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FESTIVAL DER PREISTRÄGER*INNEN UND GALA

DEUTSCHER AMATEURTHEATERPREIS 2024

Der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) hat 2024 zum achten Mal den bundesweit dotierten Preis amarena ausgeschrieben.

Ziel ist es, die hohe Qualität und die vielfältige Schaffenskraft des Amateurtheaters der Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Arbeit den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Es werden Preisgelder in Höhe von voraussichtlich insgesamt 10.000 Euro vergeben.

Bewerben konnten sich alle nicht professionellen Ensembles der Darstellenden Kunst mit Inszenierungen, die zwischen dem 1. Februar 2022 und 1. Februar 2024 Premiere hatten.

Der Bewerbungsprozess ist bereits abgeschlossen. 

Das Kuratorium hat im März in jeder Kategorie drei Inszenierungen nominiert.

Im Mai werden die Preisträger*innen der jeweiligen Kategorien bekannt gegeben.
 
Zwischen  dem 19. und dem 22. September 2024 findet das Preisträger*inne-Festival in Hamburg statt. 

Nominierungen & Begründungen

Dramatischer Verein Biberach: Draußen vor der Tür (Drama von Wolfgang Borchert)

Begründung des Kuratoriums // Stephan Schnell:

Weit, weit weg scheint das Stück vom deutschen Kriegsheimkehrer Beckmann. Wie nähert man sich einem Theaterstück, das so in seiner Zeit, dem Nachkriegsdeutschland des Jahres 1946 verhaftet ist? Die Inszenierung des Dramatischen Vereins Biberach verzichtet auf jede Aktualisierung. Sie ist vielmehr eine zurückhaltende Annäherung. Anstelle einer plakativen Übersetzung dominiert ein fast skizzenhafter Gestus. Die Kostüme sind an der Zeit orientiert ohne historisierend zu sein. Die Bühne ist zumeist leer, unterteilt in mehrere Spielebenen passt sie sich an die historische Stadtbierhalle als Aufführungsort an. Das Spiel ist konzentriert und vertraut auf den Text. Die offene Spielweise und der  weitgehende Verzicht auf theatrale Effekte lassen das, was aus der Zeit für heute erzählbar ist, umso klarer hervortreten. Beckmann ist hier ein Mensch von heute. Nach innen gekehrt, aber nicht innerlich. Gebrochen, aber nicht weinerlich, sondern suchend. „Ein Mensch kommt nach Deutschland“. Dieser Satz ist zentrale Motiv des Stückes von 1946 und der Inszenierung von 2023. „Ein Mensch ist da, und der Mensch kommt nach Deutschland, und der Mensch friert. … und die Tür schlägt zu, und er steht wieder draußen.“ Indem die Inszenierung sich eher an der Wiederholung als am Pathos dieser Sätze orientiert, wird deutlich, Beckmann ist kein deutscher Jedermann; er ist ein Mensch von Welt. Krieg, Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit sind auch hierzulande keine historische Singularität. Wenn Beckmann während der gesamten Aufführung vom Chor der Elbe umgeben bleibt, wenn ihn die flotten, satten und glitzernden Menschen nur tiefer in den Strudel sinken lassen, dann fällt die Assoziation mit den Ertrinkenden im Mittelmeer nicht schwer. Weil es den Zuschauer*innen überlassen bleibt, einen Bezug zur eigenen Gegenwart herzustellen, ist es, als würde zwischen Bühne und Publikum ein Dialogpassage fortsetzen: „Ich bringe sie ihnen zurück.“ – „Wen?“ – „Die Verantwortung.“


Spielbrett Dresden:
Jubiläum – Eine Geisterstunde (Groteske von George Tabori)

Begründung des Kuratoriums // Stephan Schnell:

Wenn das Jubiläum ein Alptraum ist. Zum zweiten Mal nach 1992 konfrontiert Spielbrett sich und das Publikum mit George Taboris Horrorstück aus dem Jahr 1983. 50 Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten legt Tabori den Finger in die Wunde der keineswegs abgeschlossenen, sondern sehr gegenwärtigen Vergangenheit. Die Motivation des Dresdner Ensembles das „Jubiläum“ erneut auf die Bühne zu bringen, steht im Stücktext; denn „es geht schon wieder los.“ Dem Ensemble gelingt es die erschreckende Anwesenheit der Vergangenheit ohne platte Aktualisierungen greifbar zu machen. Die Nachlebenden auf diesem deutschen Friedhof der Kuscheltiere sind auch keine böswilligen Rachegeister oder Zombies, sondern Menschen, nur nicht oder nicht nur aus Fleisch und Blut. Die Zeiten überlappen sich, gerade weil die Spieler*innen ihre Figuren nicht erklären, rechtfertigen oder anklagen. Stets ist die Lust am Spiel, der Spaß an der Auflösung der fixen Identitäten, die Freude an ironischen Brechungen mit den Mitteln des Theaters sichtbar. Präzise und nicht prätentiös gearbeitete Figuren, das unsentimentale und in konkreten theatralen Vorgängen begründete Spiel machen die Qualität der Inszenierung aus. Es gelingt ihr durch die komplexe Dramaturgie des Stückes die Banalität des Bösen sichtbar zu machen. Mit diesem Jubiläum richtet Spielbrett an sich und uns die drängende Frage des Stückes und unserer Zeit, ob all dies möglich ist, „weil auch in dir ein kleiner Nazi steckt.“

Volksspielbühne Thalia, Hamburg: Oi (Schauspiel von John von Düffel)

Begründung des Kuratoriums // Stephan Schnell:

Eins. Ich bin auf keiner Seite. Zwei. Komm lass uns auf die Straße gehen. Drei. #Niewiederistjetzt! Dieser Dreischritt ist zugleich Botschaft der Inszenierung und Haltung des Ensembles. John von Düffels erstes Stück liefert die Folie, um sich als Amateurtheater durch Theaterspiel klar gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck zu positionieren. Das Stück ist gut gewählt. Beiden, Stück und Ensemble, geht es nicht um eine abwägende Gesellschaftsanalyse oder eine Psychologie der Motivationen, sondern um die Dynamik des Abrutschens einer deliberativen Demokratie in eine faschistische Gesellschaft. Die kurzen Szenen sind pointiert geschrieben und rhythmisieren die Dramaturgie. Die Regie nutzt dieses Gerüst als Spielvorlage. Durch kluge szenische Ergänzungen wird aus den Reihen der Hilfesuchenden erst der Chor der Mitläufer, später der Täter. Die Wiederholung von Szenen zeigt Machtverhältnisse auf und verdeutlicht, das Epizentrum des rechte Erdbebens ist die Mitte der Gesellschaft. Mit einfachen Mitteln akzentuiert die Inszenierung die verschiedenen Räume. Transparente Spielvorgänge sind die Qualität des Amateurtheaters. Klare szenische Lösungen lassen Platz für jene Kommentare, die die Haltung des Ensembles ins Spiel bringen. „Ich bin auf keiner Seite.“ Dieser Satz aus dem Stück ist hier keine Option mehr und so verlassen die Spieler*innen ganz brechtisch noch in der Aufführung ihre Rollen und legen die Masken des Faschismus ab. #EinstarkesZeichen.

Piccolo Theater Cottbus: Frankenstein (frei nach Mary Shelley)

Begründung des Kuratoriums // Julian Baufeldt:

Unter der Anleitung von Matthias Heine bringt eine Gruppe junger Darsteller*innen eine moderne Romanadaption von Mary Shelleys »Frankenstein« auf die Bühne. Diese zeitgenössische Interpretation besticht durch eine vielschichtige Textarbeit, einen facettenreichen Einsatz sprachlicher Mittel und eine starke Ensemble-Leistung. Elemente aus Shelleys Roman werden geschickt mit den Gedanken der Spieler*innen sowie Texten von Barbara Sichtermann und Sybille Berg verschmolzen. Diese Fusion ermöglicht den Brückenschlag zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen und offenbart zugleich die individuelle Perspektive der Darsteller*innen auf das bereits 200 Jahre alte Werk. In einem dichten Geflecht assoziativer Zueignungen wird das Publikum auch mit ganz grundlegenden Fragen konfrontiert: Was darf Wissenschaft? Wie weit gehen wir, um unsere Neugier zu befriedigen? Was unterscheidet Mensch und Monster? Besonders charmant sind die eingestreuten Gedankenspiele, in denen die Spieler*innen sich beispielsweise vorstellen, was sie denn eigentlich tun würden, wenn sie die berühmte Autorin wären. Originär und unterhaltsam ist auch das laborhafte Setting, das sich geschickt zwischen stimmungsvoller Erzählung, reflektierender Kommentierung und der direkten Ansprache des Publikums bewegt. Durch die reduzierte Gestaltung der Bühne (leuchtende LED-Würfel, gedimmtes Licht, viel Nebel) wird die schauerliche Atmosphäre der Rahmenhandlung eingefangen und sogar das Monster wird kunstvoll zum Leben erweckt.

Theater Pur, Junges Theater Norderstedt: Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren / Übersetzung: Silke von Hacht)

Begründung des Kuratoriums // Bärbel Mauch:

Das Junge Theater Norderstedt hat das Kindertheaterstück „Pippi Langstrumpf“ klassisch inszeniert. Es ist alles drin, was ein junges Publikum erwartet: eine aufgeweckte Pippi, die über die Bühne wirbelt, ein Affe und ein Pferd, Annika und Tommy, der hier eine Tina ist. Diese Rollenänderung resultiert vermutlich aus der Tatsache, dass sich die Kinder ihre Rollen selbst erarbeiten durften. Das Bühnenbild ist sparsam, enthält aber alle wichtigen Schauplätze. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler verfügen in ihrer Mehrzahl über keine oder wenig Bühnenerfahrung. Um so bemerkenswerter ist es, wie natürlich und mit wie viel Spielfreude sie ihre Rollen verkörpern und nicht nur ihren Text „abliefern“, sondern ganz im Stück aufgehen. Auch als Ensemble sind sie überzeugend: alle achten aufeinander, lassen sich gegenseitig den Raum zum Spielen und sind im ständigen Kontakt untereinander.

die SCHOTTE, Erfurt: Farm der Tiere (nach George Orwell)

Begründung des Kuratoriums // Julian Baufeldt:

In einer Zeit, die von vielen Herausforderungen geprägt ist, bringt eine Gruppe junger Darsteller*innen unter der Regie von Fabian Hagedorn George Orwells »Farm der Tiere« auf die Bühne. Die Inszenierung zeichnet sich durch klare ästhetische Entscheidungen, eine präzise Figurenarbeit und eine geschickte dramaturgische Verdichtung aus. Die regelrecht karge Gestaltung der Bühne unterstreicht das Vertrauen in die Fähigkeiten der acht jungen Spieler*innen, die mit ihrer Präsenz, ihrem Fokus, dem Tempo und insbesondere auch den kraftvollen chorischen Momenten zu überzeugen wissen. Live produzierte Geräusche und liebevoll gestaltete Tiermasken entführen das Publikum in das lebhafte Treiben auf der Farm. Gekonnt bewegt sich die Inszenierung zwischen mahnender Ernsthaftigkeit, inszenatorischem Witz und orwellscher Absurdität. Gerade in der reduzierten Rahmung entfalten sich die Feinheiten der tierischen Allegorie sowie eindrückliche Spielmomente. So lässt sie nicht nur eine Farm, sondern auch ein Publikum erobern.

 

Rostschwung, Theater der Erfahrungen, Berlin: Umweltgeflüster (Petra Newiger und Ensemble)

Begründung des Kuratoriums // Hülya Karci:

Eine Gruppe von fünfzehn älteren Menschen hat das Problem des Klimawandels, der heute vor allem junge Aktivist*innen beschäftigt, mit einem theatralischen Ansatz aufgegriffen und in einem ästhetischen Theaterstück behandelt. Auf der Grundlage von Improvisationen und eigenen Erfahrungen haben sie ein kritisches und zeitgemäßes Stück geschaffen. Die Hauptthese ist, dass wir, auch wenn alles immer schlimmer zu werden scheint, immer noch etwas tun können, um die Dinge zum Besseren zu wenden. Sie haben dabei einen mutigen Ansatz gewählt. Sie präsentieren dem Publikum vier verschiedene Geschichten mit offenem Ausgang und überlassen es den Zuschauer*innen, in einem Wettbewerbsformat zu entscheiden, welche Geschichte gewinnen wird. Auf diese Weise proben sie die Teilnahme des Publikums am politischen Leben während des Stücks selbst. Diese Methode ermöglicht es den Zuschauer*innen, sich dem Thema ungezwungen zu nähern. Ebenso mutig wie dieses Format ist das Bühnenbild, die Kostüme und Accessoires, die passend zum Inhalt des Stücks, aus Abfallmaterialien hergestellt und von den Schauspieler*innen selbst entworfen sind.


Seniorentheater (SeTA), Düsseldorf:
Die Dreigroschenoper (Bertolt Brecht / Kurt Weill, Musik)

Begründung des Kuratoriums // Frank Grünert:

Die Inszenierung mit leidenschaftlichen Menschen im Alter von 55 bis 72 Jahren nimmt das Publikum bereits in den ersten Augenblicken ein. Das Ensemble agiert mit vielen, durchweg modernen Facetten kraftvoll, auch launisch und weise. Die in unterschiedliche Rollen schlüpfenden Darstellenden und Musizierenden überzeugen in ihrem „Spiel im Spiel“ auch stimmlich und musikalisch. Sie greifen komödiantisch ins volle Ganoven-Leben und präsentieren mit viel Humor und kleinen Provokationen den Zeitgeist und ihre Situation. Alles funktioniert in sich. Eine gekonnte, bemerkenswerte, coole Leistung!


Theater UHU, Bonn: Enter Transit (Volker Maria Engel und Theater UHU-Ensemble)

Begründung des Kuratoriums // Hülya Karci:

Der Text des Stücks, der aus Improvisationen klassischer Texte entstanden ist, bemüht sich in eindrucksvoller Weise um eine Antwort auf die Frage, was klassische Texte uns heute noch sagen können. Dadurch dass die Zeit zwischen Geburt und Tod im Format eines Warteraums abgehandelt wird, thematisiert dieses Theaterstück die Hilflosigkeit des Menschen. Indem der Mensch immer auf den nächsten Moment wartet, verliert er den Blick für das Hier und Jetzt. Dabei kritisiert dieses Stück nicht nur das abstrakte kapitalistische System, sondern auch das konkrete Individuum. Damit fordert es jeden Menschen auf, einen kritischen Blick auf sich selbst zu richten. Der Zuschauer erlebt die Hektik der reisenden Menschenmassen und gleichzeitig auch eine Reise ins innere Gefühlsleben des Touristen. Die letzten Assozationsketten und Gedanken werden sehr beeindruckend dargestellt. Der Gebrauch verschiedener Sprachen, der im Stück manchmal zu einer babylonischen Verwirrung oder Stummheit führt, wird sehr überzeugend eingesetzt. Das Bühnenbild, die verwendeten Farben, die Accessoires harmonieren sehr gut mit dem dargestellten Inhalt des Theaterstücks. Die Kombination von jungen und alten Schauspieler*innen beeinflusst die Dynamik der Handlung sehr positiv. Neben der Verwendung von bekannter Musik ergänzen auch individuelle Gesangseinlagen und Live-Musik einer Band dramaturgisch gekonnt das Geschehen auf der Bühne. Mit diesem komplementären Regieansatz passt jeder Stein an seinen Platz. Es ist ein Stück entstanden, dass die Zuschauer zwei Stunden lang in Atem hält. 

 

AOM Academy of Music, Leipzig: Brundibar – eine Oper für die Freundschaft (Hans Krása, Komponist / Adolf Hoffmeister, Librettist)

Begründung des Kuratoriums // Bärbel Mauch:

Die Kinderoper „Brundibar“ wird von ukrainisch-russisch-deutschen Schulkindern aufgeführt. Die Kommunikation auf der Bühne findet zeitgleich in allen drei Sprachen statt. Choreografien und Gesang ergänzen das muntere Treiben auf der Bühne. Hier agieren Kinder mit musikalischer, tänzerischer und schauspielerischer Vorbildung mit Schülerinnen und Schülern ohne Erfahrung. Die Geschichte von Zusammenhalt und Freundschaft wird kindgerecht hergeleitet und erzählt – mit Worten, aber auch mit Tanzchoreografien, die keine Worte brauchen. Die Protagonistinnen und Protagonisten sind überzeugend. Das Ensemble besticht durch seine quirlige Art und Weise, das Bühnenbild zu beleben und ist immer dabei, mal tänzerisch, mal still im Hintergrund.

Mit der Wahl dieser Kinderoper, die 1943 in Theresienstadt offiziell uraufgeführt wurde, hat sich die Theatergruppe für eine bemerkenswerte Geschichte entschieden und sie liebevoll auf die Bühne gebracht.

Münchner Volkssänger-Bühne: Schwabing 69 – a boarische Sitzkomm (nach Monika Nitschke)

Begründung des Kuratoriums // Dr. Marcus O. Klein:
 

Die Münchner Volkssänger-Bühne hat es sich seit rund 60 Jahren zur Aufgabe gemacht, den Fortbestand der Bayerischen Sprache zu fördern. Nachdem zunächst klassische Stücke auf Bayerisch dargeboten wurden, haben Veränderungen zu einem Neuanfang geführt, der insbesondere auch mit der Gewinnung des jungen Publikums verbunden war. Bemerkenswert sind der Wandel der Volkssänger-Bühne und eine Inszenierung von “Mama chill amoi“ (Autorin: Monika Nitschke), die fern jeder Tradition mutig in den 1960er Jahren verankert wird. Das Publikum darf sich neben der farb- und mustergewaltigen Ausstattung auch mit dem sprachlichen Alltag in München-Schwabing auseinandersetzen. Der Bühne gelingt es, überzeugend einen Brückenschlag zwischen einer traditionellen Mundart und einem zeitgenössisch inszenierten Stück zu bewerkstelligen. Die Themen Aufbruch, Revolte, Wunsch nach Veränderungen, Hoffnung auf Frieden und Freiheit in der Welt sind damals wie heute aktuell. Eigenkompositionen runden den besonderen Eindruck musikalisch ab.

Zu Viel Jamal, Heidelberg: In-between | Dazwischen | ما بین  (Stückentwicklung)

Begründung des Kuratoriums // Dr. Marcus O. Klein:

Die freie Heidelberger Theatergruppe „Zu Viel Jamal“ setzt sich aus sieben Personen aus vier Ländern zusammen, die ihre unterschiedlichen Hintergründe, Lebenserfahrungen, Ideen und Ausdrucksformen durch einen partizipativen Theateransatz in das Gesamtprojekt einbringen. In dem mehrsprachigen Stück geht es um das „Dazwischen“ – das, was im Leben wichtig ist, jene Phase, die letztlich durch Geburt und Tod begrenzt ist und von vielerlei sich wiederholenden Abläufen geprägt wird. Doch was liegt dazwischen, was ist wichtig und welche Bedeutung ist daraus abzuleiten? Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Herkunft, Lebensweise und Erfahrungen wurde kollektiv ein Stück entwickelt, das neben der verbalen Mehrsprachigkeit auch die Körpersprache und den Tanz als Ausdrucksform zur Inhaltsvermittlung einsetzt.

 

DIE BÜHNE – das Theater der TU Dresden: Portrait (Felicia Daniel)

Begründung des Kuratoriums // Frank Grünert: 

Das Ensemble erzählt die Geschichte der Entstehung eines Gemäldes im 18. Jahrhundert und kreiert dabei ein sensibles kompaktes Theatererlebnis, das mit einer besonderen Ausstattung funktioniert und die Betrachter*innen nicht loslässt. Der Spielraum ist in fünf Teile untergliedert, klar aufgeteilt und wird während des Stücks nur minimal verändert. . Die dezenten Licht- und Farbakzente wirken unbemerkt und wohltuend. Klasse! Auf ästhetische Art und Weise verbindet diese Inszenierung die Bildende und Darstellende Kunst. Sie beeindruckt mit Livemalerei, Spiel und Gesang in verwobenen ineinanderfließenden Szenen. Das Kammerspiel bleibt auch bei gleichzeitig stattfindenden Szenen immer sparsam, filigran, organisch und spannend.


Freilichtbühne Billerbeck:
Die Biene Maja und ihre Abenteuer (nach Waldemar Bonsels)

Begründung des Kuratoriums // Dr. Marcus O. Klein

Die Freilichtbühne Billerbeck aus Nordrhein-Westfalen verantwortet mit ihren rund 500 Mitgliedern außer der Regie alle Bereiche der Stückinszenierung im Ehrenamt. „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ ist eine Inszenierung des Kinderbuchklassikers von Waldemar Bonsels von 1912 in einer modernen Fassung. Die Inszenierung lebt von den Aufbauten in mehreren Ebenen und zudem parallel bespielbaren Spielflächen. Ferner sind die Kostüme und das Maskenbild sehr gut durchdacht und mit viel Liebe zum Detail entwickelt worden. Da während der Spielsaison meist zwei Stücke parallel gespielt werden, sind zwischen den Aufführungen am selben Tage zügige Umbauarbeiten notwendig, die sich auch in der Konzeption und Konstruktion des Bühnenbildes widerspiegeln, ohne dass in der Aufführung selbst sichtbare Abstriche hinzunehmen wären. In diesem Jahr verwandelte sich eine Blumenwiese zügig in eine abendliche Schlosskulisse. Diese Inszenierung ist für Freilichttheater exemplarisch und beeindruckt in mehreren Bereichen der Ausstattung. Die Freude der Mitwirkenden an der Ausgestaltung und das aufwändige Engagement für den gesamten Rahmen der Inszenierung wird dem Publikum in jeder Minute des Stückes deutlich.


Puppentheater Kaufbeuren:
Der Regenbogenfisch (nach Marcus Pfister)

Begründung des Kuratoriums // Dr. Marcus O. Klein

Der Puppenspielverein Kaufbeuren e.V. in 65 Jahren seines Bestehens vor allem für seine Marionettenbühne bekannt. Dabei werden nach eigener Aussage Inszenierungen von bekannten Kinderbüchern, Märchen sowie eigenen Stücken angeboten, um damit das Puppentheater wieder attraktiv für die nächsten Generationen zu machen. Die Kinderbuchadaptation „Der Regenbogenfisch“ beeindruckt wie die Vorlage durch seinen Farbenreichtum, eine für die Meeresumgebung typische durch Licht und Bühnengestaltung erzeugte Weite des Meeres als Raum. Die vollständig selbstgefertigten Marionetten zeigen neben sehr guter handwerklicher Arbeit vor allem durchdachte Spielmöglichkeiten. So kann der Seestern alle Arme einzeln bewegen, die Fisch „schwimmen“ im Raum und werden auch durch Strömungen immer wieder leicht bewegt. Diese Inszenierung ist exemplarisch für die besondere Verantwortung der Ausgestaltung von Bühne, Licht und selbstgefertigten Marionetten für die besondere Wirkung des Figurentheaters. Das Publikum wird von dem so erzeugten Meeresszenario vollständig eingenommen.

Kategorien

Diese Kategorie zeichnet Inszenierungen der Darstellenden Künste im Amateurtheater aus, die vor allem von Erwachsenen oder Mehrgenerationen-Ensembles gestaltet wurden. Inszenierungen unterschiedlicher Gruppenzusammensetzungen können sich hier bewerben, u. a. inklusive Ensembles. Im Fokus stehen Inszenierungen, die bekannte theatrale Stoffe für das Amateurtheater aufbereiten oder die sich mit einer Stückentwicklung mit spezifischen Themen des Zeitgeistes beschäftigen.

In dieser Kategorie werden jene Inszenierungen der Darstellenden Künste im Amateurtheater gesucht, die von Kindern und/oder Jugendlichen gespielt werden. Die Inszenierungen setzen sich künstlerisch und inhaltlich mit Themen und Stoffen auseinander, die für die Lebenswelten der Kinder und/oder Jugendlichen besonders relevant sind. Neben der Auswahl bekannter Texte des Kinder- und Jugendtheaters sind Stückentwicklungen oder theaterpädagogische Formate mit Aufführung besonders auszeichnungswürdig.

Das Senior*innentheater ist ein wichtiger Arbeitsbereich des BDAT. Diese Kategorie würdigt die Bühnenarbeit mit und von älteren Menschen, indem speziell Inszenierungen, die sich mit den Lebensrealitäten älterer Menschen auseinandersetzen, ausgezeichnet werden. Bekannte Bühnenstoffe, Singspiele oder Tanz, theaterpädagogische Formate oder Eigenentwicklungen: der Vielfalt der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Leve Lüüd, wu de Hasen Hosen haasen und de Hosen Husen haasen, dr bi iech drhamm. Yabancı sadece yabancının içinde yabancıdır. De andan sa a Leid.  De vreemdeling is de vreemdeling alleen in de vreemdeling. Die Kategorie „Vielfalt der Sprachen“ spricht für sich. Diese Kategorie rückt alle Sprachen in den Vordergrund außer Hochdeutsch, wobei auch eine dialogische Form mit dem Hochdeutschen möglich ist. Dabei ist die Kategorie ausdrücklich nicht auf eine bestimmte Theaterform oder Altersgruppe fokussiert. Mit Vielfalt der Sprachen sind neben den Mundarten, Dialekten oder Niederdeutsch auch alle Fremdsprachen eingeladen, die im Amateurtheater zu erleben sind. Sempre tanta confusione per le tante lingue! Ellawell, hat´s geschaellt.

Aufführungen in den Darstellenden Künsten sind mehr als schauspielerische Leistungen. Sie sind das Zusammenspiel vieler Gewerke, von Mensch und Material. Spax, Molton, Gaze, Mastix, Par und Nit spielen in dieser Kategorie wichtige Rollen. Ausgezeichnet werden handwerkliche und künstlerische Leistungen in den Bereichen Bühnenbild, Kostüm, Maske und / oder Requisite. Der Einsatz von Licht und Ton muss aufgrund der Videosichtung bei der Beurteilung eine untergeordnete Rolle spielen. Der Jury steht es frei Inszenierungen entweder nach dem Zusammenspiel aller Gewerke zu beurteilen oder einzelne besonders herausragende Teilbereiche der Ausstattung auszuzeichnen. Der Preis wird im Rahmen des amarena Festivals übergeben und soll in einer begleitenden Ausstellung gewürdigt werden. Für die Beurteilung wird empfohlen neben einem filmischen Aufführungsmitschnitt auch aussagekräftige Materialien (Zeichnungen, Fotos, Pläne etc.) einzureichen.

Bewerbung

Das Bewerbungsverfahren für 2024 ist bereits abgeschlossen.

 Informationen zu dem diesjährigen Bewerbungsverfahren:

Bewerben können sich alle nicht professionellen Ensembles der Darstellenden Künste.

  • Eine Mitgliedschaft im BDAT ist nicht Voraussetzung für eine Bewerbung.
  • Theatergruppen, die den amarena Amateurtheaterpreis 2022 oder die amarena Innovationsförderung 2023 erhalten haben, können sich erst wieder 2026 zum amarena Amateurtheaterpreis bzw. zur amarena Innovationsförderung 2025 bewerben.
  • Eingereicht werden können Inszenierungen, die zwischen dem 1. Februar 2022 und 1. Februar 2024 mindestens einmal zur Aufführung gekommen sind oder per Filmmitschnitt einer Generalprobe der Jury vorgelegt werden können (weisen Sie in Ihrer Bewerbung darauf hin, dass ggf. Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie eine Aufführung vor Publikum verhindert haben). Die Aufführungen können live vor Ort, digital oder hybrid stattgefunden haben.
  • Die vielen verschiedenen Formen des Theaters, insbesondere des Amateurtheaters, lassen sich selbstverständlich nicht vollständig durch eine Einteilung in fünf Kategorien abbilden. Das Kuratorium für den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena fordert daher ausdrücklich alle Amateurtheatergruppen auf, sich für amarena 2024 zu bewerben. Auch Formen, die nicht explizit genannt sind wie z. B. Freilichtinszenierungen, Inklusionsprojekte, Figuren- oder Objekttheater, finden selbstverständlich in allen Kategorien ihre Berücksichtigung. Daher sprechen wir in diesem Jahr wieder von „Darstellender Kunst“, die wir in den einzelnen Kategorien auszeichnen möchten.

Die Bewerbung erfolgt ausschließlich digital. Nutzen Sie das Onlineportal des BDAT für die Einreichung Ihrer Bewerbungsunterlagen.

Den Zugang erhalten Sie hier: Onlineportal des BDAT

  • Die Bewerber*innen erklären mit der Bewerbung, dass sie im Besitz der Aufführungsrechte sowie der Bildrechte für Foto- und Filmaufnahmen und mit deren Nutzung für die Öffentlichkeitsarbeit einverstanden sind. Des Weiteren wurde von allen Beteiligten das Einverständnis hierzu eingeholt.
  • Die Bewerber*innen erklären mit der Bewerbung die Bereitschaft zur Teilnahme am Preisträger*innenfestival, dass vom 19. bis 22. September 2024 in Hamburg stattfindet.

Mit der Bewerbung stimmen Sie den BDAT-Datenschutzhinweis zu: Datenschutzhinweise_Ausschreibungen Infovermittlung

Im ersten Schritt werden vom amarena-Kuratorium drei Bewerbungen pro Kategorie nominiert. In einer folgenden Jurysitzung wird je ein Preisträger*innen-Ensemble pro Kategorie ausgewählt. Die Nominierungen und Preisträger*innen-Ensemble werden auf der BDAT-Homepage bekanntgegeben. Der Preisjury und dem Kuratorium gehören Expert*innen des deutschen Amateurtheaters und Vertreter*innen der deutschen professionellen Theaterszene an.

Bekanntgabe 2024:

Preisträger*innen: Voraussichtlich Anfang Mai 2024 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an den projektverantwortlichen Mitarbeiter:

Melvin Neumann
unter amarena@bdat.info