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60. Welt­thea­ter­tag 2022

// Berlin, 27. März 2022 //

Der Welt­thea­ter­tag, 1961 vom Inter­na­tio­na­len Thea­ter­in­sti­tut (ITI) initi­iert, wird jähr­lich am 27. März von den ITI-Zentren und der inter­na­tio­na­len Thea­ter­ge­mein­schaft began­gen. Hier ver­öf­fent­li­chen wir den Brief von Tho­mas Engel, Direk­tor des ITI Zen­trum Deutschland.

Liebe Leser:innen,
für das deut­sche ITI Zen­trum und seine Mit­glie­der steht der Welt­thea­ter­tag 2022, der die Thea­ter­küns­te und ihre ver­bin­den­de Kraft fei­ert, im Zei­chen des Krie­ges in der Ukrai­ne. Dort wer­den Thea­ter zu Schutz­räu­men für die Bewoh­ner ihrer Städ­te, wer­den beschos­sen und in Schutt und Asche gelegt. Mil­lio­nen Zivi­lis­ten flie­hen vor dem Mili­tär Russ­lands, das auch im eige­nen Land den Ter­ror gegen Anders­den­ken­de ent­facht hat.
ITI Prä­si­den­tin Yvonne Büden­höl­zer erklärt: „Der heu­ti­ge 60. Welt­tag des Thea­ters ist geprägt von Zer­stö­rung und Ter­ror. Wir erle­ben mit dem Krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne eine Eska­la­ti­ons­spi­ra­le der Gewalt mit unab­seh­ba­ren Kon­se­quen­zen für uns alle. Unse­re Soli­da­ri­tät gilt den Opfern des Krie­ges und sie gilt allen, die sich dage­gen auflehnen.“
In der Erklä­rung des Deut­schen Büh­nen­ver­eins for­dert Prä­si­dent Cars­ten Bros­da mit dem seit Beginn des Angriffs von vie­len Büh­nen zitier­ten Satz Der Krieg soll ver­flucht sein aus Brechts Mut­ter Cou­ra­ge, nicht in Schock­star­re zu ver­har­ren und die Zuver­sicht in die auf­klä­re­ri­sche Kraft kul­tu­rel­ler Begeg­nung und künst­le­ri­scher Zusam­men­ar­beit zu wahren.
Prä­si­dent und Gene­ral­se­kre­tär des ITI ver­wei­sen in ihrem „State­ment for Peace and a Con­struc­ti­ve Dia­lo­gue“ auf die Prä­am­bel der UNESCO- Ver­fas­sung von 1945: Since wars begin in the minds of men, it is in the minds of men that the defen­ces of peace must be con­struc­ted und bekräf­ti­gen: “Our pur­po­se is to over­co­me divi­si­ons, and to keep the lines of com­mu­ni­ca­ti­on wide open bet­ween all peo­p­les of the world.”
Anfang des Jah­res schrieb Peter Sel­lars seine Bot­schaft zum Welt­thea­ter­tag und frag­te: „Wie kön­nen wir in einer von Pres­se­kam­pa­gnen, simu­lier­ten Erleb­nis­sen und grau­si­gen Vor­her­sa­gen über­wäl­tig­ten Welt die end­lo­se Wie­der­ho­lung von Zah­len über­win­den, um die Unan­tast­bar­keit und Unend­lich­keit des ein­zel­nen Lebens, des ein­zel­nen Öko­sys­tems, einer Freund­schaft oder der Qua­li­tät des Lichts an einem frem­den Him­mel zu erfah­ren?“ In weni­gen schmerz­haf­ten Wochen ist seine Ein­la­dung, „…für eine grund­le­gen­de Auf­fri­schung unse­res Geis­tes, unse­rer Sinne, unse­rer Fan­ta­sie, unse­rer Geschich­ten und unse­rer Zukunft“ zur Uto­pie gewor­den. Zu einer Uto­pie, an der wir fest­hal­ten müs­sen, wenn wir an all das glau­ben, was uns mit dem Thea­ter auf unse­rem Pla­ne­ten verbindet.
Statt einer zen­tra­len Feier des Welt­thea­ter­ta­ges wer­den zusam­men mit der von Peter Sel­lars selbst ver­le­se­nen Bot­schaft in die­sem Jahr am 27. März in einer digi­ta­len Ver­an­stal­tung Vide­os eines inter­na­tio­na­len Wett­be­werbs für junge Theaterkünstler:innen lau­fen, die im letz­ten Jahr ent­stan­den sind und von der Hoff­nung auf Aus­tausch, Begeg­nung und gegen­sei­ti­ge Neu­gier künden.

Tho­mas Engel
Direktor
ITI Zen­trum Deutschland