Bericht

Bundesversammlung 2026

Am Samstag, den 12. September 2026, fand die diesjährige Bundesversammlung des Bundes Deutscher Amateurtheater (BDAT) statt. An der Sitzung nahmen Delegierte der 17 Mitgliedsverbände, Vertreter*innen des Bundespräsidiums, das Geschäftsführende Präsidium sowie Mitarbeitende der Geschäftsstelle teil. Nachdem die Bundesversammlung 2025 in Dresden als Präsenzveranstaltung und im März 2026 ein persönliches Treffen der Verbände in Berlin stattgefunden hatte, tagten die Delegierten in diesem Jahr online

Die kulturpolitische Lage und ihre Auswirkungen

Die aktuelle kulturpolitische Lage, steigende Kosten und knappe öffentliche Kassen setzen das Amateurtheater und auch den BDAT weiterhin und zunehmend unter Druck. Gleichzeitig beobachtet der Verband mit Sorge antidemokratische Entwicklungen, die sich zuletzt unter anderem im Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gezeigt haben. Diese Themen prägten die Diskussionen der Delegierten, insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftsplan 2027 sowie den Austausch über die weitere kulturpolitische Lobbyarbeit des Verbandes.

Da die Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) voraussichtlich im Jahr 2027 bei steigenden Kosten nicht erhöht wird, mussten leider schwierige Entscheidungen getroffen werden, um einen soliden und tragfähigen Haushaltsplan für das kommende Jahr aufzustellen. Im Personalbereich werden Stunden gekürzt. Dies betrifft das Projekt amarena und den Bereich Mitgliederverwaltung. Es wird eine Änderungskündigung ausgesprochen und ein Beschäftigungsverhältnis trotz Bedarf nicht über den Rentenbeginn hinausgeführt, was eine Verlagerung der Arbeit auf andere Mitarbeitende nach sich zieht. Präsident Simon Isser bedauerte diese unabwendbaren Maßnahmen sehr.

Der verabschiedete Wirtschaftsplan, einschließlich der Weiterleitung von Mitteln an den Verband Deutscher Freilichtbühnen, basiert weiterhin auf der Annahme, dass einige Mitgliedsverbände, die es ermöglichen können, ihre Reisekosten zum Präsenztreffen 2027 erneut selbst übernehmen. Vorgestellt wurden im Rahmen der Finanzplanung 2027 auch die acht Projekte, die bei entsprechender Förderung im kommenden Jahr durchgeführt werden sollen. Neben Fortbildungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater sowie im Senior*innentheater finden sich darunter ein Digitalisierungsprojekt zur Erschließung von Theaterzetteln aus dem BDAT-Archiv und internationale Spielbegegnungen, die mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert werden.

Erhöhung der Beiträge zur Haftpflichtversicherung

Im Rahmen der Diskussion über den Haushalt 2027 wurde auch die Haftpflichtversicherung betrachtet, die Mitgliedsverbände und -bühnen über den BDAT in Anspruch nehmen. Aufgrund gestiegener Versicherungskosten in Folge zunehmender Schadensfälle beschloss die Bundesversammlung eine Erhöhung der Beiträge. Die Jahresbeiträge, die die Haftpflicht- und Unfallversicherung einschließen, steigen für Vollmitglieder um fünf Euro pro Bühne auf 39 Euro, für Puppen- und Kleinstbühnen um drei Euro auf 21 Euro und für Einzelmitglieder um zwei Euro auf 10 Euro. Einige Delegierte wünschten sich zudem ein Austauschtreffen, um über langfristige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Leistungsspektrums und vergleichende Versicherungsangebote zu diskutieren.

Wahlen: Vizepräsident*innen und Revisor*innen neu und wiedergewählt

Die Versammlung stellte wichtige Weichen für die kommenden Jahre. Im Mittelpunkt der Tagesordnung standen die Wahlen für zwei Positionen im fünfköpfigen Geschäftsführenden Präsidium sowie für zwei Revisor*innen.

Frank Grünert aus Rudolstadt (Thüringen) wurde turnusgemäß nach vier Jahren mit großer Mehrheit als Vizepräsident des BDAT in seinem Amt bestätigt. Die zweite, seit kurzem vakante Vizepräsidentschaft übernimmt künftig Gitty Gstöttl aus München (Bayern). Nachdem Bärbel Mauch vom Verband Deutscher Freilichtbühnen zum 1. Juni 2026 von ihrem Amt als Vizepräsidentin zurückgetreten war, erhielt Gitty Gstöttl einstimmig das Vertrauen der Delegierten.

Die drei weiteren Mitglieder des Geschäftsführenden Präsidiums bleiben im Amt: Präsident Simon Isser aus Offenbach (Hessen) sowie die Vizepräsidenten Nils Hanraets aus Lingen (Niedersachsen) und Jörg Dreismann aus Schauenburg (Hessen), die zuletzt 2024 gewählt wurden.

Auch bei den Revisor*innen gab es einstimmige Entscheidungen: Harald Soldan aus Hessen, der seit 2025 das Amt des Ersatzrevisors innehatte, kandidierte für das Amt des Revisors und wurde von den Delegierten einstimmig gewählt. Mandy Pietsch aus Berlin erklärte sich während der Sitzung spontan bereit, für das Amt der Ersatzrevisorin zu kandidieren, und erhielt ebenfalls die einstimmige Zustimmung des Gremiums.

Der BDAT freut sich auf die gemeinsame Arbeit und gratuliert allen herzlich zur Wahl und Wiederwahl. Ein großer Dank gilt allen ehrenamtlichen Amtsinhaber*innen, deren Engagement den Verband im vergangenen Jahr maßgeblich getragen und unterstützt hat.

Ratifizierung: „Demokratische KI“ und „Zivilgesellschaft stärken – Jetzt!“

Die Delegierten ratifizierten im Rahmen der Bundesversammlung zwei Papiere, für die sich das Geschäftsführende Präsidium bereits im Laufe des Jahres ausgesprochen hatte: den von über 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen erarbeiteten Code of Conduct „Demokratische KI“ sowie das Positionspapier „Zivilgesellschaft stärken – Jetzt!“ des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement.

Erster Tag des Amateurtheaters 2027

Nachdem bei der Bundesversammlung 2025 in Dresden der Vorschlag gemacht worden war, einen Tag des Amateurtheaters ins Leben zu rufen, stellte die beim Treffen der Verbände im März 2026 gegründete Arbeitsgruppe die bisherigen Planungen vor. Der erste Tag des Amateurtheaters, der die Sichtbarkeit der Amateurtheaterszene bundesweit stärken soll, findet am 27. August 2027 als digitale Aktionskampagne statt. In den kommenden Monaten wird das Konzept weiter ausgearbeitet; ab Ende des Jahres sollen auch Bühnen und Verbände verstärkt in die Planung einbezogen werden. Perspektivisch könnte sich der Aktionstag ab 2028 zu einem längeren Aktionszeitraum mit Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet entwickeln.

Qualifiziertes Fortbildungsprogramm

Weiterentwickelt wird auch das qualifizierte Fortbildungsprogramm des BDAT, das insbesondere für die kulturpolitische Anerkennung des Amateurtheaters von Bedeutung ist. Nachdem der Bundesverband Theaterpädagogik (BuT) seine Ausbildungsrichtlinien verändert hat, bedurfte es einer Anpassung des BDAT-Fortbildungsprogramms, da dieses der Grundlagenausbildung Theaterpädagog*in des BuT äquivalent ist. Eine Arbeitsgruppe, die sich im vergangenen Jahr aus der Konferenz der Künstlerischen Leiterinnen gebildet hat, hat das Programm überarbeitet. Die neue Fassung wurde beim Welt-Kindertheater-Fest in Antwerpen finalisiert und soll nun schrittweise etabliert werden.

Ausblick

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden Veranstaltungen des BDAT in den Bereichen Fortbildung und Internationales, wie beispielsweise die europäischen Lernmobilitäten über Erasmus+, die aktuellen Entwicklungen beim Bundesfreiwilligendienst und dessen geplante Weiterentwicklung zum Bundesgesellschaftsdienst ab 2027 sowie erste Ideen für das Schwerpunktthema 2027 diskutiert. Für 2028 ist zudem eine Fachtagung zum Thema Transkultur geplant, deren Finanzierung derzeit noch nicht gesichert ist.

Die nächste Bundesversammlung findet am 25. September 2027 online statt. Zum persönlichen und inhaltlichen Austausch lädt der BDAT vom 12. bis 14. März 2027 zum Treffen der Verbände nach Berlin ein.