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Von 100 auf 0 & von 0 auf 100 // Offe­ner Brief an die Ama­teur­thea­ter

BDAT Prä­si­dent Simon Isser // Foto BDAT, Cari­na Ibsch

// Berlin, 5. Mai 2020 //

Die Corona-Krise trifft das Ama­teur­thea­ter ins Mark. Es ging von 100 auf 0. Quasi über Nacht schlos­sen sich die Vor­hän­ge der Thea­ter­büh­nen und es wurde still. Der Pro­ben­be­trieb ruht, Ver­eins­ar­beit, Sit­zun­gen und Ver­samm­lun­gen ver­la­gern sich in digi­ta­le Wel­ten. Trai­nings mit Kin­dern, Jugend­li­chen oder Senior*innen fin­den teils online, oft gar nicht mehr statt. Kon­takt­ver­bo­te, das Ver­bot von Groß­ver­an­stal­tun­gen und die Distanz­ge­bo­te las­sen Auf­füh­run­gen in abseh­ba­rer Zeit unmög­lich erschei­nen. Die Frei­licht­sai­son wurde vie­ler­orts bereits ganz abge­sagt. Inter­na­tio­na­le und natio­na­le Fes­ti­vals, Spiel­be­geg­nun­gen und Work­shops kön­nen nicht statt­fin­den. Ver­bän­de müs­sen Semi­na­re und Fort­bil­dun­gen absa­gen… die Auf­lis­tung könn­te jede und jeder von uns sicher noch um eini­ge Aspek­te ergän­zen. Und natür­lich gibt es gute Grün­de für diese poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen.

Doch bei all der Resi­gna­ti­on muss man auch die viel­fäl­ti­ge Akti­vi­tät und das hohe ehren­amt­li­che Enga­ge­ment in die­sen Tagen sehen und beto­nen: Vie­ler­orts wer­den Kar­ten­käu­fe ehren­amt­lich im gro­ßen Stil rück­ab­ge­wi­ckelt, krea­ti­ve Spen­den­ak­tio­nen gestar­tet, Inhal­te online ange­bo­ten und kurz­wei­li­ge Ideen als Video und in sozia­len Medi­en prä­sen­tiert. Pro­ben und Tref­fen fin­den in Video­kon­fe­ren­zen statt. Es ent­ste­hen ganz neue For­ma­te und vor allem blei­ben Ver­ei­ne und Theatermacher*innen auch auf sozia­ler Distanz in Kon­takt. Viele Ver­ei­ne orga­ni­sie­ren Ein­kaufs­hil­fen für die Mit­glie­der der sog. Risi­ko­grup­pen, Thea­ter­schnei­de­rei­en nähen Mund-Nasen-Bedeckungen oder Ver­ei­ne spen­den Schutz­aus­rüs­tun­gen an ört­li­che Kran­ken­häu­ser und Alten­hei­me. Ein hohes Enga­ge­ment und ein geleb­ter Zusam­men­halt im deut­schen Ama­teur­thea­ter!

Die Ver­bän­de machen Lob­by­ar­beit bei den Minis­te­ri­en und För­der­ge­bern und kämp­fen für Mög­lich­kei­ten und Per­spek­ti­ven auch an den Not­fall­fonds zu par­ti­zi­pie­ren und den Fort­be­stand der Ver­ei­ne und Ama­teur­thea­ter zu sichern. Im Inter­net ent­ste­hen Platt­for­men der Kol­la­bo­ra­ti­on und zum Ideen­aus­tausch. Die Arbeit geht wei­ter – nur ganz anders! Es wirkt ein biss­chen wie üble Pro­phe­zei­ung, dass das BDAT Jah­res­the­ma 2020 „Dar­stel­len­de Küns­te und Digi­ta­li­sie­rung“ ist und wir uns auf dem Tref­fen der Ver­bän­de Ende Febru­ar inten­siv mit digi­ta­len For­ma­ten der Fort­bil­dung beschäf­tigt haben. Jetzt sind wir über Nacht in die Anwen­dung gera­ten und alle zei­gen viel Krea­ti­vi­tät und Neu­gier­de, neue Wege aus­zu­pro­bie­ren. Wir wer­den gemein­sam viel ler­nen und viele Erfah­run­gen sam­meln.

Das alles kann das Thea­ter, wie wir es ken­nen und lie­ben, auf Dauer nicht erset­zen. Irgend­wann geht es zurück von 0 auf 100, nur das Tempo und der Zeit­punkt sind wei­ter­hin nicht seri­ös abzu­se­hen. Wir freu­en uns schon jetzt auf leben­di­ges Ama­teur­thea­ter in Stadt und Land, mit Jung und Alt, drau­ßen und drin­nen, inter­na­tio­nal, bunt, inklu­siv, viel­fäl­tig und ana­log und digi­tal. Dass dies mög­lich sein wird, liegt an Ihnen/Euch, den Enga­gier­ten des deut­schen Ama­teur­thea­ters! Unse­re dau­er­haf­te Wert­an­la­ge sind die über 160.000 Amateurtheatermacher*innen in Deutsch­land. Wir dan­ken euch von Her­zen für euer Enga­ge­ment und sind stolz uns auf euch ver­las­sen zu kön­nen.

Eure Zunei­gung, eure Aus­dau­er, eure Krea­ti­vi­tät und eure Schaf­fens­kraft für das Thea­ter kann auch eine Pan­de­mie nicht stop­pen. Und sobald der Coro­na­vi­rus seine Wirk­kraft ver­liert, wer­det Ihr wie­der eine Menge Leute mit dem Thea­ter­vi­rus infi­zie­ren!

Bleibt begeis­tert, bleibt dem Thea­ter treu und bleibt gesund!

Ihr/Euer

Simon Isser