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Inno­va­ti­ons­för­de­rung 2011

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Zum ers­ten Mal hat der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter in die­sem Jahr eine bun­des­wei­te Inno­va­ti­ons­för­de­rung für Ama­teur­thea­ter­pro­jek­te und -initia­ti­ven in Höhe von 22.500 Euro ver­ge­ben. Bezu­schus­st wer­den zeit­li­ch befris­te­te Theater- und Tanz­pro­jek­te, die neue Praxis- und Akti­ons­for­men im Ama­teur­thea­ter erpro­ben. Ins­ge­samt 47 För­der­an­trä­ge lagen dem Kura­to­ri­um zur Bewer­tung und Ent­schei­dung vor.  Davon konn­ten sie­ben Pro­jek­te  unter­stützt wer­den.

Ziel die­ser För­de­rung ist es, neue Model­le des Ama­teur­thea­ters und inno­va­ti­ve Ansät­ze zu unter­stüt­zen und Thea­ter­grup­pen zu moti­vie­ren, z. B. neue Koope­ra­ti­ons­mo­del­le zu ent­wi­ckeln oder künst­le­ri­sche Expe­ri­men­te zu wagen. Die amarena-Innovationsförderung wird alle zwei Jahre, im Wech­sel mit der Ver­ga­be des Deut­schen Ama­teur­thea­ter­prei­ses, aus­ge­schrie­ben. Die in die­sem Jahr geför­der­ten Pro­jek­te wer­den ihre Arbeits­er­geb­nis­se in Aus­zü­gen bei der Ver­ga­be des Deut­schen Ama­teur­thea­ter­prei­ses 2012 in Rudol­stadt (Thü­rin­gen) prä­sen­tie­ren.

Gemeinde Kloster Lehnin & Jungendtheaters Strumpfhose Bad Belzig (Brandenburg) //

„Erinnerung – ein Musical mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Thema Alzheimer“

Ein Musi­cal zum Thema Alz­hei­mer – was zunächst viel­leicht ver­rückt klingt, offen­bart auf den zwei­ten Blick eine künst­le­ri­sche Her­aus­for­de­rung und eine gute Chan­ce, die­ses Thema in die Öffent­lich­keit zu heben.

Der eigens für die­ses Pro­jekt gegrün­de­te Trä­ger­kreis, bestehend aus der Gemein­de Klos­ter Leh­n­in (Bran­den­burg), der Leh­ni­n­er Schu­le, Pfle­ge­ein­rich­tung und Alten­hil­fe­zen­trum, beauf­trag­te Frank Grünert als Autor und Andre­as Beh­rendt als Kom­po­nist, ein Musi­cal zu schaf­fen und die­ses mit ca. 80 Kin­dern und Jugend­li­chen zur Auf­füh­rung zu brin­gen;

mit auf der Bühne: der Schul­di­rek­tor. Unter­stützt wer­den die Ama­teu­re von drei Profi-Sängern und einem zehn­köp­fi­gen Orches­ter.

Im Mit­tel­punkt der Hand­lung steht der unter Alz­hei­mer lei­den­de Her­bert Nebel, sowie seine Freun­de und seine Fami­lie – der Weg führt von den ers­ten Anzei­chen bis zum unab­wend­ba­ren Ende.

Das Jugend­thea­ter Strumpf­ho­se Bad Bel­zig (Mit­glied im BATV) als Koope­ra­ti­ons­part­ner beklei­det mit künst­le­ri­schem, tech­ni­schem und per­so­nel­lem Know How.

 

TPZ Hildesheim (Niedersachsen) //

„Ohne Zucker, mit Sahne!“ Ein inszenierter Cafébesuch mit Kuchenduft, Recht und Würde

Seit Anfang Okto­ber 2011 spie­len 13 Erwach­se­ne mit und ohne so genann­te geis­ti­ge Behin­de­rung gemein­sam im Café Tref­fer in der Hil­des­hei­mer Nord­stadt Thea­ter. Unter dem Motto „Ohne Zucker, mit Sahne!“ wagen sich die Schau­spiel­ama­teu­re an das Thema Men­schen­wür­de heran. Das Café mit Säu­len, Tischen, Tre­sen und Trep­pen­auf­gang hält ein span­nen­des Büh­nen­bild bereit. Schon nach weni­gen Pro­ben steht fest: Eine Mär­chen soll es wer­den, was am Ende auf die Bühne kommt. Des­halb übten die Teilnehmer/innen schon mal ihren neuen Berufs­stand. „Wenn ich König wäre …“ stand auf einem der Zet­tel, die sie beschrei­ben konn­ten, und den Rest durf­te jede/r ergän­zen. Für eine Teil­neh­me­rin wurde dar­aus „Wenn ich König wäre, würde ich eine Prin­zes­sin spie­len.“ Pure Spiel­freu­de äußert sich darin und die bei­den Lei­te­rin­nen Annli von Alvens­le­ben und Antje Kili­an hof­fen, dass dies auch so bleibt.

Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer brin­gen ihre indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten, Bega­bun­gen und Per­sön­lich­kei­ten in das Pro­jekt ein. Die Sze­nen wer­den aus all­täg­li­chen und beson­de­ren Erleb­nis­sen, Ideen und Erfah­run­gen der Mit­spie­len­den ent­wi­ckelt, sodass alle an der Pro­duk­ti­on des Stü­ckes teil­ha­ben. Pro­jekt­lei­tung: Antje Kili­an und Annli v. Alvens­le­ben,

Initiativkreises 8. Mai Langenau (Baden-Württemberg) //

„Zusammenrücken – Leben in der Einwanderungsgesellschaft“

Mehr als 50 Jahre nach der ers­ten Anwer­bung von Gast­ar­bei­tern hat sich auf poli­ti­scher Ebene quer durch alle Par­tei­en die Erkennt­nis durch­ge­setzt, dass Deutsch­land ein Ein­wan­de­rungs­land und eine Inte­gra­ti­ons­ge­sell­schaft ist. Im Jahre 2010 leben 1261 Men­schen ohne deut­schen Pass aus 63 Natio­nen in Lan­ge­nau. Hier­zu kom­men die Ein­wan­de­rer, die die deut­sche Staats­bür­ger­schaft ange­nom­men haben. Neben vie­len posi­ti­ven Zei­chen eines guten Zusam­men­le­bens gibt es aber auch Schwie­rig­kei­ten und Pro­ble­me. Unter den Motto „Zusam­men­rü­cken – Zusam­men­le­ben in der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft“ möch­te der Initia­tiv­kreis 8. Mai mit einem Thea­ter­pro­jekt und einem Video­pro­jekt zum Dia­log in der Klein­stadt Lan­ge­nau (Baden-Württemberg) bei­tra­gen.

Betei­ligt waren Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus der Haupt­schu­le, Werk­re­al­schu­le, Real­schu­le und des Gym­na­si­ums, dar­un­ter Jugend­li­che mit so genann­tem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, deren Eltern haupt­säch­li­ch aus der Tür­kei, aus dem Koso­vo, aus Russ­land ein­ge­wan­dert sind. Auch Flücht­lin­ge aus Alge­ri­en, Syri­en und Ägyp­ten, die im Lan­ge­nau­er Asyl­be­wer­ber­heim unter­ge­bracht sind, mach­ten mit.

Kann das Vor­ha­ben über­haupt gelin­gen, zusam­men mit so unter­schied­li­chen Men­schen ein gemein­sa­mes Thea­ter­stück zum pas­sen­den Thema „Viel­falt ist span­nend“ zu ent­wi­ckeln? Zuletzt blie­ben von den ca. 40 Teil­neh­mern an den Theater-Workshops 14 Jugend­li­che und Erwach­se­ne übrig, die in knapp zwei Wochen Arbeit an den selbst gewähl­ten Figu­ren und Tex­ten ein unter die Haut gehen­des Teil-Stück am 21. Okto­ber auf die Bühne brach­ten. Mit­wir­ken­de und Zuschau­er waren sich schließ­li­ch einig: „Das Pro­jekt soll wei­ter gehen!“

Marion Gerlach-Goldfuß (Nordrhein-Westfalen) //

„Der Sturm – integratives Shakespeare-Projekt in Herten“

Eine Insel, irgend­wo im Ozean. Nur der alte Pros­pero und seine Toch­ter Miran­da, der Erd­geist Cali­ban und Luft­geist Ariel leben dort, schick­sal­haft anein­an­der­ge­bun­den. Pros­pero sinnt nach Rache, weil sein Bru­der Anto­nio ihm Her­zog­tum und Hei­mat genom­men hat. Ein Sturm lässt die könig­li­chen Mis­se­tä­ter Schiff­bruch erlei­den und die Gestran­de­ten erle­ben viele Aben­teu­er, an deren Ende schließ­li­ch Ver­söh­nung, Frei­heit und Liebe ste­hen.

Wie in der shakespear‘schen Erzäh­lung lan­den die Zuschau­er in der Christy-Brown-Schule, einer För­der­schu­le für kör­per­li­che und moto­ri­sche Ent­wick­lung, auf einer Insel mit Men­schen voll unge­ahn­ter Fähig­kei­ten – die mit einer gro­ßen Begeis­te­rung Thea­ter spie­len, um Geschich­ten zu erle­ben und ande­re und sich zu erfreu­en. Beim drit­ten Shakespeare-Projekt in Her­ten kom­men älte­re Men­schen aus der Amateur-Theatergruppe „Die Spät­be­ru­fe­nen“ erst­mals mit auf diese Insel. Sie sind Mit­spie­ler und Part­ner der 40 mit­wir­ken­den Schü­ler, Inte­gra­ti­ons­hel­fer und Leh­rer, die alle gemein­sam das Publi­kum ver­zau­bern wer­den.

Die Schü­ler haben viel­fäl­ti­ge Behin­de­run­gen. In einem offe­nen Pro­ben­pro­zess wird eine ganz eige­ne Spiel­fas­sung erstellt, so dass alle Betei­lig­ten einen ihren Mög­lich­kei­ten und Nei­gun­gen ent­spre­chend Platz im Gesamt­ge­fü­ge fin­den kön­nen.

Ein klei­ner, eigens zusam­men­ge­stell­ter Geräusche-Chor, wird die Auf­füh­rung musi­ka­li­sch beglei­ten. Das Büh­nen­bild wird gemein­sam mit den Kunst-AG‘s der Schu­le erstellt. Für die Regie ist Mari­on Gerlach-Goldfuß ver­ant­wort­li­ch.

Theater der Migranten (Berlin) //

„Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt-Reuterkiez“

„Wer ist Spie­ler, wer Zuschau­er, wer nur zufäl­li­ger Pas­sant? Ist das hier das wahre Leben oder Thea­ter?“ Die Pro­duk­ti­on des „Thea­ter der Migran­ten“ unter der Lei­tung von Olek Witt nimmt das Publi­kum mit auf eine Reise durch die Stra­ßen und die Häu­ser des Reu­ter­kie­zes in Berlin-Neukölln. Von Anwoh­nern geführt, wan­dern die Zuschau­er durch das Quar­tier und erfah­ren Geschich­ten zu Orten, die ihnen sonst in ihrem All­tag häu­fig ver­schlos­sen blei­ben oder die an ihnen unbe­merkt vor­bei­zie­hen. Ent­wi­ckelt wer­den die Sze­nen dabei gemein­sam mit den jun­gen Dar­stel­lern, immer auch in Bezug auf die Räum­lich­kei­ten, in denen sie statt­fin­den. Die Spiel­räu­me sind dabei so viel­fäl­tig wie der Kiez selbst: Neben einem tür­ki­schen Fri­seur sind das zum Bei­spiel eine pol­ni­sche Buch­hand­lung, ein bra­si­lia­ni­sches Café und eine Pri­vat­woh­nung. Hier zeigt sich Thea­ter nicht als lebens­fer­ne Lite­ra­tur­wie­der­ga­be, son­dern vor allem als eine Aus­drucks­form der urba­nen und viel­schich­ti­gen All­tags­kul­tur.

Theaterwerkstatt am Theater im Depot, Dortmund (Nordrhein-Westfalen) //

„Bringt die Natur zurück in die Stadt“

Acht junge Frau­en zwi­schen 17 und 24 Jah­ren erar­bei­te­ten unter der Lei­tung von Bar­ba­ra Mül­ler sze­ni­sche Per­for­man­ces und künst­le­ri­sche Aktio­nen. Aus­ge­hend von der Sorge, dass die Natur immer mehr aus der Stadt ver­drängt wird, ent­stand die Idee eines Besu­ches von „Mut­ter Natur“ und ihren vier Jah­res­zei­ten sowie zwei Spä­hern: Affe und Wolf. Beglei­tet wer­den sie von einer Repor­te­rin, die den Umzug der Natur-Karawane durch die Stadt begeis­tert beglei­tet und das Publi­kum dar­auf anspricht und ein­be­zieht.

Die Pre­mie­re des Stadt_Gartens fand am 15.10.2011 im Rah­men der Nacht der Jugend­kul­tur in der Dort­mun­der Innen­stadt statt. Das Ensem­ble mar­schier­te durch die Fuß­gän­ger­zo­ne und stopp­te hier und da. Als Walk Act zogen die Dar­stel­le­rin­nen viele inter­es­sier­te Bli­cke der Pas­san­ten auf sich. Bei den sze­ni­schen Aktio­nen ver­sam­mel­ten sich viele Neu­gie­ri­ge, die sehen und hören woll­ten, was es mit den auf­fäl­li­gen Besu­chern auf sich hat und die zum Abschied einen Spröss­ling von Mut­ter Natur – eine Topf­pflan­ze – geschenkt beka­men.

Verein Kinder- und Jugendkultur / Junges Ensemble Stuttgart (Baden-Württemberg) //

„Rock the city – ein theatrales Flashmop-Projekt mit Senioren“

„wir sind die men­schen auf den wie­sen, bald sind wir die men­schen unter den wie­sen. und wer­den wiese und wer­den wald, das wird ein hei­te­rer land­auf­ent­halt.“ (Ernst Jandl)

14 Senio­ren unter­wegs in der Lan­des­haupt­stadt mit einem schö­nen Gedan­ken von Ernst Jandl auf den Lip­pen

„Stadt­kan­ten­ge­schich­ten“. So hat das Junge Ensem­ble Stutt­gart die Spiel­zeit 2011/2012 über­schrie­ben. Und weil Fra­gen nach der äuße­ren und inne­ren Gestal­tung einer Stadt immer auch mit Fra­gen nach Lebens­ent­wür­fen ver­bun­den sind, setz­te sich das Senio­ren­thea­ter „die 5te jah­res­zeit“ bei die­sem Pro­jekt mit alters­spe­zi­fi­schen Fra­gen aus­ein­an­der. Dann kam ein neuer Gedan­ke hinzu: Ein­mal den geschütz­ten Raum der Thea­ter­büh­ne zu ver­las­sen und sich einem unvor­her­seh­ba­rem Publi­kum zu stel­len.

„Unter­wegs in der Öffent­lich­keit – was ist euch wich­tig?“ Dies war eine erste Hin­füh­rung zum Thema, spon­ta­ne Ant­wor­ten waren: „Gelas­sen aber nicht kri­tik­los sein, streit­bar blei­ben, mit­mi­schen so lange es geht, Wün­sche nicht auf­schie­ben, ich träu­me noch, heute leben, neue Dinge wol­len, Nor­ma­li­tät kann gro­tesk sein…“ Diese Inhal­te wur­den ver­dich­tet und dazu pas­sen­de lite­ra­ri­sche Texte gesucht. Das Ganze wurde bear­bei­tet und in die Form eines thea­tra­len Flashmobs gebracht.

13 Mal wurde die Akti­on durch­ge­führt. Spiel­or­te waren Schul­hö­fe, Plät­ze in der Stadt, die Wil­hel­ma, vor der Stifts­kir­che, ein schi­ckes Ein­kaufs­zen­trum, u.a.m.

Frank Grünert // BDAT-Vizepräsident und Vor­sit­zen­der des Kura­to­ri­ums

Miri­am Deforth // Moderatorin/Schauspielerin

Mar­cus Joos // Vor­stands­mit­glied Lan­des­ver­band Ama­teur­thea­ter Baden-Württemberg

Roland Frie­del // Rundfunksprecher/Schauspieler i.R.

Eva Bitt­ner // Lei­tung Thea­ter der Erfah­run­gen

Prof. Bernd Guhr // Schau­spiel­päd­ago­ge und Regis­seur

Mar­ti­na Pfeil // Thea­ter­päd­ago­gin

Irene Oster­tag // Geschäfts­füh­re­rin BDAT (nicht stimm­be­rech­tigt)

Norbert Niclauss // Ver­tre­ter des Beauf­trag­ten für Kul­tur und Medi­en

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