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Bay­ern und Fran­ken erobern Berlin

// 21. Juni 2017

Thea­ter traf auf Kul­tur­po­li­tik in der Baye­ri­schen Staats­ver­tre­tung

Mit Karl Valen­tin und Dario Fo im Gepäck reis­ten Akteu­re des Ver­ban­des Baye­ri­scher Ama­teur­thea­ter und der Arbeits­ge­mein­schaft Mundart-Theater Fran­ken nach Berlin und prä­sen­tier­ten am 20. Juni vor rund 200 Gäs­ten aus Poli­tik, Kul­tur und Gesell­schaft in der Baye­ri­schen Ver­tre­tung ein heiter-tiefgründiges Thea­ter­pro­gramm. Anlass war das 125-jährige Bestehen des Bun­des Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT), das unter dem Motto „125 Jahre BDAT – 125 Tage Thea­ter“ lan­des­weit mit Thea­ter­ak­tio­nen gefei­ert wird. Im Anschluss lud die Baye­ri­sche Ver­tre­tung zu einem Emp­fang ein, der für einen inten­si­ven kul­tur­po­li­ti­schen Dia­log genutzt wurde. 

Der Bevoll­mäch­ti­ge des Frei­staa­tes Bay­ern beim Bund Dr. Rolf-Dieter Jungk begrüß­te die Gäste in der Baye­ri­schen Ver­tre­tung und stell­te her­aus, dass der Bun­des­ver­band BDAT stolz auf seine lange Tra­di­ti­on sein könne. Das Ama­teur­thea­ter sei mit sei­nem Enga­ge­ment für Kul­tur und Gesell­schaft glei­cher­ma­ßen von Bedeu­tung. Dem Ver­band Baye­ri­scher Ama­teur­thea­ter, der mit der­zeit rund 680 Mit­glieds­ver­ei­nen der größ­te Mit­glieds­ver­band im BDAT ist, attes­tier­te Jungk – eben­so wie der Arbeits­ge­mein­schaft Mundart-Theater Fran­ken mit rund 100 Büh­nen – vor allem im Bereich des Mund­art­thea­ters einen her­aus­ra­gen­den Stel­len­wert. Er appel­lier­te, die Begeis­te­rung für das Thea­ter gezielt auch an junge Men­schen wei­ter­zu­ge­ben.

BDAT-Vizepräsident Jürgen Peter dank­te der Baye­ri­schen Staats­ver­tre­tung dafür, dass sie ihre Tore als erste Lan­des­ver­tre­tung im Rah­men der 125-tägigen Jubiläums-Spielzeit für das Ama­teur­thea­ter geöff­net habe. Er beton­te, dass die Thea­ter­grup­pen unver­zicht­ba­rer Bestand­teil der kul­tu­rel­len Infra­struk­tur seien. Den beson­de­ren Stel­len­wert des Mund­art­thea­ters habe auch die Ent­schei­dung der Deut­schen UNESCO-Kommission her­aus­ge­stellt, die im Dezem­ber 2016 die „Regio­na­le Viel­falt der Mund­art­thea­ter in Deutsch­land“ in das bun­des­wei­te Ver­zeich­nis des imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes“ auf­nahm. Jürgen Peter for­der­te die Kul­tur­po­li­tik dazu auf, diese Arbeit – gera­de in Bay­ern – auch finan­zi­ell stär­ker zu wür­di­gen und durch eine För­de­rung der Ver­bands­or­ga­ni­sa­ti­on das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment wei­ter zu ermög­li­chen.

Auf die vie­len Anfor­de­run­gen bei einer ehren­amt­li­chen Ver­eins­füh­rung ver­wies der Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des Baye­ri­scher Ama­teur­thea­ter Horst Rankl. Von der viel­schich­ti­gen und kom­pli­zier­ten Gesetz­ge­bung, von Finanz- über Steu­er­recht bis zum Urhe­ber­recht oder The­men wie GEMA und Künst­ler­so­zi­al­kas­se benann­te der Vor­sit­zen­de die kom­ple­xen Arbeits­fel­der, die die Ver­eins­vor­stän­de oft­mals belas­ten und die Nach­fol­ge jun­ger Men­schen erschwe­ren. Auch wenn schon erste Schrit­te von­sei­ten der Kul­tur­po­li­tik erfolgt seien, soll­ten wei­te­re Ver­bes­se­run­gen rea­li­siert wer­den, um auch künf­tig Ver­ant­wort­li­che für ehren­amt­li­che Ver­ein­s­auf­ga­ben gewin­nen zu kön­nen, appel­lier­te Rankl an die Poli­tik.

Den inklu­die­ren­den Gedan­ken des Ama­teur­thea­ters stell­te der Vor­sit­zen­de der Arbeits­ge­mein­schaft Mundart-Theater Fran­ken Rüdi­ger Bau­mann her­aus. Es stehe grund­sätz­li­ch allen Men­schen unab­hän­gig von ihrer Her­kunft, ihrer Kul­tur oder Spra­che offen und könne eine Hei­mat bie­ten. Das gemein­sa­me Schaf­fen im Ama­teur­thea­ter könne Men­schen auch ver­wur­zeln, die Mund­art nehme dabei einen beson­de­ren Stel­len­wert ein, was der Arbeits­ge­mein­schaft beson­ders am Her­zen liege.

Im Anschluss an die Anspra­chen gestal­te­ten das Neu­bur­ger Volks­thea­ter und das Thea­ter Schau­hau­fen aus Kulm­bach mit einem wit­zi­gen und kurz­wei­li­gen Pro­gramm einen unter­halt­sa­men Thea­ter­abend. Schril­le Töne schlu­gen die Neu­bur­ger in ihrem tem­pe­ra­ment­voll prä­sen­tier­ten „Alpen­sän­ger­ter­zett“ des unver­ges­se­nen baye­ri­schen Komi­kers Karl Valen­tin an, das die baju­wa­ri­schen Volks­sän­ger­mi­lieus per­si­flier­te und in die­ser Sze­ne­rie die Miss­tö­ne zur Kunst erhob.

Italienisch-fränkische Sprach­kost, gepaart mit gro­ßer Spiel­freu­de, so demons­trier­te das Thea­ter Schau­hau­fen aus Kulm­bach sein Erfolgs­re­zept. Mit Dario Fos „Der Dieb, der nicht zu Scha­den kam“ ent­fes­sel­ten die Dar­stel­ler im Stil einer Screwball-Komödie einen lust­vol­len und tem­po­rei­chen Rei­gen um Liebe, Sehn­süch­te und Betrug.

Vater und Sohn, Firm­pa­te und Firm­ling, sind die Prot­ago­nis­ten in Karl Valen­tins Ein­ak­ter „Der Firm­ling“. In dem zwei­ten Bei­trag des Neu­bur­ger Volks­thea­ters stand das wein­se­li­ge Vater-Sohn-Erlebnis im Mit­tel­punkt, das mit poin­tier­tem Wort­witz, star­ker Mimik und Ges­tik den Klas­si­ker des berühm­ten Münch­ner Schrift­stel­lers und Schau­spie­lers gelun­gen neu in Szene setz­te.

Redner in der Bayerischen Landesvertretung (v.l.n.r.: Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken Rüdiger Baumann, Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Amateurtheater Horst Rankl, Bevollmächtiger des Freistaates Bayern beim Bund Dr. Rolf-Dieter Jungk, BDAT-Vizepräsident Jürgen Peter) Foto: Henning Schacht

Red­ner in der Baye­ri­schen Lan­des­ver­tre­tung (v.l.n.r.: Vor­sit­zen­der der Arbeits­ge­mein­schaft Mundart-Theater Fran­ken Rüdi­ger Bau­mann, Vor­sit­zen­der des Ver­ban­des Baye­ri­scher Ama­teur­thea­ter Horst Rankl, Bevoll­mäch­ti­ger des Frei­staa­tes Bay­ern beim Bund Dr. Rolf-Dieter Jungk, BDAT-Vizepräsident Jürgen Peter)
Foto: Hen­ning Schacht

Theater Schauhaufen mit Dario Fos „Der Dieb, der nicht zu Schaden kam“ Foto: Henning Schacht

Thea­ter Schau­hau­fen mit Dario Fos „Der Dieb, der nicht zu Scha­den kam“
Foto: Hen­ning Schacht

Neuburger Volkstheater mit Karl Valentins Einakter „Der Firmling“ Foto: Henning Schacht

Neu­bur­ger Volks­thea­ter mit Karl Valen­tins Ein­ak­ter „Der Firm­ling“
Foto: Hen­ning Schacht