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Amateurtheaterpreis & Innovationsförderung

Archiv Amarena

Hier erhalten Sie Informationen zu Preisträgern und geförderten Projekten  der vergangenen Jahre.

amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2010

Das Preisträgerfestival  zum Deutschen Amateurtheaterpreis 2010 fand vom 16. – 18. September 2010 in Berlin statt.

SPARTE SCHAUSPIEL

SteinhausTheater Bautzen (Sachsen) //
„Der Selbstmörder“  von Nikolai Erdman

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// Das Stück

Ein alltäglicher kleiner Ehekrach um einen banalen Gegenstand der Begierde löst in einer Kleinstadt hektische Betriebsamkeit aus. Der arbeitslose Semjon Podsekalnikow äußert erregt zu seiner Frau: „Soll ich krepieren, ja?“ – und sie nimmt das ernst.

Das spricht sich schnell herum. Die Mitbürger erhoffen sich Profit aus der angekündigten Tat und stürmen die Wohnung. Podsekalnikow soll seine Seele für die profanen Zwecke der anderen verkaufen. Da ist keine Peinlichkeit zu groß und ein umtriebiger Möchtegern-Unternehmer sammelt (gegen Gebühr) die begehrten Abschiedsbriefe ein, von denen nur einer vom Selbstmörder in spe unterzeichnet wird. Aber wohin geht die Seele nach dem Tod? Podsekalnikows unfreiwillige Berühmtheit endet für alle mit einer einleuchtenden aber fatalen Erkenntnis…

Nikolai Erdman schrieb seine satirische Komödie 1927 in der turbulenten und hoffnungsvollen Zeit vor Stalins Allmacht. Sie hat noch immer groteske Aktualität.

// Das Ensemble

„Eine kleine Gruppe Amateure schickt sich an, in einer Kleinstadt gegen Fernsehkultur und Lustlosigkeit anzutreten.“ (Zitat aus der Homepage)

Das Steinhaustheater wurde 1993 im „Steinhaus e. V.“, einem soziokulturellen Zentrum, gegründet. Rund 20 Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 17 und 65 Jahren, aus unterschiedlichsten sozialen Zusammenhängen, sind hier aktiv. Kontinuierliche Arbeit, Zeit für Entdeckungen, körperlich betontes Spiel bis hin zur Groteske, ohne Effektmanie, kein trügerisch aufwendiges Bühnenbild, sondern der Darsteller im Zentrum, das Publikum die Peripherie – so lautet die Maxime, kurz: intelligentes Volkstheater, das nach schwerer Arbeit leicht daher kommt! Vom ersten Lesen bis zur Premiere arbeitet die Gruppe ein bis anderthalb Jahre. Pro Inszenierung gibt das Ensemble ca. 20 Vorstellungen. Dabei sind sich die Akteure einig: mit Herzblut, Schweiß und echten Tränen wollen sie in der Amateurtheaterszene neue Maßstäbe setzen.

 

SPARTE KINDER- UND JUGENDTHEATER

Piccolo Theater Inszenierungsclub Cottbus (Brandenburg) //
„Die Gitter schweigen“ von Ensemble & M. Heine

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// Das Stück

In der DDR wurde Jugendlichen wenig Raum zugestanden, sich selbst und andere in Frage zu stellen. Davon zeugt insbesondere der Umgang mit solchen Jugendlichen, die von Vornherein nicht ins Bild passten. Die wohl härteste Jugenderziehungseinrichtung in der DDR war der GJWH Torgau. Der geschlossene Jugendwerkhof diente als strafvollzugsähnliche Disziplinierungseinrichtung des Jugendhilfesystems der DDR. Kinder und Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren wurden hier eingewiesen, wenn sie den strengen Normen der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung nicht entsprachen. Sie hatten keine Straftaten begangen. Ihr Problem war, dass sie aus schwierigen Familien stammten, sich nicht an den zugewiesenen Arbeitsstellen einfügen konnten oder dass sie die falsche Musik hörten. Für tausende von unbequemen DDR-Jugendlichen wurde der geschlossene Jugendwerkhof zum Synonym für Angst, Drill und Strafe. Mit dem Stück ist der piccolo Jugendclub – 20 Jahre nach Mauerfall – diesen Jugendlichen und ihren Geschichten auf der Spur.

// Das Ensemble

Der Theaterjugendclub ist Teil des theaterpädagogischen Angebotes des piccolo Theaters. Hier spielen Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren Theater, die schon mehrere Jahre in anderen piccolo Gruppen aktiv waren, aber auch neue Mitglieder sind stets willkommen.

Jedes Jahr wird ein Theaterstück inszeniert, das im regulären Spielplan des Theaters erscheint und sich mit Themen der Jugend beschäftigt. Seit 2006 leitet Matthias Heine den Jugendclub. Mit der Inszenierung „Verlorene Kinder“ wurde die Gruppe 2007 zum „Bundestreffen Jugendclubs an Theatern“ eingeladen, für das Stück „Wer Robert Gernhardt – wird ihn lieben“ gewann die Gruppe den Pegasus in der Sparte Theater bei den Cottbuser Kleinkunsttagen. Die erfolgreiche Arbeit konnte 2009 mit der Produktion „Die Gitter schweigen“ fortgesetzt werden.

Die Jugendlichen bringen ausschließlich Eigenproduktionen zur Aufführung. Dabei wird viel Wert auf Eigeninitiative gelegt, so werden die Texte und Inszenierungsideen gemeinsam erarbeitet.

 

SPARTE SENIORENTHEATER

Seniorentheater in der Altstadt (SeTA Düsseldorf) (Nordrhein-Westfalen) //
„Die Kleinbürgerhochzeit“ von Bertolt Brecht

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// Das Stück

Man feiert eine Hochzeit. Es wird gegessen, getrunken, gelacht und erzählt. Vor allem der Vater der Braut erzählt eine Geschichte nach der anderen, während die Mutter des Bräutigams den Kabeljau auftischt. Es ist eine kleine Hochzeitsgesellschaft; nur die engsten Freunde und Verwandten sind eingeladen. Und genau das lässt den Freudentag in ein Chaos ausarten. Der Bräutigam ist eifersüchtig auf seinen Freund, die Schwester amüsiert sich mit dem jungen Mann, und die Frau verrät, dass die Braut schwanger ist. Als dann auch noch die selbst gebauten Möbel des Bräutigams nach und nach zusammenbrechen, eskaliert die Feier.

Eine pikant-böse Milieustudie, 1926 in Frankfurt/Main uraufgeführt.

// Das Ensemble 

Das SeTA (Seniorentheater in der Altstadt) wurde 1989 von Ernest Martin, dem Theaterleiter des JuTA (Junges Theater in der Altstadt) und dem Regisseur Wolfgang Caspar ins Leben gerufen. Jedes Jahr eine neue Inszenierung und eine überaus positive Resonanz bei Medien und Publikum sowie Gastspiele im In- und Ausland sind die Bilanz einer intensiven Theaterarbeit unter professioneller Leitung.

Das SeTA, bestehend aus 26 Frauen und 12 Männern, wurde bereits durch den „Fonds Darstellende Künste“ und den „Fonds Soziokultur“ gefördert. Eine regelmäßige Förderung erhält das SeTA durch das Kulturamt der Stadt Düsseldorf.

Auch 2010 setzt der Verein seine erfolgreiche Arbeit fort. Aktuell werden zwei Inszenierungen vorbereitet. Das preisgekrönte Stück „Silverday“ von Almut Baumgarten kommt am 30. September 2010 im Schauspielhaus Hamburg beim Festival Herzrasen zur Uraufführung. Die Eigenproduktion „Blind sein“ feiert am 7. Januar 2011 bei den Kammerspielen des „Forum Freies Theater Düsseldorf“ seine Premiere.

 

SPARTE MUSIK- UND TANZTHEATER

Leipziger Tanztheater Juniorcompany der Älteren (Sachsen) //
“ Verschränkungen“, frei nach der literarischen Vorlage „der Idiot“ von Fjodor Dostojewski

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// Das Stück

Der im unüberschaubaren Alltag überforderte Mensch versucht seine Pflicht. Eine Reise von Irgendwo nach Irgendwo. Wer kennt schon die eigene, geschweige denn die des Anderen. Schnelllebige Ablenkungen erschweren den Blick auf das Eigentliche. Und dann gibt es einen, dem alle Herzen zufliegen, dem Sehnsüchte, Leidenschaften und Gefühle anvertraut werden in einem sonst kommunikationslosem Alltag. Doch was nützt es, diese Sehnsüchte zu sehen und nicht zu begreifen…

Die Frage nach der Originalität eines Menschen und ob man diese für Geld kaufen kann, spielt in dem zeitgenössisch-modernen Tanztheaterprojekt mit Gruppen- und Solochoreografien eine besondere Rolle.

// Das Ensemble

Das Leipziger Tanztheater (LTT) ist zum einen Ausbildungsstätte für zeitgenössischen Tanz und zum anderen Produzent von neuen Tanzstücken. Bereits 1967 gegründet, ist das LTT eines der ältesten Tanztheater in Deutschland und hat sich als fester Bestandteil der Leipziger Kulturlandschaft etabliert. Rund 350 tanzbegeisterte jungen Menschen sind hier derzeit aktiv. Das LTT unterhält drei Companies, die im eigenen Tanzhaus trainieren. In der Juniorcompany der Älteren trainieren 14-18-jährige Jugendliche zweimal wöchentlich in Klassischem und Modernem Tanz. Unter der künstlerischen Leitung von Bettina Werner erarbeiten sie alle zwei Jahre ein abendfüllendes Tanztheaterstück, das in Leipzig wie auch bei nationalen und internationalen Festivals aufgeführt wird.

 

SPARTE FREILICHTTHEATER

Freilichtbühne Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) //
 „Vanity Fair“, Buch/Musik Claus Martin, frei nach W. Makepeace Thackeray

// Das Stück

Becky Sharp hat alles, was man sich wünschen kann. Sie ist jung, schön und klug. Leider fehlen ihr jedoch gesellschaftliche Beziehungen und der notwendige Adelstitel. Ausgestattet mit nichts anderem als Talent versucht sie, in der Londoner High Society Karriere zu machen. Nachdem mehrere Versuche aufzusteigen, u. a. durch eine vorteilhafte Hochzeit, misslingen, beschließt sie, andere Wege einzuschlagen. Je skrupelloser sie wird, desto mehr Erfolg hat sie. Und sie lernt schnell…

Gier, Eifersucht und Eitelkeit sind die entscheidenden Triebfedern in dieser bösartigen Gesellschaftssatire des 19. Jahrhunderts. Thackerays Roman ist eines der meist gelesensten Werke der englischsprachigen Literatur.

// Das Ensemble

Spielfreude bei jeder Wetterlage demonstriert diese traditionsreiche Bühne. Im Jahr 1951 gegründet, brachte die Freilichtbühne Coesfeld seitdem sowohl bekannte Welt-Musicals wie „West Side Story“, „Hair“ oder „Jesus Christ Superstar“ als auch deutsche Musicals wie „Linie 1“ oder „Elixier“ zur Aufführung. Auch die Uraufführung des Stückes „Teuflische Göttinnen“ (2004) nach dem Film „Club der Teufelinnen“ wurde ein großer Erfolg. Dem folgten weitere Uraufführungen, darunter 2009 die Produktion „Vanity fair“.

Während die Akteure sowohl auf als auch hinter der Bühne ausschließlich Amateure sind, besteht das künstlerische Team aus professionellen Künstlern, die an der Freilichtbühne die Möglichkeit haben, sehr frei zu arbeiten und ihre Ideen umzusetzen. Die erfolgreiche Mischung hat sich bewährt und sorgt kontinuierlich für hohe Spielfreude und Qualität. Die Freilichtbühne Coesfeld versteht sich als eine Gemeinschaft für engagierte Theaterfreunde, bei der Spaß und Leidenschaft im Vordergrund stehen. Mit Begeisterung werden neben den Erwachsenenstücken auch die Kindermärchen und –musicals wie „Die kleine Hexe“ oder „Der kleine Tag“ aufgenommen. Seit 1970 geht die Freilichtbühne in der Vorweihnachtszeit mit einem Märchen auf Tournee und ist so über Generationen hinweg – auch im Winter – für viele Familien zu einer festen Institution geworden.

 

SPARTE LEBENSWERK

Renate Lichnok //
 Theater „die SCHOTTE“, Erfurt (Thüringen)

Renate Lichnok/Sparte Lebenswerk

// Zur Person

Als Diplompädagogin mit den Fachrichtungen Deutsch und Kunst entwickelte Renate Lichnok (Jg. 1943) schon während ihrer Lehrertätigkeit Theaterambitionen. Im Jahr 1987 gründete sie das Jugendtheater Ti(c)k, 1990 baute sie das Theater SCHOTTE an der Schülerakademie Erfurt auf und übernahm in der Folge die hauptamtliche Leitung des Kinder- und Jugendtheaters. 1992 wurde die Einrichtung in Schotte e.V. umbenannt und als eigenständiger Verein geführt. Mehr als zwei Jahrzehnte engagierte sich Renate Lichnok für das Amateurtheater, dabei standen die Interessen und die Förderung von Kindern und Jugendlichen stets im Vordergrund. 2005 erhielt die Theaterenthusiastin das Bundesverdienstkreuz, 2006 ging sie in den „Unruhestand“ und ist seitdem „Rentnerin mit vielen Aufgaben“.

Jury

Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Vorsitz) // Präsident der ASSITEJ, Direktor  des Instituts für Kulturpolitik

Frank Grünert // Vizepräsident, BDAT

Elisabeth Clarke // Choreografin, Tanz- und Theaterpädagogin

Prof. Dr. Christel Hoffmann //  Theaterwissenschaftlerin und Theaterpädagogin

Günter Jeschonnek //  Geschäftsführer Fonds Darstellende Künste

Niclauss, Norbert //  Referat K 22 (Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche) des BKM

Dr. Gerd Taube //  Leiter des KJTZ, Vorsitzender der BKJ

Dr. Lars Göhmann // Bildungsreferent, BDAT

amarena – Innovationsförderung 2011

Zum ersten Mal hat der Bund Deutscher Amateurtheater in diesem Jahr eine bundesweite Innovationsförderung für Amateurtheaterprojekte und -initiativen in Höhe von 22.500 Euro vergeben. Bezuschusst werden zeitlich befristete Theater- und Tanzprojekte, die neue Praxis- und Aktionsformen im Amateurtheater erproben. Insgesamt 47 Förderanträge lagen dem Kuratorium zur Bewertung und Entscheidung vor.  Davon konnten sieben Projekte  unterstützt werden.

Förderempfänger

Gemeinde Kloster Lehnin & Jungendtheaters Strumpfhose Bad Belzig (Brandenburg) //

„Erinnerung – ein Musical mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Thema Alzheimer“

Ein Musical zum Thema Alzheimer – was zunächst vielleicht verrückt klingt, offenbart auf den zweiten Blick eine künstlerische Herausforderung und eine gute Chance, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu heben.

Der eigens für dieses Projekt gegründete Trägerkreis, bestehend aus der Gemeinde Kloster Lehnin (Brandenburg), der Lehniner Schule, Pflegeeinrichtung und Altenhilfezentrum, beauftragte Frank Grünert als Autor und Andreas Behrendt als Komponist, ein Musical zu schaffen und dieses mit ca. 80 Kindern und Jugendlichen zur Aufführung zu bringen;

mit auf der Bühne: der Schuldirektor. Unterstützt werden die Amateure von drei Profi-Sängern und einem zehnköpfigen Orchester.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der unter Alzheimer leidende Herbert Nebel, sowie seine Freunde und seine Familie – der Weg führt von den ersten Anzeichen bis zum unabwendbaren Ende.

Das Jugendtheater Strumpfhose Bad Belzig (Mitglied im BATV) als Kooperationspartner bekleidet mit künstlerischem, technischem und personellem Know How.

 

 

TPZ Hildesheim (Niedersachsen) //

„Ohne Zucker, mit Sahne!“ Ein inszenierter Cafébesuch mit Kuchenduft, Recht und Würde

Seit Anfang Oktober 2011 spielen 13 Erwachsene mit und ohne so genannte geistige Behinderung gemeinsam im Café Treffer in der Hildesheimer Nordstadt Theater. Unter dem Motto „Ohne Zucker, mit Sahne!“ wagen sich die Schauspielamateure an das Thema Menschenwürde heran. Das Café mit Säulen, Tischen, Tresen und Treppenaufgang hält ein spannendes Bühnenbild bereit. Schon nach wenigen Proben steht fest: Eine Märchen soll es werden, was am Ende auf die Bühne kommt. Deshalb übten die Teilnehmer/innen schon mal ihren neuen Berufsstand. „Wenn ich König wäre …“ stand auf einem der Zettel, die sie beschreiben konnten, und den Rest durfte jede/r ergänzen. Für eine Teilnehmerin wurde daraus „Wenn ich König wäre, würde ich eine Prinzessin spielen.“ Pure Spielfreude äußert sich darin und die beiden Leiterinnen Annli von Alvensleben und Antje Kilian hoffen, dass dies auch so bleibt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen ihre individuellen Fähigkeiten, Begabungen und Persönlichkeiten in das Projekt ein. Die Szenen werden aus alltäglichen und besonderen Erlebnissen, Ideen und Erfahrungen der Mitspielenden entwickelt, sodass alle an der Produktion des Stückes teilhaben. Projektleitung: Antje Kilian und Annli v. Alvensleben,

 

Initiativkreises 8. Mai Langenau (Baden-Württemberg) //

„Zusammenrücken – Leben in der Einwanderungsgesellschaft“

Mehr als 50 Jahre nach der ersten Anwerbung von Gastarbeitern hat sich auf politischer Ebene quer durch alle Parteien die Erkenntnis durchgesetzt, dass Deutschland ein Einwanderungsland und eine Integrationsgesellschaft ist. Im Jahre 2010 leben 1261 Menschen ohne deutschen Pass aus 63 Nationen in Langenau. Hierzu kommen die Einwanderer, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Neben vielen positiven Zeichen eines guten Zusammenlebens gibt es aber auch Schwierigkeiten und Probleme. Unter den Motto „Zusammenrücken – Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“ möchte der Initiativkreis 8. Mai mit einem Theaterprojekt und einem Videoprojekt zum Dialog in der Kleinstadt Langenau (Baden-Württemberg) beitragen.

Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler aus der Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und des Gymnasiums, darunter Jugendliche mit so genanntem Migrationshintergrund, deren Eltern hauptsächlich aus der Türkei, aus dem Kosovo, aus Russland eingewandert sind. Auch Flüchtlinge aus Algerien, Syrien und Ägypten, die im Langenauer Asylbewerberheim untergebracht sind, machten mit.

Kann das Vorhaben überhaupt gelingen, zusammen mit so unterschiedlichen Menschen ein gemeinsames Theaterstück zum passenden Thema „Vielfalt ist spannend“ zu entwickeln? Zuletzt blieben von den ca. 40 Teilnehmern an den Theater-Workshops 14 Jugendliche und Erwachsene übrig, die in knapp zwei Wochen Arbeit an den selbst gewählten Figuren und Texten ein unter die Haut gehendes Teil-Stück am 21. Oktober auf die Bühne brachten. Mitwirkende und Zuschauer waren sich schließlich einig: „Das Projekt soll weiter gehen!“

 

Marion Gerlach-Goldfuß (Nordrhein-Westfalen) //

„Der Sturm – integratives Shakespeare-Projekt in Herten“

Eine Insel, irgendwo im Ozean. Nur der alte Prospero und seine Tochter Miranda, der Erdgeist Caliban und Luftgeist Ariel leben dort, schicksalhaft aneinandergebunden. Prospero sinnt nach Rache, weil sein Bruder Antonio ihm Herzogtum und Heimat genommen hat. Ein Sturm lässt die königlichen Missetäter Schiffbruch erleiden und die Gestrandeten erleben viele Abenteuer, an deren Ende schließlich Versöhnung, Freiheit und Liebe stehen.

Wie in der shakespear‘schen Erzählung landen die Zuschauer in der Christy-Brown-Schule, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, auf einer Insel mit Menschen voll ungeahnter Fähigkeiten – die mit einer großen Begeisterung Theater spielen, um Geschichten zu erleben und andere und sich zu erfreuen. Beim dritten Shakespeare-Projekt in Herten kommen ältere Menschen aus der Amateur-Theatergruppe „Die Spätberufenen“ erstmals mit auf diese Insel. Sie sind Mitspieler und Partner der 40 mitwirkenden Schüler, Integrationshelfer und Lehrer, die alle gemeinsam das Publikum verzaubern werden.

Die Schüler haben vielfältige Behinderungen. In einem offenen Probenprozess wird eine ganz eigene Spielfassung erstellt, so dass alle Beteiligten einen ihren Möglichkeiten und Neigungen entsprechend Platz im Gesamtgefüge finden können.

Ein kleiner, eigens zusammengestellter Geräusche-Chor, wird die Aufführung musikalisch begleiten. Das Bühnenbild wird gemeinsam mit den Kunst-AG‘s der Schule erstellt. Für die Regie ist Marion Gerlach-Goldfuß verantwortlich.

 

Theater der Migranten (Berlin) //

„Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt-Reuterkiez“

„Wer ist Spieler, wer Zuschauer, wer nur zufälliger Passant? Ist das hier das wahre Leben oder Theater?“ Die Produktion des „Theater der Migranten“ unter der Leitung von Olek Witt nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Straßen und die Häuser des Reuterkiezes in Berlin-Neukölln. Von Anwohnern geführt, wandern die Zuschauer durch das Quartier und erfahren Geschichten zu Orten, die ihnen sonst in ihrem Alltag häufig verschlossen bleiben oder die an ihnen unbemerkt vorbeiziehen. Entwickelt werden die Szenen dabei gemeinsam mit den jungen Darstellern, immer auch in Bezug auf die Räumlichkeiten, in denen sie stattfinden. Die Spielräume sind dabei so vielfältig wie der Kiez selbst: Neben einem türkischen Friseur sind das zum Beispiel eine polnische Buchhandlung, ein brasilianisches Café und eine Privatwohnung. Hier zeigt sich Theater nicht als lebensferne Literaturwiedergabe, sondern vor allem als eine Ausdrucksform der urbanen und vielschichtigen Alltagskultur.

 

Theaterwerkstatt am Theater im Depot, Dortmund (Nordrhein-Westfalen) //

„Bringt die Natur zurück in die Stadt“

Acht junge Frauen zwischen 17 und 24 Jahren erarbeiteten unter der Leitung von Barbara Müller szenische Performances und künstlerische Aktionen. Ausgehend von der Sorge, dass die Natur immer mehr aus der Stadt verdrängt wird, entstand die Idee eines Besuches von „Mutter Natur“ und ihren vier Jahreszeiten sowie zwei Spähern: Affe und Wolf. Begleitet werden sie von einer Reporterin, die den Umzug der Natur-Karawane durch die Stadt begeistert begleitet und das Publikum darauf anspricht und einbezieht.

Die Premiere des Stadt_Gartens fand am 15.10.2011 im Rahmen der Nacht der Jugendkultur in der Dortmunder Innenstadt statt. Das Ensemble marschierte durch die Fußgängerzone und stoppte hier und da. Als Walk Act zogen die Darstellerinnen viele interessierte Blicke der Passanten auf sich. Bei den szenischen Aktionen versammelten sich viele Neugierige, die sehen und hören wollten, was es mit den auffälligen Besuchern auf sich hat und die zum Abschied einen Sprössling von Mutter Natur – eine Topfpflanze – geschenkt bekamen.

 

Verein Kinder- und Jugendkultur / Junges Ensemble Stuttgart (Baden-Württemberg) //

„Rock the city – ein theatrales Flashmop-Projekt mit Senioren“

„wir sind die menschen auf den wiesen, bald sind wir die menschen unter den wiesen. und werden wiese und werden wald, das wird ein heiterer landaufenthalt.“ (Ernst Jandl)

14 Senioren unterwegs in der Landeshauptstadt mit einem schönen Gedanken von Ernst Jandl auf den Lippen

„Stadtkantengeschichten“. So hat das Junge Ensemble Stuttgart die Spielzeit 2011/2012 überschrieben. Und weil Fragen nach der äußeren und inneren Gestaltung einer Stadt immer auch mit Fragen nach Lebensentwürfen verbunden sind, setzte sich das Seniorentheater „die 5te jahreszeit“ bei diesem Projekt mit altersspezifischen Fragen auseinander. Dann kam ein neuer Gedanke hinzu: Einmal den geschützten Raum der Theaterbühne zu verlassen und sich einem unvorhersehbarem Publikum zu stellen.

„Unterwegs in der Öffentlichkeit – was ist euch wichtig?“ Dies war eine erste Hinführung zum Thema, spontane Antworten waren: „Gelassen aber nicht kritiklos sein, streitbar bleiben, mitmischen so lange es geht, Wünsche nicht aufschieben, ich träume noch, heute leben, neue Dinge wollen, Normalität kann grotesk sein…“ Diese Inhalte wurden verdichtet und dazu passende literarische Texte gesucht. Das Ganze wurde bearbeitet und in die Form eines theatralen Flashmobs gebracht.

13 Mal wurde die Aktion durchgeführt. Spielorte waren Schulhöfe, Plätze in der Stadt, die Wilhelma, vor der Stiftskirche, ein schickes Einkaufszentrum, u.a.m.

Kuratorium

Frank Grünert // BDAT-Vizepräsident und Vorsitzender des Kuratoriums

Miriam Deforth // Moderatorin/Schauspielerin

Marcus Joos // Vorstandsmitglied Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

Roland Friedel // Rundfunksprecher/Schauspieler i.R.

Eva Bittner // Leitung Theater der Erfahrungen

Prof. Bernd Guhr // Schauspielpädagoge und Regisseur

Martina Pfeil // Theaterpädagogin

Irene Ostertag // Geschäftsführerin BDAT (nicht stimmberechtigt)

Norbert Niclauss // Vertreter des Beauftragten für Kultur und Medien

amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2012

Der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) schrieb 2012 zum zweiten Mal einen bundesweiten dotierten Preis aus.

Das Preisträgerfestival  zum Deutschen Amateurtheaterpreis 2012 fand vom 06. – 08. September 2012 in Rudolstadt (Thüringen) statt.

Preisträger

SPARTE SCHAUSPIEL

Die SCHOTTE, Erfurt (Thüringen) //
„ROMEO UND JULIA“ von William Shakespeare Deutsch von Thomas Brasch

Romeo und Julia//Sparte Schauspiel

 

// Das Stück

Keine Liebesgeschichte hat eine vergleichbare Kraft und Popularität entwickelt wie Shakespeares „Romeo und Julia“ aus dem späten 16. Jahrhundert. Zwei junge Menschen sehen sich, verlieben sich ineinander und taumeln gemeinsam in den Abgrund. Ein Spiel voller Sinnlichkeit und überhitzter Natur, voller Übermut und Absolutheit, voller Komik und Intrige, das mit jeder Aktion nur umso schneller aufs Schlimmste zuläuft. Die Inszenierung in der Regie von Uta Wanitschke / Matthias Thieme erhält einen besonderen Reiz dadurch, dass die Darsteller der jungen Liebenden im nahezu gleichen Alter wie ihre Figuren sind.

// Das Ensemble

Die SCHOTTE ist eine kulturelle Bildungs- und Freizeiteinrichtung für junge Menschen im Alter zwischen 10 und 27 Jahren, die sich über das Theaterspielen ausprobieren möchten und eine Chance zur Selbsterfahrung erhalten. Ca. 150 aktive Mitglieder nutzen die spielerischen Angebote im Bereich der Nachwuchsarbeit von Sensibilisierungsübungen bis hin zur szenischen Darstellung. Aus den Übungsgruppen entwickeln sich nach und nach die Ensemblegruppen, die sich eine Inszenierung frei auswählen können; einzelne Darsteller werden auch direkt für bestimmte Rollen angesprochen. Im „Romeo und Julia – Ensemble“ stehen ältere und erfahrene Darsteller neben jungen Akteuren auf der Bühne.

Die SCHOTTE ist Freier Träger und anerkannt als Träger der Jugendhilfe.

 

SPARTE KOMÖDIE

TOB – Theater-Oberschwaben-Bodensee (Baden-Württemberg) //
„Hommage an Loriot“, Eigenproduktion mit Texten von Vicco von Bülow

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// Das Stück

„Frauen und Männer passen nicht zusammen – eigentlich!? Diese und andere erfrischende Erkenntnisse Loriots rütteln bis heute an den Grundfesten unserer Existenz. Stellen wir uns nun einmal vor, Loriots unvergessliche Figuren entstiegen der Leinwand und den bedruckten Buchseiten und begäben sich als reale Menschen unter uns. Geht das überhaupt?

Den im Sommer 2011 verstorbenen Humoristen schon kurz darauf auf die Bühne zu bringen, war gewagt. Doch das Ensemble fand einen ganz eigenen Zugang und der Erfolg gab ihnen recht. Das Theater Oberschwaben – Bodensee (TOB) ehrt den großen Humoristen mit einer Inszenierung, die mehr sein will als eine Revue allseits bekannter Sketche: eine Huldigung des Schöpfers einzigartiger Geschöpfe, eben wie wir.

// Das Ensemble

TOB (Theater Oberschwaben – Bodensee) ist ein Ensemble, das 2008 aus den theaterpädagogischen Ausbildungsgängen des Fördervereins Theatertage am See Friedrichshafen e.V. und des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (GHS) Meckenbeuren hervorging. Das Konzept beinhaltet eine enge Zusammenarbeit von Profis und Amateuren. Alle Ensemblemitglieder haben einen theaterpädagogischen Hintergrund. Auf der Bühne spielen sie aus Leidenschaft, als Amateure im ursprünglichen Sinne des Wortes. Regie, Choreographie, Technik, Maske und Bühnenbild liegen zum Teil in der Hand von Profis, die im Kontext der jeweiligen Produktion engagiert werden. „Hommage an Loriot“ wurde unter der Leitung von Jürgen Mack gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt und ist die dritte Inszenierung des TOB.

 

SPARTE MUSIK-, TANZ- UND BEWEGUNGSTHEATER

SpinaTheater / Junges Theater Solingen (Nordrhein-Westfalen) //
„Der kleine Prinz – Maly Ksiaze“, Eigenproduktion frei nach Antoine de Saint-Exupéry

Der kleine Prinz//Sparte Musik-und Tanztheater

// Das Stück

Bin ich ein Prinz oder ein Fuchs? Für wen bin ich wichtig? Wie möchte ich leben? Worauf lege ich Wert? Wo befindet sich mein „Planet“? In Anlehnung an die Erzählung des französischen Autors aus dem Jahr 1943 setzten sich 15 Jugendliche mit und ohne Behinderungen aus Deutschland (Solingen) und Polen (Zbąszyń) in intensiver Tanz- und Theaterarbeit mit essentiellen Fragestellungen auseinander. Entstanden ist unter der Regie von Olek Witt ein phantasievolles, bildreiches Stück voller Poesie, das fast ohne Worte auskommt und dennoch viel erzählt.

 // Das Ensemble

Das SpinaTheater ist eine Jugendtheatergruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, aktuelle und gesellschaftliche Themen in einer modernen und bildhaften Theaterkunst zu inszenieren. Unter künstlerischer und theaterpädagogischer Anleitung entstehen Bühnenwerke, an deren Entstehung und Ausarbeitung die Jugendlichen mit ihren jeweils unterschiedlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten aktiv mitwirken. In den Sommerferien 2011 fanden Theaterwerkstätten in Polen und Deutschland statt, an denen behinderte und nicht behinderte Jugendliche aus beiden Ländern beteiligt waren. Hier wurde das Theaterprojekt „Der kleine Prinz – Mały Książę“ in Kooperation mit dem „Stowarzyszenie Kulturalno-Edukacyjne Przestrzeń“ entwickelt.

 

SPARTE NEUE UND AKTUELLE THEATERFORMEN

Theater im Gewölbe (ThiG)
in Kooperation mit Offenburger Schulen //
„Elsa – ich darf nicht sprechen“, Eigenproduktion von Annette Müller

Theater im Gewölbe// Sparte offene Theaterformen

 

// Das Stück

Elsa Santo wird am 4. Juni 1906 in Grafenhausen/Ortenau geboren und wächst auf einem Bauernhof auf. Mit 23 Jahren ist sie eine verheiratete Frau mit scheinbar abgesicherter Zukunft, einem eigenen Heim und einem tüchtigen Ehemann. Politik spielt keine Rolle. Das ändert sich, als vier Jahre später die Nazis an die Macht kommen. Elsa macht keinen Hehl daraus, was sie von den Nazis hält. Sie lehnt sich in aller Öffentlichkeit gegen die NS-Ideologie auf – mit weit reichenden Folgen. Elsas beschwerlicher Lebensweg wird geprägt von Denunziation, Flucht, Deportation bis zur schwierigen Heimkehr und dem Kampf um Entschädigungsleistungen.

Eingefasst in Choreographien, Sound- und Videocollagen wird hier ein Stück Heimatgeschichte lebendig, das die Zuschauer hautnah am Geschehen teilhaben lässt.

// Das Ensemble

Das Theater im Gewölbe (ThiG) besteht als Amateurtheater seit über 30 Jahren in Offenburg. Neben Klassikern und Collagen stehen beim ThiG auch Eigenproduktionen auf dem Programm. 2011 übernahm Annette Müller die Regie mit dem Ziel, eine Zusammenarbeit zwischen Amateurtheater und Schule zu initiieren. „Elsa – ich darf nicht sprechen“ ist für das ThiG das erste Kooperationsprojekt mit Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Schulen Offenburgs.

Zehn erwachsene Darstellerinnen und Darstellern des ThiG und 17 Jugendliche erarbeiteten diese Inszenierung, die Altersspanne lag zwischen 8 und 75 Jahren.

 

SPARTE SENIORENTHEATER

Consol Theater Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) //
„Ká síra diyá – Großeltern erzählen die Geschichte einer Reise“, frei nach Mike Kennys „Der Junge mit dem Koffer“

Consol_Theater//Sparte Seniorentheater

 

// Das Stück

Wie geht es Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, welche Hürden nehmen sie dafür in Kauf und was gibt ihnen Halt? 12 Seniorinnen und Senioren, zum Teil mit eigenen Migrationserfahrungen, erzählen die Geschichte von Naz, der seine Heimat im Nordwesten Afrikas verlassen muss, weil das Land austrocknet und Mensch und Vieh nicht mehr überleben können. Während seiner abenteuerlichen Flucht durch die Wüste, über Gebirge und Meere bis nach Deutschland begegnet er Krieg, Ausbeutung, Feindschaft, anderen Leidensgefährten und unverhoffter Rettung. Was ihm immer wieder Mut gibt, sind die Erinnerungen an sein Zuhause und die Geschichten, die sein Vater ihm jeden Abend erzählt hat.

Vor dem Hintergrund einer außergewöhnlichen Bühnenkonstellation lässt die Inszenierung im Wechsel zwischen Erzähler und szenischem Spiel eine besondere Nähe zum Zuschauer entstehen.

// Das Ensemble

Das Consol Theater ist ein freies Theater mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater, beheimatet auf einer ehemaligen Zeche in Gelsenkirchen. Neben den professionell besetzten Produktionen gibt es eine breit gefächerte Arbeit mit Amateuren aller Altersgruppen, die in Kursen und professionell angeleiteten Projekten die Möglichkeit erhalten, sich auf der Bühne auszuprobieren und eigene Stücke zu entwickeln.

Für die Inszenierung „Ká síra díya – Gute Reise“ fanden Seniorinnen und Senioren aus verschiedenen Kontexten und Gruppen zusammen. Die Grundlage für diese Bühnenarbeit bildete ein gemeinsames Interesse an der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen der Gesellschaft und an der Begegnung mit einem jungen Publikum. Unter der Leitung von Andrea Kramer (Regie) und André Wülfing (Erzähltraining) entwickelte das Ensemble diese Geschichte einer modernen Migration, die individuelle Texte mit Szenen aus Mike Kenny‘s „Der Junge mit dem Koffer“ kombiniert.

Jury

Jürgen Flügge // Juryvorsitzender/Vorsitzender Fonds Darstellende Künste/Regisseur/Dramaturg/Theaterautor

Prof. Dr. Christel Hoffmann // Theaterwissenschaftlerin/Dramaturgin/Theaterpädagogin

Prof. Bernd Guhr // Schauspielpädagoge und Regisseur

Christian Engelbrecht // Dramaturg Theater Rudolstadt

Frank Grünert // Vizepräsident BDAT/Vors. Thüringer Theaterverband/Leiter theater-spiel-laden Rudolstadt

Marcus Joos // Vorstandsmitglied Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

Stephan Schnell // Regisseur/Theaterwissenschaftler/Bildungsreferent BDAT

Norbert Niclauss // Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche des Beauftragten für Kultur und Medien, BKM (Beisitzer)

amarena – Innovationsförderung 2013

Zum zweiten Mal werden vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) im Rahmen der „amarena-Innovationsförderung“ ausgewählte Projekte mit insgesamt 25.000 Euro gefördert. insgesamt haben sich 50 Projekte beworben. Davon wurden sieben Amateurtheaterprojekte gefördert.

Förderempfänger

Trommer Sommer, Tromm/Gemeinde Grasellenbach (Hessen) //

„Theater – Traktor: Mobiles Bauwagentheater für die Kindergärten im Odenwald“

„Ein antiker Traktor mit einem kleinen Theater im Bauwagen tourt im Sommer durch den ländlichen Raum, um in Kindereinrichtungen die Lust am Theaterspiel zu wecken. Akteure der Sommerspiele Überwald möchten in dem interaktiven Theater selbst entwickelte Sprachspiele und kleine Geschichten zur Aufführung bringen, die regionalen Märchen und Mythen, Tierfabeln und Naturparabeln entlehnt sind. In dem bunten Traktor-Bauwagen-Theater können die Kinder nach der Vorstellung mit den Materialien arbeiten, die Stücke „verarbeiten“ oder eigene Stücke erfinden. Das Kuratorium fördert das Konzept des Trommer Sommers e.V., im ländlichen Raum des Odenwaldes ein mobiles Amateurtheater zur Sprachförderung und Integration kleiner Kinder aufzubauen, dessen poesievolle Stücke der frühkindlichen Erfahrung entsprechen und ihrer Entwicklungsstufe gerecht werden.

Frank Grünert (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Studio-Bühne Essen (Nordrhein-Westfalen) //

„Ich bin ein amüsanter Clown für einen Nachmittag“ (Anne Frank, August 1944)“

„Seit 1951 bietet dieses Amateurtheater kontinuierlich und erfolgreich sowohl heranwachsenden als auch älteren Generationen Spielräume für unterschiedlichste Theaterformen und vielfältige Kooperationsmöglichkeiten an. Das Anne Frank Projekt vereint Mitwirkende im Alter von 16 bis 76, setzt sich mit dem Erwachsenwerden in unserer Zeit, dem bekannten Tagebuch und übergreifend mit dem Zeitgeschehen – Syrien – auseinander. Neben eigener und literarischer  Sprache werden insbesondere Mittel des Bewegungstheaters ausprobiert, um ,Unaussprechliches‘ erlebnishaft zu machen. Das Projekt versteht sich auch als Wortmeldung gegen die Etablierung der NPD-Landeszentrale in Essen.“

Prof. Bernd Guhr (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Türkisch-Deutsches Theater Hildesheim (Niedersachsen) //

„Das Grundgesetz – sehr sehr frei nach…“

„Einem künstlerisch-dokumentarischen Ansatz rund um das Thema Asyl und Familie folgend, wird der Zuschauer bei dem Projekt ,Das Grundgesetz – sehr sehr frei nach ….‘ mit auf eine Reise durch deutsche Gesetzbücher und bürokratische Räume genommen. Besonders spannend daran ist, dass die Zuschauer mit entscheiden, wie es weiter geht auf dem Weg zur Aufenthaltsgenehmigung. So kann Theater zu einer Plattform werden, um über Politik nachzudenken und zu zeigen, wie es ist, wie es sein könnte und wie es eben nicht sein sollte‘.

Eva Bittner (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Griechische Gemeinde Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen) //

„Prometheus, ein winterliches TheaterFeuer-Spektakel“

„Das Projekt ,Prometheus‘ des Kulturzentrums Agora der Griechischen Gemeinde Castrop- Rauxel e.V. ist ein politisches, theatrales und sinnliches „Community-Art-Projekt“, das mit den ursprünglichen Mitteln des Theaters – also des ,Geschichten erzählens‘ – (geistige) Mauern einreißt und Gemeinschaft vital fördert. Es führt Zuschauer wie Akteure an die Wurzeln der europäischen (Theater-)Kultur und nutzt den Mythos ,Prometheus‘ ganz direkt als Freund und Kulturstifter der Menschheit. In finanziell und politisch angespannten Zeiten ist es besonders wichtig, kulturelle Vielfalt zu fördern und ein integratives Miteinander zu leben.

Christine Bossert (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Cirque Obscure, Pforzheim (Baden-Württemberg) //

„COCOON – Multisensorisches Figurentheater“

„Das Kuratorium entschied sich zur Förderung eines Projekts des Cirque Obscure in Pforzheim, das Menschen mit komplexen Behinderungen in einem geschützten, theatralen Raum in eine einfache Märchenhandlung einwebt und mit vielen sensorischen, aber sanften Reizen eine besondere Kommunikation zwischen diesen besonderen Zuschauern und dem Figurentheater ermöglicht. Das Kuratorium zeigt mit dem ,amarena Innovationspreis‘ für ,Cocoon – Multisensorisches Figurentheater‘, dass Projekte, die sich auf besonders durchdachte Weise auch einer kleinen Zielgruppe zuwenden, im Amateurtheaterbereich selten und besonders förderungswürdig sind.“

Miriam Deforth (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

die bühne, Dresden (Sachsen) //

„schnell & schmutzig“

„Man gebe acht Theatergruppen ein Thema, an dem sie sich 48 Stunden lang abarbeiten können, um anschließend mit ihren 10minütigen Shows in einem Wettkampf gegeneinander anzutreten. Was fast wie eine neue Reality-TV-Sendung anmutet, ist das Mini-Theater-Produktions-Festival ,schnell & schmutzig‘. Hier steht das Theatermachen, der ,Moment des Schaffens in seiner reinsten Form‘ im Mittelpunkt. Das Kuratorium hält ,schnell & schmutzig‘ für förderwürdig und beispielhaft, weil mit diesem Format die Amateurtheaterlandschaft um ein ,wahres‘ Theaterfestival bereichert wird, bei dem der Entwicklung von Ideen, dem Ringen um die gelungenste Form, dem Glücken und Scheitern im theatralen Prozess größtmögliche Anerkennung geschenkt wird.“

Prof. Dr. Romi Domkowsky (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

TPZ / Theater am Markt (TAM) im Stadtjugendring e.V., Eisenach (Thüringen) //

„Kollaps.13“

„Theater gestaltet Gesellschaft – gegen den Kollaps des Systems! Das ist kurz gesagt der kreative Umgang mit der Finanzkrise vor der eigenen Tür des Theaterpädagogischen Zentrums/Theater am Markt in Eisenach. Weil Theater hier mit mehreren prozesshaften Projekten unter dem Gesamtkonzept „Kollaps.13″ weit über seine Bühnenkante hinaus in die Stadt wirkt, findet das Kuratorium der amarena-Innovationsförderung 2013 das förderwürdig und beispielhaft.“

Marcus Joos (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Kuratorium

Frank Grünert // Kuratoriumsvorsitzender amarena/Vizepräsident BDAT/

Vorsitzender Thüringer Theaterverband

Heribert Knecht // Vorsitzender Verband Deutscher Freilichtbühnen – Nord

Prof. Bernd Guhr // Schauspielpädagoge/Regisseur

Prof. Dr. Romi Domkowsky // Sozialpädagogin/Theaterpädagogin

Christine Bossert // Regisseurin/Dozentin

Eva Bittner // Leitung Theater der Erfahrungen

Marcus Joos // Vorstandsmitglied Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

Stephan Schnell // BDAT-Bildungsreferent/nicht stimmberechtigt

Norbert Niclauss // BKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche

amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2014

Der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) schrieb 2014 zum dritten Mal einen bundesweiten dotierten Preis aus.

Das Preisträgerfestival  zum Deutschen Amateurtheaterpreis 2014 fand vom 11. – 13. September in Ransbach-Baumbach (Rheinland-Pfalz) statt.

Preisträger

SPARTE SCHAUSPIEL

stellwerk – das junge Theater Weimar (Thüringen) //
„Leonce und Lena“ von Georg Büchner

Leonce und Lena//Schauspiel

// Das Stück

Das Leben der Reichen ist wie ein langer Sonntag: Das ist der kritische Blick von Büchner auf die Gesellschaft im Jahr 1836 und gleichzeitig auch Spiegelbild unserer Zeit.

„Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie verlieben sich, heiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile und alles mit den wichtigsten Gesichtern. Alle diese Helden, die Heiligen, diese Sünder sind im Grunde raffinierte Müßiggänger.“ (Leonce)

In dieser Inszenierung sind Leonce und Lena Menschen unserer Zeit, mit der Sehnsucht nach Liebe und der Erfüllung von Idealen. Wenn der Narziss nicht im Wege stünde, wäre die Welt so schön und die Literatur hätte eine tragische Geschichte weniger…

 

// Das Ensemble

Das Jugendtheater e.V. im stellwerk ist ein Verein mit eigener Spielstätte im Weimarer Hauptbahnhof und mit kontinuierlichem Spielplan für ein vorwiegend junges Publikum. Der Arbeitsschwerpunkt liegt seit 1999 in der kulturellen Bildung im theaterpädagogischen Kontext. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene finden außerschulisch unter professioneller Anleitung ein breites Spektrum an szenischen, tänzerischen und performativen Angeboten.

Die Darstellerinnen und Darsteller der Produktion „Leonce und Lena“ sind Studierende verschiedener Fachrichtungen in Weimar. Umgesetzt wurde das Stück unter der Regie von Regine Heintze u. a. mit medialen Mitteln. Dabei halfen selbst produzierte Videos der Studierenden eine Außenwelt in den Bühnenraum zu transferieren.

 

SPARTE KINDER- UND JUGENDTHEATER

JugendtheaterBüro Berlin //
„90/60/90: Rollenscheiß!”, Eigenproduktion

©Mesut Aydin

// Das Stück

„Sei eine Lady! Sei niedlich! Sei schwach! Putz! Koch! Krieg Kinder! Aber vergiss deine Arbeit nicht! Und dabei bitte immer gut aussehen!“ Sechs Freundinnen verlaufen sich in die pinke Barbie-Welt am Berliner Alexanderplatz. Was als spaßiger Ausflug beginnt, entwickelt sich zu einem Alptraum und zeigt die Welt hinter der Barbie-Fiktion. Nach und nach entdecken die Mädchen immer mehr die erschreckende Realität der beengenden Rollenbilder, die sich hinter den Stationen im Barbiehaus auftun: Zerrüttete Ehen, beengende Geschlechterrollen, die zerstörerische Realität der Supermodels –  die scheinbar westlich-emanzipierte Frau im Kontrast zur Muslima.

 

// Das Ensemble

Das JugendtheaterBüro Berlin (JTB) ist ein künstlerischer Betrieb in Berlin-Moabit, der von MitarbeiterInnen und Jugendlichen verschiedenster Altersgruppen, Religionen, Nationalitäten und Charakteren gemeinsam getragen und gestaltet wird. „Wir machen Theater zu selbstgewählten Themen und verbinden künstlerische und kulturelle Aktionen mit politischer Bildung und dem Aufbau eines alternativen und gemeinschaftlich gestalteten Theaterbetriebs im Kiez“, so der Anspruch. Die Ensemblemitglieder des Stückes „90/60/90: Rollenscheiß!“ sind größtenteils muslimische Jugendliche im Alter von 16 bis 22 Jahren aus verschiedenen Berliner Stadtteilen.

 

SPARTE SENIORENTHEATER

Theater der Erfahrungen – Hospiz Schöneberg-Steglitz (Berlin) //
„Bertha, stirb endlich!“, Eigenproduktion

@Stephan Schuetz

// Das Stück

Auf Burg Schreckenstein ist alles wie immer, man stänkert und feiert, lästert und langweilt sich. Alle dreißig Jahre treffen sich hier die Vampire, um mal wieder den unendlich öden Geburtstag eines Clanmitglieds zu begehen. Doch beim 770. Geburtstag der dementen Barbarella ist plötzlich alles anders. Bertha ist sterbenskrank, weil sie offenbar einen Pfarrerssohn gebissen hat, der ins Weihwasser gefallen war. Damit kann der Clan nicht umgehen und schiebt die alte Dame ins Hospiz ab. Wie lange wird es aber Berta im Hospiz aushalten? Was wird ihr vergehen? Das Lachen, das Saugen? Wer wird wen überleben? Und weil das mit dem Sterben bei den Vampiren nicht so schnell geht, stehen die Pflegerinnen und Mitarbeiterinnen plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen.

Die Geschichte von Berta wird in acht Bildern und vier Zwischenspielen mit Musik erzählt.

// Das Ensemble

Das Theater der Erfahrungen und das Hospiz Schöneberg-Steglitz gehören zum Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V., einem sozialen Träger im Berliner Südwesten. Im Rahmen dieser Kooperation machten sich sechzehn Beteiligte auf den Weg, das Thema „Tod“ als gesellschaftliches Tabuthema künstlerisch zu bearbeiten. Über einen Zeitraum von 18 Monaten wurde diese Theaterproduktion entwickelt, die auf Spielerfahrungen des Seniorentheaters und den Alltagserfahrungen der Hospizarbeit aufbaut. Herausgekommen ist unter der Leitung von Eva Bittner und Stefan Schütz eine amüsante und zugleich tiefgründige Inszenierung, die es ermöglicht, auch mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.

 

SPARTE MUNDART UND VOLKSTHEATER

Das Glasperlenspiel in Asperg (Baden-Württemberg) //
„Der schwäbische Tartüff“, Verskomödie von Johann Martin Enderle nach Molière

@Klaus Muth

// Das Stück

Im Haus von Eugen Auberle ist nichts mehr wie es war, seitdem der Hausherr den scheinheiligen Tartüff von der Straße aufgelesen und bei sich aufgenommen hat. Während sich Auberle und seine Mutter Berta von dem Schwindler um den Finger wickeln lassen und nicht bemerken, dass Tartüff es allein auf das Vermögen der Familie abgesehen hat, durchschauen nach und nach alle übrigen Hausbewohner dessen aufgesetzte Tugend und Frömmelei. Sie stoßen jedoch mit ihren Warnungen bei Eugen Auberle auf taube Ohren. Zum Trotz setzt er Tartüff zu seinem Erben ein und will ihm sogar seine Tochter Mariele zur Frau geben. Da greift seine Gattin zu einem Trick, doch als Auberle endlich die Augen aufgehen, ist es fast schon zu spät. Kann das Schlimmste noch verhindert werden?

// Das Ensemble

Das Glasperlenspiel in Asperg e.V., Kreis Ludwigsburg, ist ein gemeinnütziger Verein, der eine Kleinkunstbühne mit eigenem Amateurtheater-Ensemble betreibt. Seit der Gründung im Jahr 1987 wurden über 30 Theatereigenproduktionen – in Mundart oder Hochsprache, als Komödie, Schauspiel oder Drama – vom Ensemble umgesetzt. Das Ensemble bringt seine Stücke unter professioneller Regie zur Aufführung.

Rund 200 Mitglieder zählt der Verein, über 60 Akteure engagieren sich ehrenamtlich im Theater und bei Veranstaltungen in den Bereichen Schauspiel, Vorverkauf, Kasse, Theke, Technik und Programmgestaltung.

 

SPARTE OFFENE THEATERFORMEN

spinaTheater – junges ensemble solingen (Nordrhein-Westfalen) //
„99 Prozent”, Eigenproduktion

99 Prozent

 

// Das Stück

Millionen Menschen protestieren teils unter Einsatz ihres Lebens weltweit für Freiheit und Demokratie. All jene, die sich neuerdings „die 99 Prozent“ nennen, und jene, die schon früher für Demokratie und Freiheit aufgestanden sind, eint ihr innerer Schrei nach Veränderung und Empörung über das Bestehende. Ein Großteil der Menschheit hat kaum Einfluss auf das politische Geschehen in unserer globalisierten Welt. Selbst in Europa werden Bürgerrechte zunehmend beschnitten. Unser Wirtschaftssystem funktioniert nur auf dem Rücken der Ärmeren und macht es uns sehr einfach, teilnahmslose Konsumenten zu sein. Doch mit wachsender Ungerechtigkeit wächst scheinbar auch die Anzahl der Menschen, die es wagen, für Veränderungen einzustehen. Wie weit würdest du gehen? Auf der Straße demonstrieren, ein paar blaue Flecken riskieren, deine Freiheit aufs Spiel setzen oder gar dein Leben gefährden?

// Das Ensemble

Das spinaTheater Solingen ist eine junge Theatergruppe, die sich kritisch mit sozialen und politischen Fragen auseinandersetzt und diese in ihren Produktionen mit Jugendlichen zum Thema macht. Das Ensemble arbeitet unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs Olek Witt, seit 2012 auch unter der Leitung ehemaliger Darsteller und in Zusammenarbeit mit freien Künstlern in wechselnder Besetzung. Durch das Zusammenspiel von körperlichem Ausdruck, Tanz, Musik und Bühnenbild formt sich ein modernes Performancetheater, das sowohl junges als auch reiferes Publikum anspricht. Seit der Gründung 2003 entstanden zehn erfolgreiche Produktionen, u. a. gewann das Ensemble 2012 den Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“ in der Sparte Musik-, Tanz- und Bewegungstheater.

Jury

Friedrich Schirmer // Juryvorsitzender/Intendant

Frank Grünert // Vizepräsident BDAT/Vorsitzender Thüringer Theaterverband/Leiter theater-spiel-laden Rudolstadt

Prof. Bernd Guhr // Schauspielpädagoge/Regisseur

Christine Bossert // Regisseurin/Dozentin

Inge Rossbach // Schauspielerin/Regisseurin/Leitung VHS Theater art vor ort Bad Kreuznach

Martin Bretschneider // Schauspieler/Moderator/Theaterpädagoge

Stephan Schnell // Regisseur/Theaterwissenschaftler/Bildungsreferent BDAT

Norbert Niclauss // Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche der Beauftragten für Kultur und Medien/BKM (Beisitz)

amarena – Innovationsförderung 2015

Zum dritten Mal werden vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) im Rahmen der „amarena-Innovationsförderung“ ausgewählte Projekte mit insgesamt 14.000 Euro gefördert. Insgesamt haben sich 33 Projekte beworben. Davon wurden vier Amateurtheaterprojekte gefördert.

Förderempfänger

Theater unter der Dauseck Oberriexingen (Baden-Württemberg) //

„ALICE gespiegelt“

 

Das Möbelhaus als theatrales Wunderland

Das Theater unter der Dauseck ist dafür bekannt, jedes Jahr zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen eine Theaterproduktion an einem neuen Spielort mit einem neuen Ensemble zu entwickeln. Neu meint dabei nicht nur: „Das war noch nicht da!“, sondern auch: „Vergessen Sie die Ihnen bekannten Konventionen!“.

Das geplante Theaterprojekt „ALICE gespiegelt“ verlegt Alices gewohnte Wunderwelt in die wunderbare Wohnwelt eines Möbelhauses, das nicht nur „Luxus für Alle“ verspricht, sondern gleichsam vielfältige Einrichtungsideen für unser Leben bietet und nicht zuletzt symbolische Abstellräume für vergessene Träume und Hoffnungen bereithält. Gesellschaftlich relevante Fragestellungen wie Konsumorientierung, der durchhetzte Alltag, „Social Freezing“ oder Existenzängste werden in Szenen aus „Alice im Wunderland“ übersetzt und in der möblierten Lebenswelt mit dem Bastelmaterial unserer Biographien verbunden.

Das Theater unter der Dauseck verfolgt das Prinzip, dass jede_r mitwirken kann. Menschen vor Ort werden in das Projekt einbezogen. Es konstituiert sich ein neues Ensemble, das ausgehend von der konzeptionellen Idee die Inszenierung erarbeitet. Die Biografien und Familiengeschichten der Mitwirkenden sind dabei Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit pluralen Lebensentwürfen unserer Gesellschaft.

Dem Anspruch, jede_n zu erreichen, kommt das Theater unter der Dauseck auch für sein Publikum nach. Zum Ort der Inszenierung wird ein Möbelhaus, ein Platz, an dem das alltägliche Leben stattfindet.

Das Kuratorium der amarena-Innovationsförderung 2015 hält „ALICE gespiegelt“ für förderwürdig und beispielhaft, weil mit einer zeitgenössischen, ortsspezifischen Theaterform Spieler_innen und Zuschauer_innen erreicht werden, die sonst möglicherweise keine Begegnung mit diesem künstlerischen Ansatz haben würden. Theater wird nicht losgelöst vom Aufführungsort und den dort lebenden Menschen gemacht. Der Ort selbst und die mit ihm verbundenen Menschen können sich einbringen. Konzeptionell überzeugt die Idee der Inszenierung gesellschaftlich relevanter Themen in einem Möbelhaus als Ort, der Umbrüche im Leben markiert und gleichzeitig dafür steht, sein Leben zeitweilig in einer individualisierten Variante einzurichten, die schlussendlich doch vorgegeben ist.

Romi Domkowsky (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

V.E.B. VereinsEigeneBühne, Chemnitz (Sachsen)//

„Fremdes Vertrautes“

Das Projekt „Fremdes Vertrautes“ des „V.E.B. VereinsEigeneBühne e.V.“, Chemnitz, ist für die amarena Innovationsförderung 2015 ausgewählt worden. In Zeiten um sich greifender rassistischer Verdüsterung und Verrohung der Gesellschaft müssen und dürfen Theaterprojekte nicht fehlen, die sich mit der Vielfältigkeit und den Wurzeln unserer europäischen Kultur auseinander setzen. Die Figur des Moriskentänzers steht hier am Anfang einer theatralen Entdeckungsreise. Morisken und ihre Kunst, aus den arabischen Ländern nach Europa gekommen, als höfische Kunst etabliert, haben unsere Theaterformen geprägt. In der Verstellung, der Unterdrückung und Sublimierung des beißenden Spotts konnte sich so Kritik an den Lebensumständen frei äußern. Die Körperlichkeit, der Spott und Hohn gegenüber den Adligen und Geizigen wurde von den Morisken verbreitet und beeinflusste die Darstellungen der Commedia dell´arte. Zu überhöhen und der herrschenden Klasse eine lange Nase zu zeigen, war immer schon Bestandteil einer lebendigen Theaterkultur.

Die Auseinandersetzung und Erarbeitung dieser Themen von und mit einer bunten Gruppe theaterbegeisterter Menschen verdient jede Anerkennung. Dieses innovative Projekt verbindet, öffnet, zeigt und erforscht und dies wird mit der amarena Innovationsförderung gewürdigt und unterstützt.

Christine Bossert (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Stage Divers(e) Forum für JugendTheaterKultur, Esslingen (Baden-Württemberg) //

„Upside down – schwerelos“

Die Stage Divers(e) aus Esslingen sind ein Zusammenschluss nicht professioneller Theaterschaffender, erwachsen aus einer ehemaligen Schultheater-AG eines Gymnasiums.

Sie lehnten die Ihnen zugedachte Rolle als Nachahmer professioneller Schauspieler und der anerkannten Bühnensprache ab und wandten in jugendlicher Frechheit den Profi-Bühnen und anderen belehrenden Institutionen den Rücken zu. Inzwischen sind sie ein anerkannter Verein und wurden mehrfach ausgezeichnet. Das Ensemble setzt sich aus Studierenden, Berufstätigen, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchenden, Schülern, Rentnern und weiteren Sympathisanten zusammen.

In dem Projekt „Upside Down – schwerelos“ werden die Stage Divers(e) mit 20-25 jungen Menschen im ArtisTraum Berlin ein internationales Theater-Artistik-Stück erfinden und im Anschluss in Berlin und Esslingen präsentieren. „Wir verlassen vollständig den klassischen Theaterrahmen,  wir lösen nicht nur den Zuschauerraum, sondern auch den Bühnenraum auf. Wir spielen im Publikum  und um das Publikum herum, wir erheben es gleichsam mit auf die unterschiedlichen Ebenen, horizontal und vertikal.“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Als Akteure mit Vorerfahrung holen sie die Theatergruppe Colectivo racún aus Santiago de Chile nach Deutschland. Mit Hilfe ihres Könnens wird der internationale Ansatz und gleichermaßen die Sicherung für noch nicht erfahrene Mitwirkende gewährleistet. „Wir wollen nicht nachahmen, denn das schafft nichts Neues.“, sagt Babette Ulmer, Initiatorin des Projektes.  Das Hauptanliegen dieser Art internationalen Theaters sei es, neue Wege der Kommunikation ausfindig zu machen, die sich nicht auf das gesprochene Wort konzentrieren.  Dem Publikum in Berlin und in Esslingen sollen Perspektiven geschaffen werden, die in dieser Kombination noch nicht gesehen oder gehört wurden und dem Kulturkonsumenten den Weg in sein gewohntes Hör- und Sehvermögen verstellen. Ob es den Stage Divers(e) gelingt, gleichsam den Zuschauerraum in die Lüfte zu erheben, wird sich zeigen. Wir dürfen gespannt sein.

 

Martin Bretschneider (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Offener Kunstverein Potsdam Land Brandenburg / Theatergruppe „Tarántula“//

(Verbotene Zonen) „RAMSCH – frei nach Picknick am Wegesrand der Brüder Strugatzki“

 

Die Jugendtheatergruppe „Tarántula“ hat in Potsdam einen vergessenen Ort entdeckt: an der Grenze zum preußischen Heiligtum „Sanssouci“! Vormals Jugendtreff, Gaststätte – jetzt: leer, verlassen, ruinös. Hier soll sich ein Theaterprojekt nach dem Sci-Fi-Roman „Picknick am Wegesrand“ der Gebrüder Strugatzki entwickeln. Ein verlassener Picknick-Platz Außerirdischer wird zur „Verbotenen Zone“, da sich die Mächtigen Innovationen aus dem unbekannten Abfall versprechen.

Die international buntgemischte Truppe wird den verlorenen Raum wiederentdecken, beleben. Die zu erwartenden Auseinandersetzungen in philosophischen, moralischen, psychologischen Sichten zum Thema „Zivilisation“ werden sicher bei Machern und Zuschauern ungewohnte Fenster öffnen (in diesem Zusammenhang sei die Filmadaption „Stalker“ von A.Tarkowski wärmstens empfohlen).

Die kreative Entwicklung dieses Projektes aus der Gruppe heraus (Dramaturgie/Ausstattung/Choreografie/Musik) mit professioneller Unterstützung hat uns bewogen, der Gruppe die amarena Innovationsförderung zukommen zu lassen.

Ulrich Schwarz (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Kuratorium

Frank Grünert // Kuratoriumsvorsitzender amarena/Vizepräsident BDAT/Vors. Thüringer Theaterverband

Frank Weymann // Öffentlichkeitsreferent und Redakteur „ungeschminkt“ im Landesverband Hessischer Amateurbühnen

Prof. Dr. Romi Domkowsky // Professorin für Theaterpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin/Stellvertretende Vorsitzende der BAG Spiel & Theater

Friedrich Schirmer // Intendant

Martin Bretschneider // Schauspieler/Moderator/Theaterpädagoge

Ulrich Schwarz // Schauspieler/Regisseur/stellv.Vorsitzender u. Künstl. Leiter Landesverband Amateurtheater Sachsen

Norbert Niclauss // BKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche/Beisitzer/nicht stimmberechtigt

Stephan Schnell // BDAT-Bildungsreferent/nicht stimmberechtigt

Nicht auf dem Bild: Petra Wahed-Harms // Künstl. Leiterin Amateurtheaterverband Niedersachsen

amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2016

Der Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) schrieb 2016 zum vierten Mal einen bundesweiten dotierten Preis aus.

Ziel ist es, die hohe Qualität und die vielfältige Schaffenskraft des Amateurtheaters der Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Arbeit den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Es werden Preisgelder in Höhe von insgesamt 10.000 Euro vergeben. Bewerben konnten sich alle nicht professionellen Ensembles der Darstellenden Kunst mit Inszenierungen, die zwischen dem 1. Februar 2014 und 1. Februar 2016 Premiere hatten oder haben.

Das Preisträgerfestival fand vom  22. bis 24. September 2016 in Offenbach am Main (Hessen) statt.

Preisträger 

SPARTE SCHAUSPIEL

Cammerspiele Leipzig (Sachsen) //
„Die (Selbst)Natürlichen“ nach Denis Diderot

// Das Stück
Dorval, der tugendhaft Falsche – Clairville, der emotional Brutale – Theresia, die souverän Einsame – Rosalia, die unschuldig Furiose: immerfort auf der Suche nach dem eigenen Selbst, verlieren die vier schon bald Zeit und Faden aus den Augen. Dabei liebt er sie doch – und sie liebt ihn. Aber was soll man machen? Er will sie ja auch – und sie will ja auch ihn. Scharaden der Stutenbissigkeit und Balladen brüderlicher Herzenswärme. In Spiralen laufen sie um das Glashaus, das sie ihr Leben nennen, verstricken sich bald in der Leere ihrer Worte und vergehen in der schwarzen Hysterie, die alltäglichen Werte aufrecht zu erhalten – ein Sisyphusspiel der Intrigenarbeit. Und der witzsüchtige Spinner, der heimlich die Strippen zieht, kommt dabei voll auf seine Kosten. Am Ende steht die Frage: Was ist natürlich, wenn eine Leiche ein Auge zukneift?

// Das Ensemble
Die CAMMERSPIELE sind Bühne und Möglichkeitsraum für innovative, junge Theatermacher aus Leipzig. Das Programm reicht von zeitgenössischen Inszenierungen moderner und klassischer Werke über Stückentwicklungen bis zu Performances und experimentellen Formaten. Gastspiele aus dem deutschsprachigen Raum und Europa, monatliche Impro-Shows, Sommertheater und Weihnachtsstück ergänzen den vielfältigen Spielplan. Die Zuschauer werden in den CAMMERSPIELEN Teil eines gemeinsamen, oft intimen Theatererlebnisses, denn im kleinen Saal des freien Theaters sind Geschehen und Spieler ganz nah dran. Außergewöhnliche Konzepte und neue Ausdrucksformen treffen dabei auf aktuelle Fragestellungen. Theater am Puls der Zeit!

 

SPARTE SENIORENTHEATER

Theater Uhu, Bonn (Nordrhein-Westfalen) //
„Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt

// Das Stück
Güllen, ein marodes Kaff. Die Güllener, durchaus nicht bösartig. Arm, aber nicht ohne Hoffnung. Der Besuch der Milliardärin Claire Zachanassian eröffnet die Hoffnung auf ein neues Leben. Claire aber möchte nicht helfen, sondern sich rächen. Seinerzeit spielte Claires Jugendliebe Alfred ihr übel mit, nun fordert sie Gerechtigkeit. „Ich kann sie mir leisten. Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Alfred Ill tötet.“ Aus anfängerlicher Empörung über das unmoralische Angebot wird stillschweigendes Arrangieren, moralisches Aburteilen von Alfreds Jugendsünde und Ausgrenzen sowie schließlich unverhohlene Geld- und Mordgier. Korruption, das zeigt Dürrenmatt in seiner gesellschaftlichen Versuchsanordnung, ist ein schleichendes Gift. Und niemand kann für sich behaupten, dass er dagegen resistent wäre. Der Autor jedenfalls schrieb als Mitschuldiger.

// Das Ensemble
Im August 2008 wurde die „U100-Theatergruppe“ des Kulturzentrums Brotfabrik Bonn gegründet und nutzt seither deren Bühne als Aufführungsort. Bei Theater Uhu können alle unter hundert („U-hu“), in der Regel ab dem zweiten Frühling, mitmachen. Bei den Akteuren handelt es sich um theaterbegeisterte Amateure mit ihren ganz speziellen, individuellen Befähigungen und Lebensgeschichten. Punktuell werden die Uhus von Profis unterstützt: Sie arbeiten seit Theatergründung mit dem Regieteam Volker Maria Engel (Bearbeitung, Regie) und Sandra Van Slooten (Dramaturgie, Ausstattung) zusammen. Das „reife“ Ensemble sucht auch den Austausch mit der jüngeren Generation und baut verschiedentlich je eine dieser Personen in ihre Produktionen ein: Schauspielschüler oder Absolventen einer Schauspielschule, Jugendliche oder Personen mittleren Alters.
Die Gruppe Theater Uhu bevorzugte bisher eher klassische Textvorlagen verschiedener Genres und verfolgte mit dem Regisseur stets Inszenierungen, die den Bezug zu Älteren in der Jetztzeit herausarbeiteten.

 

SPARTE KINDER- UND JUGENDTHEATER

Piccolo Theater Cottbus (Brandenburg) //
„TOUCH DOWN“, Eigenproduktion

// Das Stück
Der Piccolo Theater Jugendklub hat sich in der Spielzeit 2013/2014 mit dem Thema Rollenbilder und Sexismus auseinandergesetzt und ist im Zuge der Recherchen auf einen Fall aufmerksam geworden, der sich am 11. August 2012 in Steubenville, Ohio, zwischen zwei Jungs und einem Mädchen abgespielt hat. Die beiden Jungs hatten die betrunkene 16-Jährige an diesem Abend von Party zu Party geschleppt und immer wieder vergewaltigt. Das ganze Geschehen wurde fotografiert, gefilmt, ins Netz gestellt und dort von anderen Jugendlichen zeitgleich kommentiert. Der Piccolo Jugendklub versucht die Geschichte zu rekonstruieren und beleuchtet Hinweise und Ansätze einer „Vergewaltigungskultur“ in der westlichen Welt, die von eindimensionalen Männer- und Frauenbildern geprägt und gesamtgesellschaftlich produziert und gefördert wird.

// Das Ensemble
Der Theaterjugendklub bildet die Altersspitze der theaterpädagogischen Angebote des Piccolo Theaters. Hier arbeiten Jugendliche zusammen, die schon mehrere Jahre in anderen Piccolo Gruppen aktiv waren, der Theater Jugendklub ist aber auch von außen zugänglich. Die Mitglieder sind 14 bis 21 Jahre alt. Jedes Jahr wird ein Theaterstück inszeniert, das auch im regulären Spielplan des Theaters erscheint und sich immer mit Themen von Jugend und Jugendlichen beschäftigt. Seit 2006 wird der Jugendclub von Matthias Heine geleitet. Mit den Mitteln des Theaters entwickelt der Jugendklub Eigenproduktionen und Textbearbeitungen. Das neue Projekt beginnt jeweils im August und wird im April des nächsten Jahres uraufgeführt. Dabei wird aus pädagogischer Sicht sehr viel Wert auf kreative Eigeninitiative der Teilnehmer gelegt. Die Texte und die Inszenierungsideen werden gemeinsam entwickelt.

 

SPARTE MUSIK-, TANZ- ODER BEWEGUNGSTHEATER

Leipziger Tanztheater Juniorcompany der Älteren (Sachsen)//
„Ich bin. Aber ich habe mich noch nicht.“ von Bettina Werner

// Das Stück
Die neuen Medien sind nicht mehr neu. Als fester Lebensbestandteil beeinflussen und verändern sie YouTube, Facebook, Instagram und Co. unseren Alltag, besonders den der jungen Generation. Die virtuelle Welt scheint sich längst nicht mehr von der realen trennen zu lassen. Wie sich Jugendliche in diesen Welten bewegen und welchen Möglichkeiten sie dort begegnen, bringt Choreografin Bettina Werner in ihrem Tanzstück „Ich bin. Aber ich habe mich noch nicht.“ auf die Bühne. Neben Inspiration aus verschiedenen literarischen Werken fließen persönliche Erfahrungen der siebenundzwanzig 14 bis18-jährigen LTT-Tänzer in das Stück ein. Gefühle und Gedanken um medial vermittelte Vorbilder und um die individuelle Suche nach Glück inszeniert Werner für ihre Tänzer in einem Bühnenbild, in dem Kuben und Videoprojektionen die räumliche Dimension der Bühne erweitern.

// Das Ensemble
Die Juniorcompany der Älteren ist eine von drei Companies des Leipziger Tanztheaters. Sie wird zweimal wöchentlich in Klassischem und Modernem Tanz unterrichtet. Das Leipziger Tanztheater (LTT) ist zum einen Ausbildungsstätte für zeitgenössischen Tanz und zum anderen Produzent von Tanztheaterstücken. In den Juniorcompanies tanzen Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, die im LTT eine fundierte tänzerische Ausbildung bekommen und mit ihren Tanztheaterstücken regelmäßig Aufführungen an unterschiedlichen Bühnen der Stadt geben, darunter das Schauspielhaus Leipzig und das Werk 2, Kulturfabrik. Unter der künstlerischen Leitung von Bettina Werner setzen sich die Tänzer der Juniorcompany der Älteren (14 bis 18 Jahre) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinander und übersetzen das Erarbeitete in die innovative künstlerische Ausdrucksform „Tanztheater“.

 

SPARTE OFFENE THEATERFORMEN

HEYOKA-THEATER, Ulm (Baden-Württemberg) //
„walking in between” von Eva Ellerkamp

// Das Stück
Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und was passiert dazwischen? Geburt, Tod, der Wechsel zwischen den Welten. Können wir uns schon in diesem Leben ein paar Schritte in den Grenzbereich hineinbewegen, einen Blick werfen auf die andere Welt, außerhalb unseres alltäglichen Bewusstseins?
Wir haben uns auf eine Forschungsreise zum Thema Tod und Sterben begeben, die uns zu einer zentralen Frage geführt hat: Wozu bin ich auf der Welt? Entstanden ist eine Collage aus Erinnerungen, Reiseberichten aus der Welt dazwischen und der Freude, am Leben zu sein. Durch die Heterogenität der Mitwirkenden entstanden viele unterschiedliche Sichtweisen und Ideen mit dem Thema umzugehen, die es den Zuschauern ermöglichen, sich selbst auf die Reise zu begeben, sich den Fragen zu stellen und mit einem lachenden und einem weinenden Auge vielleicht auch Antworten zu finden.

// Das Ensemble
Der Begriff „Heyoka“ stammt aus der Sprache der nordamerikanischen Lakota. In der Kultur der Plainsindianer hatten die Heyoka die Aufgabe, die gewohnte Form des Zusammenlebens immer wieder in Frage zu stellen. Auch „Contrairies“ genannt, stellten sie zum Beispiel den Arbeitsrhythmus auf den Kopf, spielten verrückt und brachten eine heilsame Unordnung in den Alltag. Dieses Anderssein, das die Normalität in Frage stellt, ist das Leitbild des Heyoka-Theaters. Das Heyoka Theater e.V. ist ein professionell angeleitetes integratives Theater, in dem Menschen mit Behinderung und Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber auch theaterbegeisterte Laien, Teil von Produktionen sind, die einen gleichberechtigten Platz im offiziellen Kulturangebot haben und dieses sowohl künstlerisch als auch inhaltlich ergänzen und bereichern. Davon können alle profitieren. Die Vorstellungen geben Anlass zu Gespräch und Diskussion, Vorurteile können hinterfragt und neue Sichtweisen ermöglicht werden.

Jury

Rainer Mennicken (Vorsitz) // Intendant Landestheater Linz

Martin Bretschneider // Schauspieler/Moderator/Theaterpädagoge

Prof. Dr. Romi Domkowsky // Professorin für Theaterpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin/Stellvertretende Vorsitzende der BAG Spiel & Theater

Frank Grünert // Kuratoriumsvorsitzender amarena/Vizepräsident BDAT/Vorsitzender Thüringer Theaterverband

Prof. Dr. Günther Heeg // Geschäftsführender Direktor Institut für Theaterwissenschaft Universität Leipzig

Stephan Schnell // Bildungsreferent BDAT/Regisseur/Theaterwissenschaftler

Bronwyn Tweddle // Dozentin für Theater, Victoria University of Wellington, Neuseeland

Norbert Niclauss // BKM – Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche der Beauftragten für Kultur und Medien (Beisitzer)

amarena – Innovationsförderung 2017

Zum vierten Mal fördert der Bund Deutscher Amateurtheater e. V. (BDAT) im Rahmen der „amarena-Innovationsförderung“ modellhafte, innovative Ansätze im Amateurtheater. Von insgesamt 21 Anträgen werden fünf Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 14.000 Euro unterstützt. Die fünf Projektideen stehen exemplarisch für die Vielfalt der Amateurtheaterarbeit in Deutschland. Sie spiegeln verschiedene Theateransätze mit unterschiedlichsten Ziel- und Altersgruppen, in denen auch gesellschaftliche Statements zum Ausdruck kommen.

Förderempfänger

Theaterwerkstatt Bethel //

ReForm – Pilotprojekt inklusives Theater und kulturelle Bildung

Sie haben ein umfangreiches und ehrgeiziges Projekt entworfen, das sich stark der Vernetzung unterschiedlichster Gesellschaftsgruppen verschreibt. 500 Jahre Reform Luther als möglicher Aufhänger, war für die Befürwortung einer Förderung eher sekundär – im Vordergrund standen die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten, die Ihr Projekt an verschiedenen Orten und Einrichtungen bietet und die Zusammenführung unterschiedlichster Menschengruppen. Dies wurde für aktuell und notwendig befunden. Darüber hinaus ist die Zielsetzung, inklusive kulturelle Arbeit und Vermittlung als festen Bestandteil Ihrer Region zu etablieren beispielhaft. Gut und wichtig hierfür ist die professionelle und vielschichtige Evaluation, die Sie zusammengestellt haben.

Anna Hertz (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Aufführungstermine:

„Spiel des Lebens“

Mo., 26.06.2017  & Mi., 28.06.2017 um 19 Uhr, Theaterwerkstatt Bethel

 

Pforzheimlich //

PaperMoon

Unter der Leitidee „Gewerbe und Wohnen fördert Kultur“, entwickelt die Genossenschaft Gewerbekultur Pforzheim Konzepte für brachliegende Gewerbeimmobilien im Stadtgebiet Pforzheim. Die Theatergruppe Pforzheimlich“ möchte mit ihrem Projekt „PaperMoon“ einer seit langem leerstehenden ehemaligen Papierfabrik wieder Leben einhauchen. Durch die Form des interaktiven Spiels und dem Einbinden ehemaliger Angestellter der Papierfabrik in das Ensemble, wird eine intime und fesselnde Beziehung zu dieser Location aufgebaut, die durch das im Figurentheater verwendete Material Papier noch verstärkt wird. So sollen die Besucher auf einzigartige Weise mit diesem Objekt in Interaktion treten können, eine starke Bindung entwickeln und sie so für die spätere Nutzung der Fabrik als Kulturstätte begeistern.

„Die Besucher werden in ein witziges und rätselhaftes „Katz- und Maus-Spiel“ verwickelt. Im Verlauf des Spiels müssen kleine Besuchergruppen Spuren und Hinweise nachgehen, die zum Täter führen. Dabei erkunden sie die stillgelegte Papierfabrik, werden zu Ermittlern und können sogar den Verlauf der Handlung beeinflussen.“, heißt es im Innovationsförderantrag der Theatergruppe „Pforzheimlich“.

Die Gruppe gründete sich 2014 und hat vier aktive Mitglieder. Das Ensemble wird unterstützt von der „Gewerbekultur Pforzheim“ und dem Figurentheater Pforzheim. Das interaktive Theaterprojekt „PaperMoon“ wird von den vier Mitgliedern gemeinsam entwickelt und soll im September 2017 in der alten Papierfabrik Weissenstein zur Aufführung kommen.

Angela Kirchfeld (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

stellwerk weimar e.V. //

Theater von Anfang an

Mit seinem Projekt „Theater von Anfang an“, das mit nichtprofessionellen Darsteller*innen umgesetzt werden soll, widmet sich stellwerk weimar e. V. einer bislang unterrepräsentierten Theaterform: dem Theater für das allerkleinste Publikum ab zwei Jahren. Die eingereichte Projektkonzeption hebt sich insbesondere durch die Zielsetzung hervor, ein neues Stückformat zu entwickeln, das speziell auf die Bedürfnisse und Sehgewohnheiten der Zielgruppe eingeht. In ihrem Konzept verfolgen die Antragssteller das Experiment mit theatralen Formen des gemeinsamen sinnlichen Entdeckens jenseits von klassischen Dramaturgien. Mit dem gewählten Thema „Schwerkraft und Zerbrechlichkeit“ sollen dabei unmittelbare Alltagserfahrungen der Kinder aufgegriffen und neu erforscht werden. Auf diese Weise kann das allerjüngste Publikum gleichsam spielerisch und phantasievoll an das Theater herangeführt werden.

Geplante Aufführungen: ab den 8. November 2017

Friedrich Schirmer(Mitglied des amarena-Kuratoriums)

 

Interaction Leipzig e.V. //

(DiS)Connected (AT)

Die Theatergruppe „bar oder ehda“ des Vereins Interaction Leipzig wird ab Juli 2017 ein Theaterstück erarbeiten, das sich mit der Suche nach Wegen aus der Isolation von „Geflüchteten und Schondagewesenen“ beschäftigt. Zur Gruppe gehören Menschen mit und ohne Fluchterfahrung im Alter von 16 bis 71 Jahren. Unter dem Arbeitstitel (Dis)Connected werden die Teilnehmer*innen unter der Leitung der Regisseurin Constanze Burger ein Stück über ein Leben als mobile Subjekte im Zwiespalt zwischen dem Druck der Selbstoptimierung und dem Wunsch nach Gemeinsamkeit entwickeln.

Das Kuratorium überzeugte neben dem Thema das Konzept der Stückentwicklung auf Augenhöhe von Geflüchteten und Schondagewesenen einer breiten Alterspanne, die in dem Verein Interaction Leipzig eine Kontaktstelle, Plattform und künstlerische Ideenfabrik finden. Dieses Projekt bietet den Teilnehmer*innen die Chance, im künstlerischen Prozess Bindungen aufzubauen und Wege aus wirtschaftlicher, politischer und individueller Isolation zu finden.

Martin Bretschneider (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Aufführungstermine:

4.10. & 11.10.2017 jeweils 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig (Lützner Str. 29, 04177 Leipzig)

 

Kulturinitiative Filou e.V. //

Simon Winkler, 1986 – 2007, Schauspieler

Die Kulturinitiative Filou e.V. aus Beckum entwickelt mit ihrem Projekt „Simon Winkler, 1986-2007, Schauspieler“ ein Theaterstück über einen aus Beckum stammenden Schauspielstudenten, der noch während seines Studiums bei einem Verkehrsunfall starb. Das Kuratorium beurteilt das Projekt als innovativ und förderungswürdig, weil es um die Biographie eines nicht-prominenten, mittlerweile 10 Jahre Verstorbenen geht, der der Anonymität seines Todes entrissen wird. Simon Winklers Schicksal ist dabei repräsentativ für tausende Verkehrstote, die jedes Jahr sterben und bald in Vergessenheit geraten. Das Kuratorium sieht in diesem Projekt durch die Einbeziehung unterschiedlichster Leute aus Simon Winklers Lebensumfeld ein Stück theatraler Trauerarbeit. Es unterstützt ferner die enge Anbindung des Filou e.V. an die Bürger der Stadt Beckum und schätzt das hohe Engagement, speziell auch im Verhältnis zur vergleichsweise bescheiden beantragten Fördersumme und spricht sich deshalb für eine volle Bereitstellung ebendieser Summe aus.

Geplante Aufführungen: 18.-19. November 2017

David Nadkarni (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Kuratorium

Frank GrünertKuratoriumsvorsitzender amarena / Vizepräsident BDAT / Vorsitzender Thüringer Theaterverband / Regisseur
Martin BrettschneiderSchauspieler / Moderator / Theaterpädagoge
Anna HertzDozentin der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg e.V. / Diplom Schauspielerin
Angela KirchfeldFreiberufliche Journalistin / Regisseurin
David ‚Ari‘ NadkarniTheaterpädagoge / Sprecherzieher
Isa Kathrin EdelhoffBKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche (nicht stimmberechtigt)
Friedrich SchirmerIntendant Württembergische Landesbühne Esslingen
Ulrich SchwarzSchauspieler / Regisseur / Stellvertretender Vorsitzender und Künstlerischer Leiter des Landesverbands Amateurtheater Sachsen
Dominik EichhornBDAT-Bildungsreferent / Medienwissenschaftler / Theater- und Kulturvermittler / Regisseur (nicht stimmberechtigt)

amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2018

Der Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) schrieb 2018 zum fünften Mal einen bundesweiten dotierten Preis aus.

Ziel ist es, die hohe Qualität und die vielfältige Schaffenskraft des Amateurtheaters der Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Arbeit den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Es werden Preisgelder in Höhe von insgesamt 10.000 Euro vergeben. Bewerben konnten sich alle nicht professionellen Ensembles der Darstellenden Kunst mit Inszenierungen, die zwischen dem 1. Februar 2016 und 1. Februar 2018 Premiere hatten.

Das Preisträgerfestival fand vom  27. bis 29. September 2018 in Leipzig (Sachsen) statt.

Preisträger

KATEGORIE SCHAUSPIEL

Die bühne – das Theater der TU Dresden

// „Burning Walls and Urgent Calls“von Mathias Kammerer und Ensemble, 

Regie: Mathias Kammerer

Eis essen. Eis: die Kälte, der Ignorant der die Herzen ignoriert. „Wenn die Welt untergeht, machen wir‘s uns heut‘ noch mal schön!“- Worte eines übersättigten Kaisers, des Kriegs-Ignorierers Romulus (siehe Dürrenmatt). Ein turbulentes Spiel mit Elementen der comedia und des griechischen Chors, der als eine Person fungiert. Die  „Individualität“ der Geschlechter wird aufgehoben. Nur der Sex bleibt, bietet aber keinen Ausweg. In Zeiten, in denen  Politiker Entscheidungen über Dinge fällen müssen, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben, wo Macht und Lauterkeit nicht vereinbar scheinen, wo Fake und Realität immer schwerer zu erkennen sind – da ist diese Selbstentwicklung einer Bühne sehr beachtenswert.

Stück-Zitat: „Was für eine selbstreferentielle Scheiße!!“, könnte man mit eisiger Ignoranz feststellen. Aber es ist der bissig-sarkastische Aufschrei einer Generation, die so satt nicht untergehen will. Das ist ein Preis wert.

Text: Ulrich Schwarz

 

KATEGORIE SENIORENTHEATER

Seniorentheater in der Altstadt (SeTA), Düsseldorf
// „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen, 
Regie: Kathrin Sievers

Die Theatergruppe SeTA besticht in „Peer Gynt“ durch ihren professionellen Anspruch an ihre Arbeit. Die abstrakte Ausstattung ist ästhetisch ansprechend und ermöglicht ein hohes Maß an szenischer Flexibilität. Äußerst bemerkenswert ist die Besetzung: Peer Gynt wird von sechs männlichen Darstellern unterschiedlichen Alters gespielt, sodass einerseits der Alterungsprozess der Figur auf der Bühne sichtbar gemacht wird, andererseits verschiedene Facetten der Figur entfaltet werden können. Hervorzuheben ist die sehr gute und professionelle Führung der Gruppe (Regie: Kathrin Sievers), die großartige schauspielerische Leistungen der Spielerinnen und Spieler hervorbringt.

Text: Friedrich Schirmer

 

KATEGORIE KINDER- UND/ODER JUGENDTHEATER

Die SCHOTTE, Erfurt
// „Tschick“ von Robert Koall nach Wolfgang Herrndorf, 
Regie: Matthias Thieme

Dieses junge Ensemble wagt sich, im Gegensatz zu vielen anderen Kinder- und Jugendtheatergruppen an ein ganzes Stück heran. Und das mit vollem Recht, denn hier wird qualitativ hochwertiges Schauspiel geboten. Die fünf jungen SpielerInnen liefern hier nicht nur eine glaubwürdige Interpretation und Darstellung der im Stück vorkommenden Charaktere. Sie bewältigen mit Leichtigkeit und großer Spiellust schnelle Rollenwechsel, das Hin- und Herspringen zwischen der Erzählebene und szenisch situativem Spiel und nicht zuletzt gelingt die Gradwanderung der Mischung aus Komik und Ernst, die dieses besondere Jugendstück erfordert.

Die Stückauswahl ist sehr gelungen, denn Tschick erzählt von Themen, die Jugendliche angehen und erleben, wie Probleme in der Familie, in der Schule, das erste Verliebt sein, eigene Unsicherheiten und Freundschaft. Tschik versammelt diese Themen in einer Art Roadmovie, das zum einen interessante Spielanlässe liefert, als auch auf sehr unpädagogische Weise mit den Themen von Jugendlichen umgeht. So hat man den Eindruck, dass die teilnehmenden Jugendlichen die Spielsituationen gut nachvollziehen können und mit voller Energie auf der Bühne verteidigen können. An dieser Stelle ein Kompliment an die Spielleitung.

Text: Anna Hertz

 

KATEGORIE OFFENE THEATERFORMEN

Deutschordensmuseum Bad Mergentheim gGmbH
// „Odyssee des Lebens“, Stückentwicklung auf Grundlage Homers Odyssee, 
Regie: Florian Brand

Die Stückentwicklung „Odyssee des Lebens“ verbindet die Fluchtgeschichten der am Projekt teilnehmenden Spieler mit Motiven aus Homers Odyssee. Die Inszenierung nimmt die Form eines Stationentheaters an, welches das Publikum selbst eine Reise antreten lässt: angefangen bei der Grenzkontrolle bis hinter den Stacheldrahtzaun im Geflüchtetenlager. Hierbei erfahren die Zuschauer ansatzweise die mögliche Bedrängnis, den Verlust von privatem Raum, die Entwürdigungen, die mit einer Flucht einhergehen können, in teils beißend klaren, teils wunderbar poetischen Bildern und durchaus am eigenen Leib, jedoch immer im geschützten Rahmen des Spiels. Das Kuratorium empfindet die äußere Form des Stücks als vorbildlich für die Kategorie „Offene Theaterformen“, die Erzählweise als unaufdringlich und schätzt die Inhalte als spannend, zeitgemäß und feinfühlig aufbereitet ein.

Text: David Ari Nadkarni

 

KATEGORIE GESAMTWIRKEN EINES AMATEURTHEATERS

Theater-Club Kattendorf (Schleswig-Holstein)

Der Theater-Club Kattendorf e.V. ist ein Amateurtheater bis in die kleinste Faser des gemeinschaftlichen Miteinanders – und das kleinste Dorf Deutschlands mit einem eigenen Theater! In Kattendorf (Schleswig-Holstein) leben 860 Menschen, insgesamt 216 Mitglieder zählt der Theaterverein. Dabei wuchs der Verein stetig, Kinder wurden zu Jugendlichen und schließlich zu jungen Erwachsenen – das Angebot erweiterte sich, sodass der Verein heute acht verschiedene Theatergruppen umfasst. Basis ist das Spiel auf Plattdeutsch, was jedoch ergänzt wird durch hochdeutsches Schauspiel, traditionsreiche Theaterklassiker oder moderne Jugendstücke. Im Jahr 1997 realisierte der Verein einen eigenen Anbau, um Proben- und Aufführungsfläche zu gewährleisten – in Eigenleistung und durch Unterstützung zahlreicher Mitglieder. Zwölf Jahre später folgte bereits die Eröffnung des eigenen Theaters.

Wenn der Dorf-Friseur die Maske übernimmt, man das Kinder- und Dorffest mit Theater bestückt, der (ehemalige) Bürgermeister auch der Bühnenbauer ist, der Bäcker im Ort Requisiten stiftet und sich ansässige Unternehmen um die Übernahme des Kartenvorverkaufs reißen – dann ist ein Amateurtheater in der Region verankert, vernetzt und angekommen. Die Mitglieder des Theater-Club Kattendorf zimmern Bühnen, zaubern Kostüme und Maske, sie leiten an und spielen auf der Bühne. Daraus ist ein beachtlicher Spielbetrieb entstanden, der ohne das ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Vereinsmitglieder unmöglich scheint.

Dieses Amateurtheater steht modellhaft für eine Verankerung von kulturellem Leben auf dem Lande, es zeichnet sich durch Kontinuität und eine starke Vernetzung in der Region aus – Amateurtheater ganz nah am Menschen.

Text: Dominik Eichhorn und Frank Grünert

Jury

Dagmar Schmidt (Vorsitz) // Dramaturgin / Langjährige Chefdramaturgin des Kinder- und Jugendtheaters SCHAUBURG, München (München)

Dr. Micha Braun // Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft / Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Centre of Competence for Theatre (CCT) an der Universität Leipzig

Dominik Eichhorn // BDAT-Bildungsreferent / Medienwissenschaftler / Theater- und Kulturvermittler / Regisseur

Frank Grünert // Kuratoriumsvorsitzender amarena / Vizepräsident BDAT / Vorsitzender Thüringer Theaterverband / Regisseur

Anna Hertz // Dozentin der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg e.V. / Diplom Schauspielerin

Annelie Lettermann // Darstellerin, Regisseurin & Jugendgruppenleiterin bei der Volksspielbühne Rissen von 1955 e.V. (Verband Hamburger Amateurtheater e.V.)

Ulrich Schwarz // Schauspieler / Regisseur / Stellvertretender Vorsitzender und Künstlerischer Leiter des Landesverbands Amateurtheater Sachsen

Isa Kathrin Edelhoff // BKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche (nicht stimmberechtigt)

Sonderpreis „Nah Dran!- Ein Preis für Demokratietheater“

2018 verlieh der Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) in Kooperation mit dem Institut für Beratung, Begleitung und Bildung e.V. (B3) einmalig den Sonderpreis „Nah Dran! – Ein Preis für Demokratietheater“. Dieser wurde im Rahmen des Festivals zum Deutschen Amateurtheaterpreis amarena am 29. September 2018 in Leipzig verliehen.

Vor dem Hintergrund eines immer stärker werdenden Rechtspopulismus, gezeichnet von Hetzreden und Fake News, scheint eine konstruktive Gesprächskultur im öffentlichen Raum unmöglich geworden zu sein.

Was kann Theater dem entgegensetzen? Gesucht wurde eine Theaterinszenierung, die sich thematisch und künstlerisch mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, demokratischer Gesprächskultur und den damit verbundenen Fragestellungen beschäftigt. Der strukturelle Hintergrund der sich bewerbenden Amateurtheaterbühnen wurde ebenfalls beachtet.

 

Preisgeld

Es wurde ein Preisgeld von insgesamt 2.000 Euro vergeben.

 

Diskussionsforum zum Sonderpreis „Nah Dran!“ mit kurzen Impressionen der Gewinnergruppen Piccolo Theater Cottbus „KRG.“ & stellwerk weimar „Wilhelm Tell – Versuche“
Freitag, 28. September 2018, 16:30 Uhr
WERK 2, Halle 5

Gala und Ehrung der Preisträger amarena 2018 mit Vergabe des Sonderpreises „Nah Dran!“
Samstag, 29. September 2018, 19 Uhr
WERK 2, Halle A

 

Jury

Der Jury gehörten an: Simon Isser (Präsident BDAT), Ute Seckendorf (Direktorin Institut B3), Irene Ostertag (Geschäftsführerin BDAT), Sophie Renz (Vorsitzende LATS) und Asli Özdemir (Amateurtheaterdarstellerin aus Hessen).

Das sagte die Jury zur Preisvergabe:
Jurykommentar zum Sonderpreis Nah Dran!

 

Förderer

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Preisträger „Nah dran! – ein Preis für Demokratietheater“

Stellwerk Weimar I Wilhelm Tell 27.01.18 I Foto von Matthias Pick

Foto: Matthias Pick

 
stellwerk Weimar
// „Wilhelm Tell – Versuche“
Regie: Stephan Mahn

Theaterpädagogische Begleitung: Christian Schröter
Die Geschichte um den Meisterschützen und Frischluftfanatiker Wilhelm Tell wurde in der Fassung Friedrich Schillers im 20. Jahrhundert zur Fundgrube für rechte wie für linke Propaganda. Gemeinsam erforscht das Ensemble die Figur des Wilhelm Tell: Wer ist dieser Mann? Ein Nationalheld? Ein Terrorist? Ein Freiheitskämpfer? Ein Hinterwäldler? Oder ein bisschen von allem?Wir fragen uns, ob politisches Denken in der heutigen Zeit überhaupt etwas wert ist, wenn man dann doch nichts tut. Oder ist es besser, einfach irgendetwas zu tun als gar nichts? — Jetzt sind wir schon wieder etwas aus dem Konzept. — Wir haben schon lange nicht mehr so ernsthaft über abstrakte Begriffe wie Freiheit und Angst nachgedacht. Der Freiheitsbegriff ist ja auch sehr schwammig, irgendwie eben so ein Schlagwort und so leicht gesagt und dabei so schwer bedacht.

 

KRG. – Eine Heimatbetrachtung des Piccolo Theaterjugendklubs für Leute ab 15 Jahren im Piccolo Theater. Texte von Janne Teller, Falk Richter und Jugendlichen des Piccolo Theaterjugendklubs. Choreografie: Zaida Ballesteros Parejo, Spielleitung: Matthias Heine. Premiere am 22. April um 19 Uhr Weitere Vorstellungen am 26; 27. Und 28. April jeweils um 19 Uhr. Info/Karten: 0355 – 23 687

Foto: Michael Helbig

Piccolo Jugendklub
// „KRG. – Eine Heimatbetrachtung“ mit Texten von Janne Teller, Falk Richter und Ensemblemitgliedern
Spielleitung: Matthias Heine
Choreografie: Zaida Ballesteros Parejo

Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier in Europa. Die demokratische Politik ist gescheitert und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen. Wer kann, flieht in den Nahen Osten. In ein ägyptisches Flüchtlingslager.  Die Produktion des Piccolo Jugendklubs spielt auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene finden wir uns in Janne Tellers Text „Krieg“ wieder. Ein intelligentes Gedankenspiel mit der Frage: Was wäre wenn? Auf der zweiten Ebene versucht sich die Gruppe in der selbst erlebten Gegenwart zu verorten. Eine Gegenwart voller Angstreflexe. Der Angstreflex, der aus Sorge um den eigenen Wohlstand Not und Elend Anderer ausblendet. Der Angstreflex, der mit dem Drang einhergeht, Komplexität mit Einfachheit zu begegnen. Der Angstreflex, der eine Mauer ist zwischen dem Gewohnten und dem Gewöhnungsbedürftigen. Der Angstreflex, der sich auf einer gesellschaftlichen Ebene oft mit WIR-GEGEN-DIE ausgedrückt.

Fachtag

Der Fachtag fand am 27. September 2018 von 9.00 – 18.00 Uhr 
im Rahmen des Fünften Deutschen Amateurtheaterpreises amarena 2018 statt
Ort: Cammerspiele Leipzig
Thema: Das amarena – Preisträgerfestival und die Innovationsförderung als (breiten-)kulturelle Praxis in transkultureller Perspektive und als kulturpolitisches Steuerungsinstrument

Programm des Fachtags als PDF

 

 

amarena – Innovationsförderung 2019

Im Jahr 2019 wurde zum ersten Mal die amarena Innovationsförderung 2019 mit einem thematischen Schwerpunkt zu „Diversität und Vielfalt im Amateurtheater“ ausgeschrieben. Bewerben konnten sich Theater-, Tanz und Performanceprojekte, die neue Praxis- und Aktionsformen im Amateurtheater erproben. Gesucht waren Projekte, die eine Vielfalt unserer Gesellschaft als Anstoß nehmen, um generationsübergreifendes Theater zu initiieren, besondere Zielgruppen anzusprechen, Kooperationsmodelle zu entwickeln, Theater an anderen Orten auszuprobieren oder künstlerische Experimente zu wagen. Insbesondere interkulturelle Begegnungen, Geschlechterfragen, Alter, religiöse Weltanschauung und Projekte zur Rassismus-Prävention waren gesucht. Aus 25 Bewerbungen wählte das amarena Kuratorium insgesamt drei Projekte für eine Förderung aus. In einem Auswahlkommentar stellt das Kuratorium seinen Entscheidungsprozess dar.

download pdf // Auswahl-Begründung des amarena-Kuratoriums

Förderempfänger

CITY OF FAITH // Sommerblut Kulturfestival e.V.

Die Stückentwicklung mit dem Titel „CITY OF FAITH“ des Sommerblut Kulturfestival e.V. bringt Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionsgemeinschaften aus dem Kölner Stadtteil Chorweiler zusammen, um sich theatral mit der Begegnung verschiedenster Religionen auf dem engen Raum der Hochhaussiedlung zu beschäftigen. Hierbei sollen Probleme und Konflikte, aber auch Chancen und Möglichkeiten des interreligiösen Zusammenlebens in Zeiten der Globalisierung künstlerisch verhandelt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Das Kuratorium schätzt die kulturelle Vielfalt und den partizipativen Ansatz des Projektes in einem wirtschaftlich schwächeren Viertel und begrüßt das Anliegen, einen respektvollen Umgang zwischen den Glaubensgemeinschaften zu bestärken. Ferner überzeugen die intensive Vernetzung des Sommerblut Kulturfestival e.V. mit den Trägern der unterschiedlichen Gemeinden sowie die klar geschilderten Projektvorhaben das Kuratorium von der Ernsthaftigkeit des Projektes, weshalb es sich für eine Förderung ausspricht.

David „Ari“ Nadkarni (amarena Kuratoriumsmitglied)

Die Premiere von CITY OF FAITH war am 30. Mai 2019 in der Freien Waldorfschule Köln.

 

„Creative SuperLab“ // Kulturhaus Osterfeld e.V. in Kooperation mit der Jugendbegegnung und Bildungsstätte Kupferdächle (Baden-Württemberg // Pforzheim)

Ein bestehendes starkes Netzwerk verschiedener Akteure will mit diesem Projekt Jugendliche ermutigen, ihre Stadt Pforzheim – die gelegentlich als „hässlichste Stadt Baden Württembergs“ bezeichnet wird – mit künstlerischen Mitteln wie Fotografie, Soundcollage oder Street Art neu zu entdecken und ihre Eindrücke und Ergebnisse zu einem eigenen Theatererlebnis zu verarbeiten. Die Abschlusspräsentation soll in einem Leerstand in der Innenstadt Pforzheims stattfinden und in direktem Kontext zum Projekt stehen, um das klassische Bild von Theater als Bühne mit rotem Vorhang zu erweitern.

Der Antrag des Kulturhaus Osterfeld e.V. in Kooperation mit der Jugendbegegnung und Bildungsstätte Kupferdächle in Pforzheim überzeugt durch seine Lebendigkeit, Leidenschaft und Kreativität. Die Kooperationspartner beziehen die Jugendlichen in alle Bereiche aktiv ein und geben ihnen so die Möglichkeit, Neues auszuprobieren und sich persönlich, kreativ und individuell ohne Leistungsdruck weiterzuentwickeln.

Manuela Morlok (amarena Kuratoriumsmitglied)

Die Aufführungstermine waren der 5./6./12. und 13.7.2019.

 

„Nadeschda heißt Hoffnung“ // dokumentartheater berlin

Das Projekt „Nadeschda heißt Hoffnung“ des dokumentartheater berlin zeigt mit der Reise in die Vergangenheit der 88-jährigen Zeitzeugin des Zweiten Weltkrieges Nadeschda Slessarewas Stationen ihres Lebens – gelebte Geschichte! Das gesamte Projekt wird filmisch begleitet und aufgearbeitet mit einem jungen Ensemble, in dem 20 Menschen aus verschiedenen Ländern, Berufs- und Altersgruppen, zusammenkommen. Die Lebensgeschichte wird dokumentiert und festgehalten durch Film, in szenischer Lesung und einem Theaterstück, so dass es für die Nachwelt erhalten bleibt – zur Mahnung und gegen das Vergessen!
Es werden die Konsequenzen gezeigt, die extreme und populistische Bewegungen bewirken. Wohin so eine Bewegung führt, wird durch Nadeschda, die selbst Opfer gleich zweier Diktaturen wurde, authentisch wiedergegeben.

Angela Kirchfeld (amarena Kuratoriumsmitglied)

Der Aufführungstermin war der 07.12.2019 in der Alte Pumpe, Berlin.

Kuratorium

Frank GrünertKuratoriumsvorsitzender amarena / Vizepräsident BDAT / Vorsitzender Thüringer Theaterverband / Regisseur / Schauspieler
Anna HertzDozentin der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg / Diplom-Schauspielerin
Angela KirchfeldFreiberufliche Journalistin / Regisseurin
Manuela MorlokKulturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin am Volkstheater Rostock / Vorstandsmitglied im Landesverband Spiel & Theater Mecklenburg-Vorpommern
David ‚Ari‘ NadkarniTheaterpädagoge / Sprecherzieher
Florian SchmidtRegisseur / Auftrags-Autor / Leiter der Altmühltal Bühne / Spielleiter
Dr. phil. Birte WernerProgrammleiterin Darstellende Künste an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel / Dramaturgin
Isa Kathrin EdelhoffBKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche (nicht stimmberechtigt)
Dominik EichhornBDAT-Bildungsreferent / Medienwissenschaftler / Theater- und Kulturvermittler / Regisseur (nicht stimmberechtigt)
 

amarena digital – Deutscher Amateurtheaterpreis 2020

Das erste Mal fand das Preisträgerfestival des Deutschen Amateurtheaterpreises amarena online statt. In fünf Kategorien präsentierte der BDAT herausragenden Inszenierungen der Amateurtheaterlandschaft in Deutschland. Der Preis ist der erste bundesweit bedeutende Wettbewerb im Bereich des Amateurtheaters, der in Deutschland das kulturelle Schaffen auszeichnet.

Das Festival fand vom 10.-12. September 2020 in verschiedenen Formaten – aufgezeichnet und auch live – im Netz statt.

Festival & Linkliste

amarena Programm 2020

Vier Ensembles haben vom 10.-12. September ihre Inszenierungen online präsentiert. Die Preisträger*innen in der fünften Kategorie „Theater ist Leben!“ wurden in der Festivalwoche über ein Online-Voting ermittelt und erst bei der digitalen Gala und Preisverleihung am Samstag, 12.09.2020, bekannt gegeben. Sagenhafte 3.556 Stimmen zählte das Voting. Die Entscheidung fiel auf die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf.

Das Programm des ersten amarena Online-Preisträgerfestivals 2020 finden Sie im Flyer.

download pdf // Programm-Flyer amarena 2020

Programmpunkte die Sie noch bis Ende des Jahres online sehen können, finden Sie hier.

Expert*innen Talk zum Thema
„Digitalität & Amateurtheater“

Expert*innen des Amateurtheaters und des digitalen Wandels sprechen unter dem Eindruck der letzten Monate über die rasante Entwicklung digitaler Formate, u.a. Probenarbeit, Aufführungen und Workshops. Was kann so bleiben? Was kann wieder verschwinden? Diskutiert mit uns im Anschluss an das Gespräch und teilt eure Meinung. Mit: Eva Bittner (Leiterin Theater der Erfahrungen), Jun.-Prof. Dr. Veronika Darian (Theaterwissenschaftlerin, Universität Leipzig), Theresa Ehmen (Theaterpädagogin Blauschimmel Atelier), Christian Dennert (Vorsitzender Verband Hamburger Amateurtheater) und Babette Ulmer (stage Diver(s)e e.V.). Moderation: Dominik Eichhorn, BDAT Bildungsreferent.

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Festivaleröffnung mit Katharina Vötter &
Grüße zum Start aus Verband & Politik

Moderatorin Katharina Vötter eröffnet das Festival und wir lernen die nominierten Gruppen der verschiedenen Preiskategorien kennen. Wir hören Grußworte von Prof. Monika Grütters (Kulturstaatsministerin), Winfried Kretschmann (Ministerpräsident Baden-Württemberg, Schirmherr amarena 2020), Simon Isser (Präsident BDAT).

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Eindrücke zur amarena Innovationsförderung 2019

Drei innovative Projekte aus dem Jahr 2019 stellen sich vor: das Creative SuperLab (Kulturhaus Osterfeld), Nadeschda heißt Hoffnung (dokumentartheater Berlin) sowie „City of Faith“ (Sommerblut Kulturfestival, Köln).

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Gala und Ehrung der Preisträger*innen mit Katharina Vötter

Zu Ehren der Preisträger*innen wird in einer feierlichen Gala von Jury und Ehrengästen der Deutsche Amateurtheaterpreis 2020 verliehen. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey ist auch dabei.

Die Preisträger*innen

Kategorie Schauspiel 

// Frachtwerk (Mainz): „Der zerbrochne Kopf“, Eigenproduktion

Foto Nina Trauth

Eine nackte Bühne, seitlich nur ein Tisch, an der Wand stapeln sich Stühle, es riecht nach Kaffee – zwei Darsteller wärmen sich auf. In diesem Theaterstück, das Ruprechts Monolog aus Kleists „Der zerbrochene Krug“ als Ausgangspunkt nimmt, sind die beiden Darsteller tatsächlich Schauspieler. Eine Tür geht zu und eine Regisseurin nimmt im Publikum Platz. Das Mikro knackt, der erste Schauspieler wird aufgerufen, die Arbeit an der Rolle beginnt. In diesem Theaterstück geht es um ein Vorsprechen. Ekstase. Schmerz. Leidenschaft. Krach. Heiterkeit. Zweifel. Macht. Und viele zerbrochne Köpfe.

// Die Gruppe

Frachtwerk wurde 2019 gegründet und besteht aus den Mitgliedern Nikolas Beck, Torsten Graefe und Heather King. Das Ensemble zeichnet sich durch das Spiel mit unterschiedlichsten Ebenen des Theaters aus. Es werden sowohl eigene als auch fremde Stücke auf die Bühne gebracht. „Wir schaffen Spielwiesen, die uns erlauben, Sprache als Mittel von Gedanken und Emotionen, aber auch als Klangteppich zu nutzen. Unsere Körper sind dabei oftmals Instrumente.“ Die Inszenierungen zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit Text, Körper und Sprache. Dabei werden klassische Motive gleichsam bedient und gebrochen. Ausgangspunkt der Zusammenarbeit ist das Verständnis der Gruppe als Kollektiv. Auch Bühnenbilder, Kostüme und Werbung gestaltet die Gruppe selbst. Frachtwerk ist mit „Der zerbrochne Kopf“ und „Beben“ von Maria Milisavljevic u. a. in der freien Spielstätte Spätkauf in Mainz zu sehen.

Kategorie Kinder- und/oder Jugendtheater

// UK Theater der Geschwister-Scholl-Schule Weingarten (Ravensburg): „Roller im Roggen“ von Alexander Niess

Foto Clemens Riedesser

Die Helden dieser Geschichte können nicht sprechen, die meisten nicht laufen und mit dem Liebesleben hat es bei keinem geklappt. Zum Glück gab es die Schule, die einen warmen, sicheren und abwechslungsreichen Lebensraum geboten hat. Doch damit ist es jetzt auch vorbei, denn jetzt kommt das harte Arbeitsleben – wobei „hart“ das falsche Wort ist. Langweilig, öde, sinnlos trifft es eher. Und was machen verzweifelte, gelangweilte, junge Männer? Sie begeben sich auf eine Abenteuerreise, weg von inkludierter Sinnlosigkeit, hin zu explodierenden Gefühlen. Dass da Freundschaften, ein alter VW Bulli, AfD-Stände, so mancher Rollstuhl und vielleicht sogar die Jungfräulichkeit auf der Strecke bleiben, ist ja wohl selbstverständlich.
Autor/Regie: Alex Niess
Spielleitung: Thorsten Mühl

// Die Gruppe

Das UK- Theater der KBZO- Stiftung besteht aus neun Jugendlichen, die sich einmal in der Woche gemeinsam zum Theaterspielen treffen. Geleitet wird die Gruppe von Thorsten Mühl, Regie führt Alex Niess. Die Theaterarbeit ist eine besondere. Die Jugendlichen können fast alle nicht sprechen und benötigen somit, zusätzlich zu ihrem Körper als Ausdrucksmittel, einen Talker. Diese werden beispielsweise mit den Augen, dem Knie, einem Zeh oder mit einem Finger ausgelöst. Doch da sie selbst ihre Talker nicht besprechen können, dürfen sie in einem Stimmencasting ihre*n eigene*n Sprecher*in auswählen.
Die Texte werden zumeist von Alex Niess geschrieben und anschließend mit den Jugendlichen besprochen. Bei diesem Besprechen zählt jede Meinung und dadurch bekommen die Texte eine persönliche Note. Bei der theaterpädagogischen Arbeit mit den Jugendlichen wird darauf geachtet, dass die Themen einer*s jeden Jugendlichen, mit oder ohne Behinderung, angesprochen werden.  So gehören Liebe, Freundschaft, Sex zu einigen der verhandelten Themen. Unterstützt wird die Gruppe durch Freiwillige (FSJ und BFD) der Geschwister- Scholl-Schule KBZO Weingarten und durch Erwachsene des Theaterclubs von Alex Niess am Theater Ravensburg.

Kategorie Senior*innentheater

// Altentanztheater Ensemble ZARTBITTER (Ludwigsburg): „Jetzt machen wir nichts. Und dann warten wir ab.“ von Nina Kurzeja und Lisa Thomas

Foto Peter Pöschl

Wer hätte gedacht, dass Warten so faszinierend sein kann? Zwei Choreografien in einer gelungenen Mischung aus Tanz, Körperarbeit und Sprache interpretieren das Thema. Im ersten Teil „Choreographische Annäherungen“ experimentiert das Ensemble unter der künstlerischen Leitung von Lisa Thomas mit unterschiedlichen Warte-Situationen: Warten auf den Schlaf, den richtigen Moment, den richtigen Partner… So entstehen aus kleinen Szenen und improvisierten Kurzchoreographien zarte, heftige, skurrile und berührende Bilder.
Im zweiten Teil, „Das unbewegte Vehikel“, wählt die Choreographin Nina Kurzeja einen anderen Zugang. „Wenn das Warten kein regloser Zustand ist, sondern eine Ausdehnung von Zeit, von vielen Augenblicken hintereinander, werden diese Momente im Alter erträglicher?“ Persönliche Erfahrungen und philosophische Überlegungen prägen den choreografischen Kontext und werden in Charaktere und Figuren gewandelt, die der zeitlosen Fantasie einer Zirkustruppe folgen.
Künstlerische Leitung: Lisa Thomas
Choreographie: Nina Kurzeja, Lisa Thomas
Technische Leitung und Lichtdesign: Doris Schopf
Projektleitung: Gordana Ancic, Katrin Temme (Tanz- und Theaterwerkstatt e. V.)

// Die Gruppe

Die Leidenschaft fürs Tanztheater hat vor über zehn Jahren eine Gruppe älterer Menschen zum regelmäßigen Tanztraining geführt. 2010 ist der Kern dieser Gruppe in der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg zum Ensemble ZARTBITTER zusammengewachsen. Das Ensemble will nicht nur sich selbst, sondern „etwas“ bewegen, und so erfahren und zeigen, was auch im Alter (noch) möglich ist. Die Gruppe besteht derzeit aus 12 Mitgliedern zwischen 60 und 78 Jahren. Unter der künstlerischen Leitung der Choreographin und Tanzpädagogin Lisa Thomas sind regelmäßig Aufführungsprojekte zu erleben. Tanzkunst, der künstlerische Prozess und kreative Spielfreude stehen im Vordergrund. ZARTBITTER erzählt Geschichten für alle Generationen und überrascht immer wieder mit neuen Ideen und Ansätzen.
Projektleitung: Fiona Ebser, Tanz- und Theaterwerkstatt e. V.

Kategorie Inszenierung im ländlichen Raum

// Theaterteam Spiellust Michelstadt: „Alice – Folge dem weißen Kaninchen!“ von Esther Steinbrecher frei nach Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“

Foto Tobias Robischon

Gelangweilt vom öden Stillsitzen mit der Schwester und auf der Suche nach aufregenderer Beschäftigung stürzt Alice in ein Kaninchenloch und findet sich in einer höchst wundersamen Welt wieder. Ein absurder Ort, an dem die Naturgesetze zeitweilig außer Kraft gesetzt und Logik wie Vernunft kurzerhand auf den Kopf gestellt werden. Ein rätselhaftes Paralleluniversum, bevölkert von hektischen Kaninchen, grinsenden Katzen, verrückten Hutmachern, opiumrauchenden Raupen, blutrünstigen Monarchinnen und unzähligen anderen, höchst bizarren Gestalten. Auf ihrem Weg durchs Wunderland muss Alice verwirrende Gespräche führen, Spiegel durchqueren, Kämpfe bestehen, vielfach ihre Form wandeln und doch am Ende sie selbst bleiben – wer auch immer das sein mag.
Basierend auf Lewis Carrolls zeitlosen Klassikern der Nonsensliteratur, „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“, entstand diese Freilichtinszenierung. Das Stück zeigt sich nicht mit Haupt- und Nebendarsteller*innen, es funktioniert als kollektiver Organismus. Alle sind Alice und Alice ist alle.
Autorin (frei nach Carroll): Esther Steinbrecher
Regie: Esther Steinbrecher und Diana Wissmüller

//Die Gruppe

Der Verein „Spiellust Michelstadt e.V.“ hat sich seit 2007 im südhessischen Odenwald der kulturellen Belebung des ländlichen Raumes verschrieben und ruft mit vielfältigen Projektangeboten die Menschen der Region zur Partizipation auf. Seit 2010 realisiert die Spiellust regelmäßig alle zwei Jahre eine aufwändige Freilichtinszenierung mit großem Ensemble, in den Zeiten dazwischen werden Studioproduktionen in kleinerer Besetzung produziert. Auf diversen künstlerischen Ebenen werden alte wie neue Interessierte angesprochen, sich mit ihren Ideen und Potentialen in den kreativen Gesamtprozess einzubringen, eine Erweiterung ihrer Fähigkeiten ermöglicht und durch die gemeinsame Arbeit am Projekt das kulturelle wie kooperative Verständnis aller Beteiligten geschärft. Und Spaß macht’s dann auch noch. Für die Freilichtproduktion „Alice – Folge dem weißen Kaninchen!“ (2018) fanden sich etwa 70 interessierte Amateur*innen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren auf und hinter der Bühne zusammen. Die Mitwirkenden – teils brandneu auf der Theaterbühne, teils „alte Hasen“ – entwickelten unter der professionellen Anleitung in den Bereichen Schauspiel, Musik, Kostüm- und Maskenbild gemeinsam die Präsentation und kreierten am innerstädtischen Spielort eine neue Perspektive auf ein scheinbar „altbekanntes“ Areal.

Kategorie „Theater ist Leben“

// Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf

Alle fünf Jahre finden in Sömmersdorf die Fränkischen Passionsspiele statt. Das Besondere ist die ehrenamtliche Beteiligung von über 400 der knapp 700 Einwohner*innen: Allein 320 Amateurdarsteller*innen sind auf der Bühne zu sehen, viele Weitere helfen hinter den Kulissen (Maske, Kostüme, Requisite, Bühnenbau, Licht- und Tontechnik), an der Kasse, beim Platzanweisen, bei der Essens- und Getränkeversorgung, beim Einweisen der Besucherfahrzeuge oder bei der Platzreinigung. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz erhalten die Mitwirkenden lediglich einen Verzehrbon; einzig die Regie ist professionell beauftragt. Zur letzten Saison 2018 besuchten insgesamt 35.000 Menschen die 18 Aufführungen. In der achtzigjährigen Geschichte fanden fast 350.000 Zuschauer*innen den Weg nach Sömmersdorf.

Teilnehmen kann jede*r: Einheimische, Neuzugezogene sowie ehemalige Einwohner*innen, die im Dorf aufgewachsen sind und sich dort nach wie vor heimisch fühlen. Die Passionsspiele sind für jede*n Bewohner*in, jede Glaubensrichtung und jedes Alter offen.

Darüber hinaus betreibt der Passionsspielverein eine Kinder- und Jugendtheatergruppe, die regelmäßig kurze Theaterstücke inszeniert. Zwischen den Passionsspieljahren werden weitere Theaterstücke inszeniert, z. B. „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ (2016). All diese werden umgesetzt, um Spaß am gemeinsamen Theaterspiel zu haben und das schöne Gefühl, als kleine Dorfgemeinschaft etwas Großes zu vollbringen, auch im Zeitraum zwischen den Passionsspielen aufrecht zu erhalten.
Und was sagt das amarena Kuratorium zur Nominierung? Lesen Sie hier.

Mehr Infos zur Gruppe findest du hier.

 

Katharina Vötter ist diplomierte Schauspielerin und Theaterpädagogin BuT®, 10 Jahre aktiv auf der Bühne an Theatern in Berlin, Mannheim, Wien und Linz, seit 5 Jahren in der Regie- und Projektarbeit mit Amateur*innen aller Generationen hauptsächlich in Thüringen tätig. Sie hat zusammen mit ihren Kolleg*innen die Gothaer Kulturwerkstätten aufgebaut und geleitet. Dort hat sie mehrere intergenerative Inszenierungen gemacht, leitete Schauspielwerkstätten, ging mit Theaterworkshops in Schulen, organisiert und plant Veranstaltungen und spielt und performt auch selbst.

 

Wie nutze ich GoToMeeting?

Hier findest du eine Anleitung von GoToMeeting. Und hier ist eine Einleitung von uns.

Wie nutze ich YouTube?

Die Videos liegen im HTML5-Format vor und lassen sich somit direkt im Webbrowser aufrufen und abspielen. Für iOS-Geräte, Android-Smartphones und -Tablets wie auch Windows Phones gibt es spezielle Player. Für die Wiedergabe am Smart-TV ist eine Youtube-App in der Regel vorinstalliert.

Mehr Informationen zur Nutzung des Livechats findest du hier.

Wie kann ich in Social Media meine Eindrücke vom digitalen Festival teilen?

Hierzu musst du dich bei Facebook oder Instagram anmelden und dann bei Instagram den Hashtag #amarena2020 eingeben. Auf Facebook kannst du hier unseren Account einsehen. Unseren Instagram Account findest du hier. Ohne eine Anmeldung kannst du die Accounts von uns einsehen, aber keine Nachricht hinterlassen.

Welche technischen Voraussetzungen brauche ich zur Teilnahme am Festival?

Du brauchst ein mobiles Endgerät (Laptop, Handy) mit Internetverbindung. Falls du am YouTube Live-Chat teilnehmen willst, registriere dich bitte bei YouTube. Für deine Teilnahme bei GoToMeeting musst du GoToMeeting runterladen. Danach ist die Teilnahme kinderleicht. Klicke den von uns verbreiteten Link an und sogleich wirst du zum Live-Gespräch weitergeleitet.

Wie lange sind die Inhalte online zu finden?

Vom 07. – 10. September sind die Trailer für das Online-Voting der Kategorie Theater ist Leben! online.

Die Streams der Theaterstücke sind ab den Tag der Veröffentlichung bis zum 20. September 2020 online auf YouTube abrufbar.

Der Zusammenschnitt des Expert*innen-Talkes zu „Digitalität & Amateurtheater“ und die Preisträger*innen-Gala ist bis Ende 2020 auf YouTube abrufbar.

Alle anderen Angebote sind nur am Tag und zur genannten Zeit abrufbar und danach nicht mehr online zu finden.

Wen kontaktiere ich, wenn ich Probleme bei der Teilnahme habe?

Bitte melde dich bei Ulrike Straube (straube@bdat.info) oder rufe an unter 030-263985917.

 

Künstlerische Leitung // Frank Grünert

Projektleitung // Irene Ostertag

Inhaltliche & fachliche Begleitung // Dominik Eichhorn

Projektmanagement & -Koordination // Ulrike Straube

Öffentlichkeitsarbeit // Katrin Kellermann & Tina Hohmann

Finanzverwaltung // Lijntje de Wit

Grafik // Benjamin Weisheit

Schnitt & Animation // Aline Reinsbach & Olivier Aslanian

Moderation // Katharina Vötter

Förderer & weitere Partner:

amarena – Innovationsförderung 2021

14.000 Euro für besondere Ausstattungs-Projekte im Amateurtheater

2021 schrieb der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) die amarena Innovationsförderung mit dem Förderschwerpunkt „Ausstattung“ aus. Das seit 2011 agierende Förderprogramm konnte unter 49 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet auswählen. Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Frank Grünert, Vizepräsident des BDAT, vergab eine Gesamtfördersumme von 14.000 Euro.
Bewerben konnten sich Theater-, Tanz und Performanceprojekte, die neue Praxis- und Aktionsformen im Amateurtheater erproben. Beantragt werden konnten Mittel für Amateurtheaterprojekte, die sich durch ein besonderes Konzept im Bereich Ausstattung auszeichnen. Insbesondere die Bereiche Kostüm- und Bühnenbild sowie Maske sind im Amateurtheater von besonderer Bedeutung. Fantasievolle Welten, historisch korrekt ausgestattete Figuren und spektakuläre Bühnen prägen das Bild zahlreicher Inszenierungen. „Mit dieser Förderung soll diesen Gewerken eine besondere Aufmerksamkeit und Würdigung geschenkt werden. Die Zahl der Bewerbungen zeigt, dass auch während der Corona-Pandemie die Amateurtheater z. B. durch die Umsetzung spannender Ausstattungskonzepte weiter kreativ und schöpferisch tätig bleiben“, fasst Kuratoriumsvorsitzender Frank Grünert zusammen.

Das amarena Kuratorium wählte folgende Projekte für eine Förderung aus:

// „EMB*RACE your Crown* – die Krone Bleibt auf!“ // Lukulule (Hamburg)
// „Herr der Fliegen“ (AT) // The Beautiful Minds (Nordrhein-Westfalen, Köln)
// „Lumpen! Papier!“ // Theater unter der Dauseck (Baden-Württemberg, Oberriexingen)
// „Grashüpfer und Wal haben einen Plan“ // Theater- und Kulturwerkstatt Haldern
(Nordrhein-Westfalen)

IDie Maßnahme wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Förderempfänger

„EMB*RACE your Crown* – die Krone Bleibt auf!“ // Lukulule (Hamburg)

In dem Recherche- und Performanceprojekt „EMB*RACE your Crown* – die Krone Bleibt auf!“ (Lukulule) setzen sich zehn junge Hamburgerinnen mit der Kolonialgeschichte auseinander. Neben dem forschenden Blick auf die Vergangenheit und dem Fokus auf weibliche Vorbilder im antikolonialen Widerstand, wollen die Teilnehmerinnen auch den Status quo, die eigenen Biografien und die persönliche Lebenswirklichkeit, befragen. Für die Ausstattung des Projektes wollen sich die Theaterschaffenden mit den Geschichten von zehn (west-)afrikanischen Königinnen auseinandersetzen und sich dabei auf die Suche nach individuellen Materialien, Symbolen, Farben und Kleidungsstücken begeben. Das Projekt möchte gleichsam thematisieren, dass die Haare und Frisuren schwarzer Frauen eine wichtige kulturelle Bedeutung tragen und nach wie vor hochpolitisch sind. „Haare sind mit Kronen gleichgestellt“, heißt es in den Ausführungen der Projektbeschreibung und sozusagen auch als Subtext des Titels, der zugleich ein Statement ist: Embrace your Crown!

Ganz im Sinne der amarena Innovationsförderung wird die Ausstattung in diesem Konzept zu einem zentralen Element der thematischen Verhandlung und der künstlerischen Umsetzung. Eine Besonderheit ist zudem, dass sich die Theaterschaffenden der Umsetzung des Masken- und Kostümbildes aus einer afrofuturistischen Perspektive nähern wollen, d. h., dass tradierte Elemente adaptiert und durch futuristische Elemente und Materialien erweitert und verändert werden. Diese Herangehensweise ist mutig und progressiv und in gewisser Weise auch ein Sinnbild für die starke Projektstruktur, die den Blick auf die Vergangenheit mit der jugendlichen Gegenwartsperspektive vereint. Auf diese Art und Weise mit den Elementen des Masken- und Kostümbildes zu arbeiten, lässt sich nicht zuletzt als künstlerisch-kreativer Aktionismus verstehen, der übrigens auch nicht an einem beliebigen Ort, sondern ausgerechnet im Altonaer Museum eine Bühne findet.

Ein weiterer Aspekt, den das Kuratorium herausstellen und unterstützen möchte, ist die Hoffnung der Initiator*innen, zum Empowerment junger Frauen beizutragen sowie Forschungs- und Vermittlungsformate zu erproben, die sich (post-)kolonialen Diskursen und nicht zuletzt rassismuskritischer Theaterarbeit widmen.

 Julian Baufeldt (amarena Kuratoriumsmitglied)

 

 

Lumpen! Papier! // Theater unter der Dauseck Oberriexingen (Baden-Württemberg)

Ganz gezielt sollen im Rahmen dieses Projektes Ausstattungen (Kostüm- und Bühnenbild, Maske sowie Film, Licht & Ton) gefördert werden. Das Ensemble wagt einen Theaterspaziergang im öffentlichen Raum, der besonders Menschen mit wenigen Erfahrungen in der Rezeption von Theater einen außergewöhnlichen Zugang bietet. In dem Projekt wirken Kinder und Jugendliche mit, aber auch ältere Menschen mit und ohne Behinderung und unterschiedlichster Profession.

Eine lebendige Theaterwelt entsteht insbesondere durch die Kostümierung von realen Figuren sowie Naturwesen (Neck, Nixe, Mühlenwicht), wobei großer Wert auf die Kreativität gelegt wird, unter Berücksichtigung von Gestaltungselementen, die auf die jeweiligen Figuren bezogen sind.

Kooperationspartner ist die Ludwig-Heyd-Schule Markgröningen. Hier werden in der vierten Klasse, im Rahmen des Kunstunterrichtes und unter Anleitung einer professionellen Bühnen- und Kostümbildnerin, Papierobjekte hergestellt, die als Requisite im Stück zum Einsatz kommen. In den Räumlichkeiten der VR-Bank Asperg-Markgröningen ist eine Fotodokumentation des Projekts vorgesehen.

Jürgen Peter (amarena Kuratoriumsmitglied)

Termine: Theaterspaziergang „Lumpen! Papier!“ ab Freitag den 9. Juli bis zum 1. August 2021

Weitere Informationen unter www.theater-dauseck.de

 

 

Herr der Fliegen (AT) // The Beautiful Minds (Köln, Nordrhein-Westfalen)

Das gemeinnützige Theaterkollektiv The Beautiful Minds nutzt William Goldings Roman „Herr der Fliegen“ als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer interaktiven Theaterperformance mit Jugendlichen im Kölner Kulturzentrum Odonien. Gemeinsam mit den Teilnehmenden soll die These erkundet werden, ob der Mensch von Natur aus böse ist und sich das Recht des Stärkeren durchsetzt, sobald die Regeln einer Zivilisation außer Kraft gesetzt werden. Dabei wird die Handlung in die noch ungewisse Zukunft der Jugendlichen verlegt.

Die überzeugende Gesamtkonzeption sieht eine Einbindung der jungen Menschen in allen kreativen Bereichen der Produktion vor und fördert dadurch ihre persönlichen, sozialen und ästhetischen Fähigkeiten. Die Jugendlichen  bringen nicht nur ihre eigenen Biografien ein, sondern erarbeiten auch in Workshops unter fachlicher Anleitung Videos, Tonaufnahmen und die futuristische Ausstattung. Die so entstehenden individuellen Kostüme werden die einzelnen Geschichten der Teilnehmenden widerspiegeln und greifen gleichzeitig den Gedanken einer Welt von morgen auf.

Manuela Morlok (amarena Kuratoriumsmitglied)

 

 

Grashüpfer und Wal haben einen Plan // Theater-  und Kulturwerkstatt Haldern (Rees, Nordrhein-Westfalen)

Das Besondere der Theater- und Kulturwerkstatt Haldern ist die Bandbreite der beteiligten Akteur*innen. Alt und Jung, Kindergartenkinder sowie Menschen mit und ohne Behinderung gehen ihrem gemeinsamen Hobby – Theaterspiel, Musik und Ausdruckstanz – nach. Besonders ist hier die Übersetzung in Gebärdensprache, die ein bedeutsamer Teil der Aufführung wird.

In diesem Projekt geht es um Plastikmüll im Meer, ein aktuelles, brennendes Thema im Rahmen von Müllvermeidung und Klimaschutz. Inszeniert werden soll eine kleine, kindgerechte Geschichte, die zeigt, welche Probleme der Müll vom Strand-Kiosk des Grashüpfers im „Garten“ des Wals verursacht. Gemeinsam überlegen die beiden, wie sie das Müllproblem lösen können und probieren verschiedene Möglichkeiten aus.

Die Gruppe teilt sich Corona-bedingt in vier Kleingruppen und erarbeitet die Thematik in den verschiedenen Bereichen Spiel, Musik, Tanz und Gebärdensprache. Die einzelnen Ergebnisse werden nach der Erarbeitung zusammengeführt. Integriert werden Video-Aufzeichnungen aus anderen Lebenszusammenhängen, die als Einspielorte mit auf die Bühne gebracht werden. Ziel ist es, aus den Lebenszusammenhängen der Beteiligten und mit vertrauten Medien, wie z. B. Videoeinspielungen, die Lebenswelten auf die Bühne zu holen und den Ernst der Lage zu dokumentieren. Auf diesem Weg werden die Kinder und Jugendlichen wie auch die Zuschauer*innen sensibilisiert und motiviert, eigene Lösungsstrategien umzusetzen.

Ein Theaterstück aus dem Leben unter Corona-Bedingungen – für das Leben mit einfachen Möglichkeiten von Müllvermeidung und Selbstverantwortlichkeit, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu arbeiten. Menschen in den verschiedenen Altersgruppen, die ihre Fähigkeiten präsentieren in einem gemeinsamen Theaterstück – das macht Lust auf mehr!

Grit Feller (amarena Kuratoriumsmitglied)

Kuratorium

Frank GrünertKuratoriumsvorsitzender amarena / Vizepräsident BDAT / Vorsitzender Thüringer Theaterverband / Regisseur / Schauspieler
Julian Baufeldt Theaterpädagoge & Webvideoproduzent / BAG Spiel & Theater
Grit FellerRegisseurin Theaterclub Kattendorf
Manuela MorlokKulturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin am Volkstheater Rostock / Vorstandsmitglied im Landesverband Spiel & Theater Mecklenburg-Vorpommern
Dr. Marcus O. KleinKultur- und Bildungsmanager, Spielleiter / Landesverband Amateurtheater Schleswig-Holstein
Jürgen PeterRegisseur / Vizepräsident Verband Bayerischer Amateurtheater
Dr. phil. Birte WernerProgrammleiterin Darstellende Künste an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel / Dramaturgin
Isa Kathrin EdelhoffBKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche (nicht stimmberechtigt)
Dominik EichhornBDAT-Bildungsreferent / Medienwissenschaftler / Theater- und Kulturvermittler / Regisseur (nicht stimmberechtigt)

 

amarena digital – Deutscher Amateurtheaterpreis 2022

Der Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) lobte 2022 zum siebten Mal einen bundesweiten dotierten Preis aus.

Zudem wird durch den Verein Theaterleben e. V. ein Sonderpreis ausgelobt:

• #connect – Amateurtheater verbindet!

Schwierige Zeiten führen zu neuem Konzept und einer Erweiterung der Perspektiven
auf das Amateurtheater!

Ziel der Preisvergabe war es, die hohe Qualität und die vielfältige Schaffenskraft des Amateurtheaters der Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Arbeit den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Es wurden insgesamt 10.000 € an Preisgeld vergeben.

In diesem Jahr wurden erstmals alle Formen der Darstellenden Künste in den Einzelkategorien angesprochen. Mögliche Formen und Formate der Inszenierungen in allen Kategorien: Schauspiel (Sprechtheater, u. a. Komödie und Drama), Musiktheater (Musical, Oper, Singspiel usw.), Tanz sowie Kleinkunst (Figurentheater, Kabarett, Improvisation usw.) oder Konzeptkunst (Performance, Happening usw.).

Im Jahr 2022 wird das Festival erstmals dezentral an verschiedenen Orten im Bundesgebiet stattfinden. Kooperierende BDAT-Mitgliedsbühnen werden die Sieger*innen aus den Kategorien willkommen heißen. Die Preisinszenierungen finden also an verschiedenen Orten in Deutschland ein neues Publikum. Ein digitales Konzept verbindet die Festivalorte und ermöglicht einen überregionalen Austausch der ausgezeichneten Amateurtheater.

Der Verein Theaterleben e. V. stiftet einen mit 2.000 € dotierten Sonderpreis, der zeitgleich mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis amarena vergeben wird. Gruppen konnten sich auf diesen Preis im gleichen Rahmen wie bei amarena bewerben.

Fachgespräch zum Thema „Demokratie & Dialog im Amateurtheater“
Donnerstag, 22. September 2022
19:00 – 20:30 Uhr
In diesem Jahr ist das Schwerpunktthema des BDAT „Demokratie und Dialog im Amateurtheater“. Zum Auftakt des Preisträger*innen-Festival zum Deutschen Amateurtheaterpreis 2022 sprechen wir daher mit Silke R., Marco P. und Stefan S. von der Gruppe „Bühnenrausch“ der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Welche Bedeutung hat das Theater für Menschen mit Behinderung? Welche Bedeutung haben Menschen mit Behinderung für das Theater? Und wo fehlt Beteiligung oder offener Dialog?
Moderation: Dominik Eichhorn (BDAT)
Infos 
Kulturhaus Osterfeld -Der Eintritt ist frei-

Preisträger*innen Kategorie 1: Darstellende Künste:
parallele welten – mixed couples
Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld
von Gianni Cuccaro, Martina Breinlinger und Ensemble
23. September, 19.30 – 21.00 Uhr
Studio-Bühne Essen
Infos Ticketverkauf 
Karten | Studio-Bühne Essen

Preisträger*innen Kategorie 2: Darstellende Künste mit Kindern und/oder Jugendlichen
elefanten POLO
Jubo – Jugendbühne – Junge Bühne Ostfildern
von Peter Klusen
23. September, 19.30 – 20.30 Uhr
Bühne 7, Quedlinburg
Infos Ticketverkauf (in Kürze) :
 Karten | Bühne 7

Preisträger*innen Kategorie 3: Darstellende Künste mit Senior*innen
bevor wir gehen
Ensemble des Augenblicks Leipzig/Bad Belzig
von Julia Strehler und Lykke Langer
23. September, 19.30 – 21.10 Uhr
Fundament / Art der Stadt, Gotha
Infos Ticketverkauf 
Karten | art der stadt e.V.

Preisträger*innen Kategorie 4: Darstellende Künste in Zeiten der Pandemie
faust I walpurgisnacht teil 1 & teil 2
Theatergruppe Süd-München
nach Johann Wolfgang von Goethe (One-Shot-Video-Chat-Version)
23. September, 21.00 – 22.00 Uhr
Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim
Infos Ticketverkauf
Karten | Kulturhaus Osterfeld

Gala und Ehrung der Preisträger*innen 2022
24. September, 19 Uhr 

mit Vergabe des Sonderpreises „#connect – Amateurtheater verbindet“
Die Gala wird moderiert vom Schauspieler Martin Bretschneider
Feiern Sie anschließend mit uns beim Gala-Buffet mit Live Musik.
Infos Ticketverkauf: Karten | Kulturhaus Osterfeld

Die Streaming-Angebote werden über den BDAT YouTube Kanal (klick hier) bereitgestellt. (Änderungen vorbehalten)

Donnerstag, 22. September 2022
19:00 – 20:30 Uhr
Fachgespräch zum Thema „Demokratie & Dialog im Amateurtheater“
In diesem Jahr ist das Schwerpunktthema des BDAT „Demokratie und Dialog im Amateurtheater“. Zum Auftakt des Preisträger*innen-Festival zum Deutschen Amateurtheaterpreis 2022 sprechen wir daher mit Silke Reischauer, Marco Pohl und Stefan Schliephake von der Gruppe „Bühnenrausch“ der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Welche Bedeutung hat das Theater für Menschen mit Behinderung? Welche Bedeutung haben Menschen mit Behinderung für das Theater? Und wo fehlt Beteiligung oder offener Dialog? Moderation: Dominik Eichhorn (BDAT).
Streaming auf YouTube

Freitag, 23. September 2022
12:30 – 13:30 Uhr
„ElefantenPOLO“ / JuBO e. V. Junge Bühne – Jugendbühne Ostfildern
Streaming auf YouTube

17:00 – 17:45 Uhr
Interview amarena Innovationsförderung // Studio Kulturhaus Osterfeld
Streaming auf YouTube

17:55 – 19:15 Uhr
„Parallele Welten – Mixed Couples“ // Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld
Streaming auf YouTube

19:30 – 21:00 Uhr
„Bevor wir gehen“ / Ensemble des Augenblicks Bad Belzig/Leipzig
Streaming auf YouTube

21:00 – 22:00 Uhr
„Faust I – Walpurgisnacht Teil 1 und 2 (One-Shot-Video-Chat-Version)“/
Theatergruppe Süd-München
Streaming auf YouTube

Samstag, 24. September 2022
19:00 – 20:50 Uhr
Gala und Ehrung der amarena Preisträger*innen 2022 (Moderation: Martin Bretschneider)
mit Vergabe des Sonderpreises „#connect – Amateurtheater verbindet“
Streaming auf YouTube

Kategorien

Die vielen verschiedenen Formen des Theaters, insbesondere des Amateurtheaters, lassen sich nicht vollständig durch eine Einteilung in fünf Kategorien abbilden. Das Kuratorium für den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena fordert daher ausdrücklich alle Amateurtheatergruppen auf, sich für amarena 2022 zu bewerben.

Auch Formen, die nicht explizit genannt sind wie z. B. Freilichtinszenierungen, Inklusionsprojekte, Figuren- oder Objekttheater, finden in allen Kategorien ihre Berücksichtigung.

Warum sprechen wir von „Darstellender Kunst“?

Die darstellerischen Formen, die im Amateurtheater Anwendung finden, haben sich in den letzten Jahren stets weiterentwickelt. Mit der Verwendung des Begriffs „Darstellende Künste“ möchte der Deutsche Amateurtheaterpreis amarena deutlich machen, dass wir alle Formen der Darstellenden Künste in jeder Kategorie begrüßen. So können in allen Kategorien Inszenierungen des Theaters, des Tanzes, der Medien- oder Konzeptkunst eingereicht werden. Unter dem Theater als Teil der Darstellenden Künste verstehen wir somit Inszenierungen des Schauspiels (Sprechtheater, u. a. Komödie und Drama), des Musiktheaters (Musical, Oper, Singspiel usw.), des Tanzes sowie der Kleinkunst (Figurentheater, Kabarett, Improvisation usw.) oder der Konzeptkunst (Performance, Happening usw.).

Kategorie: Darstellende Künste

Diese Kategorie zeichnet Inszenierungen der Darstellenden Künste im Amateurtheater aus, die vor allem von Erwachsenen oder Mehrgenerationen-Ensembles gestaltet wurden. Inszenierungen unterschiedlicher Gruppenzusammensetzungen können sich hier bewerben, u. a. inklusive Ensembles. Im Fokus stehen Inszenierungen, die bekannte theatrale Stoffe für das Amateurtheater
aufbereiten oder die sich mit einer Stückentwicklung mit spezifischen Themen des Zeitgeistes beschäftigen.

Kategorie: Darstellende Künste mit Kindern und/oder Jugendlichen

In dieser Kategorie werden jene Inszenierungen der Darstellenden Künste im Amateurtheater gesucht, die von Kindern und/oder Jugendlichen gespielt werden. Die Inszenierungen setzen sich künstlerisch und inhaltlich mit Themen und Stoffen auseinander, die für die Lebenswelten der Kinder und/oder Jugendlichen besonders relevant sind. Neben der Auswahl bekannter Texte des Kinder- und Jugendtheaters sind Stückentwicklungen oder theaterpädagogische Formate mit Aufführung besonders auszeichnungswürdig.

Kategorie: Darstellende Künste mit Senior*innen

Das Senior*innentheater ist ein wichtiger Arbeitsbereich des BDAT. Diese Kategorie würdigt die Bühnenarbeit mit und von älteren Menschen, indem speziell Inszenierungen, die sich mit den Lebensrealitäten älterer Menschen auseinandersetzen, ausgezeichnet werden. Bekannte Bühnenstoffe, Singspiele oder Tanz, theaterpädagogische Formate oder Eigenentwicklungen: der Vielfalt der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Kategorie: Darstellende Künste in Zeiten der Pandemie

Ab März 2020 stand die Welt still – auch auf der Bühne. Das Amateurtheater zeigte sich jedoch auch in dieser Zeit als Ort der Innovation. Digitale Formate, die ein theatrales Miteinander auch „auf Abstand“ ermöglichten, fanden bei vielen Amateurtheaterbühnen Anklang. Diese Kategorie zeichnet daher speziell Produktionen aus, die unter dem Vorzeichen der COVID-19-Pandemie entstanden sind. Seien es digitale Formate („digitales Theater“ in allen Formen), Live-Produktionen (unter Hygieneauflagen) oder hybride Formate: das Amateurtheater produzierte eine spannende Anzahl innovativer Projekte in einer schwierigen Zeit.

Kategorie: #wirwerdenwieder – Wirken eines Amateurtheaters in Zeiten der Pandemie

Das gesellschaftliche Miteinander funktionierte in den zurückliegenden Monaten zumeist nur über den Bildschirm. Ein Zoom-Treffen ersetzte den Probenausklang im Theatercafé. Das wöchentliche Update der Vereinsmitglieder untereinander verlagerte sich in Einzelgespräche am Telefon. Doch viele Amateurtheater zeigten Flagge: wir sind noch da – und wir werden wieder! Social Media-Formate oder kleinere Aktionen im Grünen: Die Amateurtheaterbühnen waren für viele ihrer Mitglieder Lichtblicke im Pandemiealltag.
Bei dieser Kategorie  wird keine Inszenierung, sondern ein Amateurtheater als Bühne/Verein ausgezeichnet. Die Amateurtheater bewerben sich nicht selbst, sondern werden von ihren Mitgliedern vorgeschlagen. Wir weisen darauf hin, dass die Inszenierungen in verschiedenen Formen zur Aufführung gekommen sein können: als „klassische“ Aufführung live vor Ort, als digitale Live-Aufführung (z. B. live gespielt via Zoom), als rein digitales und vorproduziertes Format (z. B. ein Theaterfilm) oder als hybrides Format.

Sonderpreis: #connect – Amateurtheater verbindet! (gestiftet von Theaterleben e.V.)

Das Amateurtheater ist seit jeher ein Beispiel für vielfältige Verbindung zwischen Menschen: jung und alt, innovative und tradierte Theaterformen, analoge Arbeitsweisen und neue Technologien, Ballungszentren und ländlicher Raum. In den Zeiten des Trennenden wollen wir ausdrücklich das Verbindende ins Rampenlicht rücken. Der Sonderpreis soll diejenige Inszenierung auszeichnen, die Menschen auf besondere Weise verbindet. Dabei kann der Begriff „Verbindung“ unterschiedlich ausgelegt werden: Hat die Bühne gemeinsame Theaterprojekte über Ländergrenzen hinweg initiiert? Werden Formate der Inklusion erprobt, die Menschen in Verbindung bringen, die sich sonst nie begegnet wären? Die Thematisierung der Vielfalt von Menschen und ihren Eigenschaften – ganz gleich in welcher Hinsicht – soll Hauptteil der Arbeit der auszuzeichnenden Inszenierung sein. Angesprochen sind Theater, Tanzformate, theaterpädagogische Projekte und andere Inszenierungsformen, die mindestens einmal zur Durchführung gelangt sind.


Hinweis zur COVID-19-Pandemie

Die Arbeit vieler Amateurtheater stand während der Pandemie-Einschränkungen still. Andere wiederum wurden digital oder hybrid tätig. Aufgrund dieser Tatsache möchte das amarena Kuratorium darauf hinweisen, dass in diesem Jahr auch Inszenierungen eingereicht werden können, die nur digital (im Internet oder auf mobilen Endgeräten) konzipiert wurden oder auch jene, die nicht zur Aufführung kommen konnten (einzureichen wären etwa Generalproben-Mitschnitte aus Januar bis März 2020). Für eine Bewerbung sind jedoch Bewegtbild-Materialien nötig, um der Jury eine fachgerechte Auswahl zu ermöglichen.

Preisträger*innen

KATEGORIE 1 | DARSTELLENDE KÜNSTE


// Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld:
„Parallele Welten – Mixed Couples“ von Gianni Cuccaro, Martina Breinlinger und Ensemble

Seit Februar 2021 schreiben, tanzen und spielen 14 Bielefelder Frauen und Männer, die in einer interkulturellen Beziehung leben, gelebt haben oder Kind eines „Mixed Couples“ sind, unter professioneller künstlerischer Anleitung in diesem Projekt. Die Spieler*innen sind im Alter von 27 bis 62 Jahre, sie haben unterschiedliche kulturelle Wurzeln, unterschiedlichste Erfahrungen und entwickelten auf Basis ihrer Biografien dieses intensive, abwechslungsreiche und persönliche Stück für die Bühne.

Die Schreib- und Theaterwerkstätten Parallele Welten am Theater Bielefeld bestehen seit 2012, die Projekte geben Raum für migrantische und postmigrantische Perspektiven und dienen dem Austausch Bielefelder Bürger*innen diverser Herkunft und unterschiedlicher Generationen.

Diese Szenencollage ist atmosphärisch dicht, sehr abwechslungsreich, humorvoll, unaufgeregt und sehr präzise, berührend. Es wird mit Musik, Gesang, Bewegung/Tanz und Sprache gearbeitet. Das Stück macht in jeder Minute Lust auf mehr, es macht unglaublichen Spaß zuzusehen, man kann sich als Zuschauende*r oft wiedererkennen, erhält aber auch persönliche Einblicke in das Leben anderer und ist in vielen Momenten ein Bekenntnis zur Liebe. Besonders beeindruckend und überzeugend war für das Kuratorium, dass bei der Fülle der Gestaltungselemente der Fokus der Inszenierung immer auf den Darsteller*innen lag.

(Text: Manuela Morlok / Foto: Daniel Zakrzewski)

 

KATEGORIE 2 | DARSTELLENDE KÜNSTE MIT KINDERN ODER JUGENDLICHEN 


// JuBO – Jugendbühne-Junge Bühne Ostfildern:
„ElefantenPOLO“ von Peter Klusen

Es ist eine triste Situation. Ein 14-Jähriger sitzt an seinem Schreibtisch, wälzt im analogen Wörterbuch, kichert über das zweite Wort der Komposition „Mitglied“ – überall Unordnung, Plastikflaschen, ein Glas Schokoladencreme. Die Bühne spiegelt den Charme eines Jugendzimmers, aus dem man gerne herausgewachsen ist. Der Junge beginnt monologisierend über seine Situation zu reflektieren, über die Beziehung zu seinem Vater, die Erfahrung von Ablehnung und häuslicher Gewalt. Der Darsteller oszilliert zwischen weinerlicher Erschöpfung und impulsiven Aufbegehren. Der Stoff-Teddy wird zum Stellvertreter der Außenwelt.

Mit ElefantenPOLO von Peter Klusen wählte der Verein JuBO e. V. ein Solostück, das von gleich drei Jugendlichen an unterschiedlichen Abenden gespielt wurde. Die dem Kuratorium vorliegende Version zeigt Darsteller Valentin in einem sensiblen, facettenreichen Spiel, das dem Jugendlichen viel Raum zur darstellerischen Brillanz verleiht. Die Gruppe beschreibt sich selbst als „ein von Jugendlichen selbstverwalteter und selbstbestimmter Theaterverein für Jugendliche und Junggebliebene bis 90“. Das Kuratorium zeichnet mit dieser Nominierung die beeindruckende schauspielerische Leistung aus, die von Seiten der Regie mit Sinn und Verstand Raum für dieses feinfühlige Thema schafft. Das eigene Unbehagen beim Zusehen ist gewollt und sollte gerade in Zeiten von zunehmender häuslicher Gewalt gegen junge Menschen in der Corona-Pandemie mehr als Beachtung finden.

(Text: Dominik Eichhorn / Foto JuBO Ostfildern)

 

KATEGORIE 3 | DARSTELLENDE KÜNSTE MIT SENIOR*INNEN

// Ensemble des Augenblicks (Leipzig/Bad Belzig):
„Bevor wir gehen“ von Julia Strehler und Lykke Langer

Im berührenden, spartenübergreifenden Stück (Theater und Film) wird eine Fülle biografischen Materials gekonnt zu Geschichte(n) verwoben. Darstellerinnen dreier Generationen im Alter von 14 bis 86 Jahren lassen daraus die fiktiven Figuren Helma und Margit entstehen und vereinen in ihnen weibliches Lebens-Wissen. Erfahrungen wie Kindheit im Krieg, Hunger, Be- und Erziehung werden thematisiert und auf einprägsame Weise theatral umgesetzt – wie auch das Ringen um Selbsterfahrung und die Suche nach Würde im Alter. Die gesellschaftlichen Verhältnisse bzw. Entwicklungen in Ost und West werden ebenso eindringlich und ehrlich hinterfragt wie die Auswirkungen erlebter (Kriegs-)Traumata auf die jüngeren Generationen. Im finalen Dialog wird nach dem Blick zurück der Versuch des rollenfreien gegenseitigen Verstehens gewagt. Die intensive Inszenierung beeindruckt durch das souveräne (Zusammen-)Spiel des Ensembles, starke Bilder sowie den stimmigen Einsatz von Bild und Ton.

(Text: Frank Grünert / Foto Ensemble des Augenblicks)

 

KATEGORIE 4 | DARSTELLENDE KÜNSTE IN ZEITEN DER PANDEMIE 

// Theatergruppe Süd-München:
„Faust I – Walpurgisnacht Teil 1 + Teil 2“ nach Johann Wolfgang von Goethe

Regie- und Spieltechniken hat das Ensemble selbst entwickelt. Es entstand ein Theaterstück, bei dem die meisten Darstellenden physisch voneinander getrennt sind und dennoch alle auf einer vertikalen Bühne nebeneinander interagieren. Die Szenen erzählen den Aufstieg Mephistos und Fausts auf den Blocksberg und die Erlebnisse während der Walpurgisfeier. Mit der Spiegelung gesellschaftlicher Konstrukte und persönlicher Erkenntnisprozesse erzeugt die Inszenierung ein Spannungsfeld. Fast alle Figuren sind Manifestationen der Ängste und Sünden Fausts. Die Begegnungen mit ihnen gipfeln in der schmerzhaften Einsicht, in welche Katastrophe er das junge Gretchen gestürzt hat.

Mittels Video-Chat entsteht eine Inszenierung, die auf klassischer Literatur beruht und künstlerisch sehr wertvoll ist. Die Charaktere werden sehr deutlich, präsentieren zudem ein sehr gutes stummes Spiel und fordern die Zuschauenden zur geistigen Auseinandersetzung. Wenn auch Zuschauende nicht interagieren können, so werden sie jedoch stark gefordert. Die Besonderheit des „One-Shot-Video-Chats“ und die Interaktion der Akteur*innen auf einer vertikalen Bühne machen diese Produktion besonders. Ein nominierungswürdiges „Spiel mit und in den Fenstern“.

(Text: Dr. Marcus O. Klein / Foto: Theatergruppe Süd-München)

 

KATEGORIE 5 | #WIRWERDENWIEDER – WIRKEN VON AMATEURTHEATERN
WÄHREND DER PANDEMIE


// Amateurtheaterverein Pforzheim 

Der Amateurtheaterverein Pforzheim e. V. (ATV) wurde im Jahr 1988 gegründet und ist einer der zwei Träger des Kulturhaus Osterfeld e. V. in Pforzheim. Er gliedert sich in die Sparten Jugendtheater Paradixon, Seniorentheater Eulenspiel, Improtheater.

Während der Pandemie hielt der Verein Mitgliedertreffen per Videokonferenz, Workshops in Präsenz zum Thema Abstand (gemäß Corona-Regeln), Improtheater wurde per Zoom gespielt. Ohne Mitspieler*innen ausschließen zu müssen, konnte die Gruppe so den Lockdown und die anschließenden Beschränkungen im lockeren Zoom-Impro-Spiel überwinden. Die weitgehend fehlenden Möglichkeiten gestischer Darstellung wurden durch Übungen zur Mimik ausgeglichen und mehr Fokus auf verbale Spielangebote gelegt.

Die Aktivitäten trugen dazu bei, dass die Ensemblemitglieder in Verbindung geblieben sind. Das Hinarbeiten auf eine Aufführung, die dann auch vor Publikum stattfinden konnte, hat die Freude am Theaterspielen wiedererweckt und alle an der Produktion Beteiligten beflügelt, unbeirrt weiter zu machen.

Dies hat es möglich gemacht in kürzester Zeit über den Sommer eine ambitionierte Produktion zusammen mit der Chorakademie Pforzheim und einer Band auf die Füße zu stellen und unter Corona-Auflagen vor Publikum aufzuführen. Beim Improtheater ist es von Bedeutung, den Willen zum Loslassen vom Alltag zu haben und sich spontan auf kleine Verrücktheiten einlassen zu können. Die Proben waren eine Atempause in der Pandemie mit viel Spaß und der Möglichkeit, der pandemiebedingten Vereinzelung zu entrinnen.

(Text: Jürgen Peter / Foto Amateurtheaterverein Pforzheim)

Sonderpreis

SONDERPREIS | #CONNECT – AMATEURTHEATER VERBINDET

Das Amateurtheater steht seit jeher für vielfältige Verbindungen zwischen Menschen: Jung und Alt, innovative und tradierte Theaterformen, analoge Arbeitsweisen und neue Technologien, Ballungszentren und ländlicher Raum. In der aktuellen Zeit des Trennenden setzt der Theaterleben e. V. mit dem Sonderpreis „#connect – Amateurtheater verbindet“ ein Zeichen und rückt das Verbindende ins Rampenlicht.

Preisträger:

Junge Theaterakademie Offenburg / Annette Müller (Baden-Württemberg): „Kilometer X – Eine interaktive Audiotour an 6 (un)gewöhnliche Orte“

Pia und Sylke schaffen Verbindungen. Sie nehmen die Teilnehmer*innen an die Hand, führen sie durch ihre Stadt, zu den Visionen und Träumen ihrer Mitmenschen, zu den eigenen Ambitionen und Zielen, zu ungewöhnlichen Orten, zu einer Haustür, zu einer Bunkeranlage, zu Video-Einspielern und zum direkten Kontakt mit einem anderen Menschen. Gemeinsam sehen, entdecken, stillstehen, rennen, flüstern, zuhören, beobachten, sprechen, hinterfragen, vorbeirauschende Züge, Worte im Taschenlampenschein und die großen Sinnfragen: Wer bin ich? Was verbindet mich mit meiner Umgebung, meinen Mitmenschen?
Die 10-jährige Schülerin und die 82-jährige Rentnerin tragen als Sprecherinnen durch die multimediale Audiotour „Kilometer X“ der Jungen Theaterakademie Offenburg. In 90 Minuten und auf 2,5 km Länge erfahren die Zuschauer*innen sechs gewöhnliche und außergewöhnliche Orte der Stadt und treffen auf 28 Menschen, die sich in Ton, Bild und Objekt zu Wort melden und in ihre Gedanken, Geschichten, Ideen und Erlebnisse Eintritt gewähren. Dabei sind die Zuschauer*innen selbst gestaltender Teil der Audiotour: Gemeinsam entdecken sie eine Bunkeranlage mit ihren Taschenlampen, tanzen auf dem Marktplatz, telefonieren mit einer unbekannten Person und sprechen mit ihr über die eigenen Ziele für die Gesellschaft, schreiben ihr eigenes gesellschaftspolitisches Statement auf und lassen sich mit diesem fotografisch verewigen.
Seit 2013 engagiert sich die Junge Theaterakademie Offenburg für die Vernetzung und Förderung des Kinder- und Jugendtheaters in der Stadt. Unter der Anleitung von Regisseurin und Theaterpädagogin Annette Müller setzt das Ensemble auf Eigenproduktionen und spielt mit den Möglichkeiten, die Bevölkerung einzubeziehen. In „Kilometer X“ wirken Jugendliche und Erwachsene im Alter von 16 bis 85 Jahren mit, die teilweise schon länger Theater spielen und teilweise eigens für das Projekt angefragt wurden.
Mit ihrem Projekt „Kilometer X“ zeigt das Ensemble, wie vielfältig die Verbindungen sind, die Amateurtheater bewirken kann: zwischen Generationen, zwischen Theaterformen, zwischen Orten, zwischen Unbekannten, zwischen Zuhören und Handeln, zwischen Gestern und Morgen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft.

(Text: Dr. Sandra Wirth)

Die folgenden drei Gruppen und ihre Inszenierungen für die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung wurden nominiert:

// Ensemble2030 (Köln, Nordrhein-Westfalen): „AGENDA“ – Eine Eigenproduktion als Theaterparcours

Das Ensemble2030 wurde im September 2019 als junge Bürger*innenbühne und Amateurtheatergruppe in Köln gegründet. Die Jahreszahl 2030 steht hierbei symbolisch für den von der Wissenschaft gesetzten Zeitrahmen, der uns als Gesellschaft noch bleibt, um unsere Klimapolitik radikal zu verändern, um Schlimmeres zu vermeiden. Die Teilnehmer*innen der Theaterprojekte sind alle Menschen, die das Theater für sich entdecken wollen und stammen aus ganz unterschiedlichen Kölner Stadtteilen und Lebenswirklichkeiten. Die Theaterproduktionen werden stark von den Darsteller*innen mitentwickelt und nach deren Themen ausgerichtet.
Und so stand auch bei AGENDA am Anfang der Stückentwicklung nur der Titel und die grobe inhaltliche Fragestellung. Zu der Theaterproduktion wurden alle Kölner Bürger*innen eingeladen und sie sollte explizit Menschen erreichen, die selbst Erfahrungen mit Klassismus gemacht haben oder etwas dazu zu sagen haben. Es entstand ein sehr diverses, multigenerationales und transkulturelles Ensemble mit Menschen zwischen 18 und 55 Jahren, die aus ganz verschiedenen Orten und Teilen der Kölner Gesellschaft stammen. Die Darsteller*innen erforschten im Probenprozess den eigenen Bezug zu den Themen Arbeit, HartzIV, Leistungsgesellschaft, Bürokratie und Kapitalismus, und konnten jede*r den eigenen Moment in der Inszenierung kreieren. Das Stück wurde unter den Bedingungen von Corona nicht auf einer klassischen Bühne aufgeführt, sondern fand als teilweise begehbarer Theaterparcours auf einer Büroetage statt. So gibt es Szenen die nur vor einem Publikum von 3 bis 4 Personen gespielt werden und dadurch sehr intim angelegt sind. Dann gibt es wieder Momente, in denen das ganze Ensemble als Gruppe agiert.
Trotz schwieriger Bedingungen aufgrund von Corona und aus aller Unterschiedlichkeit der Teilnehmer*innen ist durch die Inszenierung erkennbar ein einzigartiges Gruppengefühl entstanden. Die Eigenproduktion „AGENDA“ hat ganz unterschiedliche Menschen in Köln zusammengebracht und durch das Theaterspiel deren vielfältige komplizierte Lebensthemen sehr anschaulich aufgearbeitet – auch und gerade für Menschen, die sich nicht tagtäglich mit diesen auseinandersetzen müssen. Unter anderem aus diesen Gründen hat die Jury diese Produktion für den Sonderpreis „#connect – Amateurtheater verbindet!“, gestiftet vom Verein Theaterleben e. V., nominiert.

(Text: Christian Dennert)

// English Drama Group (Pädagogische Hochschule Heidelberg) – (Baden-Württemberg): „The Picture of Dory Ann Gray“

Die ‚English Drama Group‘ der PH Heidelberg ist eine englischsprachige Theatergruppe, welche sich auf immersives, ortsspezifisches Stationentheater spezialisiert hat. Neben dem Erleben der Fremdsprache im Theater-Kontext steht auch der internationale Austausch mit britischen Theaterschaffenden im Fokus. Die Inszenierung ‚The Picture of Dory Ann Gray‘ ist eine neue Bühnenfassung des Romans ‚The Picture of Dorian Gray‘ von Oscar Wilde
und wurde als ortsspezifisches immersives Stationentheater aufgeführt. Dory Anns Karriere als Influencerin, ihre Entfremdung von sich selbst und anderen sowie der Verlust aller Menschlichkeit zwischen realer und digitaler Existenz stehen stellvertretend für die
Entwicklungen in Zeiten des Lockdowns. So verschmelzen in der Inszenierung reale und digitale Welt miteinander, wodurch die gesellschaftliche Entwicklung unserer Zeit symbolisiert wird. Die Inszenierung steht durch die Fremdsprachlichkeit, die Aufnahme der aktuellen Entwicklungen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in besonderer Weise für das Verbindende in den Zeiten des Trennenden.

(Text: Dr. Marcus O. Klein)

 

// Moringer Bürgertheater interkulturell (Niedersachsen): „Der schönste Tag“ – Ein Theaterspaziergang von Stefan Dehler

In der Stadt Moringen hat man es raus, das Verbinden, besonders im Bürgertheater Moringen interkulturell.
Da verbinden sich Moringer mit Menschen mit Migrationshintergrund. Alter spielt keine Rolle, ob mit Behinderung oder ohne – zahlreiche Menschen machen miteinander seit 2016 Theater.
Und als die Pandemie kam, da verband man schon wieder, nämlich Spielorte und kurze Geschichten zu einem Theaterspaziergang. Kreativer Umgang mit dem Trennenden der Pandemie wurde in kleinen Gruppen von Spielenden aber auch Zuschauenden zu einem gemeinsam verbindenden dichten Erlebnis. Auch die zahlreichen Unterstützer*innen aus der Gesellschaft und die Träger*innen erleben, wie Theater verbinden kann.
„“Der schönste Tag“, eine szenische Präsentation des Moringer Bürgertheaters, führt das Publikum auf einem Theaterspaziergang durch den Stadtpark Moringens. Ein entlaufener Bräutigam, ein sprechender Fisch, wetterfühlige Liebende, märchenhaftes Jagdpech, reimende Köche, irgendetwas Faules im Staate Dänemark, Hexensud und vieles mehr sind die Zutaten der Minidramen, die das Ensemble an verschiedenen Schauplätzen (im Hof an der Moringer Burg (heute Rathaus), am Teich, auf der Wiese, am Bach, auf der Baumwiese, Teichufer am Ehrenmal und an der Friedhofswiese im Moringer Stadtpark) unter freiem Himmel zeigt.“
Diese Zeilen aus der Stückbeschreibung erfassen ganz gut, warum dies der schönste Tag ist: Menschen gestalten miteinander über alle Grenzen hinweg. Und das ist neben all den liebevollen Details in der Ausstattung sowie im Spiel für die Jury ein gewichtiger Grund für die Nominierung zum Sonderpreis „#connect – Amateurtheater verbindet!“, gestiftet vom Verein Theaterleben e.V..

(Text: Marcus Joos)

Die Mitglieder der Jury für den Sonderpreis:
Dr. Sandra Wirth (Sachsen), Vizepräsidentin des Bund Deutscher Amateurtheater e. V. (BDAT), Marcus Joos, Präsident des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e. V. (LABW), Christian Dennert, Präsident des Verbandes Hamburger Amateurtheater e. V. (VHAT) / Vizepräsident BDAT und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Theaterleben e.V. sowie Dr. Marcus O. Klein, Mitglied des amarena-Kuratoriums und amarena-Beauftragter des Landesverbandes der Amateurtheater Schleswig-Holstein e. V.

Vergeben wird der Preis bei der Gala und Preisverleihung im Rahmen des Festivals zum Deutschen Amateurtheaterpreis amarena, veranstaltet vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT), am 24. September in Pforzheim.

Theaterleben e.V. ist der Förderverein für das Amateurtheater im Norden und fördert insbesondere das Bühnenspiel von Amateurtheatern in Hamburg und Schleswig-Holstein in den Bereichen Theaterkurse, Theaterbegegnungen und -festivals, Kinder-, Jugend- und Seniorentheater, Theater in niederdeutscher Sprache und besondere Theaterprojekte. Weitere Informationen stehen hier:
» www.theaterleben.org

Jury

Diese 8-köpfige Preisjury wählt in diesem Jahr aus 15 Nominierungen in fünf Kategorien die Preisträger*innen:

// Dr. Birte Werner (Juryvorsitzende, Leiterin des Zentrums für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg)

// Frank Grünert (BDAT Vizepräsident, Künstlerische Leiter amarena)

// Stefanie Gutekunst (Kulturhaus Osterfeld)

// Billie-Marie Wempe (Kulturmanagerin, u.a. Diversitätsbeauftragte beim Sommerblut Festival der Multipolarkultur)

// Julian Baufeldt (BAG Spiel und Theater, Mitglied des amarena Kuratoriums)

// Dr. Marcus O. Klein (Mitglied des amarena Kuratoriums)

// Isa Kathrin Edelhoff (Referentin für Theater und Tanz bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, nicht stimmberichtigt)

// Dominik Eichhorn (BDAT Bildungsreferent, nicht stimmberechtigt)

Die Maßnahme wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).