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AddA-Treffen 2017 in Leip­zig: Stand­ort­be­stim­mung und Zukunfts­pla­nung

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// 08. Novem­ber 2017

Auf Ein­la­dung des Bun­des Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) tra­fen sich 21 Dele­gier­te der Arbeits­ge­mein­schaft der deutsch­spra­chi­gen Ama­teur­thea­ter­ver­bän­de (AddA) vom 3. bis 5. Novem­ber 2017 zur Jah­res­ta­gung und zum Kul­tur­aus­tau­sch in Leip­zig. Ama­teur­thea­ter im inter­na­tio­na­len Kon­text, wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, Pro­jek­te zwi­schen Theo­rie und Pra­xis sowie Dis­kus­sio­nen um eine aktu­el­le Stand­ort­be­stim­mung der 1972 gegrün­de­ten Freund­schafts­ver­trags­part­ner­schaft bil­de­ten Schwer­punk­te der Tagung.

Betei­ligt waren die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Mit­glieds­ver­bän­de: Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Spiel & Thea­ter (BAG), Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT), Öster­rei­chi­scher Bun­des­ver­band für außer­be­ruf­li­ches Thea­ter (ÖBV), Süd­ti­ro­ler Thea­ter­ver­band und Zen­tral­ver­band Schwei­zer Volks­thea­ter (ZSV). Zum Ein­stieg stell­ten Dr. Micha Braun, And­rea Hen­sel (beide CCT, Uni­ver­si­tät Leip­zig), Ste­phan Schnell (BDAT Berlin), Clau­di­us Bai­sch und Sophia-Charlotte Rei­ser (Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft, Uni­ver­si­tät Leip­zig) die Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Cen­tre of Com­pe­ten­ce for Thea­t­re (CCT) und dem BDAT vor und erläu­ter­ten ihr drei­jäh­ri­ges For­schungs­pro­jekt. „Frem­de spie­len. Ama­teur­thea­ter als Medi­um infor­mel­ler und non-formaler trans­kul­tu­rel­ler Bil­dung“ lau­tet der Titel, unter dem sich Wis­sen­schaft­ler und Thea­ter­prak­ti­ker mit der Frage befas­sen, wie Ama­teur­thea­ter in Zei­ten von Glo­ba­li­sie­rung, kon­stan­ter Migra­ti­on und Aktio­nen gegen Frem­de zur trans­kul­tu­rel­len Bil­dung der Gesell­schaft bei­tra­gen kann.
Der Lei­ter des Pro­jekts und des Thea­ter­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts Prof. Gün­ther Heeg begrüß­te am Sams­tag die AddA-Vertreter am Uni-Standort und mach­te hier auf zwei neue Publi­ka­tio­nen auf­merk­sam, die auf gro­ßes Inter­es­se stie­ßen: „Will­kom­men Anders­wo – sich spie­lend begeg­nen. Thea­ter­ar­bei­ten mit Ein­hei­mi­schen und Geflüch­te­ten“ (Gün­ther Heeg und Lutz Hill­mann, Hrsg.) sowie „Das trans­kul­tu­rel­le Thea­ter“ (Gün­ther Heeg, Hrsg).

Dis­ku­tiert wurde in die­sem Jahr auch eine aktu­el­le Stand­ort­be­stim­mung und künf­ti­ge Aus­rich­tung der AddA. Einig waren sich die Vor­sit­zen­den der Ver­bän­de, dass das erfolg­rei­che Interkurs-Konzept als zen­tra­les gemein­sa­mes Pro­jekt fort­ge­setzt wird. Das „train the trai­ner“ –Fort­bil­dungs­pro­gramm, bei dem sich aus­ge­wähl­te Refe­ren­tin­nen und Refe­ren­ten gegen­sei­tig schu­len und neue Thea­ter­tech­ni­ken erpro­ben, ist der­zeit in der sechs­ten Runde. Der Erfolg die­ses Kon­zepts setzt sich inner­halb der Mit­glieds­ver­bän­de fort. So hat der ÖBV eine Fort­bil­dung ins Leben geru­fen, bei der Absol­ven­ten des Inter­kur­ses auf der Basis des „train-the-trainer-Konzeptes“ ihr Wis­sen wei­ter­ge­ben. Das Ange­bot steht Inter­es­sier­ten aus der gesam­ten AddA-Gemeinschaft offen. Nächs­te Fort­bil­dung: „Aus der Pra­xis für die Pra­xis!“, 9. bis 11. März 2018, Schloss Puch­berg bei Wels, Ober­ös­ter­reich. Infos: www.oebvtheater.at

Eta­bliert hat sich auch das gemein­sam kon­zi­pier­te Jugend­thea­ter­tref­fen „Baby­lon IV“. In 2019 fin­det das nächs­te Tref­fen statt, an dem sich neben den vier AddA-Ländern erst­mals auch Bel­gi­en betei­li­gen wird. Vom dies­jäh­ri­gen AITA/IATA Kon­gress des Welt­ver­ban­des AITA/IATA in Mona­co und einer kom­ple­xen und schwie­ri­gen Struk­tur­de­bat­te berich­te­ten Ute Hand­werg (BAG Spiel und Thea­ter) und Ste­phan Schnell (BDAT). Ziel­set­zun­gen und stra­te­gi­sche Kon­zep­te der AITA/IATA blie­ben dort unklar, sodass der wei­te­re Dia­log mit dem Welt­ver­band not­wen­dig ist. Ein Erfolg ist es, dass die Gene­ral­ver­samm­lung auf Vor­schlag der BAG und des BDAT Chris­tel Gba­gui­di (Berlin/Benin) und Harald Som­mer (Lin­gen) in den Vor­stand der AITA/IATA wähl­te. Hier­von erhofft sich die AddA neue Impul­se für und aus dem Welt­ver­band.
Ein klei­nes Theater-Praliné erwar­te­te die Dele­ga­ti­on in den Cammerspielen Leip­zig. Don Q – Frag­men­te einer Rit­ter­ge­schich­te, nomi­niert für den Leip­zi­ger Bewe­gungs­kunst­preis 2016, wurde hier als musi­ka­li­sche Reise von Don Qui­xo­te und San­cho Panza poe­ti­sch und humor­voll mit Mas­ken und Figu­ren inter­pre­tiert. Auch das Thema „Mund­art“ fand im Rah­men­pro­gramm Anklang: Unter dem Motto „Midd dor Bädzold’n dor­sch de Siddy“ ging die AddA auf eine kabarettistisch-sächsische Ent­de­ckungs­rei­se durch die Leip­zi­ger City mit sei­nen vie­len restau­rier­ten Höfen und Pas­sa­gen. Die nächs­te AddA-Sitzung fin­det vom 23.-25. Novem­ber 2018 in der Schweiz statt.

Katrin Kellermann