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Abschluss des zwei­ten Fes­ti­vals „Thea­ter­wel­ten“

Theaterwelten_Festival

// 26. Juni 2017

„Die ‚Thea­ter­wel­ten‘ waren ein Fest der Emo­tio­nen und der Inspi­ra­tio­nen und ein Höhe­punkt im inter­na­tio­na­len Ama­teur­thea­ter. Wir alle gehen heute berauscht, beflü­gelt und auch trau­rig aus­ein­an­der, wis­send, dass wir uns erst in zwei Jah­ren in Rudol­stadt wie­der­se­hen“, so fass­te Simon Isser, der Prä­si­dent des Bun­des Deut­scher Ama­teur­thea­ter, die zwei­te Aus­ga­be des Fes­ti­vals Thea­ter­wel­ten zusam­men. Mit die­ser Aus­ga­be „Thea­ter­wel­ten“ hat der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) gemein­sam mit dem Thü­rin­ger Thea­ter­ver­band und dem Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft Leip­zig die Frage nach den Gren­zen in einer trans­kul­tu­rel­len Gesell­schaft gestellt: Rudol­stadt bot vom 22. bis 25. Juni den Raum für einen trans­kon­ti­nen­ta­len Thea­ter­aus­tau­sch aus der loka­len und glo­ba­len Per­spek­ti­ve der thea­tra­len Pra­xis und For­schung sowie zivil­ge­sell­schaft­li­cher Posi­tio­nie­rung.

 Thea­ter­ma­cher aus Neu­see­land, Bel­gi­en, Chile, Nepal stell­ten in Auf­füh­run­gen und prak­ti­schen Work­shops ihre Arbeits­wei­sen und -hin­ter­grün­de vor. Die­ser Gren­zen über­schrei­ten­de Ansatz wurde in der Fach­ta­gung des Cen­tre for Com­pe­ten­ce of thea­t­re (Insti­tut für Thea­ter­wis­sen­schaft Leip­zig) unter dem Titel „Frem­de spie­len. (Ama­teur) Thea­ter trans­kul­tu­rell“ dis­ku­tiert.
„Das trans­kul­tu­rel­le Thea­ter ist an der Zeit!“, eröff­ne­te Prof. Gün­ther Heeg sei­nen Vor­trag zu sei­ner aktu­el­len For­schung zum Trans­kul­tu­rel­len Thea­ter. Auf­füh­run­gen und Work­shops beleg­ten die Aktua­li­tät die­ser These und stell­ten auf sehr kon­kre­te Weise die kul­tu­rel­le Gren­ze zwi­schen Eigen und Fremd in Frage.
Die­ses künst­le­ri­sche „Ins Spiel brin­gen“ und lust­voll „Aufs Spiel set­zen“ gewohn­ter, manch­mal ste­reo­ty­per Per­spek­ti­ven auf Kul­tur wurde indes zu Tei­len durch die gegen­wär­ti­ge Poli­tik beschnit­ten.
Die Auf­füh­rung „1980 and upwards“ vom „Stu­dio El Brova“ aus Kairo in Ägyp­ten mus­s­te kurz­fris­tig abge­sagt wer­den, da die deut­sche Bot­schaft in Kairo der Thea­ter­grup­pe das Ein­rei­se­vi­sum ver­wei­ger­te. Die Fes­ti­val­gäs­te und Ensem­bles bekun­de­ten ihren Pro­test und ihre Soli­da­ri­tät mit einer spon­ta­nen per­for­ma­ti­ven Video­bot­schaft.
„‚Thea­ter­wel­ten 2017‘ war ein klei­nes Pflas­ter, das die Risse die­ser Welt nicht zude­cken kann, aber für einen kur­zen Moment den Raum öff­net, die Gren­zen des ver­meint­li­ch Eige­nen und Frem­den zu über­schrei­ten“, so der künst­le­ri­sche Lei­ter und Bil­dungs­re­fe­rent des BDAT Ste­phan Schnell.
Der loka­le Fes­ti­val­bei­trag war die thea­tra­le Inter­ven­ti­on des Rudol­städ­ter „Nachbarwelten“-Projektes. Eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Rudol­städ­ter Gemein­schafts­un­ter­kunft und Jugend­li­chen aus der Regi­on.
Mit der Tanztheater-Performance „a warm place“ stell­te die bel­gi­sche For­ma­ti­on „Collec­tief Ver­lo­ren“ den schmerz­li­chen Pro­zess der Ent­gren­zung und Auf­lö­sung von Iden­ti­täts­kon­zep­ten des Selbst ins Zen­trum.
Eine extrem phy­si­sche Inter­pre­ta­ti­on des psy­cho­lo­gi­schen Dra­mas „skin tight“ von Gary Hen­der­son über die Bezie­hung zwi­schen einem Maori und einer Pake­ha (Nicht-Maori-Frau) war der Bei­trag des neu­see­län­di­schen „Quar­tett thea­t­re com­pany“.
„Mali­ni“, das poe­ti­sche Drama des nepa­le­si­schen Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers Tago­re, dien­te dem „thea­t­re vil­la­ge“ dazu, den mythi­schen Kampf um die Gren­zen von Reli­gi­on und Kon­ven­ti­on auf die aktu­el­le poli­ti­sche Situa­ti­on in Süd­ost­asi­en zu über­tra­gen.
Wie poli­ti­sch zir­zen­si­sche Thea­ter­mit­tel ein­ge­setzt wer­den kön­nen, zeig­te das „Collec­tivo Racum“ aus Chile in den Gär­ten der „Thü­rin­ger Bau­ern­häu­ser“, Deutsch­lands ältes­tem Frei­licht­mu­se­um, mit „fire ton­gues“.
„Das war ein hoch­e­mo­tio­na­les Fes­ti­val, ein trans­kul­tu­rel­les Netz­werkt­ref­fen mit außer­ge­wöhn­li­chen Gast­spie­len, inter­na­tio­na­len Work­shops hoch­ka­rä­ti­ger Thea­ter­ex­per­ten und einer beglei­ten­den Fach­kon­fe­renz des Insti­tu­tes für Thea­ter­wis­sen­schaft Leip­zig. Die`Theaterwelten´ sind eine beson­de­re Berei­che­rung für das Kultur- und Thea­ter­land Thü­rin­gen und die inter­na­tio­na­le Ama­teur­thea­ter­sze­ne, resü­miert Frank Grünert, Vor­sit­zen­der des Thü­rin­ger Thea­ter­ver­ban­des und seit 25 Jah­ren Lei­ter natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Thea­ter­fes­ti­vals in Rudol­stadt.
Die drit­te Aus­ga­be des Fes­ti­vals „Thea­ter­wel­ten“ fin­det im Juni 2019 statt.

Theaterwelten wurde veranstaltet vom Bund Deutscher Amateurtheater und dem Thüringer Theaterverband in Kooperation mit dem Centre of Competence for Theatre des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig, dem Theater Rudolstadt und dem theater-spiel-laden. Gefördert durch: Auswärtiges Amt, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, BMFSFJ, Land Thüringen, Stadt Rudolstadt.

Umfang­rei­che Impres­sio­nen fin­den Sie auf dem Fes­ti­val­blog unter www.theaterwelten.info

Kon­takt: BDAT Berlin, Kat­rin Kel­ler­mann, kellermann@bdat.info, Fon 030 2639859-16. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Fes­ti­val ste­hen auf der Home­page unter www.bdat.info oder www.theaterwelten.info

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