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„Rück­kehr der Kunst zum Leben bitternötig“

Abschlussfoto zur amarena-Gala

Foto Nori­na Keßler

7. Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis an vier Orten ver­ge­ben // 12.000 Euro für 6 Ensembles

// Berlin/Pforzheim/Essen/Gotha/Quedlinburg, 25.09.2022 //

„Die Rück­kehr der Kunst zum Leben hat­ten wir alle nach Coro­na bit­ter­nö­tig“, das erklär­te Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Clau­dia Roth in ihrer Gruß­bot­schaft zur Gala und Preis­ver­lei­hung des Deut­schen Ama­teur­thea­ter­prei­ses amarena. Die Kraft, die durch die Rück­kehr der Kunst ins Leben ent­stan­den ist, spieg­le sich auch in den Stü­cken wider und der Preis unter­strei­che die künst­le­ri­sche und zivil­ge­sell­schaft­li­che Bedeu­tung der Ama­teur­thea­ter­sze­ne in unse­rem Land“, führ­te die Schirm­her­rin aus. Das Fes­ti­val wurde vom 22.-24. Sep­tem­ber zeit­gleich an vier Orten aus­ge­rich­tet: in Essen, Gotha, Pforz­heim und Qued­lin­burg. Die Gala mit Preis­ver­lei­hung fand am Sams­tag, 24. Sep­tem­ber, in Pforz­heim statt. Wäh­rend der Ver­an­stal­tung wurde digi­tal zu allen gast­ge­ben­den Büh­nen und den Preisträger*innen geschaltet.

Der Prä­si­dent des Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) Simon Isser ver­wies im Rah­men der Gala auf die vie­len Her­aus­for­de­run­gen, die spal­tend in unse­re Gesell­schaft hin­ein­wir­ken und beton­te das Ver­bin­den­de und die Stär­ken des künst­le­ri­schen Dia­logs im Ama­teur­thea­ter. Im Kon­text der aktu­el­len Welt­la­ge ver­wies er zudem auf die inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen des BDAT und beton­te, dass der Ver­band fest an der Seite sei­ner Freund*innen stehe.

Fünf Prei­se und ein Son­der­preis, ver­bun­den mit einem Preis­geld von je 2.000 Euro wur­den vor gro­ßem Publi­kum mit Gäs­ten aus Poli­tik, Wirt­schaft und Kul­tur ver­ge­ben. Petra Olschow­ski, Staats­se­kre­tä­rin im Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst in Baden-Württemberg, über­brach­te ihre Glück­wün­sche im Kul­tur­haus Oster­feld in Pforz­heim. Sie stell­te her­aus, dass gera­de das Ama­teur­thea­ter nahe am Men­schen sei. Zudem ermu­tig­te die Staats­se­kre­tä­rin dazu, für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung im Ehren­amt junge Men­schen ernst zu neh­men und sie stär­ker in Kul­tur und Poli­tik zu integrieren.

Die Staats­se­kre­tä­rin über­reich­te den amarena Award und die Urkunde gemeinsam mit der Juryvorsitzenden Dr. Birte Werner an den Amateurtheaterverein Pforzheim, der im Kulturhaus Osterfeld beheimatet ist. Der Verein erhielt den Preis in der Kategorie „#wirwerdenwieder – Wirken eines Amateurtheaters in Zeiten der Pandemie“. Mit vielen Aktionen, analog und digital, regional und international, blieben die Mitglieder in der Zeit der Pandemie in Verbindung, entwickelten neue Formen des künstlerischen Dialogs und förderten den Zusammenhalt.

Kri­sen über­ste­hen, den All­tag gestal­ten, Nähe und Inti­mi­tät zulas­sen. Darum geht es in der aus­ge­zeich­ne­ten Insze­nie­rung „Par­al­le­le Wel­ten – Mixed Cou­ples“, das mit Frau­en und Män­nern vie­ler Natio­na­li­tä­ten unter dem Dach der Büh­nen und Orches­ter der Stadt Bie­le­feld insze­niert wurde. Schrei­bend, tan­zend und spie­lend erzählt das Ensem­ble über soge­nann­te „Mixed Cou­ples“ und gibt Ein­blick in migran­ti­sche und post­mi­gran­ti­sche Per­spek­ti­ven und Her­aus­for­de­run­gen. Für ihre atmo­sphä­risch dich­te Sze­nen­col­la­ge, prä­sen­tiert bei der Studio-Bühne Essen, erhielt die Grup­pe den Preis in der Kate­go­rie „Dar­stel­len­de Künste“.

Wie ein inno­va­ti­ves Zoom-Theaterstück mit klas­si­schem Thea­ter­stoff funk­tio­nie­ren kann, das zeig­te die Thea­ter­grup­pe Süd-München mit ihrer Insze­nie­rung „Faust I – Wal­pur­gis­nacht Teil 1 & 2“. Mit selbst ent­wi­ckel­ten Tech­ni­ken, beein­dru­cken­den Mas­ken und viel Spiel­freu­de pro­du­zier­te sie eine leben­di­ge Insze­nie­rung und ver­wan­del­te das Home­of­fice zum genuss­vol­len Kul­tur­ort. Für das Fes­ti­val prä­sen­tier­te die Grup­pe das Stück erst­mals live. Gespielt wurde in den Neben­räu­men des Kul­tur­hau­ses und von dort wur­den die Sze­nen als Zoom-Performance in den Thea­ter­saal über­tra­gen. Die Grup­pe erhielt den Preis in der Kate­go­rie „Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie.“

Mit einem Video-Grußwort wür­dig­te Bun­des­se­nio­ren­mi­nis­te­rin Lisa Paus die Preisträger*innen in der Kate­go­rie „Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen“. Sie beton­te: „Senior*innen machen echt gutes Thea­ter!“. Geehrt wur­den die Dar­stel­le­rin­nen im fun­da­ment / art der stadt e. V. in Gotha für die bewe­gen­de Insze­nie­rung „Bevor wir gehen“. „Senior*innen spie­len ihr Poten­ti­al aus, ihre Lebens­er­fah­rung und sie beein­dru­cken junge Genera­tio­nen“, beton­te die Minis­te­rin. 20 Frau­en aus drei Genera­tio­nen erar­bei­te­ten die Eigen­pro­duk­ti­on. Der bio­gra­phisch gepräg­te Plot, ein­fühl­sam mit Licht und Bild­tech­nik in Szene gesetzt, nimmt Bezug auf das Leben von damals und heute, auf Kriegs­er­in­ne­run­gen, alte Rol­len­bil­der und Emanzipation.

Exem­pla­risch für star­kes und am Puls der Zeit insze­nier­tes Thea­ter steht JuBO – Jugend­büh­ne – Junge Bühne Ost­fil­dern. Ihr Solo­stück Ele­fan­ten­PO­LO von Peter Klu­sen rückt das Thema häus­li­cher Gewalt ins Zen­trum. Drei Jugend­li­che über­nah­men zu unter­schied­li­chen Spiel­zei­ten die­sen Solo­part. Die ein­drucks­vol­le dar­stel­le­ri­sche Leis­tung, die fein­füh­li­ge Regie und auch das her­aus­for­dern­de Thema, das gera­de in Zei­ten der Pan­de­mie mehr Beach­tung ver­die­ne, hat­ten die Jury beson­ders beein­druckt. JuBO ist ein von Jugend­li­chen eigen­ver­ant­wort­lich geführ­ter Ver­ein. Gast­ge­ber der Grup­pe war die Bühne7 in Quedlinburg.

Mit dem Son­der­preis des Thea­ter­le­ben e. V. wurde die Junge Thea­ter­aka­de­mie Offen­burg in der Kate­go­rie „#connect- Ama­teur­thea­ter ver­bin­det“ geehrt. Eine 10-jährige Schü­le­rin und eine 82-jährige Rent­ne­rin füh­ren in die­ser Pro­duk­ti­on als Spre­che­rin­nen durch die mul­ti­me­dia­le Audio­tour „Kilo­me­ter X“. An sechs unge­wöhn­li­che Orte führt die inter­ak­ti­ve Tour, dabei geben 28 Men­schen Ein­blick in ihr Leben. Die Zuschauer*innen wer­den inter­ak­tiv in die Pro­duk­ti­on ein­ge­bun­den. Die Insze­nie­rung zeige, wie viel­fäl­tig die Ver­bin­dun­gen sind, die Ama­teur­thea­ter bewir­ken kann: zwi­schen Genera­tio­nen, zwi­schen Thea­ter­for­men, zwi­schen Orten, zwi­schen Unbe­kann­ten, stell­te die Lau­da­to­rin Dr. San­dra Wirth heraus.

Die Gala, prä­sen­tiert von Mar­tin Bret­schnei­der, war nicht nur eine Preis­ver­lei­hung, sie gab auch Raum für State­ments und Dia­log. Zur Bedeu­tung von Ama­teur­thea­ter im Kon­text von Kul­tu­rel­ler Bil­dung beton­te die Jury­vor­sit­zen­de Dr. Birte Wer­ner, dass Teil­ha­be mehr sei als Teil­nah­me. Mit­wir­ken, Mit­ge­stal­ten, das sei wich­tig. Sie ver­wies damit auch auf das große Poten­ti­al des Ama­teur­thea­ters, das beim dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb sicht­bar gewor­den sei.

„Der dies­jäh­ri­ge Deut­sche Ama­teur­thea­ter­preis amarena war beson­ders geprägt von der Coro­na­zeit, von digi­ta­len und hybri­den Ein­flüs­sen, die neue Thea­ter­for­ma­te und The­men her­vor­brach­ten. Mehr als je zuvor haben sich bei die­sem Wett­be­werb Men­schen aus unter­schied­lichs­ten Kul­tu­ren betei­ligt, was die Viel­falt und das Inspi­rie­ren­de des Ama­teur­thea­ters ein­drucks­voll ver­stär­ke“, sagte der künst­le­ri­sche Fes­ti­val­lei­ter Frank Grünert zum Abschluss.

Beim dies­jäh­ri­gen Fes­ti­val stand auch das Thema „Demo­kra­tie und Dia­log“ zur Debatte.
Im Gespräch mit Men­schen der Lebens­hil­fe Lüneburg-Harburg wurde über For­men und Mög­lich­kei­ten der Teil­ha­be von Men­schen mit Behin­de­run­gen im Ama­teur­thea­ter dis­ku­tiert. Eine Prä­sen­ta­ti­on von par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­jek­ten im Rah­men der amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung gab wei­te­re Ein­bli­cke in das Thema.

Die Mit­glie­der der Preis­ju­ry amarena 2022: Dr. Birte Wer­ner (Juryvorsitz/Leiterin des Zen­trums für Kul­tu­rel­le Teil­ha­be Baden-Württemberg), Frank Grünert (Künst­le­ri­scher Lei­ter amarena/BDAT-Vizepräsident), Juli­an Bau­feldt (Kura­to­ri­ums­mit­glied amarena, BAG Spiel und Thea­ter), Isa Kath­rin Edel­hoff (Refe­ren­tin für Thea­ter und Tanz, BKM), Domi­nik Eich­horn (Bil­dungs­re­fe­rent BDAT), Ste­fa­nie Gute­kunst (FB Thea­ter­päd­ago­gik, Kul­tur­haus Oster­feld), Dr. Mar­cus O. Klein (Kura­to­ri­ums­mit­glied amarena), Billie-Marie Wempe (Kul­tur­ma­na­ge­rin Som­mer­blut­fes­ti­val Multipolarkultur).

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Festival:
Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis 2022 » Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT)

Die Ver­an­stal­tun­gen wur­den zum Teil auf­ge­zeich­net und sind über You­Tube abruf­bar hier:
Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter – YouTube

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