amarena 2022
KATE­GO­RIE 1 : Dar­stel­len­de Künste
amarena 2022
KATE­GO­RIE 2 : Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern
und/oder Jugend­li­chen
amarena 2022
KATE­GO­RIE 3 : Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen
amarena 2022
KATE­GO­RIE 4 : Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pan­de­mie
amarena 2022
Son­der­preis | #con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det

amarena

Deut­scher Amateurtheaterpreis

Sound – Check! Strea­ming – Check! Die Vor­be­rei­tun­gen für das Fes­ti­val zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena lau­fen auf Hoch­tou­ren. Das Publi­kum kann sich vom 22.-24. Sep­tem­ber 2022 auf vier span­nen­de Insze­nie­run­gen freu­en, die dezen­tral an vier Orten live auf­ge­führt wer­den. Gast­ge­ben­de Büh­nen sind: Studio-Bühne Essen // Bühne 7, Qued­lin­burg //  Fun­da­ment / Art der Stadt, Gotha // Kul­tur­haus Oster­feld, Pforzheim.

Das Online-Publikum ist ein­ge­la­den, über Strea­ming­an­ge­bo­te und Video­auf­zeich­nun­gen am Fes­ti­val teil­zu­neh­men. Im Rah­men­pro­gramm gibt ein Fach­ge­spräch Impul­se zum Thema „Demo­kra­tie & Dia­log im Ama­teur­thea­ter“, Ein­drü­cke aus den Pro­jek­ten der Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2021 wer­den über eine Gesprächs­run­de und eine Prä­sen­ta­ti­on im Kul­tur­haus Oster­feld vermittelt.
Bei der Gala am Sams­tag in Pforz­heim wer­den fünf Ensem­bles in den Kate­go­rien „Dar­stel­len­de Küns­te“, „Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen“, „Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pan­de­mie“ und „#wir­wer­den­wie­der – Wir­ken eines Ama­teur­thea­ters in Zei­ten der Pan­de­mie“ geehrt, ein Son­der­preis wird vom Ver­ein Thea­ter­le­ben e. V. in der Kate­go­rie #con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det“ ver­lie­hen. Der aus Film und Fern­se­hen bekann­te Schau­spie­ler Mar­tin Bret­schnei­der mode­riert den Abend. Live-Musik und ein Gala-Buffet laden anschlie­ßend zur Begeg­nung mit Preisträger*innen und Gäs­ten ein. Par­al­lel wird die Preis­ver­lei­hung als „Public Viewing“ bei den gast­ge­ben­den Büh­nen in Essen, Gotha und Qued­lin­burg über­tra­gen und mit den dort anwe­sen­den Preisträger*innen und Gäs­ten gefeiert.

Fach­ge­spräch zum Thema „Demo­kra­tie & Dia­log im Amateurtheater“
Don­ners­tag, 22. Sep­tem­ber 2022
19:00 – 20:30 Uhr
In die­sem Jahr ist das Schwer­punkt­the­ma des BDAT „Demo­kra­tie und Dia­log im Ama­teur­thea­ter“. Zum Auf­takt des Preisträger*innen-Festival zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis 2022 spre­chen wir daher mit Silke R., Marco P. und Ste­fan S. von der Grup­pe „Büh­nen­rausch“ der Lebens­hil­fe Lüneburg-Harburg. Wel­che Bedeu­tung hat das Thea­ter für Men­schen mit Behin­de­rung? Wel­che Bedeu­tung haben Men­schen mit Behin­de­rung für das Thea­ter? Und wo fehlt Betei­li­gung oder offe­ner Dialog?
Mode­ra­ti­on: Domi­nik Eich­horn (BDAT)
Infos
Kul­tur­haus Oster­feld -Der Ein­tritt ist frei-

Preisträger*innen Kate­go­rie 1: Dar­stel­len­de Künste:
par­al­le­le wel­ten – mixed couples
Büh­nen und Orches­ter der Stadt Bielefeld
von Gian­ni Cuc­ca­ro, Mar­ti­na Brein­lin­ger und Ensemble
23. Sep­tem­ber, 19.30 – 21.00 Uhr
Studio-Bühne Essen
Infos Ticket­ver­kauf
: Kar­ten | Studio-Bühne Essen

Preisträger*innen Kate­go­rie 2: Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern und/oder Jugendlichen
ele­fan­ten POLO
Jubo – Jugend­büh­ne – Junge Bühne Ostfildern
von Peter Klusen
23. Sep­tem­ber, 19.30 – 20.30 Uhr
Bühne 7, Quedlinburg
Infos Ticket­ver­kauf (in Kürze) :
 Kar­ten | Bühne 7

Preisträger*innen Kate­go­rie 3: Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen
bevor wir gehen
Ensem­ble des Augen­blicks Leipzig/Bad Belzig
von Julia Streh­ler und Lykke Langer
23. Sep­tem­ber, 19.30 – 21.10 Uhr
Fun­da­ment / Art der Stadt, Gotha
Infos Ticket­ver­kauf
: Kar­ten | art der stadt e.V.

Preisträger*innen Kate­go­rie 4: Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie
faust I wal­pur­gis­nacht teil 1 & teil 2
Thea­ter­grup­pe Süd-München
nach Johann Wolf­gang von Goe­the (One-Shot-Video-Chat-Version)
23. Sep­tem­ber, 21.00 – 22.00 Uhr
Kul­tur­haus Oster­feld, Pforzheim
Infos Ticket­ver­kauf
: Kar­ten | Kul­tur­haus Osterfeld

Gala und Ehrung der Preisträger*innen 2022
24. Sep­tem­ber, 19 Uhr 

mit Ver­ga­be des Son­der­prei­ses „#con­nect – Ama­teur­thea­ter verbindet“
Die Gala wird mode­riert vom Schau­spie­ler Mar­tin Bretschneider
Fei­ern Sie anschlie­ßend mit uns beim Gala-Buffet mit Live Musik.
Infos Ticket­ver­kauf: Kar­ten | Kul­tur­haus Osterfeld

Die Streaming-Angebote wer­den über den BDAT You­Tube Kanal (klick hier) bereit­ge­stellt. (Änderungen vorbehalten)

Don­ners­tag, 22. Sep­tem­ber 2022
19:00 – 20:30 Uhr
Fach­ge­spräch zum Thema „Demo­kra­tie & Dia­log im Amateurtheater“
In die­sem Jahr ist das Schwer­punkt­the­ma des BDAT „Demo­kra­tie und Dia­log im Ama­teur­thea­ter“. Zum Auf­takt des Preisträger*innen-Festival zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis 2022 spre­chen wir daher mit Silke Rei­schau­er, Marco Pohl und Ste­fan Schlie­pha­ke von der Grup­pe „Büh­nen­rausch“ der Lebens­hil­fe Lüneburg-Harburg. Wel­che Bedeu­tung hat das Thea­ter für Men­schen mit Behin­de­rung? Wel­che Bedeu­tung haben Men­schen mit Behin­de­rung für das Thea­ter? Und wo fehlt Betei­li­gung oder offe­ner Dia­log? Mode­ra­ti­on: Domi­nik Eich­horn (BDAT).
Strea­ming auf YouTube

Frei­tag, 23. Sep­tem­ber 2022
12:30 – 13:30 Uhr
„Ele­fan­ten­PO­LO“ / JuBO e. V. Junge Bühne – Jugend­büh­ne Ostfildern
Strea­ming auf YouTube

17:00 – 17:45 Uhr
Inter­view amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung // Stu­dio Kul­tur­haus Osterfeld
Strea­ming auf YouTube

17:55 – 19:15 Uhr
„Par­al­le­le Wel­ten – Mixed Cou­ples“ // Büh­nen und Orches­ter der Stadt Bielefeld
Strea­ming auf YouTube

19:30 – 21:00 Uhr
„Bevor wir gehen“ / Ensem­ble des Augen­blicks Bad Belzig/Leipzig
Strea­ming auf YouTube

21:00 – 22:00 Uhr
„Faust I – Wal­pur­gis­nacht Teil 1 und 2 (One-Shot-Video-Chat-Version)“/
Thea­ter­grup­pe Süd-München
Strea­ming auf YouTube

Sams­tag, 24. Sep­tem­ber 2022
19:00 – 20:50 Uhr
Gala und Ehrung der amarena Preisträger*innen 2022 (Mode­ra­ti­on: Mar­tin Bretschneider)
mit Ver­ga­be des Son­der­prei­ses „#con­nect – Ama­teur­thea­ter verbindet“
Strea­ming auf YouTube

Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis amarena 2022

Der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e.V. (BDAT) lobte 2022 zum sieb­ten Mal einen bun­des­wei­ten dotier­ten Preis für fol­gen­de Kate­go­rien aus:

• Dar­stel­len­de Künste
• Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern und/oder Jugendlichen
• Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen
• Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie
• #wir­wer­den­wie­der – Wir­ken eines Ama­teur­thea­ters in Zei­ten der Pandemie

 

Zudem wird durch den Ver­ein Thea­ter­le­ben e. V. ein Son­der­preis ausgelobt:

• #con­nect – Ama­teur­thea­ter verbindet!

 

Schwierige Zeiten führen zu neuem Konzept und einer Erweiterung der Perspektiven
auf das Amateurtheater!

Ziel der Preis­ver­ga­be war es, die hohe Qua­li­tät und die viel­fäl­ti­ge Schaf­fens­kraft des Ama­teur­thea­ters der Öffent­lich­keit vor­zu­stel­len und über die künst­le­ri­sche Arbeit den gesell­schaft­li­chen Dis­kurs anzu­re­gen. Es wur­den ins­ge­samt 10.000 € an Preis­geld vergeben.

In die­sem Jahr wur­den erst­mals alle For­men der Dar­stel­len­den Küns­te in den Ein­zel­ka­te­go­rien ange­spro­chen. Mög­li­che For­men und For­ma­te der Insze­nie­run­gen in allen Kate­go­rien: Schau­spiel (Sprech­thea­ter, u. a. Komö­die und Drama), Musik­thea­ter (Musi­cal, Oper, Sing­spiel usw.), Tanz sowie Klein­kunst (Figu­ren­thea­ter, Kaba­rett, Impro­vi­sa­ti­on usw.) oder Kon­zept­kunst (Per­for­mance, Hap­pe­ning usw.).

Im Jahr 2022 wird das Fes­ti­val erst­mals dezen­tral an ver­schie­de­nen Orten im Bun­des­ge­biet statt­fin­den. Koope­rie­ren­de BDAT-Mitgliedsbühnen wer­den die Sieger*innen aus den Kate­go­rien will­kom­men hei­ßen. Die Preis­in­sze­nie­run­gen fin­den also an ver­schie­de­nen Orten in Deutsch­land ein neues Publi­kum. Ein digi­ta­les Kon­zept ver­bin­det die Fes­ti­val­or­te und ermög­licht einen über­re­gio­na­len Aus­tausch der aus­ge­zeich­ne­ten Amateurtheater.

Der Ver­ein Thea­ter­le­ben e. V. stif­tet einen mit 2.000 € dotier­ten Son­der­preis, der zeit­gleich mit dem Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena ver­ge­ben wird. Grup­pen konn­ten sich auf die­sen Preis im glei­chen Rah­men wie bei amarena bewerben.

Die vie­len ver­schie­de­nen For­men des Thea­ters, ins­be­son­de­re des Ama­teur­thea­ters, las­sen sich nicht voll­stän­dig durch eine Ein­tei­lung in fünf Kate­go­rien abbil­den. Das Kura­to­ri­um für den Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena for­dert daher aus­drück­lich alle Ama­teur­thea­ter­grup­pen auf, sich für amarena 2022 zu bewerben.

Auch For­men, die nicht expli­zit genannt sind wie z. B. Frei­licht­in­sze­nie­run­gen, Inklu­si­ons­pro­jek­te, Figuren- oder Objekt­thea­ter, fin­den in allen Kate­go­rien ihre Berücksichtigung.

Warum spre­chen wir von „Dar­stel­len­der Kunst“?

Die dar­stel­le­ri­schen For­men, die im Ama­teur­thea­ter Anwen­dung fin­den, haben sich in den letz­ten Jah­ren stets wei­ter­ent­wi­ckelt. Mit der Ver­wen­dung des Begriffs „Dar­stel­len­de Küns­te“ möch­te der Deut­sche Ama­teur­thea­ter­preis amarena deut­lich machen, dass wir alle For­men der Dar­stel­len­den Küns­te in jeder Kate­go­rie begrü­ßen. So kön­nen in allen Kate­go­rien Insze­nie­run­gen des Thea­ters, des Tan­zes, der Medien- oder Kon­zept­kunst ein­ge­reicht wer­den. Unter dem Thea­ter als Teil der Dar­stel­len­den Küns­te ver­ste­hen wir somit Insze­nie­run­gen des Schau­spiels (Sprech­thea­ter, u. a. Komö­die und Drama), des Musik­thea­ters (Musi­cal, Oper, Sing­spiel usw.), des Tan­zes sowie der Klein­kunst (Figu­ren­thea­ter, Kaba­rett, Impro­vi­sa­ti­on usw.) oder der Kon­zept­kunst (Per­for­mance, Hap­pe­ning usw.).

Kate­go­rie: Dar­stel­len­de Künste

Diese Kate­go­rie zeich­net Insze­nie­run­gen der Dar­stel­len­den Küns­te im Ama­teur­thea­ter aus, die vor allem von Erwach­se­nen oder Mehrgenerationen-Ensembles gestal­tet wur­den. Insze­nie­run­gen unter­schied­li­cher Grup­pen­zu­sam­men­set­zun­gen kön­nen sich hier bewer­ben, u. a. inklu­si­ve Ensem­bles. Im Fokus ste­hen Insze­nie­run­gen, die bekann­te thea­tra­le Stof­fe für das Amateurtheater
auf­be­rei­ten oder die sich mit einer Stück­ent­wick­lung mit spe­zi­fi­schen The­men des Zeit­geis­tes beschäftigen.

Kate­go­rie: Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern und/oder Jugendlichen

In die­ser Kate­go­rie wer­den jene Insze­nie­run­gen der Dar­stel­len­den Küns­te im Ama­teur­thea­ter gesucht, die von Kin­dern und/oder Jugend­li­chen gespielt wer­den. Die Insze­nie­run­gen set­zen sich künst­le­risch und inhalt­lich mit The­men und Stof­fen aus­ein­an­der, die für die Lebens­wel­ten der Kin­der und/oder Jugend­li­chen beson­ders rele­vant sind. Neben der Aus­wahl bekann­ter Texte des Kinder- und Jugend­thea­ters sind Stück­ent­wick­lun­gen oder thea­ter­päd­ago­gi­sche For­ma­te mit Auf­füh­rung beson­ders auszeichnungswürdig.

Kate­go­rie: Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen

Das Senior*innentheater ist ein wich­ti­ger Arbeits­be­reich des BDAT. Diese Kate­go­rie wür­digt die Büh­nen­ar­beit mit und von älte­ren Men­schen, indem spe­zi­ell Insze­nie­run­gen, die sich mit den Lebens­rea­li­tä­ten älte­rer Men­schen aus­ein­an­der­set­zen, aus­ge­zeich­net wer­den. Bekann­te Büh­nen­stof­fe, Sing­spie­le oder Tanz, thea­ter­päd­ago­gi­sche For­ma­te oder Eigen­ent­wick­lun­gen: der Viel­falt der Mög­lich­kei­ten sind keine Gren­zen gesetzt.

Kate­go­rie: Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie

Ab März 2020 stand die Welt still – auch auf der Bühne. Das Ama­teur­thea­ter zeig­te sich jedoch auch in die­ser Zeit als Ort der Inno­va­ti­on. Digi­ta­le For­ma­te, die ein thea­tra­les Mit­ein­an­der auch „auf Abstand“ ermög­lich­ten, fan­den bei vie­len Ama­teur­thea­ter­büh­nen Anklang. Diese Kate­go­rie zeich­net daher spe­zi­ell Pro­duk­tio­nen aus, die unter dem Vor­zei­chen der COVID-19-Pandemie ent­stan­den sind. Seien es digi­ta­le For­ma­te („digi­ta­les Thea­ter“ in allen For­men), Live-Produktionen (unter Hygie­ne­auf­la­gen) oder hybri­de For­ma­te: das Ama­teur­thea­ter pro­du­zier­te eine span­nen­de Anzahl inno­va­ti­ver Pro­jek­te in einer schwie­ri­gen Zeit.

Kate­go­rie: #wir­wer­den­wie­der – Wir­ken eines Ama­teur­thea­ters in Zei­ten der Pandemie

Das gesell­schaft­li­che Mit­ein­an­der funk­tio­nier­te in den zurück­lie­gen­den Mona­ten zumeist nur über den Bild­schirm. Ein Zoom-Treffen ersetz­te den Pro­ben­aus­klang im Thea­ter­ca­fé. Das wöchent­li­che Update der Ver­eins­mit­glie­der unter­ein­an­der ver­la­ger­te sich in Ein­zel­ge­sprä­che am Tele­fon. Doch viele Ama­teur­thea­ter zeig­ten Flag­ge: wir sind noch da – und wir wer­den wie­der! Social Media-Formate oder klei­ne­re Aktio­nen im Grü­nen: Die Ama­teur­thea­ter­büh­nen waren für viele ihrer Mit­glie­der Licht­bli­cke im Pandemiealltag.
Bei die­ser Kate­go­rie  wird keine Insze­nie­rung, son­dern ein Ama­teur­thea­ter als Bühne/Verein aus­ge­zeich­net. Die Ama­teur­thea­ter bewer­ben sich nicht selbst, son­dern wer­den von ihren Mit­glie­dern vor­ge­schla­gen. Wir wei­sen dar­auf hin, dass die Insze­nie­run­gen in ver­schie­de­nen For­men zur Auf­füh­rung gekom­men sein kön­nen: als „klas­si­sche“ Auf­füh­rung live vor Ort, als digi­ta­le Live-Aufführung (z. B. live gespielt via Zoom), als rein digi­ta­les und vor­pro­du­zier­tes For­mat (z. B. ein Thea­ter­film) oder als hybri­des Format.

Sonder­preis: #con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det! (gestif­tet von Thea­ter­le­ben e.V.)

Das Ama­teur­thea­ter ist seit jeher ein Bei­spiel für viel­fäl­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen Men­schen: jung und alt, inno­va­ti­ve und tra­dier­te Thea­ter­for­men, ana­lo­ge Arbeits­wei­sen und neue Tech­no­lo­gien, Bal­lungs­zen­tren und länd­li­cher Raum. In den Zei­ten des Tren­nen­den wol­len wir aus­drück­lich das Ver­bin­den­de ins Ram­pen­licht rücken. Der Son­der­preis soll die­je­ni­ge Insze­nie­rung aus­zeich­nen, die Men­schen auf beson­de­re Weise ver­bin­det. Dabei kann der Begriff „Ver­bin­dung“ unter­schied­lich aus­ge­legt wer­den: Hat die Bühne gemein­sa­me Thea­ter­pro­jek­te über Län­der­gren­zen hin­weg initi­iert? Wer­den For­ma­te der Inklu­si­on erprobt, die Men­schen in Ver­bin­dung brin­gen, die sich sonst nie begeg­net wären? Die The­ma­ti­sie­rung der Viel­falt von Men­schen und ihren Eigen­schaf­ten – ganz gleich in wel­cher Hin­sicht – soll Haupt­teil der Arbeit der aus­zu­zeich­nen­den Insze­nie­rung sein. Ange­spro­chen sind Thea­ter, Tanz­for­ma­te, thea­ter­päd­ago­gi­sche Pro­jek­te und ande­re Insze­nie­rungs­for­men, die min­des­tens ein­mal zur Durch­füh­rung gelangt sind.


Hin­weis zur COVID-19-Pandemie

Die Arbeit vie­ler Ama­teur­thea­ter stand wäh­rend der Pandemie-Einschränkungen still. Ande­re wie­der­um wur­den digi­tal oder hybrid tätig. Auf­grund die­ser Tat­sa­che möch­te das amarena Kura­to­ri­um dar­auf hin­wei­sen, dass in die­sem Jahr auch Insze­nie­run­gen ein­ge­reicht wer­den kön­nen, die nur digi­tal (im Inter­net oder auf mobi­len End­ge­rä­ten) kon­zi­piert wur­den oder auch jene, die nicht zur Auf­füh­rung kom­men konn­ten (ein­zu­rei­chen wären etwa Generalproben-Mitschnitte aus Janu­ar bis März 2020). Für eine Bewer­bung sind jedoch Bewegtbild-Materialien nötig, um der Jury eine fach­ge­rech­te Aus­wahl zu ermöglichen.

Kate­go­rie 1 | Dar­stel­len­de Künste


// Büh­nen und Orches­ter der Stadt Bie­le­feld:
„Par­al­le­le Wel­ten – Mixed Cou­ples“ von Gian­ni Cuc­ca­ro, Mar­ti­na Brein­lin­ger und Ensemble

Seit Febru­ar 2021 schrei­ben, tan­zen und spie­len 14 Bie­le­fel­der Frau­en und Män­ner, die in einer inter­kul­tu­rel­len Bezie­hung leben, gelebt haben oder Kind eines „Mixed Cou­ples“ sind, unter pro­fes­sio­nel­ler künst­le­ri­scher Anlei­tung in die­sem Pro­jekt. Die Spieler*innen sind im Alter von 27 bis 62 Jahre, sie haben unter­schied­li­che kul­tu­rel­le Wur­zeln, unter­schied­lichs­te Erfah­run­gen und ent­wi­ckel­ten auf Basis ihrer Bio­gra­fien die­ses inten­si­ve, abwechs­lungs­rei­che und per­sön­li­che Stück für die Bühne.

Die Schreib- und Thea­ter­werk­stät­ten Parallele Welten am Thea­ter Bie­le­feld bestehen seit 2012, die Pro­jek­te geben Raum für migran­ti­sche und post­mi­gran­ti­sche Per­spek­ti­ven und die­nen dem Aus­tausch Bie­le­fel­der Bürger*innen diver­ser Her­kunft und unter­schied­li­cher Generationen.

Diese Sze­nen­col­la­ge ist atmo­sphä­risch dicht, sehr abwechs­lungs­reich, humor­voll, unauf­ge­regt und sehr prä­zi­se, berüh­rend. Es wird mit Musik, Gesang, Bewegung/Tanz und Spra­che gear­bei­tet. Das Stück macht in jeder Minu­te Lust auf mehr, es macht unglaub­li­chen Spaß zuzu­se­hen, man kann sich als Zuschauende*r oft wie­der­erken­nen, erhält aber auch per­sön­li­che Ein­bli­cke in das Leben ande­rer und ist in vie­len Momen­ten ein Bekennt­nis zur Liebe. Beson­ders beein­dru­ckend und über­zeu­gend war für das Kura­to­ri­um, dass bei der Fülle der Gestal­tungs­ele­men­te der Fokus der Insze­nie­rung immer auf den Darsteller*innen lag.

(Text: Manuela Morlok / Foto: Daniel Zakrzewski)

 

Kate­go­rie 2 | Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern oder Jugendlichen 


// JuBO – Jugendbühne-Junge Bühne Ost­fil­dern:
„Ele­fan­ten­PO­LO“ von Peter Klusen

Es ist eine tris­te Situa­ti­on. Ein 14-Jähriger sitzt an sei­nem Schreib­tisch, wälzt im ana­lo­gen Wör­ter­buch, kichert über das zwei­te Wort der Kom­po­si­ti­on „Mit­glied“ – über­all Unord­nung, Plas­tik­fla­schen, ein Glas Scho­ko­la­den­creme. Die Bühne spie­gelt den Charme eines Jugend­zim­mers, aus dem man gerne her­aus­ge­wach­sen ist. Der Junge beginnt mono­lo­gi­sie­rend über seine Situa­ti­on zu reflek­tie­ren, über die Bezie­hung zu sei­nem Vater, die Erfah­rung von Ableh­nung und häus­li­cher Gewalt. Der Dar­stel­ler oszil­liert zwi­schen wei­ner­li­cher Erschöp­fung und impul­si­ven Auf­be­geh­ren. Der Stoff-Teddy wird zum Stell­ver­tre­ter der Außenwelt.

Mit Ele­fan­ten­PO­LO von Peter Klu­sen wähl­te der Ver­ein JuBO e. V. ein Solo­stück, das von gleich drei Jugend­li­chen an unter­schied­li­chen Aben­den gespielt wurde. Die dem Kura­to­ri­um vor­lie­gen­de Ver­si­on zeigt Dar­stel­ler Valen­tin in einem sen­si­blen, facet­ten­rei­chen Spiel, das dem Jugend­li­chen viel Raum zur dar­stel­le­ri­schen Bril­lanz ver­leiht. Die Grup­pe beschreibt sich selbst als „ein von Jugend­li­chen selbst­ver­wal­te­ter und selbst­be­stimm­ter Thea­ter­ver­ein für Jugend­li­che und Jung­ge­blie­be­ne bis 90“. Das Kura­to­ri­um zeich­net mit die­ser Nomi­nie­rung die beein­dru­cken­de schau­spie­le­ri­sche Leis­tung aus, die von Sei­ten der Regie mit Sinn und Ver­stand Raum für die­ses fein­füh­li­ge Thema schafft. Das eige­ne Unbe­ha­gen beim Zuse­hen ist gewollt und soll­te gera­de in Zei­ten von zuneh­men­der häus­li­cher Gewalt gegen junge Men­schen in der Corona-Pandemie mehr als Beach­tung finden.

(Text: Dominik Eichhorn / Foto JuBO Ostfildern)

 

Kate­go­rie 3 | Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen

// Ensem­ble des Augen­blicks (Leipzig/Bad Bel­zig):
„Bevor wir gehen“ von Julia Streh­ler und Lykke Langer

Im berüh­ren­den, spar­ten­über­grei­fen­den Stück (Thea­ter und Film) wird eine Fülle bio­gra­fi­schen Mate­ri­als gekonnt zu Geschichte(n) ver­wo­ben. Dar­stel­le­rin­nen drei­er Genera­tio­nen im Alter von 14 bis 86 Jah­ren las­sen dar­aus die fik­ti­ven Figu­ren Helma und Mar­git ent­ste­hen und ver­ei­nen in ihnen weib­li­ches Lebens-Wissen. Erfah­run­gen wie Kind­heit im Krieg, Hun­ger, Be- und Erzie­hung wer­den the­ma­ti­siert und auf ein­präg­sa­me Weise thea­tral umge­setzt – wie auch das Rin­gen um Selbst­er­fah­rung und die Suche nach Würde im Alter. Die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se bzw. Ent­wick­lun­gen in Ost und West wer­den eben­so ein­dring­lich und ehr­lich hin­ter­fragt wie die Aus­wir­kun­gen erleb­ter (Kriegs-)Traumata auf die jün­ge­ren Genera­tio­nen. Im fina­len Dia­log wird nach dem Blick zurück der Ver­such des rol­len­frei­en gegen­sei­ti­gen Ver­ste­hens gewagt. Die inten­si­ve Insze­nie­rung beein­druckt durch das sou­ve­rä­ne (Zusammen-)Spiel des Ensem­bles, star­ke Bil­der sowie den stim­mi­gen Ein­satz von Bild und Ton.

(Text: Frank Grünert / Foto Ensemble des Augenblicks)

 

Kate­go­rie 4 | Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie 

// Thea­ter­grup­pe Süd-München:
„Faust I – Wal­pur­gis­nacht Teil 1 + Teil 2“ nach Johann Wolf­gang von Goethe

Regie- und Spiel­tech­ni­ken hat das Ensem­ble selbst ent­wi­ckelt. Es ent­stand ein Thea­ter­stück, bei dem die meis­ten Dar­stel­len­den phy­sisch von­ein­an­der getrennt sind und den­noch alle auf einer ver­ti­ka­len Bühne neben­ein­an­der inter­agie­ren. Die Sze­nen erzäh­len den Auf­stieg Mephis­tos und Fausts auf den Blocks­berg und die Erleb­nis­se wäh­rend der Wal­pur­gis­fei­er. Mit der Spie­ge­lung gesell­schaft­li­cher Kon­struk­te und per­sön­li­cher Erkennt­nis­pro­zes­se erzeugt die Insze­nie­rung ein Span­nungs­feld. Fast alle Figu­ren sind Mani­fes­ta­tio­nen der Ängs­te und Sün­den Fausts. Die Begeg­nun­gen mit ihnen gip­feln in der schmerz­haf­ten Ein­sicht, in wel­che Kata­stro­phe er das junge Gret­chen gestürzt hat.

Mit­tels Video-Chat ent­steht eine Insze­nie­rung, die auf klas­si­scher Lite­ra­tur beruht und künst­le­risch sehr wert­voll ist. Die Cha­rak­te­re wer­den sehr deut­lich, prä­sen­tie­ren zudem ein sehr gutes stum­mes Spiel und for­dern die Zuschau­en­den zur geis­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung. Wenn auch Zuschau­en­de nicht inter­agie­ren kön­nen, so wer­den sie jedoch stark gefor­dert. Die Beson­der­heit des „One-Shot-Video-Chats“ und die Inter­ak­ti­on der Akteur*innen auf einer ver­ti­ka­len Bühne machen diese Pro­duk­ti­on beson­ders. Ein nomi­nie­rungs­wür­di­ges „Spiel mit und in den Fenstern“.

(Text: Dr. Marcus O. Klein / Foto: Theatergruppe Süd-München)

 

Kate­go­rie 5 | #wir­wer­den­wie­der – Wir­ken von Amateurtheatern
wäh­rend der Pandemie


// Ama­teur­thea­ter­ver­ein Pforzheim 

Der Ama­teur­thea­ter­ver­ein Pforz­heim e. V. (ATV) wurde im Jahr 1988 gegrün­det und ist einer der zwei Trä­ger des Kul­tur­haus Oster­feld e. V. in Pforz­heim. Er glie­dert sich in die Spar­ten Jugend­thea­ter Para­di­xon, Senio­ren­thea­ter Eulen­spiel, Improtheater.

Wäh­rend der Pan­de­mie hielt der Ver­ein Mit­glie­der­tref­fen per Video­kon­fe­renz, Work­shops in Prä­senz zum Thema Abstand (gemäß Corona-Regeln), Impro­thea­ter wurde per Zoom gespielt. Ohne Mitspieler*innen aus­schlie­ßen zu müs­sen, konn­te die Grup­pe so den Lock­down und die anschlie­ßen­den Beschrän­kun­gen im locke­ren Zoom-Impro-Spiel über­win­den. Die weit­ge­hend feh­len­den Mög­lich­kei­ten ges­ti­scher Dar­stel­lung wur­den durch Übun­gen zur Mimik aus­ge­gli­chen und mehr Fokus auf ver­ba­le Spiel­an­ge­bo­te gelegt.

Die Akti­vi­tä­ten tru­gen dazu bei, dass die Ensem­ble­mit­glie­der in Ver­bin­dung geblie­ben sind. Das Hin­ar­bei­ten auf eine Auf­füh­rung, die dann auch vor Publi­kum statt­fin­den konn­te, hat die Freu­de am Thea­ter­spie­len wie­der­erweckt und alle an der Pro­duk­ti­on Betei­lig­ten beflü­gelt, unbe­irrt wei­ter zu machen.

Dies hat es mög­lich gemacht in kür­zes­ter Zeit über den Som­mer eine ambi­tio­nier­te Pro­duk­ti­on zusam­men mit der Chor­aka­de­mie Pforz­heim und einer Band auf die Füße zu stel­len und unter Corona-Auflagen vor Publi­kum auf­zu­füh­ren. Beim Impro­thea­ter ist es von Bedeu­tung, den Wil­len zum Los­las­sen vom All­tag zu haben und sich spon­tan auf klei­ne Ver­rückt­hei­ten ein­las­sen zu kön­nen. Die Pro­ben waren eine Atem­pau­se in der Pan­de­mie mit viel Spaß und der Mög­lich­keit, der pan­de­mie­be­ding­ten Ver­ein­ze­lung zu entrinnen.

(Text: Jürgen Peter / Foto Amateurtheaterverein Pforzheim)

Kate­go­rie 1 | Dar­stel­len­de Künste

// ensem­ble büh­nen­links (Sach­sen): „Fredy“ von Kim Salmon

Das „ensem­ble büh­nen­links“ aus Leip­zig fand sich im ver­gan­ge­nen Jahr zusam­men, um die Bio­gra­fie des Pfad­fin­der­lei­ters Alfred „Fredy“ Hirsch auf die Bühne zu brin­gen. In Spiel- und Erzähl­se­quen­zen beleuch­tet die Grup­pe das Leben eines außer­ge­wöhn­li­chen jun­gen Men­schen, der sich mutig und mit uner­müd­li­chem Ein­satz für ver­folg­te Kin­der und Jugend­li­che ein­setz­te und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger in Ausch­witz am 8. März 1944 starb. Als Büh­nen­bild dient den vier Darsteller*innen dabei eine schlich­te Bühne mit alten Sport­ge­rä­ten, die für die ein­zel­nen Sze­nen neu arran­giert und bespielt wer­den. Mit offe­nen, schnel­len Rol­len­wech­seln und mit­hil­fe kur­zer Erzähl­tex­te, gelingt es, flie­ßen­de Über­gän­ge zwi­schen Raum und Zeit zu schaf­fen. In ein­zel­nen Sze­nen wer­den so Aus­schnit­te aus Fre­dys Leben gezeigt: seine Jugend als jüdi­scher, homo­se­xu­el­ler Deut­scher zu Zei­ten des auf­kom­men­den Natio­nal­so­zia­lis­mus, sein Exil in der Tsche­cho­slo­wa­kei, seine Lei­den­schaft für Sport, sein Enga­ge­ment für Kin­der, seine Gefan­gen­schaft in The­re­si­en­stadt und Ausschwitz.

Beson­ders beein­dru­ckend an der Insze­nie­rung ist die Inten­si­tät des Spiels in einem schlich­ten Büh­nen­bild, das einen star­ken Bezug zur Haupt­fi­gur hat. Zudem sind das sehr klare Spiel­prin­zip und die Über­gän­ge zwi­schen den Sze­nen her­vor­zu­he­ben. Rhyth­misch ist das Stück den­noch abwechs­lungs­reich: Neben schnel­len Sze­nen vol­ler Bewe­gung, fin­den sich immer wie­der Momen­te der Ruhe. Den Darsteller*innen gelingt es, Bil­der und Über­set­zun­gen für Unbe­schreib­li­ches zu fin­den, Stil­le auf der Bühne aus­zu­hal­ten und den Zuschau­en­den Raum für eige­ne Gedan­ken und Gefüh­le zu geben.

(Text: Manuela Morlock)

// Büh­nen und Orches­ter der Stadt Bie­le­feld (Nordrhein-Westfalen): „Par­al­le­le Wel­ten – Mixed Cou­ples“ von Gian­ni Cuc­ca­ro, Mar­ti­na Brein­lin­ger und Ensemble

Seit Febru­ar 2021 schrei­ben, tan­zen und spie­len 14 Bie­le­fel­der Frau­en und Män­ner, die in einer inter­kul­tu­rel­len Bezie­hung leben, gelebt haben oder Kind eines „Mixed Cou­ples“ sind, unter pro­fes­sio­nel­ler künst­le­ri­scher Anlei­tung in die­sem Pro­jekt. Die Spieler*innen sind im Alter von 27 bis 62 Jahre, sie haben unter­schied­li­che kul­tu­rel­le Wur­zeln, unter­schied­lichs­te Erfah­run­gen und ent­wi­ckel­ten auf Basis ihrer Bio­gra­fien die­ses inten­si­ve, abwechs­lungs­rei­che und per­sön­li­che Stück für die Bühne.

Die Schreib- und Thea­ter­werk­stät­ten Parallele Welten am Thea­ter Bie­le­feld bestehen seit 2012, die Pro­jek­te geben Raum für migran­ti­sche und post­mi­gran­ti­sche Per­spek­ti­ven und die­nen dem Aus­tausch Bie­le­fel­der Bürger*innen diver­ser Her­kunft und unter­schied­li­cher Generationen.

Diese Sze­nen­col­la­ge ist atmo­sphä­risch dicht, sehr abwechs­lungs­reich, humor­voll, unauf­ge­regt und sehr prä­zi­se, berüh­rend. Es wird mit Musik, Gesang, Bewegung/Tanz und Spra­che gear­bei­tet. Das Stück macht in jeder Minu­te Lust auf mehr, es macht unglaub­li­chen Spaß zuzu­se­hen, man kann sich als Zuschauende*r oft wie­der­erken­nen, erhält aber auch per­sön­li­che Ein­bli­cke in das Leben ande­rer und ist in vie­len Momen­ten ein Bekennt­nis zur Liebe. Beson­ders beein­dru­ckend und über­zeu­gend war für das Kura­to­ri­um, dass bei der Fülle der Gestal­tungs­ele­men­te der Fokus der Insze­nie­rung immer auf den Darsteller*innen lag.

(Text: Manuela Morlok)

// Junge Lüüd ut Löwen­s­tedt (Schleswig-Holstein):
„In de Juni geev dat immer Erd­bee­ren“ von Bir­git Bockmann

Erst­mals wird ein platt­deut­sches Stück in die­ser Kate­go­rie nomi­niert. „Die jun­gen Lüüd ut Löwen­s­tedt“ zei­gen in ihrer Insze­nie­rung „In de Juni geevt dat immer Erd­beern!“ ihren Blick auf die The­men Flucht und Hei­mat. Die Grup­pe hat sich in mehr­tä­gi­gen Work­shops mit der Autorin und Regis­seu­rin Bir­git Bock­mann die­sen The­men unse­rer Zeit zuge­wandt. Flucht, Krieg, Ver­trei­bung und die emo­tio­na­len Aus­wir­kun­gen auf die Betrof­fe­nen sind zen­tra­le The­men die­ser Insze­nie­rung. Die Darsteller*innen zeig­ten sich in ihrem Spiel authen­tisch, so auch in der Band­brei­te ihrer Emo­tio­nen: Angst, Ver­las­sen­heit, Ver­zweif­lung eben­so wie Hoff­nung, Zuver­sicht und Ver­trau­en auf Bestän­di­ges: Im Juni gibt es immer Erdbeeren!

Beein­dru­ckend der Auf­takt und die hohe Büh­nen­prä­senz der Dar­stel­len­den. Über­zeu­gend auch die Über­gän­ge: die Ver­zweif­lung des Soh­nes in der Inter­nie­rung und der Blick­wech­sel auf die ver­zwei­felt wei­nen­de Mut­ter unter­strei­chen die emo­tio­na­len Ver­bin­dun­gen. Ins­ge­samt hat die Grup­pe es geschafft, die­ses umfang­rei­che Thema kom­pakt und mit inten­si­vem Spiel glaub­haft auf die Bühne zu brin­gen. Großartig!

(Text: Gritt Feller)

 

Kate­go­rie 2 | Dar­stel­len­de Küns­te mit Kin­dern oder Jugendlichen 

// JuBO – Jugendbühne-Junge Bühne Ost­fil­dern (Baden-Württemberg): „Ele­fan­ten­PO­LO“ von Peter Klusen

Es ist eine tris­te Situa­ti­on. Ein 14-Jähriger sitzt an sei­nem Schreib­tisch, wälzt im ana­lo­gen Wör­ter­buch, kichert über das zwei­te Wort der Kom­po­si­ti­on „Mit­glied“ – über­all Unord­nung, Plas­tik­fla­schen, ein Glas Scho­ko­la­den­creme. Die Bühne spie­gelt den Charme eines Jugend­zim­mers, aus dem man gerne her­aus­ge­wach­sen ist. Der Junge beginnt mono­lo­gi­sie­rend über seine Situa­ti­on zu reflek­tie­ren, über die Bezie­hung zu sei­nem Vater, die Erfah­rung von Ableh­nung und häus­li­cher Gewalt. Der Dar­stel­ler oszil­liert zwi­schen wei­ner­li­cher Erschöp­fung und impul­si­ven Auf­be­geh­ren. Der Stoff-Teddy wird zum Stell­ver­tre­ter der Außenwelt.

Mit Ele­fan­ten­PO­LO von Peter Klu­sen wähl­te der Ver­ein JuBO e. V. ein Solo­stück, das von gleich drei Jugend­li­chen an unter­schied­li­chen Aben­den gespielt wurde. Die dem Kura­to­ri­um vor­lie­gen­de Ver­si­on zeigt Dar­stel­ler Valen­tin in einem sen­si­blen, facet­ten­rei­chen Spiel, das dem Jugend­li­chen viel Raum zur dar­stel­le­ri­schen Bril­lanz ver­leiht. Die Grup­pe beschreibt sich selbst als „ein von Jugend­li­chen selbst­ver­wal­te­ter und selbst­be­stimm­ter Thea­ter­ver­ein für Jugend­li­che und Jung­ge­blie­be­ne bis 90“. Das Kura­to­ri­um zeich­net mit die­ser Nomi­nie­rung die beein­dru­cken­de schau­spie­le­ri­sche Leis­tung aus, die von Sei­ten der Regie mit Sinn und Ver­stand Raum für die­ses fein­füh­li­ge Thema schafft. Das eige­ne Unbe­ha­gen beim Zuse­hen ist gewollt und soll­te gera­de in Zei­ten von zuneh­men­der häus­li­cher Gewalt gegen junge Men­schen in der Corona-Pandemie mehr als Beach­tung finden.

(Text: Domi­nik Eichhorn)

// Leonore-Goldschmidt-Schule Han­no­ver (Nie­der­sach­sen): „Der klei­ne Prinz“ frei nach Antoi­ne de Saint-Exupéry

Aus­ge­hend von der fan­tas­ti­schen Erzäh­lung nach Antoi­ne de Saint-Exupéry beschäf­tig­ten sich die Schüler*innen des sechs­ten Jahr­gangs der Leonore-Goldschmidt-Schule mit der sze­ni­schen sowie szen­o­gra­fi­schen Umset­zung eines Sta­tio­nen­thea­ters und der Frage, was Freund­schaft eigent­lich bedeu­tet. Unter der Lei­tung von Julia Schö­ne­ber­ger und Lotte Hage­mann ent­wi­ckel­ten die Schüler*innen eine außer­ge­wöhn­li­che Reise durch die Räum­lich­kei­ten der Schu­le. All­täg­li­che Orte wie die große Aula, die lan­gen Flure oder die Klas­sen­räu­me wur­den durch eine lie­be­vol­le, auf­wen­di­ge und krea­ti­ve Gestal­tung zu den Kulis­sen fer­ner Pla­ne­ten. Um das Publi­kum auch trotz der Pan­de­mie errei­chen zu kön­nen, wurde das Stück in das anspre­chen­de For­mat eines rund halb­stün­di­gen ‚Thea­ter­films‘ über­tra­gen. Wer sich die über­aus atmo­sphä­ri­sche Aben­teu­er­rei­se anschaut, erlebt Thea­ter als Bild­kunst. Das Pro­jekt punk­tet mit sei­ner insze­na­to­ri­schen Viel­falt, der pro­duk­ti­ven Umwid­mung von all­täg­li­chen Orten und Objek­ten, stim­mungs­vol­len cho­reo­gra­fi­schen Ele­men­ten sowie einer alters­ge­mä­ßen und durch­dach­ten Textadaption.

Das preis­wür­di­ge Pro­jekt zeigt, dass Schu­len selbst in Zei­ten der Pan­de­mie zu einem Ort gemein­sa­mer Krea­ti­vi­tät wer­den kön­nen, wenn spiel­be­geis­ter­te Schüler*innen auf enga­gier­te Lehr­kräf­te tref­fen, wenn Schu­le als leben­di­ger Experimentier- und Mög­lich­keits­raum ver­stan­den wird, wenn sogar das Büro des Schul­lei­ters als Spiel­ort ent­deckt und umge­stal­tet wer­den darf oder wenn Fahr­rä­der auf den Gän­gen – zumin­dest für den Moment – kein Tabu sind.

(Text: Juli­an Baufeldt)

// Phoe­nix­thea­ter Ras­tatt (Baden-Württemberg): „ÜBER LIEBE“ von Mit­glie­dern des Ensembles

Unter der Lei­tung von Jac­que­line Frit­tel ent­wi­ckel­ten zehn junge Men­schen ein inno­va­ti­ves Thea­ter­stück über Liebe, Auf­klä­rung und Sexua­li­tät. Aus­zeich­nungs­wür­dig ist dabei die krea­ti­ve und facet­ten­rei­che Auf­be­rei­tung der The­men­be­rei­che. Auf der einen Seite sen­si­bi­li­sie­ren die Darsteller*innen für die man­geln­de Gleich­be­rech­ti­gung oder machen in der gebo­te­nen Ernst­haf­tig­keit auf das Thema Miss­brauch auf­merk­sam. Auf der ande­ren Seite ist das Stück unfass­bar unter­halt­sam und humor­voll, wenn bei­spiels­wei­se die Indus­trie der Ver­hü­tungs­mit­tel in wie­der­keh­ren­den Cover­songs besun­gen wird oder wenn cho­reo­gra­fi­sche Ele­men­te zur spie­le­ri­schen Ver­an­schau­li­chung wer­den. Bio­gra­fi­sche Kom­men­ta­re schla­gen die Brü­cke von Recher­che und Infor­ma­ti­on zu All­tag und Lebens­wirk­lich­keit. Unsi­cher­hei­ten wer­den arti­ku­liert, gesell­schaft­li­che Nor­men und Erwar­tun­gen hin­ter­fragt. Auf­klä­rung darf – so lässt sich die zen­tra­le Bot­schaft ver­ste­hen – auch gerne eine Anlei­tung dafür sein, sich sel­ber zu ent­de­cken, sich (ergeb­nis­of­fen) mit der eige­nen Sexua­li­tät aus­ein­an­der­zu­set­zen und lust­vol­len Sex zu haben!

Es ist die direk­te und offe­ne Anspra­che des Publi­kums, der for­schen­de und pro­gres­si­ve Blick, die gewis­se Cool­ness, die Spiel­freu­de und letzt­lich auch der Mut der Darsteller*innen die das Stück so sehens­wert machen. Lust und Sexua­li­tät wer­den in ihrer Viel­falt bespro­chen – ohne eine Ver­ein­deu­ti­gung. Spä­tes­tens wenn der ana­to­mi­sche Auf­bau einer Vulva, dar­ge­stellt als mensch­li­ches Stand­bild, zu dem leben­di­gen Ele­ment einer Lec­tu­re Per­for­mance wird, zeigt sich das Thea­ter­stück als char­man­tes und pro­duk­ti­ves Werk­zeug der Vermittlung.

(Text: Juli­an Baufeldt)

 

Kate­go­rie 3 | Dar­stel­len­de Küns­te mit Senior*innen

// Ensem­ble des Augen­blicks (Bad Bel­zig): „Bevor wir gehen“ von Julia Streh­ler und Lykke Langer

Im berüh­ren­den, spar­ten­über­grei­fen­den Stück (Thea­ter und Film) wird eine Fülle bio­gra­fi­schen Mate­ri­als gekonnt zu Geschichte(n) ver­wo­ben. Dar­stel­le­rin­nen drei­er Genera­tio­nen im Alter von 14 bis 86 Jah­ren las­sen dar­aus die fik­ti­ven Figu­ren Helma und Mar­git ent­ste­hen und ver­ei­nen in ihnen weib­li­ches Lebens-Wissen. Erfah­run­gen wie Kind­heit im Krieg, Hun­ger, Be- und Erzie­hung wer­den the­ma­ti­siert und auf ein­präg­sa­me Weise thea­tral umge­setzt – wie auch das Rin­gen um Selbst­er­fah­rung und die Suche nach Würde im Alter. Die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se bzw. Ent­wick­lun­gen in Ost und West wer­den eben­so ein­dring­lich und ehr­lich hin­ter­fragt wie die Aus­wir­kun­gen erleb­ter (Kriegs-)Traumata auf die jün­ge­ren Genera­tio­nen. Im fina­len Dia­log wird nach dem Blick zurück der Ver­such des rol­len­frei­en gegen­sei­ti­gen Ver­ste­hens gewagt. Die inten­si­ve Insze­nie­rung beein­druckt durch das sou­ve­rä­ne (Zusammen-)Spiel des Ensem­bles, star­ke Bil­der sowie den stim­mi­gen Ein­satz von Bild und Ton.

(Text: Frank Grünert)

// Thea­ter Uhu (Nordrhein-Westfalen): „Hans und Grete auf der Suche nach den ver­lo­re­nen Krü­meln der Kind­heit“ von V. M. Engel für u. mit Thea­ter Uhu nach Gebr. Grimm, E. Humperdinck

Die atmo­sphä­risch dich­te Stück­ent­wick­lung greift auf der Grund­la­ge des Mär­chens „Hän­sel und Gre­tel“ bri­san­te sozia­le und psy­cho­lo­gi­sche The­men wie fami­liä­re Gewalt, Miss­brauch, Aus­wir­kun­gen von Armut auf. In der stim­mi­gen, dyna­mi­schen und pro­vo­kan­ten Insze­nie­rung lie­gen Komik und Tra­gik dicht bei­ein­an­der. Klas­si­sche Thea­ter­mit­tel und Live-Musik am Piano ermög­li­chen einen raschen (Perspektiv-)Wechsel und len­ken den Fokus auf die beein­dru­cken­de dar­stel­le­ri­sche Qua­li­tät sowie das sou­ve­rä­ne Zusam­men­spiel des Ensem­bles. Eine Dopp­lung der Figu­ren wird als durch­gän­gi­ges Prin­zip gekonnt auf die Spit­ze getrie­ben und unter­streicht den hin­ter­fra­gen­den Cha­rak­ter der Insze­nie­rung. Damit ein­her­ge­hend erge­ben sich zahl­rei­che – teils „augen­zwin­kernd“ daher­kom­men­de – Brü­che, die den Reiz der Pro­duk­ti­on ver­stär­ken. Das Publi­kum wird stark gefor­dert, da auf den Ver­such, alle auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zu beant­wor­ten, mutig ver­zich­tet wird.

(Text: Frank Grünert)

// Club der Senior*innen am Jun­gen Ensem­ble Stutt­gart (Baden-Württemberg): „Schreibgewand(t) statt Jog­ging­ho­se“ von Club der Senior*innen und Han­nes Michl

Das berüh­ren­de Collagen-Format wurde auf der Grund­la­ge durch die Ensem­ble­mit­glie­der im Lock­down ver­fass­ter Mini-Dramen, Mono­lo­ge und Märchen- Par­odien in Szene gesetzt. Die spiel­freu­di­ge, enga­gier­te Grup­pe wählt nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ die Form des Thea­ters im öffent­li­chen Raum mit unter­schied­li­chen Text­gen­res und Inhal­ten. Ängs­te und Hoff­nun­gen der rei­fe­ren Genera­ti­on zu Pandemie-Zeiten („Wenn das Virus ver­schwin­det…“) sowie die Bedeu­tung von Kunst und Kul­tur („…wie die Luft zum Atmen“) wer­den auf ehr­li­che, ori­gi­nel­le Weise für ein genera­ti­ons­über­grei­fen­des Publi­kum thematisiert.

In der muti­gen sze­ni­schen Werk­schau wer­den Brü­cken gebaut. Die Darsteller*innen, die gleich­zei­tig das Autor*innenteam bil­den, haben sich auch tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen (Whats­App, E-Mail etc.) gestellt, um in Zei­ten der Pan­de­mie im Aus­tausch blei­ben zu können.

(Text: Frank Grünert)

 

Kate­go­rie 4 | Dar­stel­len­de Küns­te in Zei­ten der Pandemie 

// Natur­thea­ter Hay­in­gen (Baden-Württemberg): „Thea­ter­spa­zier­gang im Mär­chen­wald“ von Eva Schle­ker und Mar­tin Hopf

Wir fin­den es sehr gut, dass bei die­sem Stück gera­de in der Corona-Zeit The­men und For­men gefun­den wur­den, die man im Frei­en spie­len kann. Die ästhe­ti­sche Umset­zung die­ser For­men hat uns über­zeugt: den Wald als Bühne zu nut­zen – die neue Per­spek­ti­ve der Gren­zen von Bühne und Publi­kum -, die alte Erzähl­tech­nik zu moder­ni­sie­ren und sowohl inter­ak­tiv als auch inter­ge­ne­ra­tiv zu sein. Viele alte und bekann­te Erzähl- und Insze­nie­rungs­tech­ni­ken wer­den hier geschickt kom­bi­niert. 45 Mit­wir­ken­de unter­schied­li­chen Alters in das Stück ein­zu­bau­en fin­den wir mutig und gut gelungen.

(Text: Hülya Kaci)

// Frei­es Ensem­ble Jeder­mensch (Sach­sen):Medu­sa wurde zur Grup­pe hin­zu­ge­fügt“ von Spen­cer Freu­den­berg, Pau­li­ne Vorberg

Hier wer­den wir mit einer hybri­den Insze­nie­rung kon­fron­tiert. Der anti­ke Medusa-Mythos wird mit ver­schie­de­nen Medi­en (Gemäl­de, Illus­tra­tio­nen, Musik, zeit­lo­se Kos­tü­mie­rung, Licht und Schat­ten etc.) aktua­li­siert und kri­tisch betrach­tet. Neben den tra­di­tio­nel­len Dia­lo­gen gibt es auch ein­ge­blen­de­te Text­kar­ten und Chat­ver­läu­fe, wel­che die Hand­lung dra­ma­tur­gisch ver­stär­ken und einen zeit­ge­mä­ßen Touch erge­ben, die Anti­ke und Corona-Neuzeit gelun­gen ver­bin­den. Die Spiel­wei­se der Akteur*innen ist sowohl auf der Bühne als auch vor der Kame­ra sehr über­zeu­gend. Das Büh­nen­bild fin­den wir beein­dru­ckend. Und den Schau­platz in eine Kir­che zu ver­le­gen, ver­stärkt inhalt­lich das Gesche­hen. Von daher fin­den wir, dass die­ses Film-Theaterstück eine bei­spiel­haf­te Insze­nie­rung für die Zukunft des Thea­ters präsentiert.

(Text: Hülya Kaci)

// Thea­ter­grup­pe Süd-München (Bay­ern): „Faust I – Wal­pur­gis­nacht Teil 1 + Teil 2“ nach Johann Wolf­gang von Goethe

Regie- und Spiel­tech­ni­ken hat das Ensem­ble selbst ent­wi­ckelt. Es ent­stand ein Thea­ter­stück, bei dem die meis­ten Dar­stel­len­den phy­sisch von­ein­an­der getrennt sind und den­noch alle auf einer ver­ti­ka­len Bühne neben­ein­an­der inter­agie­ren. Die Sze­nen erzäh­len den Auf­stieg Mephis­tos und Fausts auf den Blocks­berg und die Erleb­nis­se wäh­rend der Wal­pur­gis­fei­er. Mit der Spie­ge­lung gesell­schaft­li­cher Kon­struk­te und per­sön­li­cher Erkennt­nis­pro­zes­se erzeugt die Insze­nie­rung ein Span­nungs­feld. Fast alle Figu­ren sind Mani­fes­ta­tio­nen der Ängs­te und Sün­den Fausts. Die Begeg­nun­gen mit ihnen gip­feln in der schmerz­haf­ten Ein­sicht, in wel­che Kata­stro­phe er das junge Gret­chen gestürzt hat.

Mit­tels Video-Chat ent­steht eine Insze­nie­rung, die auf klas­si­scher Lite­ra­tur beruht und künst­le­risch sehr wert­voll ist. Die Cha­rak­te­re wer­den sehr deut­lich, prä­sen­tie­ren zudem ein sehr gutes stum­mes Spiel und for­dern die Zuschau­en­den zur geis­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung. Wenn auch Zuschau­en­de nicht inter­agie­ren kön­nen, so wer­den sie jedoch stark gefor­dert. Die Beson­der­heit des „One-Shot-Video-Chats“ und die Inter­ak­ti­on der Akteur*innen auf einer ver­ti­ka­len Bühne machen diese Pro­duk­ti­on beson­ders. Ein nomi­nie­rungs­wür­di­ges „Spiel mit und in den Fenstern“.

(Text: Dr. Marcus O. Klein)

 

Kate­go­rie 5 | #wir­wer­den­wie­der – Wir­ken von Ama­teur­thea­tern wäh­rend der Pandemie

// Eppstei­ner Burg­schau­spie­ler (Hes­sen)

Die Burg Eppstein beher­bergt seit mehr als 50 Jah­ren die ältes­te Frei­licht­büh­ne des Rhein-Main-Gebietes. Hier frö­nen weit über hun­dert thea­ter­be­geis­ter­te Men­schen zwi­schen 6 und 95 Jah­ren ihrem Hobby mit dem lei­den­schaft­li­chen Ziel: „Thea­ter erhält Geschich­te“. Die Erlö­se aus den Thea­ter­ak­tio­nen wer­den zur Erhal­tung der Eppstei­ner Burg ver­wen­det. Die Bugschauspieler*innen pfle­gen in der Gemein­schaft den respekt­vol­len Umgang in den Generationen.

Die Corona-Pandemie hat zur Absa­ge der Burg­fest­spie­le geführt. Gemein­sam haben die Burgschauspieler*innen im Ein­klang mit der Stadt ein alter­na­ti­ves Kul­tur­pro­gramm erar­bei­tet. Thea­ter geht online!

Spie­len ohne Publi­kum! Wie soll das gehen? Die Bur­gis, wie sie sich selbst nen­nen, spiel­ten vor der Kame­ra und gin­gen damit direkt zu den Zuschau­en­den nach­hau­se. In fünf Kurz-Filmen mit unter­schied­li­chen Gen­res – vom Bank­über­fall, einem Lie­bes­dra­ma, einer phi­lo­so­phisch humor­vol­len Betrach­tung über Far­ben bis hin zu mafiö­sen Aus­wüch­sen brach­ten sie alles vor die Kame­ra. In allen sozia­len Medi­en wur­den die Filme gezeigt.

Es ist gelun­gen! Es wird nach wie vor als etwas ganz Beson­de­res gese­hen, was die Bur­gis in Corona-Zeiten auf die Beine gestellt haben.

(Text: Jürgen Peter)

// Ama­teur­thea­ter­ver­ein Pforz­heim (Baden-Württemberg)

Der Ama­teur­thea­ter­ver­ein Pforz­heim e. V. (ATV) wurde im Jahr 1988 gegrün­det und ist einer der zwei Trä­ger des Kul­tur­haus Oster­feld e. V. in Pforz­heim. Er glie­dert sich in die Spar­ten Jugend­thea­ter Para­di­xon, Senio­ren­thea­ter Eulen­spiel, Improtheater.

Wäh­rend der Pan­de­mie hielt der Ver­ein Mit­glie­der­tref­fen per Video­kon­fe­renz, Work­shops in Prä­senz zum Thema Abstand (gemäß Corona-Regeln), Impro­thea­ter wurde per Zoom gespielt. Ohne Mitspieler*innen aus­schlie­ßen zu müs­sen, konn­te die Grup­pe so den Lock­down und die anschlie­ßen­den Beschrän­kun­gen im locke­ren Zoom-Impro-Spiel über­win­den. Die weit­ge­hend feh­len­den Mög­lich­kei­ten ges­ti­scher Dar­stel­lung wur­den durch Übun­gen zur Mimik aus­ge­gli­chen und mehr Fokus auf ver­ba­le Spiel­an­ge­bo­te gelegt.

Die Akti­vi­tä­ten tru­gen dazu bei, dass die Ensem­ble­mit­glie­der in Ver­bin­dung geblie­ben sind. Das Hin­ar­bei­ten auf eine Auf­füh­rung, die dann auch vor Publi­kum statt­fin­den konn­te, hat die Freu­de am Thea­ter­spie­len wie­der­erweckt und alle an der Pro­duk­ti­on Betei­lig­ten beflü­gelt, unbe­irrt wei­ter zu machen.

Dies hat es mög­lich gemacht in kür­zes­ter Zeit über den Som­mer eine ambi­tio­nier­te Pro­duk­ti­on zusam­men mit der Chor­aka­de­mie Pforz­heim und einer Band auf die Füße zu stel­len und unter Corona-Auflagen vor Publi­kum auf­zu­füh­ren. Beim Impro­thea­ter ist es von Bedeu­tung, den Wil­len zum Los­las­sen vom All­tag zu haben und sich spon­tan auf klei­ne Ver­rückt­hei­ten ein­las­sen zu kön­nen. Die Pro­ben waren eine Atem­pau­se in der Pan­de­mie mit viel Spaß und der Mög­lich­keit, der pan­de­mie­be­ding­ten Ver­ein­ze­lung zu entrinnen.

(Text: Jürgen Peter)

// ’s Bru­cker Brett’l (Bay­ern)

‘S Bru­cker Brett’l e. V. exis­tiert als Thea­ter­ver­ein seit 1975. Die Wiege liegt in einem alten Pfer­de­stall in einem Vor­ort von Fürs­ten­feld­bruck im Her­zen Ober­bay­erns. Noch heute müs­sen die Mit­glie­der alle Reno­vie­rungs­ar­bei­ten in die­sem uralten Gebäu­de selbst machen. „Viel­leicht“ – so die Über­zeu­gung – „sind wir daher ein Ver­ein, in dem alle immer zusammenhalten.“

Mitt­ler­wei­le spie­len schon die Enkel*innen und die Urenkel*innen der Grün­der­fa­mi­li­en mit. Thea­ter ist für alle Genera­tio­nen. Zahl­rei­che ver­schie­de­ne Aktio­nen wur­den in Zei­ten der Pan­de­mie unter ande­rem durch­ge­führt: Das Kin­der­thea­ter hat viele Filme gedreht. Die Regis­seu­rin hat einen Leit­fa­den her­aus­ge­ge­ben und die Kin­der durf­ten dann krea­tiv wer­den und indi­vi­du­ell ihren Teil vom Film dre­hen. Alle ein bis zwei Mona­te wur­den über Zoom Mee­tings abge­hal­ten. Theater-Radl-Rallye, das Kin­der­thea­ter hat ein Kurz­stück erar­bei­tet für die Auf­füh­run­gen out­door u.v.m.

Für die Kin­der waren die Mee­tings und Filme ein­fach ein gro­ßer Spaß, für die älte­re Genera­ti­on waren diese Tref­fen eine Gele­gen­heit, mal wie­der einen fes­ten Ter­min zu haben und sich mit ande­ren unter­hal­ten zu kön­nen und für das „Mit­tel­al­ter“ war es fas­zi­nie­rend zu sehen, dass die Alten es geschafft haben, sich online ein­zu­log­gen und dass sie bei den Spie­len sehr oft gewon­nen haben.

Zu Beginn der Pan­de­mie galt das Motto: „Mit Krea­ti­vi­tät ist alles mög­lich“. Das neue Motto lau­tet: „Wir neh­men alles mit, was geht. Wir trau­en uns und zei­gen, dass wir nicht auf­ge­ben.“ Coro­na macht kreativ.

(Text: Jürgen Peter)

Son­der­preis | #con­nect – Ama­teur­thea­ter verbindet

Das Ama­teur­thea­ter steht seit jeher für viel­fäl­ti­ge Ver­bin­dun­gen zwi­schen Men­schen: Jung und Alt, inno­va­ti­ve und tra­dier­te Thea­ter­for­men, ana­lo­ge Arbeits­wei­sen und neue Tech­no­lo­gien, Bal­lungs­zen­tren und länd­li­cher Raum. In der aktu­el­len Zeit des Tren­nen­den setzt der Thea­ter­le­ben e. V. mit dem Son­der­preis „#con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det“ ein Zei­chen und rückt das Ver­bin­den­de ins Rampenlicht.

Preis­trä­ger:

Junge Thea­ter­aka­de­mie Offen­burg / Annet­te Mül­ler (Baden-Württemberg): „Kilo­me­ter X – Eine inter­ak­ti­ve Audio­tour an 6 (un)gewöhnliche Orte“

Pia und Sylke schaf­fen Ver­bin­dun­gen. Sie neh­men die Teilnehmer*innen an die Hand, füh­ren sie durch ihre Stadt, zu den Visio­nen und Träu­men ihrer Mit­men­schen, zu den eige­nen Ambi­tio­nen und Zie­len, zu unge­wöhn­li­chen Orten, zu einer Haus­tür, zu einer Bun­ker­an­la­ge, zu Video-Einspielern und zum direk­ten Kon­takt mit einem ande­ren Men­schen. Gemein­sam sehen, ent­de­cken, still­ste­hen, ren­nen, flüs­tern, zuhö­ren, beob­ach­ten, spre­chen, hin­ter­fra­gen, vor­bei­rau­schen­de Züge, Worte im Taschen­lam­pen­schein und die gro­ßen Sinn­fra­gen: Wer bin ich? Was ver­bin­det mich mit mei­ner Umge­bung, mei­nen Mitmenschen?
Die 10-jährige Schü­le­rin und die 82-jährige Rent­ne­rin tra­gen als Spre­che­rin­nen durch die mul­ti­me­dia­le Audio­tour „Kilo­me­ter X“ der Jun­gen Thea­ter­aka­de­mie Offen­burg. In 90 Minu­ten und auf 2,5 km Länge erfah­ren die Zuschauer*innen sechs gewöhn­li­che und außer­ge­wöhn­li­che Orte der Stadt und tref­fen auf 28 Men­schen, die sich in Ton, Bild und Objekt zu Wort mel­den und in ihre Gedan­ken, Geschich­ten, Ideen und Erleb­nis­se Ein­tritt gewäh­ren. Dabei sind die Zuschauer*innen selbst gestal­ten­der Teil der Audio­tour: Gemein­sam ent­de­cken sie eine Bun­ker­an­la­ge mit ihren Taschen­lam­pen, tan­zen auf dem Markt­platz, tele­fo­nie­ren mit einer unbe­kann­ten Per­son und spre­chen mit ihr über die eige­nen Ziele für die Gesell­schaft, schrei­ben ihr eige­nes gesell­schafts­po­li­ti­sches State­ment auf und las­sen sich mit die­sem foto­gra­fisch verewigen.
Seit 2013 enga­giert sich die Junge Thea­ter­aka­de­mie Offen­burg für die Ver­net­zung und För­de­rung des Kinder- und Jugend­thea­ters in der Stadt. Unter der Anlei­tung von Regis­seu­rin und Thea­ter­päd­ago­gin Annet­te Mül­ler setzt das Ensem­ble auf Eigen­pro­duk­tio­nen und spielt mit den Mög­lich­kei­ten, die Bevöl­ke­rung ein­zu­be­zie­hen. In „Kilo­me­ter X“ wir­ken Jugend­li­che und Erwach­se­ne im Alter von 16 bis 85 Jah­ren mit, die teil­wei­se schon län­ger Thea­ter spie­len und teil­wei­se eigens für das Pro­jekt ange­fragt wurden.
Mit ihrem Pro­jekt „Kilo­me­ter X“ zeigt das Ensem­ble, wie viel­fäl­tig die Ver­bin­dun­gen sind, die Ama­teur­thea­ter bewir­ken kann: zwi­schen Genera­tio­nen, zwi­schen Thea­ter­for­men, zwi­schen Orten, zwi­schen Unbe­kann­ten, zwi­schen Zuhö­ren und Han­deln, zwi­schen Ges­tern und Mor­gen, zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit, zwi­schen dem Ein­zel­nen und der Gesellschaft.

(Text: Dr. Sandra Wirth)

Die fol­gen­den drei Grup­pen und ihre Insze­nie­run­gen für die mit 2.000 Euro dotier­te Aus­zeich­nung wur­den nominiert:

// Ensemble2030 (Köln, Nordrhein-Westfalen): „AGEN­DA“ – Eine Eigen­pro­duk­ti­on als Theaterparcours

Das Ensemble2030 wurde im Sep­tem­ber 2019 als junge Bürger*innenbühne und Ama­teur­thea­ter­grup­pe in Köln gegrün­det. Die Jah­res­zahl 2030 steht hier­bei sym­bo­lisch für den von der Wis­sen­schaft gesetz­ten Zeit­rah­men, der uns als Gesell­schaft noch bleibt, um unse­re Kli­ma­po­li­tik radi­kal zu ver­än­dern, um Schlim­me­res zu ver­mei­den. Die Teilnehmer*innen der Thea­ter­pro­jek­te sind alle Men­schen, die das Thea­ter für sich ent­de­cken wol­len und stam­men aus ganz unter­schied­li­chen Köl­ner Stadt­tei­len und Lebens­wirk­lich­kei­ten. Die Thea­ter­pro­duk­tio­nen wer­den stark von den Darsteller*innen mit­ent­wi­ckelt und nach deren The­men ausgerichtet.
Und so stand auch bei AGEN­DA am Anfang der Stück­ent­wick­lung nur der Titel und die grobe inhalt­li­che Fra­ge­stel­lung. Zu der Thea­ter­pro­duk­ti­on wur­den alle Köl­ner Bürger*innen ein­ge­la­den und sie soll­te expli­zit Men­schen errei­chen, die selbst Erfah­run­gen mit Klas­sis­mus gemacht haben oder etwas dazu zu sagen haben. Es ent­stand ein sehr diver­ses, mul­ti­ge­nera­tio­na­les und trans­kul­tu­rel­les Ensem­ble mit Men­schen zwi­schen 18 und 55 Jah­ren, die aus ganz ver­schie­de­nen Orten und Tei­len der Köl­ner Gesell­schaft stam­men. Die Darsteller*innen erforsch­ten im Pro­ben­pro­zess den eige­nen Bezug zu den The­men Arbeit, Hart­zIV, Leis­tungs­ge­sell­schaft, Büro­kra­tie und Kapi­ta­lis­mus, und konn­ten jede*r den eige­nen Moment in der Insze­nie­rung kre­ieren. Das Stück wurde unter den Bedin­gun­gen von Coro­na nicht auf einer klas­si­schen Bühne auf­ge­führt, son­dern fand als teil­wei­se begeh­ba­rer Thea­ter­par­cours auf einer Büro­eta­ge statt. So gibt es Sze­nen die nur vor einem Publi­kum von 3 bis 4 Per­so­nen gespielt wer­den und dadurch sehr intim ange­legt sind. Dann gibt es wie­der Momen­te, in denen das ganze Ensem­ble als Grup­pe agiert.
Trotz schwie­ri­ger Bedin­gun­gen auf­grund von Coro­na und aus aller Unter­schied­lich­keit der Teilnehmer*innen ist durch die Insze­nie­rung erkenn­bar ein ein­zig­ar­ti­ges Grup­pen­ge­fühl ent­stan­den. Die Eigen­pro­duk­ti­on „AGEN­DA“ hat ganz unter­schied­li­che Men­schen in Köln zusam­men­ge­bracht und durch das Thea­ter­spiel deren viel­fäl­ti­ge kom­pli­zier­te Lebens­the­men sehr anschau­lich auf­ge­ar­bei­tet – auch und gera­de für Men­schen, die sich nicht tag­täg­lich mit die­sen aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Unter ande­rem aus die­sen Grün­den hat die Jury diese Pro­duk­ti­on für den Son­der­preis „#con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det!“, gestif­tet vom Ver­ein Thea­ter­le­ben e. V., nominiert.

(Text: Christian Dennert)

// Eng­lish Drama Group (Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­le Hei­del­berg) – (Baden-Württemberg): „The Pic­tu­re of Dory Ann Gray“

Die ‚Eng­lish Drama Group‘ der PH Hei­del­berg ist eine eng­lisch­spra­chi­ge Thea­ter­grup­pe, wel­che sich auf immer­si­ves, orts­spe­zi­fi­sches Sta­tio­nen­thea­ter spe­zia­li­siert hat. Neben dem Erle­ben der Fremd­spra­che im Theater-Kontext steht auch der inter­na­tio­na­le Aus­tausch mit bri­ti­schen Thea­ter­schaf­fen­den im Fokus. Die Insze­nie­rung ‚The Pic­tu­re of Dory Ann Gray‘ ist eine neue Büh­nen­fas­sung des Romans ‚The Pic­tu­re of Dori­an Gray‘ von Oscar Wilde
und wurde als orts­spe­zi­fi­sches immer­si­ves Sta­tio­nen­thea­ter auf­ge­führt. Dory Anns Kar­rie­re als Influ­en­ce­rin, ihre Ent­frem­dung von sich selbst und ande­ren sowie der Ver­lust aller Mensch­lich­keit zwi­schen rea­ler und digi­ta­ler Exis­tenz ste­hen stell­ver­tre­tend für die
Ent­wick­lun­gen in Zei­ten des Lock­downs. So ver­schmel­zen in der Insze­nie­rung reale und digi­ta­le Welt mit­ein­an­der, wodurch die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung unse­rer Zeit sym­bo­li­siert wird. Die Insze­nie­rung steht durch die Fremd­sprach­lich­keit, die Auf­nah­me der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen und die grenz­über­schrei­ten­de Zusam­men­ar­beit in beson­de­rer Weise für das Ver­bin­den­de in den Zei­ten des Trennenden.

(Text: Dr. Marcus O. Klein)

 

// Morin­ger Bür­ger­thea­ter inter­kul­tu­rell (Nie­der­sach­sen): „Der schöns­te Tag“ – Ein Thea­ter­spa­zier­gang von Ste­fan Dehler

In der Stadt Morin­gen hat man es raus, das Ver­bin­den, beson­ders im Bür­ger­thea­ter Morin­gen interkulturell.
Da ver­bin­den sich Morin­ger mit Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Alter spielt keine Rolle, ob mit Behin­de­rung oder ohne – zahl­rei­che Men­schen machen mit­ein­an­der seit 2016 Theater.
Und als die Pan­de­mie kam, da ver­band man schon wie­der, näm­lich Spiel­or­te und kurze Geschich­ten zu einem Thea­ter­spa­zier­gang. Krea­ti­ver Umgang mit dem Tren­nen­den der Pan­de­mie wurde in klei­nen Grup­pen von Spie­len­den aber auch Zuschau­en­den zu einem gemein­sam ver­bin­den­den dich­ten Erleb­nis. Auch die zahl­rei­chen Unterstützer*innen aus der Gesell­schaft und die Träger*innen erle­ben, wie Thea­ter ver­bin­den kann.
„“Der schöns­te Tag“, eine sze­ni­sche Prä­sen­ta­ti­on des Morin­ger Bür­ger­thea­ters, führt das Publi­kum auf einem Thea­ter­spa­zier­gang durch den Stadt­park Morin­gens. Ein ent­lau­fe­ner Bräu­ti­gam, ein spre­chen­der Fisch, wet­ter­füh­li­ge Lie­ben­de, mär­chen­haf­tes Jagd­pech, rei­men­de Köche, irgend­et­was Fau­les im Staa­te Däne­mark, Hexen­sud und vie­les mehr sind die Zuta­ten der Mini­dra­men, die das Ensem­ble an ver­schie­de­nen Schau­plät­zen (im Hof an der Morin­ger Burg (heute Rat­haus), am Teich, auf der Wiese, am Bach, auf der Baum­wie­se, Teichu­fer am Ehren­mal und an der Fried­hofs­wie­se im Morin­ger Stadt­park) unter frei­em Him­mel zeigt.“
Diese Zei­len aus der Stück­be­schrei­bung erfas­sen ganz gut, warum dies der schöns­te Tag ist: Men­schen gestal­ten mit­ein­an­der über alle Gren­zen hin­weg. Und das ist neben all den lie­be­vol­len Details in der Aus­stat­tung sowie im Spiel für die Jury ein gewich­ti­ger Grund für die Nomi­nie­rung zum Son­der­preis „#con­nect – Ama­teur­thea­ter ver­bin­det!“, gestif­tet vom Ver­ein Thea­ter­le­ben e.V..

(Text: Marcus Joos)

Die Mit­glie­der der Jury für den Sonderpreis:
Dr. San­dra Wirth (Sach­sen), Vize­prä­si­den­tin des Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e. V. (BDAT), Mar­cus Joos, Prä­si­dent des Lan­des­ver­ban­des Ama­teur­thea­ter Baden-Württemberg e. V. (LABW), Christian Dennert, Prä­si­dent des Ver­ban­des Ham­bur­ger Ama­teur­thea­ter e. V. (VHAT) / Vize­prä­si­dent BDAT und stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins Thea­ter­le­ben e.V. sowie Dr. Mar­cus O. Klein, Mit­glied des amarena-Kuratoriums und amarena-Beauftragter des Lan­des­ver­ban­des der Ama­teur­thea­ter Schleswig-Holstein e. V.

Ver­ge­ben wird der Preis bei der Gala und Preis­ver­lei­hung im Rah­men des Fes­ti­vals zum Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena, ver­an­stal­tet vom Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT), am 24. Sep­tem­ber in Pforzheim.

Thea­ter­le­ben e.V. ist der För­der­ver­ein für das Ama­teur­thea­ter im Nor­den und för­dert ins­be­son­de­re das Büh­nen­spiel von Ama­teur­thea­tern in Ham­burg und Schleswig-Holstein in den Berei­chen Thea­ter­kur­se, Thea­ter­be­geg­nun­gen und -fes­ti­vals, Kinder-, Jugend- und Senio­ren­thea­ter, Thea­ter in nie­der­deut­scher Spra­che und beson­de­re Thea­ter­pro­jek­te. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen ste­hen hier:
» www.theaterleben.org

Diese 8-köpfige Preis­ju­ry wählt in die­sem Jahr aus 15 Nomi­nie­run­gen in fünf Kate­go­rien die Preisträger*innen:

// Dr. Birte Wer­ner (Jury­vor­sit­zen­de, Lei­te­rin des Zen­trums für Kul­tu­rel­le Teil­ha­be Baden-Württemberg)

// Frank Grünert (BDAT Vize­prä­si­dent, Künst­le­ri­sche Lei­ter amarena)

// Ste­fa­nie Gute­kunst (Kul­tur­haus Osterfeld)

// Billie-Marie Wempe (Kul­tur­ma­na­ge­rin, u.a. Diver­si­täts­be­auf­trag­te beim Som­mer­blut Fes­ti­val der Multipolarkultur)

// Juli­an Bau­feldt (BAG Spiel und Thea­ter, Mit­glied des amarena Kuratoriums)

// Dr. Mar­cus O. Klein (Mit­glied des amarena Kuratoriums)

// Isa Kath­rin Edel­hoff (Refe­ren­tin für Thea­ter und Tanz bei der Bun­des­be­auf­trag­ten für Kul­tur und Medi­en, nicht stimmberichtigt)

// Domi­nik Eich­horn (BDAT Bil­dungs­re­fe­rent, nicht stimmberechtigt)

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Aktu­el­le Nachrichten

BDAT Bun­des­ver­samm­lung 2022

BDAT Bun­des­ver­samm­lung 2022

Ama­teur­thea­ter vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen // Frank Grünert und Christian Dennert als Vize­prä­si­den­ten des BDAT erneut bestä­tigt // Berlin/Pforzheim, 28. Sep­tem­ber 2022 // Am 24./25. Sep­tem­ber tra­fen sich rund 40 Vertreter*innen der 18 Mit­glieds­ver­bän­de des Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter …  mehr › …  mehr ›

„Rück­kehr der Kunst zum Leben bitternötig“

„Rück­kehr der Kunst zum Leben bitternötig“

7. Deut­scher Ama­teur­thea­ter­preis an vier Orten ver­ge­ben // 12.000 Euro für 6 Ensem­bles // Berlin/Pforzheim/Essen/Gotha/Quedlinburg, 25.09.2022 // „Die Rück­kehr der Kunst zum Leben hat­ten wir alle nach Coro­na bit­ter­nö­tig“, das erklär­te Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Clau­dia Roth in …  mehr › …  mehr ›

Fes­ti­val und Gala zum 7. Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena

Fes­ti­val und Gala zum 7. Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena

4 Städ­te // 4 Auf­füh­run­gen // 6 Aus­zeich­nun­gen // Ticket­ver­kauf gestar­tet // Berlin, 31. August 2022 // Vom 22. bis 24. Sep­tem­ber 2022 prä­sen­tie­ren vier Thea­ter­grup­pen ihre preis­ge­krön­ten Insze­nie­run­gen auf dem erst­mals dezen­tral aus­ge­rich­te­ten Fes­ti­val zum …  mehr › …  mehr ›

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Bund Deutscher Amateurtheater e. V.
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amarena – Deutscher Amateurtheaterpreis
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Fon 030 263 98 59 - 17
Fax 030 263 98 59 - 19

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