Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst

Berich­te aus dem Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst Kul­tur

Sie möch­ten gern wis­sen, wel­che Auf­ga­ben ein „Bun­des­frei­wil­li­ger Kul­tur“ im Bereich des Ama­teur­thea­ters über­neh­men kann? Wir haben in unse­rer Fach­zeit­schrift Spiel&Bühne eini­ge Frei­wil­li­ge kurz por­trä­tiert, zudem fin­det sich hier ein Inter­view mit einem unse­rer Frei­wil­li­gen, der aus Chile nach Deutsch­land kam.

Im Rah­men des BFD Kul­tur orga­ni­siert der BDAT für die Frei­wil­li­gen die so genann­ten Bil­dungs­ta­ge, die 2012 erst­mals in Apolda/Thüringen statt­fan­den. Mehr dazu lesen Sie im Bereich Ter­mi­ne und Bil­dungs­ta­ge.

Adal­bert Meis­ham­mer

Bufdi_AMeishammer_2012

Für den lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­be­su­cher Adal­bert Meis­ham­mer (68 Jahre) ist das Ama­teur­thea­ter eine große Berei­che­rung des Kul­tur­le­bens. Der Hoch­fre­quenz­tech­ni­ker im Bereich Ent­wick­lung ist seit 2009 im Ruhe­stand. Ehren­amt­li­ch enga­giert er sich schon lange, bis­lang vor allem im poli­ti­schen und sport­li­chen Bereich – das Thea­ter kann­te er ledig­li­ch als Zuschau­er.

Seit Juni 2012 ist er nun als Bun­des­frei­wil­li­ger für den Thea­ter­ver­ein Rosen­heim aktiv. Hier hat er die Auf­ga­be, das Archiv mit allen vor­han­de­nen Unter­la­gen zu erfas­sen und zu digi­ta­li­sie­ren. „Meine Moti­va­ti­on ist, eigen­stän­dig Lösun­gen zu fin­den, die zu einer ein­fa­chen und für die Pra­xis anwend­ba­ren digi­ta­len Bear­bei­tung von vor­han­de­nen und zukünf­ti­gen Thea­ter­stü­cken füh­ren“, sagt Meis­ham­mer.

In der Ein­satz­stel­le kann so z. B. auf Bro­schü­ren, Pla­ka­te, Musik­stü­cke, Dar­stel­ler oder Rol­len­bü­cher schnell zuge­grif­fen und das Mate­ri­al für zukünf­ti­ge Pro­duk­tio­nen ver­wen­det wer­den. Damit wer­den auch die Mit­ar­bei­ter ent­las­tet. Der­zeit sind 199 Thea­ter­stü­cke aller Kate­go­ri­en erfasst. „Sich ehren­amt­li­ch zu enga­gie­ren ist für mich auch eine Selbst­be­stä­ti­gung. Ich kann meine Erfah­run­gen ein­brin­gen und mich ander­seits auf dem Gebiet der digi­ta­len Archi­vie­rung wei­ter­bil­den. Zugleich kann ich nun nach­voll­zie­hen, welch ein Auf­wand bis zur Fer­tig­stel­lung eines Thea­ter­stü­ckes not­wen­dig ist. Daher gilt mein gro­ßer Respekt allen ehren­amt­li­chen Thea­ter­spie­lern.“

Georg Mädl

Bufdi_Georg_Maedl_2012

„Spaß am Spiel und Freu­de in der Gemein­schaft“ – das sind die Zug­pfer­de, die Georg Mädl (32 Jahre) auch zum ehren­amt­li­chen Ein­satz für das Thea­ter moti­vie­ren. Als frei­be­ruf­li­cher Schau­spie­ler enga­giert er sich zusätz­li­ch seit 13 Jah­ren in ver­schie­de­nen Berei­chen des Thea­ters.

Beim „Schau­hau­fen“ in Kulm­bach ist er jetzt im Rah­men sei­nes Frei­wil­li­gen­diens­tes als All­roun­der ein­ge­setzt und küm­mert sich um Regie, Büh­nen­auf­bau, Fun­dus, Kos­tü­me, die Beschaf­fung von Requi­si­ten und auch um Pres­se­ar­beit. Dabei hat er es sich zur Auf­ga­be gemacht, den Spie­lern den Rücken frei zu hal­ten. Ent­spre­chend posi­tiv kommt sein Enga­ge­ment beim Ver­ein an: „Meine Arbeit und die Erfah­rung, die ich ein­brin­ge, wer­den gut ange­nom­men“, freut sich Mädl über die Aner­ken­nung. Warum es sich lohnt, ehren­amt­li­ch zu enga­gie­ren, dar­auf fin­det Mädl eine klare Ant­wort: „Ehren­amt­li­cher Ein­satz bedeu­tet, der Gesell­schaft, die einen trägt, etwas zurück­zu­ge­ben. Das ist ein gutes Gefühl.“

Dore­en Thees

Bufdi_DoreenThees_2012

„Ich freue mich, wenn mir die Kin­der, mit denen ich arbei­te, auf der Stra­ße zuwin­ken und es gibt mir ein tol­les Gefühl, mich für ande­re Men­schen enga­gie­ren zu kön­nen. Man bekommt so viel mehr zurück, als man gibt“, beschreibt Dore­en Thees (41 Jahre) ihre Erfah­run­gen mit dem Ehren­amt. Vor allem die Wert­schät­zung ihrer Arbeit sei ein Motor ihres Ein­sat­zes. Gemein­sam etwas zu erschaf­fen und auf die Bühne zur brin­gen, Freu­de am Spie­len und in ande­re Rol­len zu schlüp­fen, das sind aus ihrer Sicht beson­de­re Qua­li­tä­ten des Ama­teur­thea­ters.

Seit 2011 ist die gelern­te Medi­en­ge­stal­te­rin und Zir­kus­päd­ago­gin frei­wil­lig für das Ama­teur­thea­ter aktiv. „Zu erle­ben, wel­che Berei­che­rung ein gemein­sa­mes Pro­jekt für die Grup­pe dar­stellt, ist eine groß­ar­ti­ge Sache. Es ist erstaun­li­ch, wel­che Ver­än­de­run­gen an jedem Ein­zel­nen zu beob­ach­ten sind“, fasst sie ihre Beob­ach­tun­gen zusam­men. Bei ihrer Ein­satz­stel­le, dem Kinder- und Jugend­thea­ter „Tohu­wa­bo­hu“, unter­stützt sie die Lei­te­rin Elke Büch­ner bei der Büro­ar­beit und ist für die Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung von Pro­jek­ten wie z. B. die „Thea­ter­werk­statt“ zustän­dig. Auch das Anle­gen eines Archivs, die Beglei­tung von Nach­wuchs­schau­spiel­grup­pen sowie die Unter­stüt­zung der Öffent­lich­keits­ar­beit gehö­ren zum Tätig­keits­spek­trum. „Für mich eröff­net die­ses frei­wil­li­ge Enga­ge­ment auch Per­spek­ti­ven hin­sicht­li­ch mei­ner beruf­li­chen Zukunft“, zeigt sich Thees zuver­sicht­li­ch.

Aus Chile nach Deutsch­land für den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst im Ama­teur­thea­ter.

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Foto: Nils Braune / Stage Divers(e)

Stage Divers(e): Mit jeder Menge Spaß und Ener­gie sind Mati­as (vorn mitte) und Katin­ka (hin­ten links) bei der Sache / Foto: Nils Brau­ne

Seit Juni 2014 arbei­tet Matías Igna­cio Urroz Richard über den BDAT für den Bun­des­frei­wi­li­gen­dienst „Kul­tur und Bil­dung“ bei Stage Divers(e), Forum für Jugend­Thea­ter­Kul­tur e.V., Ess­lin­gen. Er ist 27 Jahre alt, kommt aus Chile und hat ein abge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um in Bewe­gungs­wis­sen­schaf­ten. Sein Plan ist es, min­des­tens bis Juni 2015 die Pro­jek­te von Stage Divers(e) zu unter­stüt­zen. Im Rah­men sei­nes frei­wil­li­gen Enga­ge­ments über­nahm er auch Auf­ga­ben für die vom BDAT aus dem Pro­gramm „THEA­TER FÜR ALLE! geför­der­te Welcome-Akademie!

Katin­ka: Mati­as, wie bist du auf die Idee gekom­men, in Deutsch­land als Frei­wil­li­ger zu arbei­ten?

Matías: Als wir uns 2012 in Chile ken­nen­ge­lernt haben, hast du mir von der Thea­ter­grup­pe Stage Divers(e) und von der Mög­lich­keit erzählt, hier ein Frei­wil­li­gen­jahr im Thea­ter zu machen. Ich möch­te künst­le­ri­sche Pro­jek­te auf inter­na­tio­na­lem Niveau rea­li­sie­ren, meine eige­nen Kennt­nis­se im Thea­ter, Musik, Tanz, Zir­kus ver­tie­fen und die deut­sche Kul­tur und Spra­che ken­nen ler­nen.

Katin­ka: Eigent­li­ch bist du Kine­sio­lo­ge. Wie ver­bin­dest du das mit dem Thea­ter?

Matías: Wäh­rend ich stu­dier­te, trai­nier­te ich WuShu, eine chi­ne­si­sche Kampf­sport­art, und Zir­kus. Ich nahm an Wett­kämp­fen teil und arbei­te­te in Varie­tés, auch an einem Thea­ter­stück mit dem Titel„Telomero“. Außer­dem beleg­te ich Semi­na­re über Stra­ßen­thea­ter und Thea­ter im Zir­kus. Nach mei­ner Erfah­rung als Kine­sio­lo­ge hel­fen viele artis­ti­sche Dis­zi­pli­nen, einen guten Gesund­heits­zu­stand und ein opti­ma­les Kör­per­be­wusst­sein für das all­täg­li­che Leben zu ent­wi­ckeln. Sie sind wich­ti­ge Mit­tel zur Reha­bi­li­ta­ti­on und Stär­kung der Gesund­heit.

Katin­ka: An wel­chen Pro­jek­ten arbei­test du gera­de?

Matías: Am wich­tigs­ten ist das Pro­jekt mit den Flücht­lin­gen in Ess­lin­gen und dann die Vor­be­rei­tung für unser neues Thea­ter­stück, das wir im Juli auf­füh­ren möch­ten, d. h.: inten­si­ves Trai­ning im Bereich non­ver­ba­les Thea­ter und Akro­ba­tik­trai­ning mit den Stage Divers(e)-Akteuren in unse­ren lau­fen­den Pro­ben, um mehr kör­per­li­che Aus­drucks­for­men zu fin­den. Außer­dem betei­li­ge ich mich an der Kon­zep­ti­on und Durch­füh­rung von inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und einer Fes­ti­val­pla­nung für 2016.

Katin­ka: Wie läuft es mit der Spra­che? Hast du hier Hür­den zu über­win­den?

Matías: Am Anfang war es mit der Spra­che kom­pli­ziert, obwohl sich viele auf Eng­li­sch mit mir unter­hal­ten konn­ten. Aber seit Okto­ber letz­ten Jah­res mache ich einen Sprach­kurs für Deut­sch, der mir sehr in mei­ner sozia­len Wei­ter­ent­wick­lung in Deutsch­land hilft. Was ich sehr inter­es­sant finde, ist die for­ma­le Dis­tanz zwi­schen den Men­schen in Deutsch­land, da in Latein­ame­ri­ka die Inter­ak­ti­on zwi­schen Men­schen viel kör­per­li­cher und infor­mel­ler ist.

Katin­ka: Was gefällt dir an dei­ner künst­le­ri­schen Arbeit beson­ders? Hat­test du beson­de­re Momen­te?

Matías: Mir gefällt sehr die Frei­heit und ich schät­ze die Mög­lich­kei­ten, die ich hier habe, um meine künst­le­ri­sche Arbeit in der Thea­ter­grup­pe zu rea­li­sie­ren. Dadurch, dass ich mit Men­schen aus der gan­zen Welt arbei­te, gewin­ne ich auch neue Kennt­nis­se und Pra­xis­er­fah­rung. In der Weih­nachts­zeit haben wir eine Vor­füh­rung für Flücht­lin­ge ange­bo­ten mit Clow­ne­rie, Akro­ba­tik und Jon­gla­ge. Nach der Vor­füh­rung kamen viele Kin­der und schenk­ten mir klei­ne gebas­tel­te Sachen aus Papier zum Dank. Es beweg­te mich sehr, diese Zunei­gung von ihnen zu spü­ren. Eine beson­de­re Erfah­rung war es auch, Berlin ken­nen zu ler­nen, eine Stadt, so voll von Geschich­te und Kul­tur – und dann war da noch der Schnee!

Katin­ka: Wo lie­gen dei­ner Mei­nung nach die Unter­schie­de zwi­schen der künst­le­ri­schen Arbeit in Chile und in Deutsch­land?

Mati­as: Die kul­tu­rel­le Arbeit wird finan­zi­ell in Deutsch­land deut­li­ch mehr geför­dert als in Chile. Aber das Bedürf­nis nach Kunst ist in Chile sehr groß. Des­we­gen ent­ste­hen dort viele ver­schie­de­ne künst­le­ri­sche Pro­jek­te, meist selbst­ver­wal­tet und unbe­zahlt. Die Künst­ler ver­su­chen stets, höchst­mög­li­che artis­ti­sche Qua­li­tät in mul­ti­dis­zi­pli­na­ren Pro­jek­ten zu errei­chen. Sie sind dabei sehr krea­tiv.

Katin­ka: Vie­len Dank für das Inter­view, Mati­as. Wir freu­en uns, dass du bei uns bist.

Katinka Ulmer, 21 Jahre und Studentin der Agrarwissenschaften, unterstützt seit vielen Jahren Stage Divers(e). Sie führte und übersetzte für Spiel&Bühne 1/2015 dieses Interview.

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