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Stär­kung des Thea­ters im länd­li­chen Raum und offe­ner Hei­mat­be­griff

BDAT nimmt Viel­falt in den Blick

Theater-Club Kat­ten­dorf (Schleswig-Holstein)

Am 30./31. März 2019 tra­fen sich rund 60 Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der 18 Mit­glieds­ver­bän­de des Bun­des Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) in Berlin zu Aus­tausch und Fort­bil­dung, zuvor tagte das Bun­des­prä­si­di­um. Prä­si­dent Simon Isser und Geschäfts­füh­re­rin Irene Oster­tag sag­ten zum Abschluss des Tref­fens: „Wir sind mit unse­ren bun­des­weit mehr als 2.500 Mit­glieds­büh­nen, dar­un­ter zwei Drit­tel in der so genann­ten Pro­vinz, Exper­ten für das „Thea­ter in länd­li­chen Räu­men“.

Die Büh­nen ste­hen für ein brei­tes künst­le­ri­sches Spek­trum im bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ment, sie bie­ten kul­tu­rel­le Teil­ha­be sowie Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten und über­neh­men oft­mals die kul­tu­rel­le Grund­ver­sor­gung, gera­de in struk­tur­schwa­chen Regio­nen. Der „Dra­ma­ti­scher Ver­ein Bür­ger­li­che Komö­di­an­ten­ge­sell­schaft 1686 Biber­ach e.V.“ (Baden-Württemberg), der seit mehr als 330 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich Stü­cke insze­niert und der Theater-Club Kat­ten­dorf (Schleswig-Holstein), in dem ein 850-Seelen-Dorf gemein­sam ein eige­nes Thea­ter bespielt, sind Bei­spie­le dafür.
Diese gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Leis­tung muss noch stär­ke­re kul­tur­po­li­ti­sche Aner­ken­nung fin­den, auch in der finan­zi­el­len För­de­rung von Ama­teur­thea­ter­struk­tu­ren.“ Damit Poli­tik auf Bundes- und Län­der­ebe­ne fach­lich fun­dier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen könne, sei es not­wen­dig, den BDAT und seine Mit­glieds­ver­bän­de als erfah­re­ne Part­ner an poli­ti­schen Debat­ten und Ent­schei­dungs­vor­la­gen zu betei­li­gen, bekräf­tig­te Prä­si­dent Isser für das Bun­des­prä­si­di­um.

Viel­falt wagen!
Viel­falt zeigt sich auch jen­seits urba­ner Zen­tren, so exis­tiert nicht „der“ länd­li­che Raum, son­dern ver­schie­de­ne länd­li­che Räume mit unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen. Das Thema „Viel­falt und Inklu­si­on“ bil­de­te einen Schwer­punkt des Ver­bands­tref­fens.

Was bedeu­tet Inklu­si­on für die Ama­teur­thea­ter­ar­beit, wo ste­hen die Ver­bän­de und Büh­nen der­zeit, wel­che Ent­wick­lun­gen und Gren­zen gibt es? Der Aus­tausch mach­te deut­lich, dass sowohl das Ver­ständ­nis von Inklu­si­on als auch die Mög­lich­kei­ten der Betei­li­gung von Men­schen in den Ver­bän­den und Mit­glieds­büh­nen sehr divers sind. Für das Ama­teur­thea­ter in Deutsch­land kann fest­ge­stellt wer­den, dass Inklu­si­on eine brei­te künst­le­ri­sche, sozia­le und gesell­schaft­li­che Spann­brei­te hat:

Ob Men­schen mit kör­per­li­chen und/oder see­li­schen Beein­träch­ti­gun­gen, Akteu­re mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund aus unter­schied­lichs­ten Kul­tur­krei­sen, Frau­en und Män­ner, quee­re Men­schen, Alt oder Jung, Unternehmer*innen oder Arbeits­lo­se: Alle Men­schen, die sich ehren­amt­lich enga­gie­ren möch­ten, sind im Ama­teur­thea­ter will­kom­men. Der BDAT und seine Mit­glieds­ver­bän­de geben Inter­es­sier­ten gern Aus­kunft, wel­che Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten es gibt.

Ein wei­te­res Feld, das der Ver­band stär­ker in den Fokus nimmt, ist das Thema „Hei­mat“. So posi­tio­niert sich der Ver­band klar gegen eine Instru­men­ta­li­sie­rung des Begrif­fes und setzt sich für ein offe­nes Ver­ständ­nis ein, auch in Hin­blick auf trans­kul­tu­rel­le Per­spek­ti­ven. Ver­an­stal­tun­gen wie das Gesamt­eu­ro­päi­sche Seniorentheater-Festival „stAGE!“ (16. bis 19. Mai 2019 in Ess­lin­gen / Baden-Württemberg), das inter­na­tio­na­le Fes­ti­val „Thea­ter­wel­ten“ (20. bis 23. Juni 2019 in Rudol­stadt / Thü­rin­gen) und das Volks­thea­ter­fes­ti­val „Wur­zel­werk“ (12. bis 15. Sep­tem­ber 2019 in Söm­mers­dorf und Geld­ers­heim / Fran­ken) sind Bei­spie­le für Thea­ter­be­geg­nun­gen, die künst­le­ri­sche Refle­xi­on eben­so im Blick haben wie gesell­schaft­li­chen Dis­kurs zu Hei­mat und Viel­falt sowie kul­tur­po­li­ti­sche Debat­ten.

Fotohinweis:
Der Theater-Club Kattendorf gewann 2018 den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena in der Kategorie „Gesamtwirken eines Amateurtheaters“. (Foto Saskia Serwotka)