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Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2015

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Zum drit­ten Mal wer­den vom Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) im Rah­men der „amarena-Innovationsförderung“ aus­ge­wähl­te Pro­jek­te mit ins­ge­samt 14.000 Euro geför­dert. Ins­ge­samt haben sich 33 Pro­jek­te bewor­ben. Davon wur­den vier Ama­teur­thea­ter­pro­jek­te geför­dert.

Theater unter der Dauseck Oberriexingen (Baden-Württemberg) //

„ALICE gespiegelt“

 

Das Möbel­haus als thea­tra­les Wun­der­land

Das Thea­ter unter der Daus­eck ist dafür bekannt, jedes Jahr zu aktu­el­len gesell­schafts­po­li­ti­schen The­men eine Thea­ter­pro­duk­ti­on an einem neuen Spiel­ort mit einem neuen Ensem­ble zu ent­wi­ckeln. Neu meint dabei nicht nur: „Das war noch nicht da!“, son­dern auch: „Ver­ges­sen Sie die Ihnen bekann­ten Kon­ven­tio­nen!“.

Das geplan­te Thea­ter­pro­jekt „ALICE gespie­gelt“ ver­legt Ali­ces gewohn­te Wun­der­welt in die wun­der­ba­re Wohn­welt eines Möbel­hau­ses, das nicht nur „Luxus für Alle“ ver­spricht, son­dern gleich­sam viel­fäl­ti­ge Ein­rich­tungs­ide­en für unser Leben bie­tet und nicht zuletzt sym­bo­li­sche Abstell­räu­me für ver­ges­se­ne Träu­me und Hoff­nun­gen bereit­hält. Gesell­schaft­li­ch rele­van­te Fra­ge­stel­lun­gen wie Kon­sum­ori­en­tie­rung, der durch­hetz­te All­tag, „Soci­al Free­zing“ oder Exis­tenz­ängs­te wer­den in Sze­nen aus „Alice im Wun­der­land“ über­setzt und in der möblier­ten Lebens­welt mit dem Bas­tel­ma­te­ri­al unse­rer Bio­gra­phien ver­bun­den.

Das Thea­ter unter der Daus­eck ver­folgt das Prin­zip, dass jede_r mit­wir­ken kann. Men­schen vor Ort wer­den in das Pro­jekt ein­be­zo­gen. Es kon­sti­tu­iert sich ein neues Ensem­ble, das aus­ge­hend von der kon­zep­tio­nel­len Idee die Insze­nie­rung erar­bei­tet. Die Bio­gra­fi­en und Fami­li­en­ge­schich­ten der Mit­wir­ken­den sind dabei Aus­gangs­punkt für die Aus­ein­an­der­set­zung mit plu­ra­len Lebens­ent­wür­fen unse­rer Gesell­schaft.

Dem Anspruch, jede_n zu errei­chen, kommt das Thea­ter unter der Daus­eck auch für sein Publi­kum nach. Zum Ort der Insze­nie­rung wird ein Möbel­haus, ein Platz, an dem das all­täg­li­che Leben statt­fin­det.

Das Kura­to­ri­um der amarena-Innovationsförderung 2015 hält „ALICE gespie­gelt“ für för­der­wür­dig und bei­spiel­haft, weil mit einer zeit­ge­nös­si­schen, orts­spe­zi­fi­schen Thea­ter­form Spieler_innen und Zuschauer_innen erreicht wer­den, die sonst mög­li­cher­wei­se keine Begeg­nung mit die­sem künst­le­ri­schen Ansatz haben wür­den. Thea­ter wird nicht los­ge­löst vom Auf­füh­rungs­ort und den dort leben­den Men­schen gemacht. Der Ort selbst und die mit ihm ver­bun­de­nen Men­schen kön­nen sich ein­brin­gen. Kon­zep­tio­nell über­zeugt die Idee der Insze­nie­rung gesell­schaft­li­ch rele­van­ter The­men in einem Möbel­haus als Ort, der Umbrü­che im Leben mar­kiert und gleich­zei­tig dafür steht, sein Leben zeit­wei­lig in einer indi­vi­dua­li­sier­ten Vari­an­te ein­zu­rich­ten, die schluss­end­li­ch doch vor­ge­ge­ben ist.

Romi Domkowsky (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

V.E.B. VereinsEigeneBühne, Chemnitz (Sachsen)//

„Fremdes Vertrautes“

Das Pro­jekt „Frem­des Ver­trau­tes“ des „V.E.B. Ver­eins­Ei­ge­n­e­Büh­ne e.V.“, Chem­nitz, ist für die amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2015 aus­ge­wählt wor­den. In Zei­ten um sich grei­fen­der ras­sis­ti­scher Ver­düs­te­rung und Ver­ro­hung der Gesell­schaft müs­sen und dür­fen Thea­ter­pro­jek­te nicht feh­len, die sich mit der Viel­fäl­tig­keit und den Wur­zeln unse­rer euro­päi­schen Kul­tur aus­ein­an­der set­zen. Die Figur des Moris­ken­tän­zers steht hier am Anfang einer thea­tra­len Ent­de­ckungs­rei­se. Moris­ken und ihre Kunst, aus den ara­bi­schen Län­dern nach Euro­pa gekom­men, als höfi­sche Kunst eta­bliert, haben unse­re Thea­ter­for­men geprägt. In der Ver­stel­lung, der Unter­drü­ckung und Sub­li­mie­rung des bei­ßen­den Spotts konn­te sich so Kri­tik an den Lebens­um­stän­den frei äußern. Die Kör­per­lich­keit, der Spott und Hohn gegen­über den Adli­gen und Gei­zi­gen wurde von den Moris­ken ver­brei­tet und beein­fluss­te die Dar­stel­lun­gen der Com­me­dia dell´arte. Zu über­hö­hen und der herr­schen­den Klas­se eine lange Nase zu zei­gen, war immer schon Bestand­teil einer leben­di­gen Thea­ter­kul­tur.

Die Aus­ein­an­der­set­zung und Erar­bei­tung die­ser The­men von und mit einer bun­ten Grup­pe thea­ter­be­geis­ter­ter Men­schen ver­dient jede Aner­ken­nung. Die­ses inno­va­ti­ve Pro­jekt ver­bin­det, öff­net, zeigt und erforscht und dies wird mit der amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung gewür­digt und unter­stützt.

Christine Bossert (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Stage Divers(e) Forum für JugendTheaterKultur, Esslingen (Baden-Württemberg) //

„Upside down – schwerelos“

Die Stage Divers(e) aus Ess­lin­gen sind ein Zusam­men­schluss nicht pro­fes­sio­nel­ler Thea­ter­schaf­fen­der, erwach­sen aus einer ehe­ma­li­gen Schultheater-AG eines Gym­na­si­ums.

Sie lehn­ten die Ihnen zuge­dach­te Rolle als Nach­ah­mer pro­fes­sio­nel­ler Schau­spie­ler und der aner­kann­ten Büh­nen­spra­che ab und wand­ten in jugend­li­cher Frech­heit den Profi-Bühnen und ande­ren beleh­ren­den Insti­tu­tio­nen den Rücken zu. Inzwi­schen sind sie ein aner­kann­ter Ver­ein und wur­den mehr­fach aus­ge­zeich­net. Das Ensem­ble setzt sich aus Stu­die­ren­den, Berufs­tä­ti­gen, Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, Asyl­su­chen­den, Schü­lern, Rent­nern und wei­te­ren Sym­pa­thi­san­ten zusam­men.

In dem Pro­jekt „Ups­i­de Down – schwe­re­los“ wer­den die Stage Divers(e) mit 20-25 jun­gen Men­schen im Artis­Traum Berlin ein inter­na­tio­na­les Theater-Artistik-Stück erfin­den und im Anschluss in Berlin und Ess­lin­gen prä­sen­tie­ren. „Wir ver­las­sen voll­stän­dig den klas­si­schen Thea­ter­rah­men,  wir lösen nicht nur den Zuschau­er­raum, son­dern auch den Büh­nen­raum auf. Wir spie­len im Publi­kum  und um das Publi­kum herum, wir erhe­ben es gleich­sam mit auf die unter­schied­li­chen Ebe­nen, hori­zon­tal und ver­ti­kal.“, heißt es in der Pro­jekt­be­schrei­bung.

Als Akteu­re mit Vor­er­fah­rung holen sie die Thea­ter­grup­pe Colec­tivo racún aus San­tia­go de Chile nach Deutsch­land. Mit Hilfe ihres Kön­nens wird der inter­na­tio­na­le Ansatz und glei­cher­ma­ßen die Siche­rung für noch nicht erfah­re­ne Mit­wir­ken­de gewähr­leis­tet. „Wir wol­len nicht nach­ah­men, denn das schafft nichts Neues.“, sagt Babet­te Ulmer, Initia­to­rin des Pro­jek­tes.  Das Haupt­an­lie­gen die­ser Art inter­na­tio­na­len Thea­ters sei es, neue Wege der Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­fin­dig zu machen, die sich nicht auf das gespro­che­ne Wort kon­zen­trie­ren.  Dem Publi­kum in Berlin und in Ess­lin­gen sol­len Per­spek­ti­ven geschaf­fen wer­den, die in die­ser Kom­bi­na­ti­on noch nicht gese­hen oder gehört wur­den und dem Kul­tur­kon­su­men­ten den Weg in sein gewohn­tes Hör- und Seh­ver­mö­gen ver­stel­len. Ob es den Stage Divers(e) gelingt, gleich­sam den Zuschau­er­raum in die Lüfte zu erhe­ben, wird sich zei­gen. Wir dür­fen gespannt sein.

 

Martin Bretschneider (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

Offener Kunstverein Potsdam Land Brandenburg / Theatergruppe „Tarántula“//

(Verbotene Zonen) „RAMSCH – frei nach Picknick am Wegesrand der Brüder Strugatzki“

 

Die Jugend­thea­ter­grup­pe „Tarán­tu­la“ hat in Pots­dam einen ver­ges­se­nen Ort ent­deckt: an der Gren­ze zum preu­ßi­schen Hei­lig­tum „Sans­sou­ci“! Vor­mals Jugend­treff, Gast­stät­te – jetzt: leer, ver­las­sen, rui­nös. Hier soll sich ein Thea­ter­pro­jekt nach dem Sci-Fi-Roman „Pick­nick am Weges­rand“ der Gebrü­der Stru­gatz­ki ent­wi­ckeln. Ein ver­las­se­ner Picknick-Platz Außer­ir­di­scher wird zur „Ver­bo­te­nen Zone“, da sich die Mäch­ti­gen Inno­va­tio­nen aus dem unbe­kann­ten Abfall ver­spre­chen.

Die inter­na­tio­nal bunt­ge­misch­te Trup­pe wird den ver­lo­re­nen Raum wie­der­ent­de­cken, bele­ben. Die zu erwar­ten­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen in phi­lo­so­phi­schen, mora­li­schen, psy­cho­lo­gi­schen Sich­ten zum Thema „Zivi­li­sa­ti­on“ wer­den sicher bei Machern und Zuschau­ern unge­wohn­te Fens­ter öff­nen (in die­sem Zusam­men­hang sei die Fil­m­ad­ap­ti­on „Stal­ker“ von A.Tarkowski wärms­tens emp­foh­len).

Die krea­ti­ve Ent­wick­lung die­ses Pro­jek­tes aus der Grup­pe her­aus (Dramaturgie/Ausstattung/Choreografie/Musik) mit pro­fes­sio­nel­ler Unter­stüt­zung hat uns bewo­gen, der Grup­pe die amarena Inno­va­ti­ons­för­de­rung zukom­men zu las­sen.

 

Ulrich Schwarz (Mitglied des amarena-Kuratoriums)

amarena_Kuratorium_2015

Frank Grünert // Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der amarena/Vizepräsident BDAT/Vors. Thü­rin­ger Thea­ter­ver­band

Frank Wey­mann // Öffent­lich­keits­re­fe­rent und Redak­teur „unge­schminkt“ im Lan­des­ver­band Hes­si­scher Ama­teur­büh­nen

Prof. Dr. Romi Dom­kow­sky // Pro­fes­so­rin für Thea­ter­päd­ago­gik an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Berlin/Stellvertretende Vor­sit­zen­de der BAG Spiel & Thea­ter

Fried­rich Schir­mer // Inten­dant

Mar­tin Bret­schnei­der // Schauspieler/Moderator/Theaterpädagoge

Ulrich Schwarz // Schauspieler/Regisseur/stellv.Vorsitzender u. Künstl. Lei­ter Lan­des­ver­band Ama­teur­thea­ter Sach­sen

Norbert Niclauss // BKM, Refe­rat für Musik, Dar­stel­len­de Küns­te, Sonderbereiche/Beisitzer/nicht stimm­be­rech­tigt

Ste­phan Schnell // BDAT-Bildungsreferent/nicht stimm­be­rech­tigt

Nicht auf dem Bild: Petra Wahed-Harms // Künstl. Lei­te­rin Ama­teur­thea­ter­ver­band Nie­der­sach­sen

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