1. bis 5. November 2026 in Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein
Liebe Senior*innen,
liebe Fachkräfte aus der Spielleitung und Theaterpädagogik,
zum 37. Mal veranstaltet der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) unter fachlicher Federführung seines Bundesarbeitskreises „Senior*innentheater“ das Europäische Senior*innentheater-Forum (ESTF), ein bundesweit einzigartiges Qualifizierungsprogramm.
Zur Teilnahme sind alle aktiven Spieler*innen aus Deutschland und dem europäischen Ausland sowie Fachkräfte aus der Spielleitung und Theaterpädagogik herzlich eingeladen, um sich methodische Kenntnisse anzueignen und als Multiplikator*innen gerüstet zu sein. Mit interessanten Kursen unter der Leitung erfahrener Dozent*innen bieten wir Ihnen neben der aktiven Möglichkeit zur Fortbildung die Gelegenheit, mit anderen Interessierten, auch aus angrenzenden europäischen Ländern, ins Gespräch zu kommen sowie Informationen und Erfahrungen auszutauschen.
Thematisch geht es in diesem Jahr mit fünf Workshops abwechslungsreich zu. Sie entscheiden selbst, welches der vielfältigen Kursangebote Sie für Ihre Arbeit im Senior*innentheaterbereich wahrnehmen möchten. Zur Auswahl stehen folgende Kurse: „Storytelling in Kunst und Kultur – Kopfkino pur!“ mit Referentin Nikola Hübsch, „Clown & Fooling – eine Einführung in das Clownspiel und die Technik des Foolings“ mit Referent Andreas Bentrup, „Lebendiges Material – eine Einführung ins Materialtheater“ mit Referent Robert Buschbacher, „Stanislawski ganz praktisch: eine (umfangreiche) Werkzeugkiste für Spielende“ mit Referentin Bronwyn Tweddle sowie „Tanz und Bewegungsimprovisationen – Entwicklung eines Bewegungsmodulkoffers“ mit Referentin Claudia Senoner.
Besonderes Highlight ist in diesem Jahr die Preisvergabe des 9. Deutschen Amateurtheaterpreises amarena PLUS an „‘Die Lüneburger‘ gepfeffert und gesalzen“. Das Ensemble hat den vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen und Jugend geförderten Sonderpreis für Senior*innentheater und damit die Teilnahme am ESTF 2026 mit bis zu zehn Personen gewonnen. An einem der Seminartage wird die Gruppe den Preis entgegennehmen und ihre Arbeit vorstellen.
Wir hoffen auf Ihr Interesse und freuen uns auf Ihre Teilnahme!
Ihr Bund Deutscher Amateurtheater e. V.
Kurs 1: Storytelling in Kunst und Kultur - Kopfkino pur!
Freies künstlerisches Erzählen als dialogische Kunst, als Performance und in der Theaterpädagogik. Die Kunst des mündlichen und freien Erzählens ist uralt und brandaktuell. Erzählen ist Teil unserer Sozialkultur, das Erzähltheater ist Schnittstelle zur darstellenden Kunst und doch ganz anders. Ob persönlich erlebt, aus schriftlicher Vorlage in die Mündlichkeit geholt oder frei erfunden: Jede Geschichte ist ein Unikat. Sie entsteht im Miteinander immer neu, denn die Zuhörer*innen sind Koautor*innen der Geschichte. Und: Jede Geschichte hat logische Baupläne.
In diesem Workshop experimentieren wir mit Methoden und Impulsen, entdecken biografische und erfundene Stoffe und entwickeln Ideen für die Bühne oder kreative Projekte im offenen sozialen Raum. Wir hören zu und erzählen, erzählen, erzählen. Dabei gehen wir folgenden Fragen nach: Wie entsteht aus einem kleinen Impuls eine Erzählung? Welche Geschichten wollen/können wir heute erzählen? Warum will gerade ich diese Geschichte erzählen?
Referentin: Nikola Hübsch
Nikola Hübsch studierte darstellende Kunst in München und war als Schauspielerin an städtischen Bühnen engagiert. Es folgten 14 Jahre in Namibia, wo sie bei der National Broadcasting Corporation (NBC) als Rundfunkredakteurin und -moderatorin und dann als stellvertretende Intendantin am National Theatre of Namibia (NTN) in Windhoek arbeitete. Seit ihrer Rückkehr 2003 widmet sie sich dem Erzählen. Sie ist professionelle Erzählerin, hat für die Stadt Freiburg das Langzeitprojekt EZW (Erzählen-Zuhören-Weitererzählen) konzipiert und geleitet. Sie hält Lehraufträge zum Erzählen an Hochschulen und gibt Fortbildungen an pädagogischen Einrichtungen. Sie ist zertifizierte Ausbilderin zum Erzählen. Sie ist Mitherausgeberin des Buches „Zeit für Geschichten“, das 2017 im Verlag Schneider-Hohengehren erschien und sich dem Erzählen in der kulturellen Bildung widmet.
Kurs 2: Clown & Fooling - eine Einführung in das Clownspiel und die Technik des Foolings
Über Clowns gibt es in etwa so viel gefühltes Halbwissen wie über die Frage, warum wir über Witze lachen. Dabei sind sie überall: Im Zirkus, im Kinderzimmer und sogar im Fastfood-Restaurant. Vom klassischen Zirkusclown Oleg Popov, der Bühnenclownin Gardi Hutter, dem Anarchoclown Leo Bassi über den Clown in Kinderkliniken und Seniorenzentren bis zu Ernie und Bert, Loriot oder Monty Python – alle arbeiten mit den Prinzipien des Clownspiels auf ihre eigene Art.
In diesem Workshop entdecken wir einen Baukasten von körperlichen Übungen, Spielen und clownesken Techniken aus verschiedenen Theaterrichtungen und machen uns auf den Weg zum eigenen Clown. Im Zentrum steht die Entwicklung der Freude am Spiel sowie der Kontakt mit Mitspielenden und dem Publikum. Zusätzlich können theoretische Beiträge zur Humorwissenschaft, Texte und Videos zur Clownerie eingebracht werden. Rote Nasen und Schminke stehen zur Verfügung. Bringt bequeme Kleidung und, wenn ihr mögt, ein Kostümteil und/oder ein Musikinstrument mit.
Referent: Andreas Bentrup
Andreas Bentrup arbeitet seit 25 Jahren als Clown in Kinderkliniken, Seniorenzentren und Hospizen und leistet Inklusive Theaterarbeit in der Theaterwerkstatt Bethel. Er ist Schauspieler, Theaterpädagoge (BuT), Humortrainer und Fachlicher Leiter der Stiftung „Humor Hilft Heilen“ von Dr. Eckart von Hirschhausen. Von 2017 bis 2024 war er Geschäftsführer des Landesverbandes Theaterpädagogik Niedersachsen. Er engagiert sich im Rahmen von Vorstandstätigkeiten bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater (BAG) und dem Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim. Von 2011 bis 2022 war er zudem Künstlerischer Leiter des Augenblick-Theaters und Gründungsmitglied von Dr. Clown und Clownskontakt.
Kurs 3: Lebendiges Material - eine Einführung ins Materialtheater
Eine Begegnung mit der dinglichen Welt. Dinge werden zu Protagonist*innen und erzählen mit uns ihre eigene Geschichte. Was ist Material? Was kann es uns erzählen und was können wir von ihm lernen? Im Alltag begegnen wir ständig verschiedenen Materialien, die wir benutzen, ohne sie genau zu betrachten.
In diesem Workshop werfen wir einen genaueren Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Ding. Wir werden durch verschiedene Ansätze wie sinnliche Erfahrungen und körperliche Begegnungen Materialien freudvoll neu entdecken. Welche Beziehungen können wir mit dem Material erleben? Wie können wir dem Material anders begegnen? Durch geführte Improvisationen werden wir das Bühnenpotential von Materialien wie Papier erkunden. Nach einer Einführung in die Grundprinzipien der Animation werden wir kleine Szenen entwickeln, bei denen wir erfahren, wie das Material Spielpartner sein kann. Eine Frage bleibt: Wer ist mächtiger? Wir oder das Material?
Referent: Robert Buschbacher
Robert Buschbacher ist Figurenspieler, Tanz- und Materialforscher und baut Figuren sowie motorisierte Objekte im theatralen Kontext. Er studierte zeitgenössisches Figurentheater an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Inspiriert von vielen Jahren der Arbeit mit Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen entwickelte er ein besonderes Interesse an visueller Kommunikation und deren theatraler Entsprechung. Er arbeitet gerne mit lebendigen oder sperrigen Materialien wie Teig, Wolle, Haut oder Papiertüten. Neben Gastproduktionen an verschiedenen Theatern (Junges Ensemble Stuttgart 2018, Theater in der Badewanne Stuttgart 2022, Theater Konstanz 2019/2025, Theater Baden-Baden 2024–2026, Theater der Stadt Aalen 2018/2026, Theater Krefeld und Mönchengladbach 2026) bewegt er sich in eigenen Projekten an den Schnittstellen von Darstellender und Bildender Kunst. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erprobung neuer Wege, die Teilhabe und Interaktion des Publikums im Rahmen theatraler Aktionen sowie interdisziplinäre Forschungsarbeiten mit Bereichen wie Tanz, begehbaren Installationen, Neuer Musik oder Kommunikationsdesign.
Kurs 4: Stanislawski ganz praktisch: eine (umfangreiche) Werkzeugkiste für Spielende
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte Konstantin Stanislawski ein „System“, eine Art Werkzeugkiste, die Schauspieler*innen dabei helfen soll, eine bessere Leistung zu liefern. Die Geschichte dieses Systems ist sehr kompliziert. Viele Dinge, die Stanislawski zugeschrieben oder für die er verantwortlich gemacht wird, stammen gar nicht von ihm: Sie stammen von den Mitarbeiter*innen und Nachfolger*innen, die seine Ideen weiterentwickelten. Wir werden diese komplizierte Geschichte untersuchen, aber mit einem klaren praktischen Ziel: um konkrete, nützliche Übungen zu finden, die wir anwenden können, um glaubwürdigere, differenziertere Charaktere zu schaffen. Die Übungen historischer Theatermacher*innen wie Vakhtangov, Meyerhold und Meisner werden verwendet, aber auch solche neuerer Regisseur*innen wie Alfreds und Donnellan. Ist die Stanislawski-Methode im Amateurtheater immer noch nützlich? Ja! Wir müssen nur zum Kern zurückkommen – zu den praktischen Werkzeugen.
Referentin: Bronwyn Tweddle
Bronwyn Tweddle ist Regisseurin und Theaterpädagogin mit Schwerpunkten in den Bereichen Körpertheaterformen und Mehrsprachigkeit auf der Bühne. Sie war 17 Jahre lang Dozentin für Angewandte Theaterwissenschaft in Neuseeland und gibt seit 2012 Workshops für den BDAT und seine Landesverbände. Sie hat zuletzt am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen und am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin gearbeitet. Seit 2023 ist sie die Leiterin des Theaterhauses RUDI, einem kommunal getragenen Haus in Dresden, das sich ausschließlich dem Amateurtheater widmet.
Kurs 5: Tanz und Bewegungsimprovisationen - Entwicklung eines Bewegungsmodulkoffers
Im Zentrum des Workshops stehen die Freude am Tanzen und das spielerische Entdecken von Bewegung. Durch kreative Impulse und vielfältige Tanz- und Bewegungsaufgaben werden die Teilnehmenden eingeladen, ihren Körper bewusster wahrzunehmen, neue Bewegungsmöglichkeiten zu erforschen und ihrer eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen.
Durch die Arbeit mit verschiedenen Bewegungsmodulen lernen wir unseren Körper bewusster kennen und setzen uns mit Themen wie Raum, Zeit, Form, Dynamik und Tempo auseinander. Ziel des Workshops ist es, Improvisation anhand klarer Bewegungsaufgaben zu erforschen und dabei einen persönlichen „Bewegungsmodulkoffer“ zu entwickeln. Die angebotenen Module eröffnen den Teilnehmenden vielfältige Zugänge zur Bewegung, fördern Kreativität und unterstützen die Entwicklung einer individuellen Bewegungssprache. Im Mittelpunkt stehen Neugier, Entdeckungsfreude und das Erleben von Tanz und Bewegung als kreativem und inspirierendem Prozess.
Referentin: Claudia Senoner
Claudia Senoner ist Choreografin, Performerin und war bis vor Kurzem Dozentin für Tanz an der ADK Baden-Württemberg. In ihrer künstlerischen Arbeit verbindet sie ihr tiefes Wissen über den klassischen und zeitgenössischen Tanz mit dem experimentellen Forschungsdrang in Tanz und Bewegung. Sie entwickelte ihre eigene Bewegungssprache zusammen mit Komponist*innen, Filmemacher*innen und Videokünstler*innen. Seit Mitte der neunziger Jahre hat sie über 30 abendfüllende Stücke kreiert. Sie erhielt verschiedene Preise, darunter den Kulturförderpreis Tanz der Stadt München. Als Pädagogin für Tanz leitete sie fünf Jahre die Tanzwerkstatt in Nürnberg, anschließend war sie zehn Jahre als Tanzpädagogin im Tanzprojekt München tätig. Es folgten acht Jahre an der New York City Dance School in Stuttgart. Hier arbeitete sie im Amateurbereich und leitete die Ausbildungsklasse der Professional Dance Academy. In ihrer pädagogischen Arbeit widmet sie sich momentan der Arbeit mit Amateur*innen im Bereich der Tanz-Improvisation. Hierfür wurde 2023 das Tanzlabor Wismar mit einem generationsübergreifenden Tanz- und Bewegungsensemble gegründet.
Weitere Angebote
- Führung durch die Basilika (nach Rücksprache): Dienstag, 3. November 2026
- Freiraum – Einblicke in die Werkstattarbeiten: Mittwoch, 4. November 2026, 19.00 bis 20.00 Uhr
- Verleihung amarena PLUS und Vorstellung der Preisträgergruppe: Weitere Infos folgen.
Kursdauer
- Sonntag, 1. November 2026, 17:30 Uhr, bis Donnerstag, 5. November 2026, 12.00 Uhr
Teilnahmebeitrag
Für BDAT-Mitglieder: 400,- € im Doppelzimmer / 420,- € im Einzelzimmer
Für Nichtmitglieder: 410,- € im Doppelzimmer / 430,- € im Einzelzimmer
Der Teilnahmebeitrag beinhaltet
§ den Taxi-Shuttle-Service vom Bahnhof Lichtenfels zur Unterkunft (nur bei Angabe der Abholzeiten in der Anmeldung),
- Unterkunft und Verpflegung im Diözesanhaus Vierzehnheiligen,
- Seminarkosten von Sonntag (Abendbrot) bis Donnerstag (Mittag),
- je Seminartag ein Getränk während der Seminararbeit.
Reisekosten können leider nicht erstattet werden. Bitte beachten Sie, dass der Teilnahmebeitrag im Falle einer Absage weniger als acht Wochen vor der Veranstaltung ggf. nicht oder nur teilweise erstattet werden kann. Ersatzteilnehmer*innen können selbstverständlich gestellt werden.
Wir möchten unsere Veranstaltungen für alle zugänglich machen. Wenn Sie besondere Bedürfnisse haben und Voraussetzungen benötigen, damit Ihre Teilnahme möglich oder einfacher wird, kontaktieren Sie uns bitte vorab per E-Mail: Melvin Neumann, neumann@bdat.info
Anmeldeschluss: 15. August 2026
Wichtige Hinweise
- Bitte nutzen Sie zur Anmeldung ausschließlich das Online-Portal des BDAT:
https://onlineportal.bdat.info/start
Wenn Sie Hilfe bei der Online-Anmeldung benötigen, wenden Sie sich jederzeit gern an Melvin Neumann: neumann@bdat.info
- Die Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt.
- Die Teilnehmer*innen verpflichten sich, von Anfang bis Ende an den Kursen teilzunehmen.
Veranstaltungsort
Diözesanhaus Vierzehnheiligen: Vierzehnheiligen 9, 96231 Bad Staffelstein
Fon: +49 9571 926-0
E-Mail: info@14hl.de
Web: www.14hl.de
Anmeldung und Rückfragen beim Veranstalter
Bund Deutscher Amateurtheater e. V., Lützowplatz 9, 10785 Berlin
Herr Melvin Neumann (Mo-Do, 10.00 – 16.00 Uhr)
Fon +49 (0) 30 2639859-17, Fax +49 (0) 30 2639859-19, mobil: +49 (0) 176 38216695
neumann@bdat.info, www.bdat.info
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