Amarena

Deutscher Amateurtheaterpreis

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Der Deutsche Amateurtheaterpreis ist eine Auszeichnung, die an Theatergruppen und Theatermacher für Inszenierungen in unterschiedlichen Genres vergeben wird. Prämiert wird dabei die künstlerische Leistung im ehrenamtlichen kulturellen Engagement.

Entscheidend für die Auswahl ist, dass die Preisträger mit ihrer künstlerischen Arbeit exemplarisch für das aktuelle deutsche Amateurtheater stehen und gleichzeitig wegweisend und impulsgebend für die Amateurtheaterarbeit sind.

Ziel ist es, die hohe Qualität und die Vielfalt des Amateurtheaters einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Reflexion den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Gleichzeitig soll über das Instrument des Preiswettbewerbs auch die Qualitätsdiskussion innerhalb des Amateurtheaters in das Zentrum gerückt werden.

Der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) vergibt 2018 zum fünften Mal einen bundesweiten dotierten Preis für folgende Sparten:

  • // Schauspiel
  • // Kinder- und/oder Jugendtheater
  • // Seniorentheater
  • // Offene Theaterformen
  • // Gesamtwirken eines Amateurtheaters

 

Layout 1

Preisträgerfestival   

Die Preisträger werden zum „amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis 2018“ Preisträgerfestival eingeladen, das vom 27. bis 29.09.2018 in Leipzig (Sachsen) stattfindet. Im Rahmen dieses Festivals stellen sie ihre Inszenierungen vor. Die Teilnahme ist für die Preisträger verpflichtend.

Hier können Sie sich das amarena-Programm anschauen:
download // amarena-flyer 

download // amarena Programmheft

 

Veranstaltungsort

WERK 2 (Halle A, Halle D, Halle 5)

Cammerspiele Leipzig

Kochstraße 132, 04277 Leipzig

 

Karten

Preis pro Vorstellung: 10 €/ erm. 8 € zzgl. 20% VVK-Gebühr

Preis für die Gala inkl. Gala-Buffet: 25 € zzgl. 20% VVK-Gebühr

Festivalticket: 50 € zzgl. 20% VVK-Gebühr inkl. Gala und Galabuffet

 

Online-Kartenbestellung:

www.werk-2.de

 

Tages-/Abendkasse

jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

am Info-Stand des BDAT im WERK 2

 

Preisgeld

Es werden Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro vergeben.

 

Künstlerische Leitung

Frank Grünert, Vizepräsident BDAT

 

Kategorie Schauspiel

Foto: Maximilian Helm

Foto: Maximilian Helm

//Die bühne – das Theater der TU Dresden: „Burning Walls and Urgent Calls“ von Mathias Kammerer und Ensemble, Regie: Mathias Kammerer

Eis essen. Eis: die Kälte, der Ignorant der die Herzen ignoriert. „Wenn die Welt untergeht, machen wir‘s uns heut‘ noch mal schön!“- Worte eines übersättigten Kaisers, des Kriegs-Ignorierers Romulus (siehe Dürrenmatt). Ein turbulentes Spiel mit Elementen der comedia und des griechischen Chors, der als eine Person fungiert. Die  „Individualität“ der Geschlechter wird aufgehoben. Nur der Sex bleibt, bietet aber keinen Ausweg. In Zeiten, in denen  Politiker Entscheidungen über Dinge fällen müssen, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben, wo Macht und Lauterkeit nicht vereinbar scheinen, wo Fake und Realität immer schwerer zu erkennen sind – da ist diese Selbstentwicklung einer Bühne sehr beachtenswert.

Stück-Zitat: „Was für eine selbstreferentielle Scheiße!!“, könnte man mit eisiger Ignoranz feststellen. Aber es ist der bissig-sarkastische Aufschrei einer Generation, die so satt nicht untergehen will. Das ist ein Preis wert.

Text: Ulrich Schwarz

Kategorie Seniorentheater

Fotografin: Bozica Babic

Foto: Bozica Babic

//Seniorentheater in der Altstadt (SeTA), Düsseldorf: „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen, Regie: Kathrin Sievers

Die Theatergruppe SeTA besticht in „Peer Gynt“ durch ihren professionellen Anspruch an ihre Arbeit. Die abstrakte Ausstattung ist ästhetisch ansprechend und ermöglicht ein hohes Maß an szenischer Flexibilität. Äußerst bemerkenswert ist die Besetzung: Peer Gynt wird von sechs männlichen Darstellern unterschiedlichen Alters gespielt, sodass einerseits der Alterungsprozess der Figur auf der Bühne sichtbar gemacht wird, andererseits verschiedene Facetten der Figur entfaltet werden können. Hervorzuheben ist die sehr gute und professionelle Führung der Gruppe (Regie: Kathrin Sievers), die großartige schauspielerische Leistungen der Spielerinnen und Spieler hervorbringt.

Text: Friedrich Schirmer

Kategorie Kinder- und/oder Jugendtheater

Foto: LUTZ EDELHOFF

Foto: Lutz Edelhoff

//Die SCHOTTE, Erfurt: „Tschick“ von Robert Koall nach Wolfgang Herrndorf, Regie: Matthias Thieme

Dieses junge Ensemble wagt sich, im Gegensatz zu vielen anderen Kinder- und Jugendtheatergruppen an ein ganzes Stück heran. Und das mit vollem Recht, denn hier wird qualitativ hochwertiges Schauspiel geboten. Die fünf jungen SpielerInnen liefern hier nicht nur eine glaubwürdige Interpretation und Darstellung der im Stück vorkommenden Charaktere. Sie bewältigen mit Leichtigkeit und großer Spiellust schnelle Rollenwechsel, das Hin- und Herspringen zwischen der Erzählebene und szenisch situativem Spiel und nicht zuletzt gelingt die Gradwanderung der Mischung aus Komik und Ernst, die dieses besondere Jugendstück erfordert.

Die Stückauswahl ist sehr gelungen, denn Tschick erzählt von Themen, die Jugendliche angehen und erleben, wie Probleme in der Familie, in der Schule, das erste Verliebt sein, eigene Unsicherheiten und Freundschaft. Tschik versammelt diese Themen in einer Art Roadmovie, das zum einen interessante Spielanlässe liefert, als auch auf sehr unpädagogische Weise mit den Themen von Jugendlichen umgeht. So hat man den Eindruck, dass die teilnehmenden Jugendlichen die Spielsituationen gut nachvollziehen können und mit voller Energie auf der Bühne verteidigen können. An dieser Stelle ein Kompliment an die Spielleitung.

Text: Anna Hertz

Kategorie Offene Theaterformen

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Foto: Deutschordensmuseum Bad Mergentheim

//Deutschordensmuseum Bad Mergentheim gGmbH: „Odyssee des Lebens“, Stückentwicklung auf Grundlage Homers Odyssee, Regie: Florian Brand

Die Stückentwicklung „Odyssee des Lebens“ verbindet die Fluchtgeschichten der am Projekt teilnehmenden Spieler mit Motiven aus Homers Odyssee. Die Inszenierung nimmt die Form eines Stationentheaters an, welches das Publikum selbst eine Reise antreten lässt: angefangen bei der Grenzkontrolle bis hinter den Stacheldrahtzaun im Geflüchtetenlager. Hierbei erfahren die Zuschauer ansatzweise die mögliche Bedrängnis, den Verlust von privatem Raum, die Entwürdigungen, die mit einer Flucht einhergehen können, in teils beißend klaren, teils wunderbar poetischen Bildern und durchaus am eigenen Leib, jedoch immer im geschützten Rahmen des Spiels. Das Kuratorium empfindet die äußere Form des Stücks als vorbildlich für die Kategorie „Offene Theaterformen“, die Erzählweise als unaufdringlich und schätzt die Inhalte als spannend, zeitgemäß und feinfühlig aufbereitet ein.

Text: David Ari Nadkarni

Kategorie Gesamtwirken eines Amateurtheaters

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Foto: Saskia Serwotka

//Theater-Club Kattendorf (Schleswig-Holstein)

Der Theater-Club Kattendorf e.V. ist ein Amateurtheater bis in die kleinste Faser des gemeinschaftlichen Miteinanders – und das kleinste Dorf Deutschlands mit einem eigenen Theater! In Kattendorf (Schleswig-Holstein) leben 860 Menschen, insgesamt 216 Mitglieder zählt der Theaterverein. Dabei wuchs der Verein stetig, Kinder wurden zu Jugendlichen und schließlich zu jungen Erwachsenen – das Angebot erweiterte sich, sodass der Verein heute acht verschiedene Theatergruppen umfasst. Basis ist das Spiel auf Plattdeutsch, was jedoch ergänzt wird durch hochdeutsches Schauspiel, traditionsreiche Theaterklassiker oder moderne Jugendstücke. Im Jahr 1997 realisierte der Verein einen eigenen Anbau, um Proben- und Aufführungsfläche zu gewährleisten – in Eigenleistung und durch Unterstützung zahlreicher Mitglieder. Zwölf Jahre später folgte bereits die Eröffnung des eigenen Theaters.

Wenn der Dorf-Friseur die Maske übernimmt, man das Kinder- und Dorffest mit Theater bestückt, der (ehemalige) Bürgermeister auch der Bühnenbauer ist, der Bäcker im Ort Requisiten stiftet und sich ansässige Unternehmen um die Übernahme des Kartenvorverkaufs reißen – dann ist ein Amateurtheater in der Region verankert, vernetzt und angekommen. Die Mitglieder des Theater-Club Kattendorf zimmern Bühnen, zaubern Kostüme und Maske, sie leiten an und spielen auf der Bühne. Daraus ist ein beachtlicher Spielbetrieb entstanden, der ohne das ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Vereinsmitglieder unmöglich scheint.

Dieses Amateurtheater steht modellhaft für eine Verankerung von kulturellem Leben auf dem Lande, es zeichnet sich durch Kontinuität und eine starke Vernetzung in der Region aus – Amateurtheater ganz nah am Menschen.

Text: Dominik Eichhorn und Frank Grünert

Kategorie Schauspiel

//Das kleine Theater Essen: „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière

Ja, Theater soll unterhalten, aber eben nicht nur. Das wird in letzter Zeit oft missverstanden unter der Überschrift: „Die Leute wollen lachen, sie haben es schwer genug!“ Also wird flaches Boulevard-Theater gemacht, mit Stammtisch-Witzchen: eine „Ver-Barthung“ der Kunst. Der Saal ist voll, die Kasse stimmt.

Dass es durchaus andere Wege gibt, sein Publikum unterhaltsam klüger zu entlassen als es gekommen ist, demonstriert diese Produktion. Getragen von hoher Spielfreude, professioneller Beherrschung des Handwerks, entwickelt sich ein komisch-böses Zerlegen von „political correctnes“. Hinterfragt werden Beziehungen in der Familie, Freundschaft kommt auf den Prüfstand – schwarzer Humor, der in ein Happy-end mündet. Aber nicht für uns: Wir werden mit einem Stachel im Kopf entlassen. Der arbeitet weiter in einer Zeit, wo sich die Gesellschaft polarisiert in rechts/links/neoliberal…und was noch? – Die Fragen, in hoher Spielqualität gestellt, sind preiswürdig.

Text: Ulrich Schwarz

 

//Freies Theater Tempus fugit, Lörrach: „Moby Dick“ von Herman Melville

Da ist ein Gerüst: das ist ein Schiff. Die Spieler: das sind Seeleute verschiedener Nationalitäten, ein Kapitän. Sie eint die Jagd auf den Wal, das Ungeheuer, den „Feind“. Die Hierarchie an Bord, die sozialen Zwänge, die menschlichen Unvereinbarkeiten, die Sehnsüchte und Hoffnungen – ein Mini-Kosmos, ein Abbild unserer Welt. Einer Welt, die heute genauso zerrissen erscheint, gelenkt von Mächtigen, die nur ihre Ziele kennen.

Ein Theaterstück, in dem Kämpfe ausgetragen werden, die in ihrer realistischen Spielweise über den Melville-Roman weit hinausgehen. Ein Gleichnis, das wir überdenken sollten. Der Gewinn für die Spieler ist zu sehen. Ihre Kraft und Konsequenz überträgt sich auf den Betrachter. Ein alter Stoff, zeitlos gemacht. Ein Preis als Anerkennung eines Beispiels.

Text: Ulrich Schwarz

 

Kategorie Seniorentheater

//Hanseaten-Klub Bremen: „Wind in den Pappeln“ von Gérald Sibleyras

Der Hanseaten-Klub Bremen e.V. zeigt mit „Wind in den Pappeln“ ein charmantes, selbstironisches Stück über französische Veteranen im Altersheim. Die drei werden authentisch, mit allen Ticks und Marotten gezeigt und treten in lebhafte, lebendige Interaktion. Die Geschichte behandelt im Rückblick auf das gelebte Leben der Protagonisten gewichtige Themen wie vergangene Lieben, Krankheit, den Tod alter Bekannter oder den Krieg mit humorvoller Leichtigkeit. Dies wird teilweise stark von den absurd erscheinenden Ängsten, die im Alter aufkommen können, getragen, teilweise aber auch durch den abgeklärt-sachlichen Blickwinkel erzählt, den man von Menschen am Lebensabend kennt. Das Kuratorium beurteilt die Wahrhaftigkeit im Witz und die Ernsthaftigkeit im Spiel als vorbildlich für das Seniorentheater und nominiert die Gruppe deshalb für diese Kategorie.

Text: David Ari Nadkarni

 

//Spätzünder – Theater der Erfahrungen, Berlin: „Schlaflos in Berlin – Spätzünder im Bett“, Eigenproduktion

Mit ihrem Projekt „Schlaflos in Berlin“ hat die Gruppe Spätzünder eine Komödie bzw. eine „musikalische Pyjamaparty“ über das Thema Schlaflosigkeit erarbeitet. Ein unprätentiöses und humorvolles Projekt, das durch seine bemerkenswerte Dramaturgie, einen guten Spannungsbogen sowie die gute Textfassung hervorsticht. Die verwendeten theatralen Mittel sind einfach, aber überzeugend. Besonders positiv hervorzuheben ist die gute und beständige Kommunikation der Spielerinnen und Spieler mit dem Publikum.

Text: Friedrich Schirmer

 

Kategorie Kinder- und/oder Jugendtheater

//Piccolo Theater Cottbus: „KRG “, von Janne Teller/ Falk Richter/ Matthias Heine und den Jugendlichen

Die 14 Jugendlichen regen in dieser sehr gelungen Stückentwicklung zum Thema Heimat zum Nachdenken an, indem sie sich selbst in die Situation von Flüchtenden versetzen. Sie wissen, dass man andere besser verstehen kann, wenn man sich in deren Lage versetzt und spiegeln durch ihr gesellschaftskritisches Spiel die aktuelle politische und soziologische Situation in Deutschland wider. Gleichzeitig wird gezeigt, wie unterschiedlich der Begriff von Heimat sein kann. Themen wie Verlustangst, Krieg und Zerstörung werden hier mit unterschiedlichsten ästhetischen Mitteln, wie chorischem Sprechen, Choreografien, Livemusik und Schauspiel auf höchstem Niveau dargestellt.  Die Darsteller wissen genau wovon sie reden und das lässt auf eine hervorragende Spielleitung schließen, die sowohl Eigenverantwortung und -initiative als auch Partizipation und Teamgeist großschreibt, ohne Verluste auf künstlerischer Ebene einzubüßen, im Gegenteil.

Text: Anna Hertz

 

//Wunderbar – Stadttheater Minden: „Blick nach vorn“ von Canip Gündogdu und Viola Schneider

12 unbegleitete, minderjährige Geflüchtete stellen sich mit Clownsnasen auf die Bühne und nehmen das Publikum mit auf eine Reise voller Entdeckungen. Hier ist nicht nur eine wichtige Arbeit, die sich mit Träumen und Zukunftsvisionen der Beteiligten beschäftigt, als auch ein lustvolles, ästhetisch schönes Schauspiel entstanden. Es wird mit wenig Sprache und einfachen Mitteln, in einer liebevoll dezenten Unterstützung durch einen Musiker, der die Spieler hebt, viel Atmosphäre geschaffen. Hier werden mit Körpersprache, Pantomime und clowneskem Spiel unterschiedliche Situation und kleine Geschichten erzählt, die sehr eindrücklich wirken. Spielfreude und Zusammenspiel sowie biographische Einlagen ergeben einen sehr interessanten, charmanten, berührenden und tiefgreifenden Abend.

Text: Anna Hertz

 

Kategorie Offene Theaterformen

//Offene Behindertenarbeit der Lebenshilfe Bamberg: „Mensch Odysseus“ vom Theaterensemble TOBAK

Die Lebenshilfe Bamberg e.V. erarbeitet mit ihrer Inszenierung „Mensch Odysseus“ ein Stück über die schwachen Seiten dieses Heros – auf den großen Helden der Antike wird hier in blanker Ehrlichkeit mit dem fehlerhaften Menschen geantwortet. Das Kuratorium spricht sich für eine Nominierung des Stückes aus, weil diese Arbeit, z.T. mit Menschen mit Behinderung, großen Mut im Umgang mit theatralen Mitteln beweist und eine Bühnenenergie abliefert, die den Saal kochen lässt! Es wird getrommelt und getanzt, durch Bewegungstheater entstehen starke, teils überraschende, humorvolle Bilder, darüber hinaus erfrischende Umdeutungen von Homers Figuren. Die Bühnenelemente werden vielfältig verwendet und lassen immer wieder überraschende, neue Räume entstehen. Das Kuratorium möchte die gelungene Verbindung aus künstlerischem und inklusiven Ansatz dieser Arbeit würdigen, indem es „Mensch Odysseus“ trotz der namentlichen Ähnlichkeit zum ebenfalls nominierten Stück „Odyssee des Lebens“, als von letzterem ästhetisch und inhaltlich vollkommen verschiedenen Stück für den amarena-Preis nominiert.

Text: David Ari Nadkarni

 

//spinaTheater, Solingen: „EUROPA“, Eigenproduktion

Das spinaTheater aus Solingen eröffnet mit seinem Stück „EUROPA“ teils befürwortende, teils sehr kritische Perspektiven auf das wirtschaftliche und politische Handeln der Europäischen Union. Die Inszenierung wird sauber gespielt, ist sehr musikalisch/tänzerisch und lebendig, mit Sarkasmus gespickt und jugendlich frisch. Der Ton des Stücks ist nie belehrend, aber durchaus „in die Fresse“, scheut nicht vor klaren Stellungnahmen zurück. Auf Leinwände projizierte Flüchtlingsgegner werden flink und schonungslos entsorgt, europäische Politiker durch schlichte Masken und muntere Interaktionen gekonnt parodiert. Auffallendstes Mittel ist der rege und wilde, immer einfallsreiche Gebrauch von Einkaufswagen, die die jungen Schauspieler in diesem kapitalistischen EUROPA über die Bühne fliegen lassen oder aber zu babylonisch anmutenden Türmen gestapelt werden und hierdurch neue Ebenen im Bühnenraum erschaffen. So beschließt das Kuratorium, dieses mutige, lebendige Stück für den amarena-Preis zu nominieren.

Text: David Ari Nadkarni

 

Kategorie Gesamtwirken eines Amateurtheaters

//Volkstheater Flintsbach (Bayern)

In Flintsbach am Inn (ca. 3000 Einwohner*innen) wird seit 1675 Theater gespielt. Das Theaterhaus (1823 erbaut) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von etwa 50 Vereinsmitgliedern gekauft und seither in Stand gehalten. Der Theaterverein hat 150 Mitglieder und lockt jährlich etwa 9000 Zuschauer*innen in den kleinen Ort. Seit 2016 ist der Ort und damit das Theaterhaus Teil der Europäischen Route Historischer Theater und zählt zu den 120 schönsten und besterhaltensten Theatern in ganz Europa.

Zwischen 20 und 50 Darstellende sind jährlich auf der Bühne aktiv, weitere 20 arbeiten an Bühne, Maske und Kostüm im Hintergrund. Dabei kooperiert der Verein mit anderen Vereinen, wie etwa der Musikkapelle, dem Trachtenverein, dem Kirchenchor oder auch der Freiwilligen Feuerwehr. Auch Schüler*innen dürfen im historischen Saal Theaterluft schnuppern. Die Arbeit wird hinter und auf der Bühne komplett ehrenamtlich gestemmt – zum Abschluss aller Proben und Aufführungen folgt ein geselliges Beisammensein.

Das Volkstheater Flintsbach e.V. steht modellhaft für eine traditionsreiche Pflege des Amateurtheaters als wichtiges Kulturgut im ländlichen Raum. Durch ein nachhaltiges ehrenamtliches Engagement aller Beteiligten, eine leidenschaftliche Symbiose aller Gewerke und der Bewahrung einer fast 350-jährigen Tradition mit gleichzeitigem Blick in die Zukunft ist es beispielhaft für das Gesamtwirken eines Amateurtheaters.

Text: Dominik Eichhorn und Frank Grünert


//Theater unter der Dauseck (Baden-Württemberg)

Flexibilität, Innovation und ständige Bewegung – das Theater unter der Dauseck aus Oberriexingen in Baden-Württemberg steht für kreatives Amateurtheaterschaffen seit 1992. Der Theaterverein hat momentan 65 Mitglieder, davon sind 35 Spieler*innen auf der Bühne – zwischen 7 und 70 Jahren. Eines der wichtigsten Prinzipien dieses Amateurtheaters: jede und jeder darf mitmachen – ob auf der Bühne, bei der Technik, Kostüm oder Maske.

Die Akteur*innen spielen in keiner festen Spielstätte, sondern dort, wo die Menschen sind – in Kellern, Ruinen, Schweineställen, auf Wiesen im Wasser. Der öffentliche Raum wird erforscht und wird zum eigenen Akteur der Inszenierungen. Mit Liebhaberei zum Theater entwickeln die Amateure Theater, das einem höchst professionellen Anspruch folgt. Das Theater unter der Dauseck lädt hierzu professionelle Teams ein, die vor Ort mit den Amateurtheaterschaffenden arbeiten.

Ein Amateurtheatertheater, das bekannte Wege verlässt, neue Räume der Kreativität eröffnet und dabei so nah wie möglich am Menschen bleibt! Das Theater unter der Dauseck leistet einen wichtigen Beitrag, um altbekannte Klassiker mit neuem Leben zu versehen und sie zwischen Möbelhaus und Kraftwerksgelände zu entfalten. Es ist somit ein modellhaftes Beispiel für ein nachhaltiges künstlerisches Gesamtkonzept, das hinter einem Amateurtheater stehen kann.

Text: Dominik Eichhorn und Frank Grünert

jury_amarena2018

Dagmar Schmidt (Vorsitz) // Dramaturgin / Langjährige Chefdramaturgin Kinder- und Jugendtheater Schaubude (München)

Dr. Micha Braun // Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft / Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Centre of Competence for Theatre (CCT) an der Universität Leipzig

Dominik Eichhorn // BDAT-Bildungsreferent / Medienwissenschaftler / Theater- und Kulturvermittler / Regisseur

Frank Grünert // Kuratoriumsvorsitzender amarena / Vizepräsident BDAT / Vorsitzender Thüringer Theaterverband / Regisseur

Anna Hertz // Dozentin der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg e.V. / Diplom Schauspielerin

Annelie Lettermann // Darstellerin, Regisseurin & Jugendgruppenleiterin bei der Volksspielbühne Rissen von 1955 e.V. (Verband Hamburger Amateurtheater e.V.)

Ulrich Schwarz // Schauspieler / Regisseur / Stellvertretender Vorsitzender und Künstlerischer Leiter des Landesverbands Amateurtheater Sachsen

Isa Kathrin Edelhoff // BKM, Referat für Musik, Darstellende Künste, Sonderbereiche (nicht stimmberechtigt)

In diesen Jahr verleiht der Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) in Kooperation mit dem Institut für Beratung, Begleitung und Bildung e.V. (B3) einmalig den Sonderpreis „Nah Dran! – Ein Preis für Demokratietheater“. Dieser wird im Rahmen des Festivals zum Deutschen Amateurtheaterpreis amarena am 29. September 2018 in Leipzig verliehen.

Vor dem Hintergrund eines immer stärker werdenden Rechtspopulismus, gezeichnet von Hetzreden und Fake News, scheint eine konstruktive Gesprächskultur im öffentlichen Raum unmöglich geworden zu sein.

Was kann Theater dem entgegensetzen? Gesucht wird eine Theaterinszenierung, die sich thematisch und künstlerisch mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, demokratischer Gesprächskultur und den damit verbundenen Fragestellungen beschäftigt. Der strukturelle Hintergrund der sich bewerbenden Amateurtheaterbühnen wird ebenfalls beachtet.

 

Preisgeld

Es wird ein Preisgeld von insgesamt 2.000 Euro vergeben.

 

Diskussionsforum zum Sonderpreis „Nah Dran!“ mit kurzen Impressionen der Gewinnergruppen Piccolo Theater Cottbus „KRG.“ & stellwerk weimar „Wilhelm Tell – Versuche“
Freitag, 28. September 2018, 16:30 Uhr
WERK 2, Halle 5

Gala und Ehrung der Preisträger amarena 2018 mit Vergabe des Sonderpreises „Nah Dran!“
Samstag, 29. September 2018, 19 Uhr
WERK 2, Halle A

 

Jury

Der Jury gehören an: Simon Isser (Präsident BDAT), Ute Seckendorf (Direktorin Institut B3), Irene Ostertag (Geschäftsführerin BDAT), Sophie Renz (Vorsitzende LATS) und Asli Özdemir (Amateurtheaterdarstellerin aus Hessen).

Förderer

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Das sagt die Jury zur Preisvergabe:
Jurykommentar zum Sonderpreis Nah Dran!

 

Stellwerk Weimar I Wilhelm Tell 27.01.18 I Foto von Matthias Pick

Foto: Matthias Pick

Die Inszenierung
Wilhelm Tell – Versuche
des stellwerk weimar
Regie: Stephan Mahn
Theaterpädagogische Begleitung: Christian Schröter
Die Geschichte um den Meisterschützen und Frischluftfanatiker Wilhelm Tell wurde in der Fassung Friedrich Schillers im 20. Jahrhundert zur Fundgrube für rechte wie für linke Propaganda. Gemeinsam erforscht das Ensemble die Figur des Wilhelm Tell: Wer ist dieser Mann? Ein Nationalheld? Ein Terrorist? Ein Freiheitskämpfer? Ein Hinterwäldler? Oder ein bisschen von allem?Wir fragen uns, ob politisches Denken in der heutigen Zeit überhaupt etwas wert ist, wenn man dann doch nichts tut. Oder ist es besser, einfach irgendetwas zu tun als gar nichts? — Jetzt sind wir schon wieder etwas aus dem Konzept. — Wir haben schon lange nicht mehr so ernsthaft über abstrakte Begriffe wie Freiheit und Angst nachgedacht. Der Freiheitsbegriff ist ja auch sehr schwammig, irgendwie eben so ein Schlagwort und so leicht gesagt und dabei so schwer bedacht.

 

KRG. – Eine Heimatbetrachtung des Piccolo Theaterjugendklubs für Leute ab 15 Jahren im Piccolo Theater. Texte von Janne Teller, Falk Richter und Jugendlichen des Piccolo Theaterjugendklubs. Choreografie: Zaida Ballesteros Parejo, Spielleitung: Matthias Heine. Premiere am 22. April um 19 Uhr Weitere Vorstellungen am 26; 27. Und 28. April jeweils um 19 Uhr. Info/Karten: 0355 – 23 687

Foto: Michael Helbig

Die Inszenierung
KRG. – Eine Heimatbetrachtung
des Piccolo Jugendklubs
mit Texten von Janne Teller, Falk Richter und Ensemblemitgliedern
Spielleitung: Matthias Heine
Choreografie: Zaida Ballesteros Parejo

Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier in Europa. Die demokratische Politik ist gescheitert und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen. Wer kann, flieht in den Nahen Osten. In ein ägyptisches Flüchtlingslager.  Die Produktion des Piccolo Jugendklubs spielt auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene finden wir uns in Janne Tellers Text „Krieg“ wieder. Ein intelligentes Gedankenspiel mit der Frage: Was wäre wenn? Auf der zweiten Ebene versucht sich die Gruppe in der selbst erlebten Gegenwart zu verorten. Eine Gegenwart voller Angstreflexe. Der Angstreflex, der aus Sorge um den eigenen Wohlstand Not und Elend Anderer ausblendet. Der Angstreflex, der mit dem Drang einhergeht, Komplexität mit Einfachheit zu begegnen. Der Angstreflex, der eine Mauer ist zwischen dem Gewohnten und dem Gewöhnungsbedürftigen. Der Angstreflex, der sich auf einer gesellschaftlichen Ebene oft mit WIR-GEGEN-DIE ausgedrückt.

Fachtag am 27. September 2018 von 9.00 – 18.00 Uhr
im Rahmen des Fünften Deutschen Amateurtheaterpreises amarena 2018
Ort: Cammerspiele Leipzig
Thema: Das amarena – Preisträgerfestival und die Innovationsförderung als (breiten-)kulturelle Praxis in transkultureller Perspektive und als kulturpolitisches Steuerungsinstrument

Programm des Fachtags als PDF

Interessierte Teilnehmer*innnen melden sich bitte unter projekt@bdat.info bis zum 25.9 an.

 

Inhaltliche Nachfragen zur Fachtagung:
Dominik Eichhorn, eichhorn@bdat.info
Projektmanagement amarena
Ulrike Straube, straube@bdat.info
Praktikantin amarena
Hanna Haupt, projekt@bdat.info

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Info & Kontakt:

Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V.
Ulri­ke Strau­be
amarena – Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis
Inno­va­ti­ons­för­de­rung
Senio­ren­thea­ter
Lüt­zow­platz 9 // 10785 Berlin

Fon 030 263 98 59 - 17
Fax 030 263 98 59 - 19

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