Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst

Pra­xis­be­rich­te

Sie möch­ten wis­sen, wel­che Auf­ga­ben ein/e Bundesfreiwillige/r Kul­tur und Bil­dung im Bereich des Ama­teur­thea­ters über­neh­men kann? Wir haben Frei­wil­li­ge und Ein­satz­stel­len por­trä­tiert und span­nen­de Inter­views geführt.

Im Rah­men des BFD Kul­tur orga­ni­siert der BDAT für die Frei­wil­li­gen auch die so genann­ten Bil­dungs­ta­ge  Mehr dazu ent­neh­men Sie unse­rem Ver­an­stal­tungs­ka­len­der.

„Es ist eine groß­ar­ti­ge Chan­ce,
zehn Jahre frü­her aus dem Berufs­le­ben
raus­zu­kom­men und das zu machen,
was ich gerne machen möch­te!“

Micha­el Szych im Ein­satz für das TdE bei der Alice-Salomon-Hochschule (Koope­ra­ti­ons­part­ner) // Foto pri­vat

Was treibt einen Men­schen eigent­lich dazu an, einen Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst (BFD) im Ama­teur­thea­ter zu absol­vie­ren? Aktu­ell (im Mai 2020) sind beim Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) bun­des­weit 39 Frei­wil­li­ge an 31 Ein­satz­stel­len aktiv. Wäh­rend ihres Prak­ti­kums im Bereich Öffent­lich­keits­ar­beit beim BDAT kam die ange­hen­de Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Cari­na Ibsch mit Micha­el Szych ins Plau­dern. Seit dem 15. Mai 2019 ist der 57-Jährige beim Thea­ter der Erfah­run­gen als Bun­des­frei­wil­li­ger im Rah­men der Früh­pen­si­on in Berlin im Ein­satz.

Herr Szych, wie sind Sie eigent­lich zum Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst Kul­tur und Bil­dung beim BDAT gekom­men?
Ich habe 40 Jahre bei der Deut­schen Post gear­bei­tet und bekam dann die Mög­lich­keit, zehn Jahre vor­her in einen „enga­gier­ten Vor­ru­he­stand“ zu gehen. Es hieß: „Wenn Sie sich ein Jahr im Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst sozi­al enga­gie­ren oder aber 1.000 sozia­le Stun­den inner­halb von drei Jah­ren bei einem Trä­ger absol­vie­ren, dann las­sen wir Sie zehn Jahre frü­her in die Pen­si­on gehen.“
Es ist eine groß­ar­ti­ge Chan­ce, zehn Jahre frü­her aus dem Berufs­le­ben raus­zu­kom­men und das zu machen, was ich gerne machen möch­te, gleich­zei­tig aber auch noch den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst wahr­zu­neh­men. Zum einen, um mal in ein sozia­les Pro­jekt rein­zu­gu­cken. Zum ande­ren, etwas ganz ande­res zu machen und da meine Kom­pe­ten­zen ein­zu­brin­gen.
So bin ich zum Thea­ter gekom­men und zum Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst. Ich habe mich wirk­lich inten­siv damit befasst, in wel­chen Bereich ich gehen möch­te und wo ich diese Zeit ableis­ten will. Dabei war mir beson­ders wich­tig, dass auch ich etwas davon habe. Ich woll­te die Zeit nicht irgend­wo ver­brin­gen und ableis­ten, son­dern selbst etwas davon mit­neh­men. Das hat super funk­tio­niert! Es war und ist genau die rich­ti­ge Stel­le für mich. Das Thea­ter der Erfah­run­gen ist ein wun­der­ba­res Thea­ter mit einer groß­ar­ti­gen Thea­ter­lei­tung. Ich habe so viel Glück gehabt und bin ganz begeis­tert!

Hat der Thea­ter­be­reich Sie schon län­ger inter­es­siert?
Der Thea­ter­be­reich inter­es­siert mich schon sehr lange. Ich habe selbst vor vie­len Jah­ren mal eine klei­ne Thea­ter­grup­pe gegrün­det. Die Grup­pe hieß „Klei­ne Amru­mer Bühne“. Zu der Zeit habe ich auf der klei­nen Nord­see­insel Amrum gelebt. Dort haben wir etwa zehn Jahre gespielt, bis ich von Amrum weg­ge­gan­gen bin. An diese schö­ne Zeit habe ich noch­mal ange­knüpft und gedacht, dass es inter­es­sant wäre, mit dem Thea­ter jetzt wie­der anzu­fan­gen. So bin ich dann auf den BDAT gekom­men und habe mal nach­ge­fragt.

Wie genau sind Sie auf den BDAT gekom­men?
Die Infor­ma­ti­on, dass es beim BDAT den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst gibt, habe ich im Inter­net gefun­den. Dann habe ich Frau Haase (Päd­ago­gi­sche Refe­ren­tin und Koor­di­na­to­rin des Bun­des­frei­wil­li­gen­diens­tes beim BDAT, Anm. d. Red.) ange­ru­fen und mit ihr locker geplau­dert. Meine Situa­ti­on fand sie gleich span­nend und sagte, dass sie das rich­ti­ge Thea­ter für mich hätte.

Hat­ten Sie schon Berüh­run­gen mit dem Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst, bevor Sie eige­ne Erfah­run­gen sam­meln konn­ten?
Ich kann­te nie­man­den in mei­nem Bekannten- und Freun­des­kreis, der das gemacht hat und hatte mich bis dahin auch noch nicht mit Frei­wil­li­ge­n­en­ga­ge­ment befasst. Auch in mei­nem Umfeld war es kein Thema. Wenn ich jetzt aber über den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst erzäh­le, sind immer alle sehr inter­es­siert und hören gespannt zu, um zu erfah­ren, was ich dort mache.

Sie ken­nen sicher­lich auch die Bezeich­nung BUFDI, wie neh­men Sie diese „Beti­te­lung“ vor dem Hin­ter­grund Ihres beruf­li­chen Wer­de­gan­ges wahr?
In mei­nem „frü­he­ren Leben“ habe ich natür­lich etwas ganz ande­res gemacht, aber ich habe mit die­sem Begriff über­haupt kein Pro­blem. Im Gegen­teil, ich kul­ti­vie­re ihn und sage: „Ich bin hier der Theater-BUFDI und freue mich, wenn ich euch unter­stüt­zen und hel­fen kann!“. So werde ich auch wahr­ge­nom­men, als Hel­fer beim Thea­ter.

Neh­men Sie im Rah­men Ihres Bun­des­frei­wil­li­gen­diens­tes auch an Fort­bil­dun­gen vom BDAT teil?
Ich hatte meh­re­re Fort­bil­dun­gen. Es gab im letz­ten Jahr ein Frei­wil­li­gen­tref­fen im unter­frän­ki­schen Söm­mers­dorf und es war wun­der­bar, ande­re Frei­wil­li­ge aus Deutsch­land dort ken­nen­zu­ler­nen. Ich war außer­dem beim euro­päi­schen Seniorentheater-Forum in Vier­zehn­hei­li­gen und habe einen Tanz­work­shop mit­ge­macht. Der wurde in non-verbaler Kom­mu­ni­ka­ti­on von einem gehör­lo­sen Tän­zer gelei­tet. Das war auch sehr inter­es­sant und hat mir sehr gut gefal­len.

Sind außer Ihnen wei­te­re Bun­des­frei­wil­li­ge im Thea­ter der Erfah­run­gen aktiv?
Das Thea­ter beschäf­tigt der­zeit keine ande­ren Bun­des­frei­wil­li­gen, aber Prak­ti­kan­ten. Ich habe außer­dem einen ehe­ma­li­gen Kol­le­gen von der Post, der jetzt sei­nen Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst in einer Senio­ren­ein­rich­tung macht. In die­sem Zusam­men­hang gab es auf mei­nen Vor­schlag hin schon eine wun­der­ba­re Koope­ra­ti­on. Das Thea­ter der Erfah­run­gen hat bereits zwei­mal in der Ein­rich­tung gespielt. Das kam super­gut an! Es war ein gro­ßer Erfolg und die Zusam­men­ar­beit mit der BUFDI-Einsatzstelle soll auch wei­ter­ge­hen.

Warum haben Sie sich für das Thea­ter der Erfah­run­gen als Ihre Ein­satz­stel­le ent­schie­den?
Das hat mir Sig­rid Haase vor­ge­schla­gen und dann erin­ner­te ich mich, dass ich vor zehn Jah­ren schon eine Vor­stel­lung von genau die­sem Thea­ter gese­hen habe. Die Auf­füh­rung, in der damals eine 80-jährige Bekann­te von mir mit­spiel­te, hatte mich sehr beein­druckt. Um eine Ent­schei­dung zu tref­fen, schau­te ich mir noch eine aktu­el­le Vor­stel­lung an. Anschlie­ßend war mein Ent­schluss klar. Auch in einem Gespräch mit der Thea­ter­lei­tung wur­den wir uns schnell über meine Mit­ar­beit einig.

Kön­nen Sie bei Ihren viel­fäl­ti­gen Ein­satz­be­rei­chen im Thea­ter auch Kennt­nis­se oder Erfah­run­gen aus Ihrem vor­he­ri­gen Beruf mit ein­brin­gen?
Natür­lich brin­ge ich auch Kom­pe­ten­zen ein, die ich in mei­nem Berufs­le­ben erwor­ben habe. Das Thea­ter der Erfah­run­gen begeht die­ses Jahr sein 40-jähriges Thea­ter­ju­bi­lä­um. Dazu woll­te ich einen Bei­trag leis­ten und brach­te einen Vor­schlag ein, der auch auf Zustim­mung stieß. Für das Thea­ter­ju­bi­lä­um kon­zi­pier­te ich eine Brief­mar­ke mit dem Namen des Thea­ters und den Daten des Jubi­lä­ums. Die Jubiläums-Briefmarke wurde auch pro­du­ziert und wird jetzt für eige­ne Ver­san­de genutzt. Außer­dem steht sie dem all­ge­mei­nen Ver­kauf zur Ver­fü­gung, sodass auch die Spieler*innen sie kau­fen kön­nen. Das fin­den sie groß­ar­tig, weil viele von ihnen gar nicht so viel mit dem Inter­net unter­wegs sind, son­dern Brie­fe schrei­ben.

Foto Frank Schü­ler

Wel­che Auf­ga­ben über­neh­men Sie kon­kret beim Thea­ter der Erfah­run­gen und wie gestal­tet sich Ihre Zusam­men­ar­beit mit den Akti­ven?
Ich bin regel­mä­ßig bei der Pro­ben­vor­be­rei­tung und bei den Pro­ben dabei, mache Regie­as­sis­tenz, Auf­tritts­be­treu­ung, Auf- und Abbau der Requi­si­ten und habe dabei ganz viel mit den Spieler*innen zu tun. Das gefällt mir sehr gut.
Gera­de jetzt, in der Corona-Zeit, werde ich oft gefragt: „Was machst du denn jetzt eigent­lich, wo es keine Pro­ben gibt?“.
Ich habe seit Aus­bruch der Pan­de­mie ganz viel tele­fo­ni­schen Aus­tausch mit den Spieler*innen. Ich rufe sie regel­mä­ßig an, wir tau­schen uns aus und es gibt auch Tele­fon­kon­fe­ren­zen. Es ist ja nicht so, dass nichts pas­siert der­zeit. Es wer­den durch­aus Pro­jek­te bear­bei­tet. Bei­trä­ge für die Web­site kom­men von den Spieler*innen in Form von Gedich­ten, Geschich­ten, Songs, Bil­dern und vie­les mehr. Gucken Sie mal auf die Web­site vom Thea­ter der Erfah­run­gen, da fin­den Sie ganz viel, was von den Spieler*innen in die­ser Zeit kommt.


Wel­che neuen Ideen gibt es beim Thea­ter der Erfah­run­gen in Zei­ten von Coro­na, haben sich die Tätig­kei­ten ver­än­dert?

Es gibt aktu­ell ein Lied­pro­jekt, für das die älte­ren Spieler*innen einen Song zum Corona-Thema umge­dich­tet haben und die­sen alle zu Hause ein­sin­gen. Dazu spielt ein Musi­ker Gitar­re und letzt­end­lich wird alles zusam­men­ge­schnit­ten.
Es wird auch an Sze­nen­er­wei­te­run­gen gear­bei­tet, die wir dann in vor­han­de­ne Thea­ter­stü­cke oder Stü­cke, die noch geschrie­ben wer­den, ein­brin­gen kön­nen. Es gibt mitt­ler­wei­le schon eine große Mate­ri­al­samm­lung von den Spieler*innen. Es wird sehr viel pro­du­ziert, das ver­ar­bei­tet wer­den kann. Das Thea­ter der Erfah­run­gen ist ja kein Thea­ter, das irgend­et­was nach­spielt, kein Shake­speare oder sonst was. Die Spieler*innen brin­gen ihre eige­nen Lebens­er­fah­run­gen ein und set­zen sie um. Und das ist wirk­lich das Ober­span­nen­de. Es gibt so viele The­men von Alter oder auch Ein­sam­keit, Armut, Zivil­cou­ra­ge, Sexua­li­tät im Alter und Tod und Ster­ben. Da gibt es ganz viel, was die Spieler*innen ein­brin­gen und das ist jetzt nicht vor­bei, nur weil gera­de Coro­na ist. Die Spieler*innen haben wei­ter etwas ein­zu­brin­gen und zu sagen. Sie sind unser Poten­zi­al.
Auch ich konn­te Ideen ein­brin­gen und umset­zen. Ich hatte frü­her beruf­lich viel mit der Gestal­tung von Wer­be­brie­fen zu tun. Diese Erfah­rung konn­te ich jetzt gut anwen­den. Ich habe einen Wer­be­brief für die Zeit nach Coro­na gestal­tet, mit dem wir den Insti­tu­tio­nen, wie bei­spiels­wei­se Kin­der­gär­ten, anbie­ten, dort auf­zu­tre­ten. Dafür haben wir das Stück „Lina­man­no und die alten Freun­de“ im Reper­toire. Mit dem Mai­ling kön­nen wir dann zeit­nah infor­mie­ren, unter dem Motto: „Die Aus­geh­be­schrän­kun­gen der letz­ten Mona­te sind jetzt vor­bei. Möch­ten Sie ihren Kin­dern mal wie­der etwas ganz Beson­de­res bie­ten? Das Thea­ter der Erfah­run­gen kommt zu Ihnen in die Kita oder Sie kom­men zu uns ins Thea­ter!“.

Was ist aus Ihrer Per­spek­ti­ve beson­ders schwie­rig in die­ser Pandemie-Zeit?
Die größ­te Her­aus­for­de­rung bei einem Senio­ren­thea­ter mit älte­ren Spieler*innen ist im Moment, die Iso­la­ti­on der Spieler*innen zu über­win­den. Die Senio­ren sit­zen allein in ihren Woh­nun­gen und brau­chen ein offe­nes Ohr, Ermu­ti­gung und das Gefühl, nicht allein zu sein. Ich will ein Gefühl von Gemein­sam­keit erzeu­gen. Es geht um die Beglei­tung der Spieler*innen mei­ner­seits.
Mein Job ist, mit den Leu­ten zu spre­chen. Viele unse­rer Akti­ven sind den Umgang mit den sozia­len Netz­wer­ken nicht gewohnt, aber ein Tele­fon haben sie alle. Das ist die große Stär­ke. Die 70 bis 90-jährigen Spie­le­rin­nen und eini­ge Spie­ler freu­en sich auf ein Tele­fon­ge­spräch.
Es gibt auch nicht-muttersprachlich deut­sche Teilnehmer*innen in den Grup­pen, türkisch- oder spa­nisch­spre­chend. Bei Tex­ten für die Web­site eines spa­nisch­spre­chen­den Spie­lers helfe ich und über­set­ze für ihn. Das hilft sehr wei­ter.

Das klingt alles sehr enga­giert und ich finde es super, dass nie­mand allein gelas­sen und auf­ge­ge­ben wird, son­dern krea­tiv umge­dacht wird.
Ja das ist uns ganz wich­tig, weil es ohne die Spieler*innen ein­fach nicht geht. Sie sind unser Poten­zi­al! Uns ist auch wich­tig, dass sie wei­ter­ma­chen und aus der Iso­la­ti­on raus­kom­men. Die Iso­la­ti­on zu über­win­den ist jetzt ein ganz wich­ti­ges Thema für die älte­ren Spieler*innen. Dafür müs­sen wir etwas tun und das tun wir auch. Es hilft unge­mein den Kon­takt zu hal­ten.

Wür­den Sie Ihren neuen Lebens­ab­schnitt als eine Neu-Orientierung beschrei­ben?
An mei­nem ers­ten Tag ging es gleich anspruchs­voll los, indem ich zum Ster­be­pro­jekt mit­ge­nom­men wurde. Das ist ein sehr inter­es­san­tes Pro­jekt. Eine Senio­ren­thea­ter­grup­pe, die Spät­zün­der, erar­bei­te­ten zusam­men mit den Mit­ar­bei­tern von einem Hos­piz in Berlin ein Thea­ter­stück zum Thema Tod und Ster­ben. Das war schon har­ter Tobak für den ers­ten Tag. Ich gehe oft ganz berührt und mit einer Gän­se­haut nach Hause. Das habe ich in 40 Jah­ren bei der Deut­schen Post kein ein­zi­ges Mal erlebt. Und beim Thea­ter erle­be ich das jeden Tag. Mehr­fach.
Es ist eine super­tol­le neue Erfah­rung, die ich mit den Senio­ren mache. Diese Erfah­rung bringt mich ein Rie­sen­stück wei­ter im Leben, weil es noch­mal etwas ganz ande­res ist. Ich bin sehr glück­lich, dass ich den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst hier gemacht habe und ich werde auch um zwei Mona­te ver­län­gern! Ab August ist die Som­mer­pau­se und bis dahin werde ich noch reich­lich beim Thea­ter gebraucht.

Also ver­bin­den Sie den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst vor allem mit posi­ti­ven Ein­drü­cken?
Aus­schließ­lich mit posi­ti­ven Ein­drü­cken! Aus­schließ­lich!
Auch wenn meine Zeit als Bun­des­frei­wil­li­ger irgend­wann vor­bei ist, werde ich mich trotz­dem wei­ter für das Thea­ter enga­gie­ren. Ich bin gefragt wor­den, ob ich in den Vor­stand vom För­der­ver­ein gehen will und ich habe zuge­sagt. Von daher werde ich dem Thea­ter auch nach mei­ner BUFDI-Zeit wei­ter­hin sehr eng ver­bun­den blei­ben und für Pro­jek­te jeder­zeit offen sein, bei denen ich mit­ma­chen könn­te.
Mit dem neuen Stück vom Ster­be­pro­jekt haben sich schon neue Kon­tak­te mit dem Hos­piz erge­ben. Dort werde ich mich viel­leicht auch als ehren­amt­li­cher Ster­be­be­glei­ter enga­gie­ren. Mich haben viele The­men sehr berührt beim Thea­ter und mein Enga­ge­ment geht auf jeden Fall wei­ter. Ich bin sehr froh, dass ich das mache!

Vie­len Dank für die­sen span­nen­den Ein­blick in den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst.

Inter­view: Cari­na Ibsch, Stu­den­tin der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten (Mai 2020)

Ein Kurz­por­trät des Thea­ter der Erfah­run­gen steht hier:
Vor­ge­stellt // Ein Senio­ren­thea­ter als Ein­satz­stel­le

Mehr Infos zum Thea­ter der Erfah­run­gen: www.theater-der-erfahrungen.nbhs.de

40 Jahre Thea­ter der Erfah­run­gen
Ein Kurz­por­trät

Szene aus „Altes Eisen“, Foto Tina Man­si­us

Das Leben schreibt die schöns­ten Geschich­ten. Nach die­sem Motto arbei­tet das Thea­ter der Erfah­run­gen bereits seit 40 Jah­ren – und das mit gro­ßem Erfolg. Ziel war und ist es, älte­re Men­schen für das Thea­ter zu begeis­tern, auch wenn im Jubi­lä­ums­jahr 2020 die Corona-Pandemie einen Strich durch sämt­li­che Pla­nun­gen und Akti­vi­tä­ten macht. Dar­über berich­tet auch Micha­el Szych, der aktu­ell sei­nen Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst beim Thea­ter der Erfah­run­gen absol­viert, in einem Inter­view mit Cari­na Ibsch für den Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter: „Es gab eigent­lich sehr viel Pro­gramm die­ses Jahr, das nun zum Teil abge­sagt und zum Teil ver­scho­ben wird. Schau­en Sie ein­fach immer mal wie­der auf unse­re Web­site. Dort fin­den Sie auch inter­es­san­te Bei­trä­ge der Spieler*innen, die in die­ser Zeit keine Pause ein­le­gen.“

Das Thea­ter der Erfah­run­gen (TdE), gelei­tet von Eva Bitt­ner und Prof. Johan­na Kai­ser, bezeich­net sich als mobi­les Ama­teur­thea­ter – und beweg­lich sind die Grup­pen nicht nur was die Spiel­or­te betrifft, son­dern auch in ihrer künst­le­ri­schen Krea­ti­vi­tät und The­men­wahl. Drei Stamm­grup­pen sind unter dem Dach des TdE ver­eint: Die Spät­zün­der, Die Bun­ten Zel­len und Der Ost­Schwung sowie ca. 10 wei­te­re Grup­pen und Pro­jek­te mit indi­vi­du­el­len Pro­fi­len, über die ganze Stadt ver­teilt. Das Thea­ter, in dem Spieler*innen von 50 bis 90 aktiv sind, trägt nicht ohne Grund sei­nen Namen, denn es wer­den keine bekann­ten Büh­nen­stü­cke erprobt, son­dern die Stü­cke wer­den von den Senio­ren­thea­ter­grup­pen selbst, aus eige­nen Erfah­run­gen und Erleb­nis­sen, aus dem ech­ten Leben, ent­wi­ckelt. Die Thea­ter­stü­cke stam­men aus dem All­tag, sodass die The­men in alle Lebens­be­rei­che rei­chen, zum Nach­den­ken anre­gen und manch­mal auch den einen oder ande­ren pro­vo­zie­ren. Gewag­te The­men wie der Tod und lebens­ver­än­dern­de Krank­hei­ten wer­den nicht außen vor­ge­las­sen. Die Grup­pen beherr­schen auch bei schwie­ri­gen The­men ihr künst­le­ri­sches Hand­werk, das zeig­te die Aus­zeich­nung mit dem Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2014 in der Kate­go­rie „Senio­ren­thea­ter“. Das Stück „Ber­tha, stirb end­lich!“ ent­stand in der Zusam­men­ar­beit mit dem Hos­piz Schö­ne­berg – Ste­glitz.

Szene aus „Ber­tha stirb end­lich!“ // Foto Jörg Farys

Spaß machen soll das Ganze natür­lich auch und das spie­gelt sich nicht nur in den Thea­ter­stü­cken wider, son­dern wird schon in den selbst­iro­ni­schen Grup­pen­na­men erkennt­lich wie bei den oben genann­ten Stamm­grup­pen als auch beim ‚Nach­wuchs‘, z. B. den Rosa Fal­ten, den Sul­ta­ni­nen oder dem Fall­obst. Das Ent­ste­hen der eige­nen Stü­cke wird von Theaterpädagog*innen beglei­tet, bis sie in Thea­tern, Schu­len, Jugend­clubs, Kir­chen, Kul­tur­häu­sern oder Senio­ren­ein­rich­tun­gen auf­ge­führt wer­den. Das Thea­ter der Erfah­run­gen macht deut­lich, dass jeder Ort zur Bühne wer­den kann.

Aber nicht nur die Senio­rin­nen und Senio­ren sind im Thea­ter der Erfah­run­gen in das bunte Leben des Schau­spiels ein­ge­bun­den. Nach der Devi­se Schule des Lebens wer­den regel­mä­ßig Work­shops und Pro­jekt­wo­chen ange­bo­ten, an denen eben­falls Schul­klas­sen und Kitas teil­neh­men kön­nen. Gera­de die­ser Blick über den „Genera­tio­nen­tel­ler­rand“ macht das Thea­ter der Erfah­run­gen zu einem wich­ti­gen gesell­schaft­li­chen Akteur für inter­ge­ne­ra­ti­ve Begeg­nung und Aus­tausch. Fort­bil­dun­gen gibt es außer­dem für Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Altenpfleger*innen und Thea­ter­leu­te. Student*innen der Meis­ter­schu­le kön­nen sich in die inter­kul­tu­rel­le und inter­ge­ne­ra­ti­ve Pra­xis des Thea­ters ein­brin­gen, wäh­rend­des­sen alte Spieler*innen sich in Koope­ra­ti­on mit der Alice Salo­mon Hoch­schu­le in Semi­na­ren ver­schie­de­ner Stu­di­en­gän­ge an der Meis­ter­schu­le ein­brin­gen kön­nen. Zudem ent­wi­ckelt die Werkstatt der alten Talente mit pro­fes­sio­nel­ler Unter­stüt­zung neue Spiel­ar­ten im Kreativ-Bereich und eine aktu­el­le Senio­ren­kul­tur­ar­beit. Ein wei­te­res Pro­jekt soll die Gewin­nung, Qua­li­fi­zie­rung und Ver­mitt­lung von Ehren­amt­li­chen zu einer ver­bes­ser­ten genera­ti­ons­über­grei­fen­den Arbeit füh­ren. Alt und Jung, ver­bal und non-verbal: immer mehr Spra­chen sol­len mit­spie­len kön­nen und durch das Thea­ter ein­ge­bun­den wer­den.

Aus der Arbeit im Thea­ter der Erfah­run­gen ent­ste­hen nicht nur belieb­te und gelieb­te Auf­füh­run­gen, son­dern es ent­ste­hen neue For­men des Aus­tau­sches, die es vor­her nicht gege­ben hat. Die all­täg­li­chen The­men, die in den Thea­ter­stü­cken der Senio­ren­grup­pen mit Humor auf­ge­grif­fen wer­den, füh­ren Betrof­fe­ne in die Gedan­ken­welt ein und regen zum Nach­den­ken und Über­den­ken an.

Das Thea­ter der Erfah­run­gen gehört zum Nach­bar­schafts­heim Schö­ne­berg e. V., einem sozia­len Trä­ger im Ber­li­ner Süd­wes­ten.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.theater-der-erfahrungen.nbhs.de

Das Por­trät wurde zusam­men­ge­stellt von Cari­na Ibsch, Stu­den­tin der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten (Mai 2020)

Zum Inter­view mit Micha­el Szych kli­cken Sie bitte hier.

Adal­bert Meis­ham­mer

Für den lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­be­su­cher Adal­bert Meis­ham­mer (68 Jahre) ist das Ama­teur­thea­ter eine große Berei­che­rung des Kul­tur­le­bens. Der Hoch­fre­quenz­tech­ni­ker im Bereich Ent­wick­lung ist seit 2009 im Ruhe­stand. Ehren­amt­lich enga­giert er sich schon lange, bis­lang vor allem im poli­ti­schen und sport­li­chen Bereich – das Thea­ter kann­te er ledig­lich als Zuschau­er.

Seit Juni 2012 ist er nun als Bun­des­frei­wil­li­ger für den Thea­ter­ver­ein Rosen­heim aktiv. Hier hat er die Auf­ga­be, das Archiv mit allen vor­han­de­nen Unter­la­gen zu erfas­sen und zu digi­ta­li­sie­ren. „Meine Moti­va­ti­on ist, eigen­stän­dig Lösun­gen zu fin­den, die zu einer ein­fa­chen und für die Pra­xis anwend­ba­ren digi­ta­len Bear­bei­tung von vor­han­de­nen und zukünf­ti­gen Thea­ter­stü­cken füh­ren“, sagt Meis­ham­mer.

In der Ein­satz­stel­le kann so z. B. auf Bro­schü­ren, Pla­ka­te, Musik­stü­cke, Dar­stel­ler oder Rol­len­bü­cher schnell zuge­grif­fen und das Mate­ri­al für zukünf­ti­ge Pro­duk­tio­nen ver­wen­det wer­den. Damit wer­den auch die Mit­ar­bei­ter ent­las­tet. Der­zeit sind 199 Thea­ter­stü­cke aller Kate­go­rien erfasst. „Sich ehren­amt­lich zu enga­gie­ren ist für mich auch eine Selbst­be­stä­ti­gung. Ich kann meine Erfah­run­gen ein­brin­gen und mich ander­seits auf dem Gebiet der digi­ta­len Archi­vie­rung wei­ter­bil­den. Zugleich kann ich nun nach­voll­zie­hen, welch ein Auf­wand bis zur Fer­tig­stel­lung eines Thea­ter­stü­ckes not­wen­dig ist. Daher gilt mein gro­ßer Respekt allen ehren­amt­li­chen Thea­ter­spie­lern.“

Georg Mädl

„Spaß am Spiel und Freu­de in der Gemein­schaft“ – das sind die Zug­pfer­de, die Georg Mädl (32 Jahre) auch zum ehren­amt­li­chen Ein­satz für das Thea­ter moti­vie­ren. Als frei­be­ruf­li­cher Schau­spie­ler enga­giert er sich zusätz­lich seit 13 Jah­ren in ver­schie­de­nen Berei­chen des Thea­ters.

Beim „Schau­hau­fen“ in Kulm­bach ist er jetzt im Rah­men sei­nes Frei­wil­li­gen­diens­tes als All­roun­der ein­ge­setzt und küm­mert sich um Regie, Büh­nen­auf­bau, Fun­dus, Kos­tü­me, die Beschaf­fung von Requi­si­ten und auch um Pres­se­ar­beit. Dabei hat er es sich zur Auf­ga­be gemacht, den Spie­lern den Rücken frei zu hal­ten. Ent­spre­chend posi­tiv kommt sein Enga­ge­ment beim Ver­ein an: „Meine Arbeit und die Erfah­rung, die ich ein­brin­ge, wer­den gut ange­nom­men“, freut sich Mädl über die Aner­ken­nung. Warum es sich lohnt, ehren­amt­lich zu enga­gie­ren, dar­auf fin­det Mädl eine klare Ant­wort: „Ehren­amt­li­cher Ein­satz bedeu­tet, der Gesell­schaft, die einen trägt, etwas zurück­zu­ge­ben. Das ist ein gutes Gefühl.“

Doreen Thees

„Ich freue mich, wenn mir die Kin­der, mit denen ich arbei­te, auf der Stra­ße zuwin­ken und es gibt mir ein tol­les Gefühl, mich für ande­re Men­schen enga­gie­ren zu kön­nen. Man bekommt so viel mehr zurück, als man gibt“, beschreibt Doreen Thees (41 Jahre) ihre Erfah­run­gen mit dem Ehren­amt. Vor allem die Wert­schät­zung ihrer Arbeit sei ein Motor ihres Ein­sat­zes. Gemein­sam etwas zu erschaf­fen und auf die Bühne zur brin­gen, Freu­de am Spie­len und in ande­re Rol­len zu schlüp­fen, das sind aus ihrer Sicht beson­de­re Qua­li­tä­ten des Ama­teur­thea­ters.

Seit 2011 ist die gelern­te Medi­en­ge­stal­te­rin und Zir­kus­päd­ago­gin frei­wil­lig für das Ama­teur­thea­ter aktiv. „Zu erle­ben, wel­che Berei­che­rung ein gemein­sa­mes Pro­jekt für die Grup­pe dar­stellt, ist eine groß­ar­ti­ge Sache. Es ist erstaun­lich, wel­che Ver­än­de­run­gen an jedem Ein­zel­nen zu beob­ach­ten sind“, fasst sie ihre Beob­ach­tun­gen zusam­men. Bei ihrer Ein­satz­stel­le, dem Kinder- und Jugend­thea­ter „Tohu­wa­bo­hu“, unter­stützt sie die Lei­te­rin Elke Büch­ner bei der Büro­ar­beit und ist für die Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung von Pro­jek­ten wie z. B. die „Thea­ter­werk­statt“ zustän­dig. Auch das Anle­gen eines Archivs, die Beglei­tung von Nach­wuchs­schau­spiel­grup­pen sowie die Unter­stüt­zung der Öffent­lich­keits­ar­beit gehö­ren zum Tätig­keits­spek­trum. „Für mich eröff­net die­ses frei­wil­li­ge Enga­ge­ment auch Per­spek­ti­ven hin­sicht­lich mei­ner beruf­li­chen Zukunft“, zeigt sich Thees zuver­sicht­lich.

Aus Chile nach Deutsch­land für den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst im Ama­teur­thea­ter.

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Seit Juni 2014 arbei­tet Matí­as Igna­cio Urroz Richard über den BDAT für den Bun­des­frei­wi­li­gen­dienst „Kul­tur und Bil­dung“ bei Stage Divers(e), Forum für Jugend­Thea­ter­Kul­tur e.V., Ess­lin­gen. Er ist 27 Jahre alt, kommt aus Chile und hat ein abge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um in Bewe­gungs­wis­sen­schaf­ten. Sein Plan ist es, min­des­tens bis Juni 2015 die Pro­jek­te von Stage Divers(e) zu unter­stüt­zen. Im Rah­men sei­nes frei­wil­li­gen Enga­ge­ments über­nahm er auch Auf­ga­ben für die vom BDAT aus dem Pro­gramm „THEA­TER FÜR ALLE! geför­der­te Welcome-Akademie!

Kat­in­ka: Mati­as, wie bist du auf die Idee gekom­men, in Deutsch­land als Frei­wil­li­ger zu arbei­ten?

Matí­as: Als wir uns 2012 in Chile ken­nen­ge­lernt haben, hast du mir von der Thea­ter­grup­pe Stage Divers(e) und von der Mög­lich­keit erzählt, hier ein Frei­wil­li­gen­jahr im Thea­ter zu machen. Ich möch­te künst­le­ri­sche Pro­jek­te auf inter­na­tio­na­lem Niveau rea­li­sie­ren, meine eige­nen Kennt­nis­se im Thea­ter, Musik, Tanz, Zir­kus ver­tie­fen und die deut­sche Kul­tur und Spra­che ken­nen ler­nen.

Kat­in­ka: Eigent­lich bist du Kine­sio­lo­ge. Wie ver­bin­dest du das mit dem Thea­ter?

Matí­as: Wäh­rend ich stu­dier­te, trai­nier­te ich WuShu, eine chi­ne­si­sche Kampf­sport­art, und Zir­kus. Ich nahm an Wett­kämp­fen teil und arbei­te­te in Varie­tés, auch an einem Thea­ter­stück mit dem Titel„Telomero“. Außer­dem beleg­te ich Semi­na­re über Stra­ßen­thea­ter und Thea­ter im Zir­kus. Nach mei­ner Erfah­rung als Kine­sio­lo­ge hel­fen viele artis­ti­sche Dis­zi­pli­nen, einen guten Gesund­heits­zu­stand und ein opti­ma­les Kör­per­be­wusst­sein für das all­täg­li­che Leben zu ent­wi­ckeln. Sie sind wich­ti­ge Mit­tel zur Reha­bi­li­ta­ti­on und Stär­kung der Gesund­heit.

Kat­in­ka: An wel­chen Pro­jek­ten arbei­test du gera­de?

Matí­as: Am wich­tigs­ten ist das Pro­jekt mit den Flücht­lin­gen in Ess­lin­gen und dann die Vor­be­rei­tung für unser neues Thea­ter­stück, das wir im Juli auf­füh­ren möch­ten, d. h.: inten­si­ves Trai­ning im Bereich non­ver­ba­les Thea­ter und Akro­ba­tik­trai­ning mit den Stage Divers(e)-Akteuren in unse­ren lau­fen­den Pro­ben, um mehr kör­per­li­che Aus­drucks­for­men zu fin­den. Außer­dem betei­li­ge ich mich an der Kon­zep­ti­on und Durch­füh­rung von inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und einer Fes­ti­val­pla­nung für 2016.

Kat­in­ka: Wie läuft es mit der Spra­che? Hast du hier Hür­den zu über­win­den?

Matí­as: Am Anfang war es mit der Spra­che kom­pli­ziert, obwohl sich viele auf Eng­lisch mit mir unter­hal­ten konn­ten. Aber seit Okto­ber letz­ten Jah­res mache ich einen Sprach­kurs für Deutsch, der mir sehr in mei­ner sozia­len Wei­ter­ent­wick­lung in Deutsch­land hilft. Was ich sehr inter­es­sant finde, ist die for­ma­le Distanz zwi­schen den Men­schen in Deutsch­land, da in Latein­ame­ri­ka die Inter­ak­ti­on zwi­schen Men­schen viel kör­per­li­cher und infor­mel­ler ist.

Kat­in­ka: Was gefällt dir an dei­ner künst­le­ri­schen Arbeit beson­ders? Hat­test du beson­de­re Momen­te?

Matí­as: Mir gefällt sehr die Frei­heit und ich schät­ze die Mög­lich­kei­ten, die ich hier habe, um meine künst­le­ri­sche Arbeit in der Thea­ter­grup­pe zu rea­li­sie­ren. Dadurch, dass ich mit Men­schen aus der gan­zen Welt arbei­te, gewin­ne ich auch neue Kennt­nis­se und Pra­xis­er­fah­rung. In der Weih­nachts­zeit haben wir eine Vor­füh­rung für Flücht­lin­ge ange­bo­ten mit Clow­ne­rie, Akro­ba­tik und Jon­gla­ge. Nach der Vor­füh­rung kamen viele Kin­der und schenk­ten mir klei­ne gebas­tel­te Sachen aus Papier zum Dank. Es beweg­te mich sehr, diese Zunei­gung von ihnen zu spü­ren. Eine beson­de­re Erfah­rung war es auch, Berlin ken­nen zu ler­nen, eine Stadt, so voll von Geschich­te und Kul­tur – und dann war da noch der Schnee!

Kat­in­ka: Wo lie­gen dei­ner Mei­nung nach die Unter­schie­de zwi­schen der künst­le­ri­schen Arbeit in Chile und in Deutsch­land?

Mati­as: Die kul­tu­rel­le Arbeit wird finan­zi­ell in Deutsch­land deut­lich mehr geför­dert als in Chile. Aber das Bedürf­nis nach Kunst ist in Chile sehr groß. Des­we­gen ent­ste­hen dort viele ver­schie­de­ne künst­le­ri­sche Pro­jek­te, meist selbst­ver­wal­tet und unbe­zahlt. Die Künst­ler ver­su­chen stets, höchst­mög­li­che artis­ti­sche Qua­li­tät in mul­ti­dis­zi­pli­na­ren Pro­jek­ten zu errei­chen. Sie sind dabei sehr krea­tiv.

Kat­in­ka: Vie­len Dank für das Inter­view, Mati­as. Wir freu­en uns, dass du bei uns bist.

Katinka Ulmer, 21 Jahre und Studentin der Agrarwissenschaften, unterstützt seit vielen Jahren Stage Divers(e). Sie führte und übersetzte für Spiel&Bühne 1/2015 dieses Interview.

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