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Arbeits­tref­fen der AddA in Wien


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Thea­ter – jetzt. Für immer.

An der jährlichen Zusammenkunft der deutschsprachigen Amateurtheaterverbände wurde über negative und positive Auswirkungen der Pandemie gesprochen und länderübergreifend Gedanken und Ideen zum Theater ausgetauscht. Das Treffen dient aber auch der Koordination verschiedenster internationaler Aktivitäten und diesmal der Verleihung eines Theaterpreises an einen verdienten Theaterschaffenden des ausserberuflichen Theaters.

Die Arbeits­ge­mein­schaft der deutsch­spra­chi­gen Ama­teur­thea­ter­ver­bän­de (AddA) traf sich die­ses Jahr am ers­ten November-Wochenende phy­sisch in Wien, nach­dem das letz­te Tref­fen der Pan­de­mie zum Opfer gefal­len war und nur online durch­ge­führt wer­den konn­te. Die AddA besteht aus dem Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT), der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Spiel und Thea­ter (BAG), dem Öster­rei­chi­schen Bun­des­ver­band für außer­be­ruf­li­ches Thea­ter (ÖBV), dem Süd­ti­ro­ler Thea­ter­ver­band (STV) und dem Zen­tral­ver­band Schwei­zer Volks­thea­ter (ZSV). Sie koor­di­niert ver­schie­de­ne inter­na­tio­na­le Akti­vi­tä­ten wie Fes­ti­vals oder die Wei­ter­bil­dung von Kursleitenden.

Das Tref­fen begann bereits am Frei­tag nach der Anrei­se mit einem Thea­ter­be­such der Kam­mer­spie­le der Josef­stadt, wo die deut­sche Erst­auf­füh­rung der intel­li­gen­ten Komö­die «Das per­fek­te Geheim­nis» zum Bes­ten gege­ben wurde.

Die eigent­li­che Tagung am Sams­tag star­te­te mit einem Work­shop für alle Teil­neh­mer, in der auch die Frage the­ma­ti­siert wurde, was das Leben ohne Thea­ter wäre. Dabei zeig­te sich, dass der Slo­gan der Stadt Wien abge­wan­delt ganz gut zur AddA und sei­nen Mit­glieds­ver­bän­den passt und auch einen guten Titel für diese Medi­en­mit­tei­lung abgibt. Der Slo­gan beinhal­tet auch die Hoff­nung, dass sich auch für die Kul­tur und im Spe­zi­el­len für das Thea­ter die Situa­ti­on mög­lichst rasch normalisiert.

In ihren Berich­ten aus den Ver­bän­den waren natür­lich die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie im letz­ten Jahr aber auch in Bezug auf die Zukunft des Ama­teur­thea­ters zen­tral. So wurde fest­ge­stellt, dass mit der zuneh­men­den Unsi­cher­heit nicht nur das Inter­es­se des Publi­kums abge­nom­men hat, son­dern zum Teil lei­der auch das­je­ni­ge der Akti­ven. Das wird in Zukunft eini­ge Ver­bän­de for­dern. Es wurde aber immer wie­der betont, dass es auch posi­ti­ve Aspek­te in der Covid-Krise gibt. Erwähnt wurde dabei die finan­zi­el­le staat­li­che Hilfe, die im gan­zen Wir­kungs­ge­biet der AddA durch staat­li­che Stel­len erfolg­te und kon­kret zum Teil von den Mit­glieds­ver­bän­den koor­di­niert und orga­ni­siert wurde. Bedau­ert wurde ein­zig, dass die gesell­schaft­li­che Bedeu­tung von Lai­en­kul­tur erst in einer der­art welt­um­fas­sen­den Krise erkannt wird. In Deutsch­land wur­den die Aus­zah­lun­gen zum Teil an eine Ver­bands­zu­ge­hö­rig­keit gekop­pelt. Das führ­te dort dazu, dass mehr Amateurtheater-Gruppen dem BDAT bei­tra­ten. Auch die Vor­tei­le der digi­ta­len Sit­zun­gen für die Ver­ant­wort­li­chen von Ver­ei­nen und Ver­bän­den wur­den her­vor­ge­ho­ben und diese wer­den sicher ein Ende der Pan­de­mie überleben.

Die Mög­lich­kei­ten der vir­tu­el­len Wei­ter­ent­wick­lung des Thea­ters waren ein wei­te­res Thema. Die BAG bie­tet bei­spiels­wei­se auf ihrer Web­site einen Dis­kurs über digi­ta­le und ana­lo­ge Lebens­wel­ten. Im All­ge­mei­nen war aber die Skep­sis eher groß. So beton­te der Prä­si­dent des STV Klaus Runer: «Thea­ter ist das Gegen­mo­dell der vir­tu­el­len Welt. Thea­ter ist reale Welt und lebt von der spon­ta­nen Interaktion.»

Die Sit­zung zeig­te ein­mal mehr, wie unglaub­lich breit das Ange­bot aber auch die Bedürf­nis­se im Ama­teur­thea­ter oder außer­be­ruf­li­chen Thea­ter sind und wie unter­schied­lich dadurch auch die ver­schie­de­nen Ver­bän­de auf­ge­stellt sind.

Der Sams­tag nach­mit­tag dien­te einer­seits dem Besuch des öster­rei­chi­schen Thea­ter­mu­se­ums in Wien. Im Rah­men die­ses Besuchs erfolg­te zudem die Ehrung des öster­rei­chi­schen Urge­steins des außer­be­ruf­li­chen Thea­ters Joseph «Joco» Hol­los. Hol­los ist seit über 50 Jah­ren aktiv und uner­müd­lich für das Ama­teur­thea­ter und das schu­li­sche Thea­ter in Öster­reich und deren inter­na­tio­na­len Ver­net­zung tätig. Dafür wurde ihm der ÖBV Thea­ter­preis «Applaus» für außer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen ver­lie­hen. Die Lau­da­tio hielt der Ehren­prä­si­dent und lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de des BDAT Norbert Radermacher.

Wei­te­re Infos siehe https://adda-theater.weebly.com/

von Han­nes Zaugg-Graf – Zen­tral­ver­band Schwei­zer Volkstheater