amarena

Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis

Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V. (BDAT) schreibt 2020 zum sechs­ten Mal einen bun­des­wei­ten dotier­ten Preis für fol­gen­de Spar­ten aus:

Schau­spiel
Kinder- und/oder Jugend­thea­ter
Senior*innentheater
Insze­nie­rung im Länd­li­chen Raum
Thea­ter ist Leben!

 

Ziel ist es, die hohe Qua­li­tät und die viel­fäl­ti­ge Schaf­fens­kraft des Ama­teur­thea­ters der Öffent­lich­keit vor­zu­stel­len und über die künst­le­ri­sche Arbeit den gesell­schaft­li­chen Dis­kurs anzu­re­gen. Es wer­den Preis­gel­der in Höhe von ins­ge­samt 10.000 Euro ver­ge­ben. Bewer­ben konn­ten sich alle nicht pro­fes­sio­nel­len Ensem­bles der Dar­stel­len­den Kunst mit Insze­nie­run­gen, die zwi­schen dem 1. Febru­ar 2018 und 1. Febru­ar 2020 Pre­mie­re hat­ten.

Das Preis­trä­ger­fes­ti­val fin­det vom 10. bis 13. Sep­tem­ber 2020 erst­ma­lig online statt. Mehr Infor­ma­tio­nen zum Ablauf des Online-Festivals mit Work­shops, Theaterstück-Streaming, Zoom-Konferenzen und der Preis­ver­lei­hung fin­den Sie ab August 2020 hier. Die Kate­go­rie „Thea­ter ist Leben! wird über eine Online­ab­stim­mung im Fes­ti­val­zeit­raum statt­fin­den.

KATE­GO­RIE SCHAU­SPIEL

// Fracht­werk (Mainz): „Der zer­bro­che­ne Kopf“, Eigen­pro­duk­ti­on

Foto: ©Nina Trauth

„Der zer­bro­che­ne Kopf“ ist eine beein­dru­cken­de Eigen­pro­duk­ti­on auf Impro­vi­sa­ti­ons­ba­sis. Jede Vor­stel­lung ent­steht ent­lang eines erar­bei­te­ten Gerüs­tes aus Rol­len­ar­beit und kri­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­men „Schau­spiel“ und „Wie ent­steht Kunst?“. Die Darsteller*innen spie­geln durch­läs­sig Büh­nen­si­tua­tio­nen wider, wie man sie in der Thea­ter­sze­ne fin­den kann. Ihr Spiel ist situa­tiv, nuan­cen­reich und natür­lich, das Zusam­men­spiel ist her­vor­ra­gend und kol­le­gi­al und zeigt, wie gut es sich spielt, wenn das eige­ne Anlie­gen für den Spiel­an­lass groß ist.
Fracht­werk setzt unter­schied­li­che per­for­ma­ti­ve Mit­tel ein, indem sie tän­ze­ri­sche Ele­men­te und Kom­men­ta­re auf Meta­ebe­ne ein­baut. Man merkt den Spieler*innen die eige­ne Erfah­rung mit dem Stück­the­ma an, das Hadern mit der Art und Weise, wie Thea­ter, unter bestimm­ten Umstän­den gemacht wird. Geht es um Macht? Geht es um Image? Die Grup­pe fin­det in die­ser ori­gi­nel­len Ensem­ble­ar­beit eine eige­ne Posi­ti­on gegen­über abge­brüh­ten Thea­ter­men­schen mit zwei­fel­haf­ten Moti­ven: mit ehr­li­chem Inter­es­se fin­det man Aus­druck­for­men, die auf Augen­hö­he erar­bei­tet wur­den. Ein tol­ler Bei­trag zum poli­ti­schen Thea­ter.
Anna Hertz

KATE­GO­RIE KINDER-UND/ODER JUGEND­THEA­TER

// UK Thea­ter der Geschwister-Scholl-Schule Wein­gar­ten (Ravens­burg): „Rol­ler im Rog­gen“ von Alex­an­der Niess

Foto: ©Cle­mens Rie­des­ser

Ein mul­ti­me­dia­les, poli­ti­sches und humor­vol­les Road­mo­vie: Eine Grup­pe jun­ger Erwach­se­ner bricht aus einem Wohn­heim aus und Rich­tung Eng­land auf – wo sie aller­dings nie ankom­men. Was diese Grup­pe an Spiel­freu­de und Prä­zi­si­on, sou­ve­rä­nem Umgang mit diver­sen Medi­en, Büh­nen­prä­senz und Zusam­men­spiel zu bie­ten hat, ist groß­ar­tig. Die meis­ten Spieler*innen des UK Thea­ters sind auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen, viele von ihnen nut­zen Tal­ker, um sich ver­ständ­lich machen zu kön­nen. Die Arbeit hat künst­le­risch über­zeu­gen­de Wege gefun­den, allen Dar­stel­len­den Raum zu bie­ten, in dem sie sowohl ihre ganz unter­schied­li­chen Stär­ken prä­sen­tie­ren, als auch als Ensem­ble gemein­sam glän­zen kön­nen.
Dr. Birte Werner

KATE­GO­RIE SENIOR*INNENTHEATER

// Alten­tanz­thea­ter Ensem­ble ZART­BIT­TER (Lud­wigs­burg): „Jetzt machen wir nichts. Und dann war­ten wir ab.“ von Nina Kur­ze­ja und Lisa Tho­mas

Foto: ©Peter Pöschl

Das Alten­tanz­thea­ter Ensem­ble Zart­bit­ter aus Lud­wigs­burg bie­tet in zwei Cho­reo­gra­fien eine äußerst gelun­ge­ne Mischung aus Tanz, Kör­per­ar­beit und Spra­che zum Thema „War­ten“. Die Die zwölf Darsteller*innen in der Alters­grup­pe zwi­schen 60-78 Jah­ren beein­dru­cken durch die Wech­sel­wir­kung von inten­si­ver Kör­per­lich­keit und zar­ten und har­ten Aus­drucks­for­men in ihrer thea­tra­len Sprach­viel­falt. Der per­sön­li­che Zugang, ins­be­son­de­re die inten­si­ven Ein­bli­cke in die eige­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Thema wer­den von der Spiel­lei­tung behut­sam gerahmt. Hohe Spiel­freu­de und die sehr poin­tier­te Musik­aus­wahl hie­ven diese Insze­nie­rung nicht zuletzt auf ein hohes künst­le­ri­sches Niveau, das bei­spiel­haft für ein Enga­ge­ment im Senior*innentheater sein soll­te.

Grit Feller

KATE­GO­RIE INSZE­NIE­RUNG IM LÄND­LI­CHEN RAUM

// Thea­ter­team Spiel­lust Michel­stadt: „Alice – Folge dem wei­ßen Kanin­chen!“ von Esther Stein­bre­cher frei nach Lewis Car­rolls „Alice im Wun­der­land“ und „Alice hin­ter den Spie­geln“

Foto: ©Tobi­as Robi­schon

Zahl­rei­che Amateurdarsteller*innen im Alter zwi­schen 15 und 65 Jah­ren erschaf­fen in die­ser „Alice“-Adaption vor und hin­ter den Kulis­sen ein Par­al­lel­uni­ver­sum, das eine über­ra­schen­de Per­spek­ti­ve auf die bekann­te Hand­lung bie­tet. Der idyl­li­sche Michel­städ­ter Stadt­gar­ten lädt dank sei­ner land­schaft­li­chen Beschaf­fen­heit regel­recht ein, um auf eine Guck­kas­ten­büh­ne zu ver­zich­ten und ins Wun­der­land ein­zu­tau­chen.
So prä­gen kon­se­quen­tes Figu­ren­split­ting und cho­ri­sches Spre­chen eine inno­va­ti­ve Insze­nie­rung, deren Inten­ti­on der Vor­la­ge Carolls nicht nur gerecht wird, son­dern diese gar über­trifft. Die Prot­ago­nis­tin als Suchen­de begeg­net nicht nur sich, son­dern auch ihren eige­nen Dämo­nen. Letz­te­res wird deut­lich, wenn sich aus dem „kol­lek­ti­ven Orga­nis­mus Alice“ legen­dä­re Gestal­ten wie Hut­ma­cher oder Grin­se­kat­ze durch offe­nen Kos­tüm­wech­sel im wahrs­ten Sinne des Wor­tes „her­aus­schä­len“.
Dank beein­dru­cken­der Spiel­freu­de meis­tert das gewal­ti­ge, in sich stim­mi­ge Mehrgenrationen-Ensemble die Her­aus­for­de­run­gen der kei­nes­falls märchenhaft-gefälligen Insze­nie­rung, die bei­spiel­haft für die Schaf­fens­kraft des Ama­teur­thea­ters in länd­li­chen Räu­men ist.

Frank Grünert

KATE­GO­RIE SCHAU­SPIEL

 

// MAPH-Theater (Karls­ru­he): „Män­ner­träu­me in Oran­ge“ von Mar­kus Schmer­beck und Phil­ipp Schuh­ma­cher

 

Foto: ©Dirk Flackus

Das Stück über­zeugt durch seine Ein­fach­heit, durch Klar­heit der Dar­stel­lung und den situa­ti­ven Humor. Es geht um zwei Stra­ßen­ar­bei­ter, die her­um­lie­gen­den Müll weg­schaf­fen. Und mehr braucht es auch nicht: Es wurde eine Hand­lung gefun­den, die eben nicht mehr braucht, als die bei­den Schau­spie­ler und ein wenig her­um­lie­gen­den Müll. Die Ein­fach­heit der Hand­lung bedingt die Ein­fach­heit der Ein­rich­tung.

Die Kom­bi­na­ti­on aus den Ele­men­ten der Pan­to­mi­me, Clow­ne­rie und der beein­dru­cken­den Büh­nen­prä­senz bei­der Schau­spie­ler füh­ren zur schau­spie­le­ri­schen Deut­lich­keit auf sehr hohem Niveau, das durch­ge­hend gehal­ten wird. Wohl­tu­end wird eine Geschich­te erzählt, die keine Bot­schaft, keine Lebens­weis­heit oder gar eine Moral aus­sen­det. Eine Geschich­te also, die eine Welt dar­stellt, und nicht eine Geschich­te, die die Welt erklärt.

Eine große Band­brei­te an Gefüh­len wird beim Publi­kum ange­spro­chen, die Basis, auf dem die ganze Geschich­te erzählt wird, auf der die Dar­stel­lung ruht ist Humor, meist leise und zer­brech­lich, manch­mal wild und groß­kot­zig, nie­mals auf­dring­lich und anbie­dernd.

Florian Schmidt

 

// Junge Bühne Sin­del­fin­gen (Sin­del­fin­gen): „Small Town Boy“ von Falk Rich­ter

 

Foto: ©Marc Hugger

Den Spieler*innen des Ensem­bles der Pro­duk­ti­on „Small Town Boy“ gelingt es, sich ein kom­ple­xes Thema zu eigen zu machen. Wen dür­fen wir lie­ben? Wie dür­fen wir lie­ben? Wie dür­fen wir über Sex spre­chen?

Mit unter­schied­li­chen Aus­druck­mit­teln – lange Sprech­mo­no­lo­ge, Tanz und Gesang und Ein­satz von unter­schied­li­chen Medi­en – nähert sich die Grup­pe dem Stück­the­ma. Das Ensem­ble schafft es in dem fast zwei­stün­di­gen Thea­ter­abend die Span­nung zu hal­ten, prä­sen­tiert die mit­un­ter lan­gen Mono­log­stel­len facet­ten­reich und gekonnt und über­zeugt in den cho­reo­gra­fi­schen Sze­nen mit inter­es­san­ten Bil­dern und Stim­mun­gen, die das sons­ti­ge Gesche­hen unter­bre­chen oder beglei­ten und somit den Zuschauer*innen Raum für eige­ne Gedan­ken las­sen.
Es ist bemer­kens­wert, wie unge­hemmt sich die Spieler*innen in auf das Thema stür­zen und es ver­tei­di­gen.

Anna Hertz

KATE­GO­RIE KINDER- UND/ODER JUGEND­THEA­TER

// Ensem­ble 2030 (Köln): „DANKE MER­KEL“, Eigen­pro­duk­ti­on

 

Foto: ©Daniela Tobias, photozeichen.de

„Power to the peop­le!“ ist das musi­ka­li­sche und inhalt­li­che Leit­mo­tiv des poli­ti­schen Recher­che­pro­jekts von elf Jugend­li­chen aus Köln und Umge­bung. Um Ange­la Mer­kel geht es ihnen auch: als Stell­ver­tre­te­rin eines poli­ti­schen Sys­tems, das ihnen viel zu lang­sam agiert, wäh­rend sie selbst sich fra­gen, ob sie es ver­ant­wor­ten kön­nen, in die­ser Welt jemals Eltern zu wer­den.
Die Arbeit nimmt die Jugend­li­chen in ihren Fra­gen, ihrer Wut und ihrem Enga­ge­ment sehr ernst, ist aus ihren Recher­chen und Ideen her­aus ent­wi­ckelt und von ihrer gro­ßen Ener­gie auf der Bühne getra­gen. Ent­stan­den ist eine Sze­nen­fol­ge, die viel­fäl­ti­ge Thea­ter­mit­tel und Spiel­wei­sen über­zeu­gend mit­ein­an­der ver­schränkt: Mono­lo­ge, Cho­ri­sche Sze­nen, direk­te Publi­kums­an­spra­chen und call and response-Gesang wech­seln sich in dich­ter Folge ab.

Dr. Birte Werner

 

// Thea­ter Toll­haus (Sieg­burg): „Müll 2.0 – We´re bur­ning now“ von Maike Mie­lew­ski

Foto: ©André Resem

Drei Grup­pen des Toll­haus e.V. und Schau­spiel­stu­die­ren­de schlos­sen sich zusam­men, um mit künst­le­ri­schen Mit­teln auf den Kli­ma­wan­del und das Arten­ster­ben auf­merk­sam zu machen.
Sie ent­wi­ckel­ten eine Per­for­mance im öffent­li­chen Raum – „Müll – We´re bur­ning now“. In star­ken Bil­dern, Tex­ten und Cho­reo­gra­phien gelingt es dem jun­gen Ensem­ble, den Ängs­ten, Sor­gen und der Wut ihrer Genera­ti­on, aber auch ihren Wün­schen Aus­druck zu ver­lei­hen und die Zuschau­en­den zum Umden­ken und Han­deln auf­zu­ru­fen. Beson­ders beein­dru­ckend ist dabei die Kon­se­quenz, mit der sich die Grup­pe für ihr Pro­jekt ein­setzt: Statt Kos­tü­me und Requi­si­ten neu zu kau­fen ent­schied sich die Grup­pe für Upcy­cling: die Tier­mas­ken bestehen bei­spiels­wei­se aus Tetra­paks.

Dr. Birte Werner

KATE­GO­RIE SENIOR*INNENTHEATER

// Sil­ber­rol­len (Mön­chen­glad­bach): „Kein biss­chen Weise“ von Ste­fan Fili­pi­ak

 

Foto: ©Stefan Filipiak

Das Thea­ter Sil­ber­rol­len aus Mön­chen­glad­bach prä­sen­tiert eine „Gol­den Ager“-Komödie, die ver­sucht, eine Brü­cke zur Digi­ta­li­tät des Hier und Jetzt zu schla­gen. Der Mono­log stellt uns Bodo vor, der von sei­nen Ein­stieg in die Zeit der Rente berich­tet. Über Absur­des, Abschied, die Suche nach neuen Auf­ga­ben und der neuen Iden­ti­tät wird flei­ßig phi­lo­so­phiert. Wieso braucht der Mensch eine Beschäf­ti­gung, wieso kann er nicht ruhen? Eine rasant in Szene gesetz­te Ein­zel­leis­tung mit witzig-pointiertem Text, die stell­ver­tre­tend für die Genera­ti­on der Einsteiger*innen ins Ren­ten­le­ben steht. Gefüh­le, die lange nicht aus­ge­drückt wer­den konn­ten, bringt Bodo durch seine Bei­spie­le in Wort und Tat. Das Publi­kum nutzt er als Reflektions- und Pro­jek­ti­ons­flä­che und gibt dem Stück dadurch zusätz­lich Leben­dig­keit. „We can work it out“!

Grit Feller

 

// Thea­ter­kol­lek­tiv [AUF]BEGEHREN (Berlin): „[AUF]BEGEHREN – Ein Thea­ter­stück zwi­schen homo­se­xu­el­ler Eman­zi­pa­ti­on und per­sön­li­cher Lie­bes­ge­schich­ten in den 70ern und 80ern“, Eigen­pro­duk­ti­on

Foto: ©Sabi­ne Kuhn

Die Insze­nie­rung „[AUF]begehren“ steht für die Mischung eines jun­gen Regie­teams und älte­ren Darsteller*innen, die sich gemein­sam mit dem höchst poli­ti­schen Inhalt sexu­el­ler Eman­zi­pa­ti­on in den 1970- und 1980-Jahren aus­ein­an­der­set­zen. Die Schwe­re der Umstän­de und der Ent­schei­dun­gen wird deut­lich, gekop­pelt an die „leich­te Musik“ der Jahre. Die Insze­nie­rung spie­gelt das Lebens­ge­fühl der Zeit treff­lich wie­der – und dies bewusst reflek­tiert und per­so­na­li­siert. Die Inten­si­tät der Akteur*innen besticht durch die Nähe zur Erzäh­lung. Der Grup­pe ist eine berüh­ren­de Insze­nie­rung gelun­gen, die auch für ein Zusam­men­spiel der Genera­tio­nen ein posi­ti­ves Signal zu set­zen ver­mag.

Grit Feller

KATE­GO­RIE INSZE­NIE­RUNG IM LÄND­LI­CHEN RAUM

// Thea­ter­grup­pe Weibs­Bil­der des Herx­hei­mer Dorf­thea­ter (Herx­heim): „Rosa B. bei­nah ver­ges­sen“ von Rosa Trit­sch­ler

 

Foto: ©Walter Menzlaw

Die Grup­pe „Weibs­Bil­der“ des Herx­hei­mer Dorf­thea­ters spielt seit 1995 zusam­men und zeigt die weib­li­che Lebens­wirk­lich­keit ihrer Regi­on seit­her in zahl­rei­chen Thea­ter­pro­duk­tio­nen. Auch die Insze­nie­rung „Rosa B. bei­nah ver­ges­sen“ ver­pflich­tet sich die­sem Ansatz und erzählt die Geschich­te von Rosa Trit­sch­ler, die 1932-1946 Pati­en­tin in einer Heil- und Pfle­ge­an­stalt war. Das dekla­mie­ren­de Vor­tra­gen von Pati­en­ten­ak­ten, das fein­sin­ni­ge Ver­le­sen von Brie­fen, das chorisch-theatrale Auf­split­ten des Sze­nen­kom­men­tars sind nur weni­ge Bei­spie­le der Viel­falt der ein­ge­setz­ten sze­ni­schen Mit­tel. Der Mut der Spie­le­rin­nen, sich dem schmerz­haf­ten und gleich­zei­tig befrei­en­den Erin­ne­rungs­pro­zess zu stel­len, sei beson­ders her­vor­ge­ho­ben. Das Stück, das in müh­sa­men Recher­chen der Enke­lin über ihre Groß­mutter ent­stan­den ist, wirkt hier­durch sehr nah am erzäh­le­ri­schen Gerüst. Zwi­schen Asso­zia­ti­on und bio­gra­fi­scher Erzäh­lung schafft es die Thea­ter­grup­pe „Weibs­Bil­der“, ein span­nungs­rei­ches Stück Innen­raum­thea­ter zu schaf­fen, das daher als bei­spiel­haft für Ama­teur­thea­ter in länd­li­chen Räu­men nomi­niert wird.

Frank Grünert

 

// Thea­ter in den Ber­gen (Häg-Ehrsberg): „Insek­ten, es gibt für alle(s) eine Lösung!“ von Arnd Heu­win­kel

 

Foto: ©Kristoff Meller

Der seit 2011 in der Gemein­de Häg-Ehrsberg agie­ren­de Ver­ein „Thea­ter in den Ber­gen“ zeigt mit sei­ner Insze­nie­rung „Insek­ten – Es gibt für alle(s) eine Lösung“ ein kreativ-amüsantes Frei­licht­thea­ter­stück, das in die Land­schaft des Ortes inte­griert ist. Absur­de und zeit­kri­ti­sche Momen­te laden die Zuschauer*innen ein, um mit dem Mehrgenerationen-Ensemble auf einen thea­tra­len Spa­zier­gang zu gehen.  Die Insze­nie­rung per­spek­ti­viert die Lage der Insek­ten, die in die Enge getrie­ben sind – ihr Lebens­raum wird durch das unbe­dach­te Han­deln des Men­schen zer­stört. Fin­di­ge Che­mie­kon­zer­ne wol­len die auf­be­geh­ren­den Insek­ten wie­der gefü­gig machen, was die Theatermacher*innen mit Mensch-Insekten-Beziehungen kom­men­tie­ren und die Inter­es­sens­kon­flik­te unse­rer Welt mit tem­po­rei­chen Sze­na­ri­en ver­su­chen zu lösen. Das poin­tier­te Kos­tüm, die unge­mei­ne Spiel­freu­de des Ensem­bles und der unbän­di­ge Charme, dass Akzep­tanz zuein­an­der und das ein Einander-Zuhören für eine bes­se­re Welt sor­gen, macht diese Insze­nie­rung so ein­zig­ar­tig. So ist die­ses „Land­schafts­thea­ter“ aus Häg-Ehrsberg bei­spiel­haft für inno­va­ti­ves Ama­teur­thea­ter in länd­li­chen Räu­men.

Frank Grünert

KATE­GO­RIE THEA­TER IST LEBEN!

// Inclu­do!, St. Leon-Rot (Baden-Württemberg)

 

Foto: ©Thilo Schmülgen

Die Grup­pe „Inclu­do!“ aus St. Leon-Rot arbei­tet (wie unschwer am Namen zu erken­nen ist) inklu­siv, aber auch mehr­ge­nera­tio­nal und leis­tet Netz­werk­ar­beit durch das Zusam­men­wir­ken mit ande­ren inklu­si­ven Ver­ei­nen. Die Arbeit von „Inclu­do!“ öff­net den Blick der Spieler*innen für das Beson­de­re in jedem Men­schen, unab­hän­gig davon ob sie*er eine Behin­de­rung hat oder nicht, und arbei­tet somit dem Welt­bild einer Gleich­wer­tig­keit aller Men­schen zu.

Ari Nadkarni

 

// Frän­ki­sche Pas­si­ons­spie­le Söm­mers­dorf e. V., Euerbach-Sömmersdorf (Bay­ern)

 

Foto: ©Anand Anders

Die „Frän­ki­schen Pas­si­ons­spie­le Söm­mers­dorf“ fin­den alle fünf Jahre unter Mit­wir­kung von ca. 700 Dorfbewohner*innen statt – fast alle wir­ken in irgend­ei­ner Weise daran mit. Auch neu Zuge­zo­ge­ne oder bereits Weg­ge­zo­ge­ne wer­den in das Pro­jekt inte­griert. Das Kura­to­ri­um schätzt den ver­bin­den­den Wert der Pas­si­ons­spie­le für die Dorf­ge­mein­schaft sowie das unge­heu­re Maß an ehren­amt­li­cher Arbeit in die­sem Thea­ter­dorf und spricht sich des­halb für eine Nomi­nie­rung aus.

Ari Nadkarni

 

// Fami­lie Gas­sen­hau­er e. V., Aurich (Nie­der­sach­sen)

Foto: ©FOTO­FO­RUM Aurich

Der Thea­ter­ver­ein Fami­lie Gas­sen­hau­er aus Aurich för­dert die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und das Selbst­wert­ge­fühl ins­be­son­de­re sozi­al benach­tei­lig­ter Kin­der und Jugend­li­cher und leis­tet Gewalt­prä­ven­ti­ons­ar­beit. Mit viel Herz­blut wird Thea­ter­spiel hier als Anlass genutzt, um Unter­stüt­zung zu geben und Per­spek­ti­ven zu schaf­fen.

Ari Nadkarni

down­load pdf // Jury­kom­men­tar zur Preis­ver­ga­be 2020

 

Jun.-Prof. Dr. Vero­ni­ka Dari­an (Vor­sitz) // Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Leip­zig

Frank Grünert // Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der amarena / Vize­prä­si­dent BDAT / Vor­sit­zen­der Thü­rin­ger Thea­ter­ver­band / Regis­seur

Isa Kath­rin Edel­hoff // BKM, Refe­rat für Musik, Dar­stel­len­de Küns­te, Son­der­be­rei­che (nicht stimm­be­rech­tigt)

Domi­nik Eich­horn // BDAT-Bildungsreferent / Medi­en­wis­sen­schaft­ler / Theater- und Kul­tur­ver­mitt­ler / Regis­seur (nicht stimm­be­rech­tigt)

Christian Hanisch //  Künst­le­ri­scher Lei­ter Cammerspiele Leip­zig / Regis­seur

Anna Hertz // Lei­te­rin Thea­ter Hoch­schu­le Kon­stanz / Regis­seu­rin / Thea­ter­päd­ago­gin / Dozen­tin / Diplom Schau­spie­le­rin

Jürgen Mack // Fes­ti­val­lei­ter Thea­ter­ta­ge am See e.V.

David „Ari“ Nad­kar­ni // Thea­ter­päd­ago­ge und Sprech­erzie­her

Navi­ga­ti­on

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Aktu­el­le Nach­rich­ten

Aus­zeich­nung für Qua­li­tät und Rele­vanz

Aus­zeich­nung für Qua­li­tät und Rele­vanz

Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter ver­gibt den Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2020 // Berlin, 12. Mai 2020 // Die Preis­ju­ry des Deut­schen Ama­teur­thea­ter­prei­ses amarena 2020 zeich­net vier Insze­nie­run­gen aus, die bei­spiel­haft für die Qua­li­tät des Ama­teur­thea­ters ste­hen. …  mehr › …  mehr ›

Enga­ge­ment & Qua­li­tät im Ein­klang – Nomi­nie­run­gen zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2020

Enga­ge­ment & Qua­li­tät im Ein­klang – Nomi­nie­run­gen zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2020

// Berlin, 26. März 2020 // Mit ins­ge­samt 167 Bewer­bun­gen zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2020 zeigt sich die Ama­teur­thea­ter­sze­ne von ihrer viel­fäl­ti­gen Seite. „Sei es Objekt- oder Frei­licht­thea­ter, bis­si­ge Komö­die oder zeit­kri­ti­sche Eigen­pro­duk­ti­on: Die ein­ge­reich­ten …  mehr › …  mehr ›

44. BDAT Mul­ti­pli­ka­to­ren­schu­lung im Kinder- und Jugend­thea­ter 2020

44. BDAT Mul­ti­pli­ka­to­ren­schu­lung im Kinder- und Jugend­thea­ter 2020

Der BDAT ver­an­stal­tet vom 21. bis 24. Mai 2020 in Wetzlar/Hessen eine Thea­ter­fort­bil­dung in sechs Werk­stät­ten. In den Werk­stät­ten wird sich Marco Merz dem Sound­de­sign wid­men, Cansu İnce­su bie­tet eine Kos­tüm­werk­statt zum Thema Upcycle/Recycle an. …  mehr › …  mehr ›

Info & Kontakt:

Bund Deutscher Amateurtheater e.V.
Ulrike Straube
amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis
Innovationsförderung
Seniorentheater
Lützowplatz 9 // 10785 Berlin

Fon 030 263 98 59 - 17
Fax 030 263 98 59 - 19

straube@bdat.info
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