Statement des amarena-Kuratoriums zum 9. Deutschen Amateurtheaterpreis

Künstlerisch. Sozial. Nachhaltig engagiert. Amateurtheater ist unersetzbar!

Wir fordern: Anerkennung und zukunftssichernde Förderung für das Amateurtheater als Wirkungsstätte der Zivilgesellschaft!

Über 100 Bühnen aus ganz Deutschland haben sich 2026 für den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena beworben. Die Vielfalt der Bewerbungen zeigt eindrucksvoll, was Amateurtheater heute leistet: kulturell, gesellschaftlich und demokratisch. So wird die Auszeichnung amarena für die besondere Leistung in der Verbindung von künstlerischer Qualität, sozialräumlicher Gestaltung und gesellschaftlichem Engagement verliehen.

Das Kuratorium nominierte sieben Bühnen, die beispielhaft für diese enorme Bandbreite stehen. Dabei trifft Freilichttheater auf inklusive Theaterarbeit, Kinder- und Jugendtheater auf Studierendenbühnen, Dorfgemeinschaften auf urbane Initiativen. Zugewanderte Menschen begegnen Menschen, die seit Generationen vor Ort leben. Tradition begegnet Gegenwart. Kunst begegnet Alltag.

Amateurtheater ist kein Randphänomen. Es ist kulturelle Infrastruktur.

Gerade dort, wo kulturelle Angebote schwinden, wo Einsamkeit wächst und gesellschaftlicher Zusammenhalt brüchig wird, schafft Amateurtheater Räume der Begegnung. Es ermöglicht kulturelle Teilhabe in strukturschwachen Regionen, eröffnet Zugänge zu kultureller Bildung und stärkt Selbstwirksamkeit und demokratische Erfahrung. Generationen kommen miteinander ins Gespräch. Unterschiedliche Lebensrealitäten treffen aufeinander. Gesellschaft wird hier nicht abstrakt verhandelt, sondern konkret gelebt.

Dass dies gelingt, ist keineswegs selbstverständlich. Die Arbeit vieler Amateurtheater entsteht im Ehrenamt, manchmal auch in Zusammenarbeit mit freiberuflich Theaterschaffenden, häufig unter prekären Bedingungen. Gleichzeitig geraten kulturelle Förderstrukturen zunehmend unter Druck. Kommunen verweisen auf Pflichtaufgaben, während freiwillige kulturelle Leistungen gekürzt werden. Landes- und Bundesförderungen stagnieren trotz Inflation und steigender Kosten. Die Folge ist eine schleichende Aushöhlung kultureller Infrastruktur – gerade dort, wo sie gesellschaftlich besonders wirksam ist.

Auch der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) ist von Kürzungen betroffen.

Die institutionelle Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien stagniert seit Jahren – trotz inflationsbedingter Kostensteigerungen und wachsender Anforderungen an Verbands- und Projektarbeit. Diese Entwicklung erschwert nicht nur die Arbeit des Dachverbandes, sondern trifft letztlich die vielen engagierten Bühnen vor Ort.

Die Auswirkungen werden sichtbar: Der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena musste 2026 seine bisherige Preisstruktur verändern und sich durch eine Neukonzeption über Wasser halten. Aus fünf Auszeichnungen zu je 2.000 Euro, verbunden mit einem mehrtägigen Preisträgerfestival als künstlerischer Begegnungsraum, wurde ein einzelner Preis und ein Sonderpreis für ein Senior*innentheater. Eine Entscheidung, die nicht Ausdruck geringerer Qualität oder geringerer Relevanz ist, sondern unmittelbare Folge kulturpolitischer Rahmenbedingungen.

Das Kuratorium möchte dies nicht unkommentiert hinnehmen.

Denn in den Bewerbungen zeigte sich kein Rückzug, kein Resignieren und kein „Kopf-in-den-Sand-Stecken“. Sichtbar wurden jahrzehntelange Theatertraditionen, mutige künstlerische Handschriften und ein außergewöhnliches, nachhaltiges gesellschaftliches Engagement. Sichtbar wurden Bühnen, die Menschen eine Stimme geben, die sonst oft übersehen werden. Sichtbar wurde Kunst, die verbindet, irritiert, stärkt und bewegt.

Amateurtheater bewahrt kulturelles Erbe und entwickelt zugleich neue Formen künstlerischer Praxis. Volks- und Mundarttheater stehen neben Performance, Tanz, Puppen- und digitalem Theater. Regionale Geschichte trifft internationale Begegnung. Amateurtheater ist Traditionsraum und Zukunftslabor zugleich.

Gerade deshalb ist es ein alarmierendes Signal, wenn Amateurtheater zunehmend darum kämpfen muss, überhaupt arbeitsfähig zu bleiben, anstatt sich künstlerischer Entwicklung und Qualitätsdiskursen widmen zu können. Wo kulturelle Arbeit dauerhaft unterfinanziert bleibt, gerät nicht nur Kunst unter Druck – sondern auch gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Die Bedeutung des Amateurtheaters darf nicht länger unterschätzt werden.

Es ist vor Ort. Im Stadtteil, in ländlichen Regionen, und dort, wo sonst oft „nichts“ mehr ist. Dort, wo Gemeinschaft entsteht. Dort, wo Ankommen Begleitung braucht. Dort, wo Menschen Verantwortung für ihre Theaterkunst und füreinander übernehmen. Dort, wo Demokratie im Kleinen eingeübt wird.

Deshalb fordern wir:

  • mehr kulturpolitische Anerkennung für Amateurtheater als tragende Säule der Zivilgesellschaft und der Theaterlandschaft,
  • mehr Sichtbarkeit für seine künstlerische und soziale Leistung,
  • eine nachhaltige finanzielle Absicherung der Amateurtheaterstrukturen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene,
  • sowie zukunftsfähige, verlässliche Förderbedingungen für den Bund Deutscher Amateurtheater und seine Mitgliedsbühnen.

Gerade wegen der kulturpolitisch angespannten, gesellschaftlich herausfordernden Zeit wollen wir als amarena-Kuratorium Dank und Glückwünsche aussprechen: Wir danken allen Bewerber*innen des Deutschen Amateurtheaterpreises amarena 2026 für ihre beeindruckende Arbeit. Wir gratulieren allen Nominierten zu ihrer außergewöhnlichen Arbeit. Und wir sind begeistert, die Freilichtbühne Alfter 2026 als erstes Amateurtheater mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis amarena in der Neukonzeption auszeichnen zu dürfen.

Das amarena-Kuratorium 2026