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Mut zum Per­spek­tiv­wech­sel! Thea­ter­fes­ti­val amarena gibt Impul­se für Demo­kra­tie, Offen­heit und Tole­ranz

30. Sep­tem­ber 2018 //

Mut zum Per­spek­tiv­wech­sel!
Thea­ter­fes­ti­val amarena gibt Impul­se für Demo­kra­tie, Offen­heit und Tole­ranz

Beim dies­jäh­ri­gen Fes­ti­val zum 5. Deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis amarena, vom 27. bis 29.9.2018 in Leip­zig, stand nicht nur die dar­stel­len­de Kunst im Mit­tel­punkt. Die Preisträger-Inszenierungen, der Fach­tag und Podi­ums­ge­sprä­che boten reich­li­ch Stoff, sowohl künst­le­ri­sche Aspek­te als auch gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen zu reflek­tie­ren und zu dis­ku­tie­ren. Bei der Abschluss­ga­la am Sams­tag begrüß­te der Prä­si­dent des Bun­des Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) Simon Isser mehr als 200 Gäste und brach­te seine große Wert­schät­zung für die Arbeit der Preis­trä­ger­ensem­bles zum Aus­druck. Sophie Renz, Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­ban­des Ama­teur­thea­ter Sach­sen, hob her­vor, dass gera­de in poli­ti­sch und gesell­schaft­li­ch beweg­ten Zei­ten ein viel­fäl­ti­ges, vor allem bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment sowie die kul­tu­rel­le und ästhe­ti­sche Bil­dung durch Thea­ter unter­stützt wer­den müsse.

Der  Staats­se­kre­tär im Säch­si­schen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst Uwe Gaul über­brach­te die Grüße der Staats­mi­nis­te­rin und Schirm­her­rin Dr. Eva-Maria Stan­ge. Es sei bedrü­ckend, was in Sach­sen in der letz­ten Zeit pas­siert sei, beton­te Gaul. „Unse­re Kul­tur zeich­net sich durch Welt­of­fen­heit und Tole­ranz aus“, hob er her­vor und stell­te her­aus, dass das Ama­teur­thea­ter hier neue Dia­lo­ge auf den Weg brin­gen könne. Auch die Kul­tur­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Leip­zig Dr. Skadi Jen­ni­cke setz­te auf die Stär­ken des Ama­teur­thea­ters. „Ama­teu­re bren­nen von innen, sie tun Gutes für unser aller Zusam­men­le­ben und machen die Welt damit bun­ter und hei­te­rer.“ Zudem wurde die Zusam­men­ar­beit des BDAT mit dem Cen­tre of Com­pe­ten­ce for Thea­t­re (CCT) in Leip­zig von der Kul­tur­bür­ger­meis­te­rin begrüßt.

Die amarena-Gewinner nah­men im Rah­men der fest­li­chen Gala mit gro­ßer Freu­de ihre Aus­zeich­nun­gen und das Preis­geld von je 2.000 Euro ent­ge­gen.

In der Kate­go­rie Schau­spiel gewann „die bühne – das Thea­ter der TU Dres­den“. Ihre Pro­duk­ti­on „Burning Walls and Urgent Calls“ ¬¬mach­te den nahen­de Welt­un­ter­gang zu einem ver­gnüg­li­chen und satirisch-absurden Spiel zwi­schen Macht, Intri­gen und Moral.

Wie kann „der Som­mer mei­nes Lebens“ aus­se­hen? Mit gro­ßer Spiel­freu­de, star­ken Cha­rak­te­ren und sprach­li­cher Prä­zi­si­on prä­sen­tier­te die Schot­te aus Erfurt die Road­sto­ry „Tschick“. Das Ensem­ble erhielt die Aus­zeich­nung in der Kate­go­rie „Kinder- und/oder Jugend­thea­ter“.

Auf die künst­le­ri­sch anspruchs­vol­le Lebens­rei­se von Peer Gynt begab sich das Publi­kum mit dem Senio­ren­thea­ter in der Alt­stadt (SeTA) aus Düs­sel­dorf. Sechs männ­li­che Dar­stel­ler inter­pre­tier­ten die Haupt­fi­gur. Das Gesamt­en­sem­ble mit rund 20 Dar­stel­len­den agier­te lust­voll auf der Bühne, unter­stützt von einer effekt­vol­len Bühnenbild- und Licht­kom­po­si­ti­on. Die Grup­pe erhielt den Preis in der Kate­go­rie „Senio­ren­thea­ter“.

In das „Fremd­sein“ hin­ein­ver­set­zen, sich auf ande­re Per­spek­ti­ven ein­las­sen, das ver­mit­tel­te die „Odys­see des Lebens“. Wie fühlt es sich an, Repres­sa­li­en aus­ge­setzt zu sein oder nicht die Wahl zu haben, vor oder hin­ter dem Zaun zu ste­hen? Aus der homer­schen Text­vor­la­ge und den Lebens­ge­schich­ten der Betei­lig­ten zeig­te das Ensem­ble des Deut­schor­dens­mu­se­ums Bad Mer­gen­t­heim ein künst­le­ri­sch viel­schich­tig umge­setz­tes Sta­tio­nen­dra­ma. Die Grup­pe gewann den Preis in der Kate­go­rie „Offe­ne Thea­ter­for­men“.

Aus­ge­zeich­net in der Kate­go­rie „Gesamt­wir­ken eines Ama­teur­thea­ters“ wurde der Theater-Club Kat­ten­dorf, Schleswig-Holstein. Mit rund 850 Ein­woh­nern ist es wohl der klein­s­te Ort Deutsch­lands mit einem eige­nen Thea­ter. Hier geht es seit mehr als 30 Jah­ren um weit mehr als um das gemein­sa­me Spiel auf der Bühne, es geht um den Zusam­men­halt eines gan­zen Dor­fes. Acht Thea­ter­grup­pen spie­len aktu­ell gene­ra­tio­nen­über­grei­fend unter einem Dach.

Dag­mar Schmidt, freie Dra­ma­tur­gin und Vor­sit­zen­de der Preis­ju­ry kon­sta­tier­te in ihrer Rede, dass das Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in frem­de Wel­ten und unver­trau­te Lebens­vor­stel­lun­gen auch außer­halb des Thea­ters eine Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­ti­on und sehr wert­voll sei.

Den mit 2.000 Euro dotier­ten Son­der­preis für Demo­kra­ti­e­thea­ter „Nah dran!“, der eben­falls im Rah­men der Gala ver­ge­ben wurde, teil­ten sich zwei Grup­pen: das Pic­co­lo Thea­ter Cott­bus mit der Insze­nie­rung „KRG.“ und stell­werk wei­mar mit „Wil­helm Tell – Ver­su­che“. Ute Secken­dorf vom Insti­tut für Bera­tung, Bil­dung und Beglei­tung lobte den Mut der jun­gen Ensem­bles, öffent­li­ch mit ihren Pro­duk­tio­nen Flag­ge zu zei­gen und auch gegen Wider­stän­de für ihre Posi­tio­nen ein­zu­ste­hen im Bekennt­nis zur Demo­kra­tie und zu Tole­ranz.

Zufrie­den mit dem guten und inspi­rie­ren­den Fes­ti­val­ver­lauf, den Besu­cher­zah­len und den vie­len neuen Impul­sen, die vom Ama­teur­thea­ter für die künst­le­ri­sche Arbeit aber auch für gesell­schaft­li­chen Dia­log aus­ge­hen, zeig­te sich der künst­le­ri­sche Lei­ter des amarena-Thea­ter­fes­ti­vals Frank Grünert.

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Fotos: mim schnei­der

1) Gala-Preisträgerfoto

2)  v. l.: Frank Grünert (Künst­le­ri­scher Lei­ter amarena / Vize­prä­si­dent Bund Deut­scher Amateurtheater/BDAT), Dr. Skadi Jen­ni­cke (Kul­tur­bür­ger­meis­te­rin Stadt Leip­zig), Simon Isser (Prä­si­dent BDAT), Uwe Gaul (Staats­se­kre­tär SMWK), Micha­el Linke (Stellv. Vor­sit­zen­der Lan­des­ver­band Ama­teur­thea­ter Sach­sen), Irene Oster­tag (Geschäfts­füh­re­rin BDAT).

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Ver­an­stal­ter: Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter e. V.

Koope­ra­ti­ons­part­ner: Lan­des­ver­band Ama­teur­thea­ter Sach­sen e. V., Lan­des­bü­ro Dar­stel­len­de Küns­te Sach­sen e. V., Cen­tre of Com­pe­ten­ce for Thea­t­re der Uni­ver­si­tät Leip­zig, Insti­tut für Bera­tung, Beglei­tung und  Bil­dung e. V.

Aus­rich­ter vor Ort: Cammerspiele Leip­zig, WERK 2, Kul­tur­fa­brik Leip­zig

Der Wett­be­werb wurde geför­dert von:
Die Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en, Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, Säch­si­sches Staats­mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst, Stadt Leip­zig, LEIP­ZIG­STIF­TUNG, Insti­tut für Bera­tung, Beglei­tung und Bil­dung e. V. (B3).
Die Maß­nah­me wurde mit­fi­nan­ziert durch Steu­er­mit­tel auf Grund­la­ge des von den Abge­ord­n­ten des Säch­si­schen Land­tags beschlos­se­nen Haus­hal­tes.

Bei Fra­gen und für wei­te­re Infor­ma­tio­nen wen­den Sie sich bitte an:
BDAT, Kat­rin Kel­ler­mann
Fon 030 2639859-16
kellermann@bdat.info
https://bdat.info

 

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