protagonisten Maulwurf und Kröterich hautnah mit. Die Aufführung wurde von der Band der Freilichtbühne Alfter musikalisch untermalt und von lautem Kindergelächter und langem Applaus begleitet.

Im Anschluss an die Vorstellung fand die feierliche Preisverleihung statt, die Joslyn Reingen, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Alfter, mit einem Grußwort eröffnete. Sie freute sich außerordentlich, dass die Freilichtbühne ihrer Gemeinde als Preisträgergruppe ausgewählt worden war: „Denn wie uns eben die Figuren von ‚Der Wind in den Weiden‘ gezeigt haben, wird ein Abenteuer erst dann toll, wenn man es gemeinsam erleben kann. Und genau das passiert auf dieser Bühne. Theater wird hier nicht nur gespielt; es wird gemeinsam erlebt, getragen und gestaltet. Und das von so vielen Menschen.“

Auch Simon Isser, Präsident des Bundes Deutscher Amateurtheater, zeigte sich beeindruckt von dem Gemeinschaftsgeist der rund 80 Engagierten und betonte den Beitrag, den Amateurtheater wie die Freilichtbühne Alfter mit ihrer Passion und ihrem Engagement für eine demokratische Gesellschaft leisten: „Mit dem amarena-Preis zeichnen wir 2026 keine einzelne herausragende Produktion aus – auch wenn wir heute Nachmittag wirklich ein großartiges Stück sehen durften. Nein, der 9. Deutsche Amateurtheaterpreis steht 2026 – in einer Zeit multipler Krisen, zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und antidemokratischer Strömungen – erstmalig für die besondere Verbindung aus künstlerischer Qualität, sozialem Miteinander und gesellschaftlichem Engagement. Und ich persönlich habe den Eindruck, dass wir hier heute in Alfter an einem Ort und bei einem Ensemble gelandet sind, an dem genau diese Qualitäten durch und durch gelebt werden.“ Besonders passend war aus Issers Sicht daher auch, dass die Preisvergabe zeitlich im Rahmen der Kampagne „Engagement macht stark!“ des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement stattfand.

Bevor Kuratoriumsmitglied und Schauspielerin Gifty Wiafe den mit 2.000 Euro dotierten Preis an Peter Esser, Vorstandsmitglied der Freilichtbühne Alfter, überreichte, stellte sie in ihrer Laudatio die besondere Arbeitsweise und den inklusiven Ansatz der Freilichtbühne Alfter heraus, die zur Entscheidung des Kuratoriums geführt hatten: „‚Alle dürfen mitmachen.‘ – Dieser Satz ist bei der Freilichtbühne Alfter keine bloße Einladung. Er ist Haltung. Und er wird gelebt. Gemeinschaft wird hier modern, divers und auf Augenhöhe gedacht. Die generationsübergreifende Arbeit lässt die Begeisterung der Jüngsten organisch mit der Erfahrung der Älteren verschmelzen, ohne dabei in traditionelle, klischeebehaftete Familienbilder zu verfallen.“ Neben ihrem Engagement für Barrierefreiheit habe die Freilichtbühne Alfter außerdem, so betonte Wiafe, über die Jahre eine künstlerische Handschrift entwickelt, „die hohen Ansprüchen an Bildgewalt und Erzähltiefe standhält“.

Zum Abschluss hielt Mareike Osenau, Vorstandsmitglied der Freilichtbühne Alfter, eine fröhliche und ergreifende Dankesrede, in der sie unter anderem die Sichtbarkeit betonte, die mit der Auszeichnung durch den amarena-Preis einhergeht: „Wir hätten auch ohne diesen Preis weiter das gemacht, was wir hier machen. Aber durch diese Auszeichnung schauen nun Menschen auf unsere Arbeit, die uns vorher nicht kannten. Und wenn wir dadurch noch ein paar mehr Menschen mit auf unsere Wanderschaft nehmen können – als Publikum, als Mitgestaltende, als Unterstützende oder vielleicht einfach mit der Idee irgendwo selbst etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen – dann ist das für uns ein riesiges Geschenk.“

Bevor das von der Freilichtbühne Alfter regelmäßig praktizierte „Kühltaschen-Treffen-Deluxe“, ein reichhaltiges, buntes Mitbringbuffet, die Feier einleitete, sangen die Engagierten zusammen mit dem Publikum und den Vertreter*innen des BDAT, des Verbands Deutscher Freilichtbühnen, der Gemeinde Alfter sowie Dr. Stefanie Jenkner, die für das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen anwesend war, noch den Refrain des Abschlusslieds aus der Inszenierung, das die Werte und die Haltung der Preisträgergruppe auf den Punkt brachte: „Jeder und ich und Du gehört zu uns dazu, weil uns Frieden wichtig ist. Gemeinsam sind wir stark und die Gemeinschaft mag, Dich genauso wie Du bist“, hieß es darin. Der stellvertretende CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvorsitzende Norbert Röttgen, der den Wahlkreis der Gemeinde Alfter im Bundestag vertritt, gratulierte der Freilichtbühne in einem schriftlichen Grußwort.  

Der laue Sommerabend mitten in der Natur klang schließlich bei geselligen Gesprächen, Tanzeinlagen zu dem populären Song „Gut genug“ und köstlichem Amarena-Eis aus.

Fotos: Freilichtbühne Alfter e.V. 

Der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena wurde 2010 erstmals und danach alle zwei Jahre vom BDAT im Rahmen des amarena-Festivals vergeben, um hervorstechende Produktionen auszuzeichnen. Mit dem Preis setzte der BDAT die Empfehlung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestags um. Zur Ausschreibung 2026 wurde der Preis neu konzipiert und wird in Zukunft jährlich verliehen.

Zusätzlich zum amarena-Preis wurde 2026 der Sonderpreis amarena PLUS für Senior*innentheater ausgeschrieben. Diese vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Auszeichnung erhält das Seniorenkabarett „‚Die Lüneburger‘ gepfeffert und gesalzen“. Die Gruppe gewinnt die Teilnahme am 37. Europäischen Senior*innentheater-Forum im November 2026 in Bad Staffelstein.

Zur Entwicklung des Preises hat das ehrenamtliche Kuratorium unter dem Vorsitz des BDAT-Vizepräsidenten Frank Grünert ein Statement veröffentlicht, in dem es Anerkennung und zukunftssichernde Förderung für das Amateurtheater als Wirkungsstätte der Zivilgesellschaft fordert: Statement des Kuratoriums 2026

Mitglieder des Kuratoriums: Frank Grünert (Kuratoriumsvorsitzender und BDAT-Vizepräsident), Dominik Eichhorn (Bundesvereinigung für Kulturelle Kinder- und Jugendbildung), Hülya Karci (Theaterpädagogin), Melanie Gaug (Theaterpädagogin), Claudia Schoeppl (Theaterpädagogin), Gifty Wiafe (Schauspielerin), nicht stimmberechtigt: Carolin Bossack (BKM), Stephan Schnell (BDAT), externes Mitglied bei der Preisträger*innenauswahl: Imke Bachmann (Kulturwissenschaftlerin)

Weitere Informationen, Pressemitteilungen zum Auswahlprozess sowie Pressekit zur Preisvergabe: https://bdat.info/amarena

Fotos aus dem Pressekit dürfen unter Angabe der jeweiligen Copyright- und Urheberinformationen verwendet werden.

Förderhinweis:

Der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena wird vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Der Sonderpreis amarena PLUS wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unterstützt. Der BDAT dankt Herrn Per H. Lauke für seine großzügige Projektspende.

Zum BDAT:
Der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) ist einer der größten Interessenverbände für die Darstellenden Künste in Europa. Er wurde 1892 in Berlin gegründet und vertritt unter dem Motto „Theater ist Leben!“ das deutsche Amateurtheater auf nationaler und internationaler Ebene in Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft. 17 Mitgliedsverbände mit rund 2.500 Theaterensembles aller Generationen in allen Bundesländern sind dem BDAT angeschlossen.