Amarena

Inno­va­ti­ons­för­de­rung

Ziel die­ser För­de­rung ist es, neue Model­le des Ama­teur­thea­ters und inno­va­ti­ve Ansät­ze zu unter­stüt­zen und Thea­ter­grup­pen zu moti­vie­ren, z. B. neue Koope­ra­ti­ons­mo­del­le zu ent­wi­ckeln oder künst­le­ri­sche Expe­ri­men­te zu wagen. Bezu­schusst wer­den zeit­lich befris­te­te Theater- und Tanz­pro­jek­te, die neue Praxis- und Akti­ons­for­men im Ama­teur­thea­ter erpro­ben. Die För­de­rung, vom Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V., soll die Ent­wick­lung von Ama­teur­thea­tern hin zu inno­va­ti­ven Arbeits­wei­sen unter Berück­sich­ti­gung künst­le­ri­scher Gesichts­punk­te unter­stüt­zen und so Ent­wick­lungs­im­pul­se setzen.

In die­sem Jahr lag der För­der­schwer­punkt der amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2021 auf „Aus­stat­tung“. Bewer­ben konn­ten sich Theater-, Tanz und Per­for­mance­pro­jek­te, die neue Praxis- und Akti­ons­for­men im Ama­teur­thea­ter erpro­ben. Aus­ge­wählt wur­den Kon­zep­te im Bereich Kostüm- und Bühnenbild sowie Maske. Ins­ge­samt erreich­ten uns 49 Bewer­bun­gen aus dem gesam­ten Bundesgebiet.

„EMB*RACE your Crown* – die Krone Bleibt auf!“ // L​ukulule (Hamburg)

In dem Recherche- und Per­for­mance­pro­jekt „EMB*RACE your Crown* – die Krone Bleibt auf!“ (Luku­lu­le) set­zen sich zehn junge Ham­bur­ge­rin­nen mit der Kolo­ni­al­ge­schich­te aus­ein­an­der. Neben dem for­schen­den Blick auf die Ver­gan­gen­heit und dem Fokus auf weib­li­che Vor­bil­der im anti­ko­lo­nia­len Wider­stand, wol­len die Teil­neh­me­rin­nen auch den Sta­tus quo, die eige­nen Bio­gra­fien und die per­sön­li­che Lebens­wirk­lich­keit, befra­gen. Für die Aus­stat­tung des Pro­jek­tes wol­len sich die Thea­ter­schaf­fen­den mit den Geschich­ten von zehn (west-)afrikanischen Köni­gin­nen aus­ein­an­der­set­zen und sich dabei auf die Suche nach indi­vi­du­el­len Mate­ria­li­en, Sym­bo­len, Far­ben und Klei­dungs­stü­cken bege­ben. Das Pro­jekt möch­te gleich­sam the­ma­ti­sie­ren, dass die Haare und Fri­su­ren schwar­zer Frau­en eine wich­ti­ge kul­tu­rel­le Bedeu­tung tra­gen und nach wie vor hoch­po­li­tisch sind. „Haare sind mit Kro­nen gleich­ge­stellt“, heißt es in den Aus­füh­run­gen der Pro­jekt­be­schrei­bung und sozu­sa­gen auch als Sub­text des Titels, der zugleich ein State­ment ist: Embrace your Crown!

Ganz im Sinne der amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung wird die Aus­stat­tung in die­sem Kon­zept zu einem zen­tra­len Ele­ment der the­ma­ti­schen Ver­hand­lung und der künst­le­ri­schen Umset­zung. Eine Beson­der­heit ist zudem, dass sich die Thea­ter­schaf­fen­den der Umset­zung des Masken- und Kos­tüm­bil­des aus einer afro­fu­tu­ris­ti­schen Per­spek­ti­ve nähern wol­len, d. h., dass tra­dier­te Ele­men­te adap­tiert und durch futu­ris­ti­sche Ele­men­te und Mate­ria­li­en erwei­tert und ver­än­dert wer­den. Diese Her­an­ge­hens­wei­se ist mutig und pro­gres­siv und in gewis­ser Weise auch ein Sinn­bild für die star­ke Pro­jekt­struk­tur, die den Blick auf die Ver­gan­gen­heit mit der jugend­li­chen Gegen­warts­per­spek­ti­ve ver­eint. Auf diese Art und Weise mit den Ele­men­ten des Masken- und Kos­tüm­bil­des zu arbei­ten, lässt sich nicht zuletzt als künstlerisch-kreativer Aktio­nis­mus ver­ste­hen, der übri­gens auch nicht an einem belie­bi­gen Ort, son­dern aus­ge­rech­net im Alto­na­er Muse­um eine Bühne findet.

Ein wei­te­rer Aspekt, den das Kura­to­ri­um her­aus­stel­len und unter­stüt­zen möch­te, ist die Hoff­nung der Initiator*innen, zum Empower­ment jun­ger Frau­en bei­zu­tra­gen sowie Forschungs- und Ver­mitt­lungs­for­ma­te zu erpro­ben, die sich (post-)kolonialen Dis­kur­sen und nicht zuletzt ras­sis­mus­kri­ti­scher Thea­ter­ar­beit widmen.

 Julian Baufeldt (amarena Kuratoriumsmitglied)

Lumpen! Papier! // Theater unter der Dauseck Oberriexingen (Baden-Württemberg)

Ganz gezielt sol­len im Rah­men die­ses Pro­jek­tes Aus­stat­tun­gen (Kostüm- und Büh­nen­bild, Maske sowie Film, Licht & Ton) geför­dert wer­den. Das Ensem­ble wagt einen Thea­ter­spa­zier­gang im öffent­li­chen Raum, der beson­ders Men­schen mit weni­gen Erfah­run­gen in der Rezep­ti­on von Thea­ter einen außer­ge­wöhn­li­chen Zugang bie­tet. In dem Pro­jekt wir­ken Kin­der und Jugend­li­che mit, aber auch älte­re Men­schen mit und ohne Behin­de­rung und unter­schied­lichs­ter Profession.

Eine leben­di­ge Thea­ter­welt ent­steht ins­be­son­de­re durch die Kos­tü­mie­rung von rea­len Figu­ren sowie Natur­we­sen (Neck, Nixe, Müh­len­wicht), wobei gro­ßer Wert auf die Krea­ti­vi­tät gelegt wird, unter Berück­sich­ti­gung von Gestal­tungs­ele­men­ten, die auf die jewei­li­gen Figu­ren bezo­gen sind.

Koope­ra­ti­ons­part­ner ist die Ludwig-Heyd-Schule Mark­grö­nin­gen. Hier wer­den in der vier­ten Klas­se, im Rah­men des Kunst­un­ter­rich­tes und unter Anlei­tung einer pro­fes­sio­nel­len Bühnen- und Kos­tüm­bild­ne­rin, Papier­ob­jek­te her­ge­stellt, die als Requi­si­te im Stück zum Ein­satz kom­men. In den Räum­lich­kei­ten der VR-Bank Asperg-Markgröningen ist eine Foto­do­ku­men­ta­ti­on des Pro­jekts vorgesehen.

Jürgen Peter (amarena Kuratoriumsmitglied)

Herr der Fliegen (AT) // The Beautiful Minds (Köln, Nordrhein-Westfalen)

Das gemein­nüt­zi­ge Thea­ter­kol­lek­tiv The Beau­ti­ful Minds nutzt Wil­liam Gol­dings Roman „Herr der Flie­gen“ als Aus­gangs­punkt für die Ent­wick­lung einer inter­ak­ti­ven Thea­ter­per­for­mance mit Jugend­li­chen im Köl­ner Kul­tur­zen­trum Odo­ni­en. Gemein­sam mit den Teil­neh­men­den soll die These erkun­det wer­den, ob der Mensch von Natur aus böse ist und sich das Recht des Stär­ke­ren durch­setzt, sobald die Regeln einer Zivi­li­sa­ti­on außer Kraft gesetzt wer­den. Dabei wird die Hand­lung in die noch unge­wis­se Zukunft der Jugend­li­chen verlegt.

Die über­zeu­gen­de Gesamt­kon­zep­ti­on sieht eine Ein­bin­dung der jun­gen Men­schen in allen krea­ti­ven Berei­chen der Pro­duk­ti­on vor und för­dert dadurch ihre per­sön­li­chen, sozia­len und ästhe­ti­schen Fähig­kei­ten. Die Jugend­li­chen  brin­gen nicht nur ihre eige­nen Bio­gra­fien ein, son­dern erar­bei­ten auch in Work­shops unter fach­li­cher Anlei­tung Vide­os, Ton­auf­nah­men und die futu­ris­ti­sche Aus­stat­tung. Die so ent­ste­hen­den indi­vi­du­el­len Kos­tü­me wer­den die ein­zel­nen Geschich­ten der Teil­neh­men­den wider­spie­geln und grei­fen gleich­zei­tig den Gedan­ken einer Welt von mor­gen auf.

Manuela Morlok (amarena Kuratoriumsmitglied)

Grashüpfer und Wal haben einen Plan // Theater-  und Kulturwerkstatt Haldern (Rees, Nordrhein-Westfalen)

Das Beson­de­re der Theater- und Kul­tur­werk­statt Hald­ern ist die Band­brei­te der betei­lig­ten Akteur*innen. Alt und Jung, Kin­der­gar­ten­kin­der sowie Men­schen mit und ohne Behin­de­rung gehen ihrem gemein­sa­men Hobby – Thea­ter­spiel, Musik und Aus­drucks­tanz – nach. Beson­ders ist hier die Über­set­zung in Gebär­den­spra­che, die ein bedeut­sa­mer Teil der Auf­füh­rung wird.

In die­sem Pro­jekt geht es um Plas­tik­müll im Meer, ein aktu­el­les, bren­nen­des Thema im Rah­men von Müll­ver­mei­dung und Kli­ma­schutz. Insze­niert wer­den soll eine klei­ne, kind­ge­rech­te Geschich­te, die zeigt, wel­che Pro­ble­me der Müll vom Strand-Kiosk des Gras­hüp­fers im „Gar­ten“ des Wals ver­ur­sacht. Gemein­sam über­le­gen die bei­den, wie sie das Müll­pro­blem lösen kön­nen und pro­bie­ren ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten aus.

Die Grup­pe teilt sich Corona-bedingt in vier Klein­grup­pen und erar­bei­tet die The­ma­tik in den ver­schie­de­nen Berei­chen Spiel, Musik, Tanz und Gebär­den­spra­che. Die ein­zel­nen Ergeb­nis­se wer­den nach der Erar­bei­tung zusam­men­ge­führt. Inte­griert wer­den Video-Aufzeichnungen aus ande­ren Lebens­zu­sam­men­hän­gen, die als Ein­spiel­or­te mit auf die Bühne gebracht wer­den. Ziel ist es, aus den Lebens­zu­sam­men­hän­gen der Betei­lig­ten und mit ver­trau­ten Medi­en, wie z. B. Video­ein­spie­lun­gen, die Lebens­wel­ten auf die Bühne zu holen und den Ernst der Lage zu doku­men­tie­ren. Auf die­sem Weg wer­den die Kin­der und Jugend­li­chen wie auch die Zuschauer*innen sen­si­bi­li­siert und moti­viert, eige­ne Lösungs­stra­te­gien umzusetzen.

Ein Thea­ter­stück aus dem Leben unter Corona-Bedingungen – für das Leben mit ein­fa­chen Mög­lich­kei­ten von Müll­ver­mei­dung und Selbst­ver­ant­wort­lich­keit, ohne mit dem erho­be­nen Zei­ge­fin­ger zu arbei­ten. Men­schen in den ver­schie­de­nen Alters­grup­pen, die ihre Fähig­kei­ten prä­sen­tie­ren in einem gemein­sa­men Thea­ter­stück – das macht Lust auf mehr!

Grit Feller (amarena Kuratoriumsmitglied)

Navi­ga­ti­on

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Aktu­el­le Nachrichten

Ama­teur­thea­ter in der Krise

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BDAT: „Pan­de­mie­hil­fen müs­sen alle Thea­ter­ver­ei­ne errei­chen!“ // Berlin, 7. Mai 2021 // Die Vor­hän­ge sind zu, die Publi­kums­plät­ze blei­ben unbe­setzt. Die Stim­mung im deut­schen Ama­teur­thea­ter ist ange­spannt. Spiel­plä­ne und Fes­ti­vals, Work­shops, Pro­ben und Thea­ter­be­geg­nun­gen sind größ­ten­teils ersatz­los …  mehr › …  mehr ›

BDAT ver­gibt amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2021

BDAT ver­gibt amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2021

14.000 Euro für beson­de­re Ausstattungs-Projekte im Ama­teur­thea­ter // Berlin, 03. März 2021 //  In die­sem Jahr schrieb der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) die amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2021 mit dem För­der­schwer­punkt „Aus­stat­tung“ aus. Das seit 2011 agie­ren­de För­der­pro­gramm konn­te …  mehr › …  mehr ›

Der Film: Thea­ter­vi­rus vs. Coronavirus

Der Film: Thea­ter­vi­rus vs. Coronavirus

Thea­ter­päd­ago­gi­sches Agie­ren in Zei­ten der Pan­de­mie Pra­xis­tipps für Spielmacher*innen und Theaterpädagog*innen // Berlin, 14. Janu­ar 2021 // Der Lock­down geht hof­fent­lich bald vor­bei, aber mit dem Virus müs­sen wir wohl noch eini­ge Zeit leben. Das Thea­ter­spie­len lebt …  mehr › …  mehr ›

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